Orgel-Triduum, 07.12 2014, Eule-Orgel Konstantin-Bas. Trier

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Solcena
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Orgel-Triduum, 07.12 2014, Eule-Orgel Konstantin-Bas. Trier

Beitrag von Solcena » Montag 8. Dezember 2014, 06:23

Dem Wunsch des Admin nach einem Konzertbericht möchte ich gerne nachkommen, obwohl ich noch nie etwas zu einem Konzert geschrieben habe.

Zuerst mal muss ich aus diesem Schwärm-Modus rauskommen. Dass hier alles etwas euphorisch klingen wird, liegt an den meiner Meinung nach in Trier und der weiteren Region bisher ungehörten Klängen. Ein fantastisches Instrument!

Viel wurde im gelben Forum schon über das Äußere der Orgel geschrieben, und auch der hier aktive Herr Eberlein hat seine Meinung, bzw. die der Walcker-Stiftung (?), diesbezüglich ziemlich eindeutig positioniert. Um es kurz zu machen: Ich kann mich mit den Gehäusen anfreunden. Vielleicht kein ganz großer Wurf, aber sie passen zum schlichten Raum und waren hinsichtlich der vielen Entscheidungsträger (UNSECO / Kirchengemeinde / Landesregierung / Denkmalpflege / Architekten / Tragwerksplaner / Orgelbauer) konsensfähig. 480 Kubikmeter Orgel unterzubringen benötigt halt schon ein entsprechendes Volumen.

Für den heutigen Abend hatte man drei Gäste eingeladen, renommierte Konzertorganisten aus drei Nationen, die entsprechende Literatur im Gepäck hatten, um die jeweiligen Facetten der umfangreichen Disposition entsprechend präsentieren zu können.

Der mobile Spieltisch war quasi vor der Orgel so positioniert, dass man den jeweiligen Akteur gut beobachten konnte, wenn man sich auf dem Kirchengestühl etwas umdrehte. Ab dem zweiten Drittel setzte ich mich ganz nach hinten in die letzten Reihen, wo man die Organisten gut in Aktion beobachten konnte. Die Basilika war ganz gut gefüllt.

Bernhard Haas begann mit dem Meistersinger-Vorspiel in einer Lemare-Bearbeitung. Das war freundliche Musik und gleich eine gute Gelegenheit, orchestrale Klangfarben der Orgel vorzustellen; verschiedene Plenum-Kombinationen, auch kornettige, Flöte und Oboe im Wechselspiel. Streicherchöre – da hat die Orgel fantastische Ressourcen – und ein fugierter Abschnitt etwas heller registriert. Gleich ein guter Einstieg.

Danach kam von Schönberg nur ein Satz aus der fragmentarischen Sonate, mir unbekannte Musik. Modernere, teilweise recht spröde Klänge, Gelegenheit, verschiedene Aliquoten, Spaltklänge und Labialmischungen inkl. quintadigen Klängen vorzustellen. Ein plötzliches Ende – halt ein Fragment…?

Bachs berühmtes „Schmücke dich“ kam mit satten Streicher-Begleitstimmen daher, bis runter zum Violon, Pedal ziemlich deutlich abgesetzt. Solistisch eine Nasard-Mischung. Das Tempo war mir persönlich ein bisschen flott.

In der folgenden Reger-Fantasie „Halleluja, Gott zu loben“ nahm sich Haas mehr Zeit zum Musizieren. Ein auswendiger Vortrag, das passte hundertprozentig zusammen, Instrument, Musik und Interpret – eindeutig der erste Höhepunkt des Konzertes! Eine überaus sonore 16‘-Posaune mit dem cf, tolle Streicherklänge bis runter zum ppp. Trotz der vollgültigen und schönen Interpretationen, die die zahlreichen Naxos-CDs der Trierer Domorgel beinhalten – hier kam der Reger, ob der zahlreichen Grundstimmen, anders, eigentlich noch besser.

Nach dem rund 45-minütigen Vortrag folgte eine 25-minütige Pause, im hinteren Bereich der Kirche wurden Getränke verkauft und dazu Gebäck angeboten.

