Marcel Andreas Ober, Ars Cantandi, St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Marcel Andreas Ober, Ars Cantandi, St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Dienstag 6. Januar 2015, 13:05

Hallo Forum,

zugegeben, ich war schon etwas skeptisch, als ich das Programm sah: 18 Titel in ca. einer Stunde,
lauter kleine Häppchen also. Gewiß, auch von einer Menge Canapées kann man satt werden.
Marcel Andreas Ober hatte klug geplant und Zusammenhänge geschaffen. So erwies sich das
Ganze als durchdacht und gut verdaulich.

Neben ihm als Organisten trat Ars Cantandi auf, eine kleine aber sehr feine Chorgemeinschaft, die
als meist a capella Konzertchor in und um Düsseldorf, aber auch beim WDR auftritt und weiters
auch liturgische Aufgaben in St. Lambertus übernimmt. Gegründet wurde das Ensemble von Stefan
Schmidt (jetzt Domorganist in Würzburg); seit 2005 leitet Marcel Andreas Ober den Chor.

Das Programm begann mit Friedrich Lux (18201895). Dessen Fantaisie de concert über “O
sanctissima” Op. 29 begann mit fast erschreckend vollem Werk, eher sanft streichend das Thema
eingeführt wurde. Im folgenden erwies sich das Stück als eine Kette von Variationen mit höchst
raffinierten Klangfarbenwechseln. Wer bei einer größeren Orgel eine Orgelweihe zur
Weihnachtszeit zu spielen hat, ist hier bestens bedient. Das Stück bietet ausgiebig Gelegenheit, eine
große Orgel vorzustellen. Und da die Rieger-Orgeln in St. Lambertus ja so einiges zu bieten haben,
konnte Ober hier sehr wirkungsvoll agieren. Eine Entdeckung.

In einem Arrangement von Gustav Holst sang nun der Chor mit Orgelbegleitung “Personent hodie
(On this day)” aus Piae Cantiones von 1582.

Es folgte “Here is a little door” a capella (Herbert Howells, 1892-1983). Damit waren wir bei den
tres magi ex oriente: Folgerichtig gab es nun Les Mages, Nr. VIII aus Nativité von Messiaen. Die
Melodielinie kam aus der Turmorgel, die begleitende Gambe aus dem geschlossenen SW der
Chororgel - sehr apart.

Nun ein Schritt zurück: Von Brahms gab es das Choralvorspiel “Es ist ein Ros entsprungen” aus op.
122, der Chor sang diesen Choral im Satz von Michael Praetorius (1609), danach von John Joubert
(1927-1991) “There is no rose of such virtue” a capella.

Die erste Strophe von “Allein Gott in der Höh’ sei ...” wurde begleitet vom Chor gesungen, als
zweite Strophe folge BWV 662 - jenes ganz herrliche Adagio - und dann die dritte Strophe wieder
vom Chor.

Danach spielte Ober von Claude Ballbastre (1727-1799) das Noel “ Joseph est bien mariè”, eine
Variationenkette von höchst kunstfertiger Art. Darauf folgten Quatre motets pour le temps de Noel
(a capella) von Francis Poulenc (1899-1963) mit den Titeln: O magnum mysterium, Quem vidistis
pastores dicite, Videntes stellam und Hodie Christus natus est. Hier konnte der Chor seine
besonderen Qualitäten hervorkehren, schien mir der Satz doch recht anspruchsvoll.

Mit “Puer natus est” waren wir dann wieder bei Messiaen Nr. V aus dem Livre du Saint Sacrement
(1986). Auch hier gab es schöne Wechselwirkungen zwischen Turm- und Chororgel. Ganz herrlich
der Schluß, wo Messiaen offenbar noch einmal in die spätromantische Trickkiste greift.

In einem Satz von Jehan Alain sang der Chor dann begleitet ein traditionelles franz. Weihnachtslied
- und dies mündete dann nahtlos in die Variations sur un Noel op. 20 von Dupré, die ebendieses
Lied zum Thema haben. Hier lief Ober noch mal zu großer Form auf und hier wurde dann nach
dem heftigen fff des Beginns beim Fux auch wieder die ganze Orgel gefordert.

80 Minuten. Sofort setzte warmherziger, starker Beifall der über 100 Hörer ein. Eine Zugabe bot
vermutlich ein weiteres, englisch gesungenes, weihnachtliches Lied, teils begleitet, teils a capella.

Gruß Clemens Schäfer

PS

Erster Montag im Monat, 19:30h, St. Lambertus: Internationale Orgelkonzerte
02.02.2015 Gerben Mourik (Gouda/NL)
02.03.2015 Otto Maria Krämer (Straelen), Impro zu Stummfilm “Der Galliläer” (1921)
06.04.2015 Elmar Lehnen (Kevelaer)
04.05.2015 Kalevi Kiveniemi (Lahti/FI)
01.06.2015 Simon Menges (Arbon/CH)
06.07.2015 Willibald Guggenmoos (St. Gallen/CH)
03.08.2015 NN
07.09.2015 Stephen Tharp (New York/USA)
05.10.2015 Giampaolo di Rosa (Rom/IT)
02.11.2015 NN
07.12.2015 Eun-Hye Lee (Weinfelden/CH)

Die Winterlichen Orgelkonzerte im Januar und Februar finden ebenfalls montags um 19:30h statt
Deren Spielorte und Programme findet man hier http://www.duesseldorfer-kirchenmusik.de/.

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