Danach war Daniel Roth zu hören. Beim Boëly recht klassische Plenumklänge. Er brauchte m.E. etwas Zeit, um sich wirklich freizuspielen… Das bekannte Quatuor war dann sehr schön ausmusiziert. Sehr runde Zungen, feine Labiale, ein sonorer Streicher im Pedal.

Es folgte der zweite Höhepunkt des Konzertes: Ein Satz der d-Moll-Symphonie von Franck in einer eigenen Bearbeitung von Roth. Echte Orchestermusik, orchestriert in überzeugenden französischen Farben, wunderbar.

Nach Widor folgte ein Te Deum von Roth in modernerer Tonsprache (1981). Ein imposantes Werk, vielgestaltig, immer wieder verschiedene Choralzitate, bis hin zum mächtigen Schluss.

Danach spielte Roth eine freie Improvisation über „Es kommt ein Schiff geladen“. Hier war der Meister wirklich ganz in seinem Element, der großangelegten liturgischen Improvisation. Man sah förmlich die Pariser Weihrauchschwaden durch die Basilika wabern. Voix humaine, Tremblant – ein Traum; dazu eine der drei Schwebungen… aaah!

Begeisterter Applaus.

Den Abschluss machte Thomas Trotter, der vorab einige Anmerkungen (in gut verständlichem Englisch) zu seinem Programm gab. Leider hatten sich zu diesem Zeitpunkt die Reihen der Konzertbesucher schon merklich gelichtet. Er wünschte den Zuhörern, etwas von der Freude nachempfinden zu können, die er bei der Vorbereitung des Konzertes an der Orgel gehabt habe.

Dann begann er mit Harris, eine gediegene, recht aufwendige, typisch englische Komposition. Hier merkte man gleich, dass die Orgel gut Englisch spricht. Eine Freude, dem bis in die Zehenspitzen akkuraten Spiel des Engländers zuschauen zu dürfen! Die Kompositionen des Amerikaners Bolcom waren deutlich moderner, zumindest die erste nicht so eingängig, aber sehr interessant allemal. Die zweite groovte richtig!

Mit der Elgar-Sonate tue ich mich persönlich etwas schwer, kann ich ja zugeben; ich werde nicht so richtig warm mit dieser Musik. Was man aber sagen muss: Sie klang bei diesem Interpreten und auf diesem Instrument großartig. Im langsamen dritten Satz kam auch das runde „French Horn“ zum Einsatz. Flöten, Streicher, Solo- und Plenumzungen – alles so da, wie das die Literatur fordert.

Zum Abschluss des Konzertes folgte eines meiner Orgel-Lieblingsstücke, Bests Bearbeitung der Paulus-Ouvertüre. Den fugierten Teil ging Trotter vergleichsweise langsam an, wohl noch, um ein bisschen an Tempo zulegen zu können. Zum Schluss gab’s natürlich das Tutti der Orgel inkl. Tuba.

Nach Bravo-Rufen folgte noch eine Zugabe Trotters: Eine (improvisierte?) beschwingte Miniatur-Serenade im Ragtime-Stil, bei der die Flöten, auch die unter Hochdruck, und die bis dahin nicht ertönende Celesta zum Einsatz kamen – allerliebst, perfekt zum Ausklang des tollen Abends (17.00 bis 20.30 Uhr)!

Fazit: Dieses „Triduum“ zeigte mir überdeutlich: Diese Orgel hält klanglich, was die reichhaltige Disposition verspricht! Sie ist definitiv nicht zu leise, jedenfalls für mich nicht. Sie macht halt nicht manch lautstärkemassige Exzesse von Instrumenten der letzten Jahre mit, ist aber wiklich satt und kräftig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Höreindruck heute dem Sitzplatz weit hinten im Schiff (ab dem zweiten Drittel) geschuldet war, denn a) bei Haas klang die Orgel für mich auch schon satt laut genug und b) der Schall verteilt sich relativ gleichmäßig. Die Konstantin-Basilika hat, wie Eberlein in seinem Artikel sehr zutreffend beschreibt, eine sehr transparente Akustik, die schon der Schukeorgel zu einer guten Hörbarkeit im Raum verholfen hat. Erst nach dem Direktschall kommt der Nachhall deutlich hörbar zum Tragen. Wirklich der perfekte Orgelkonzertsaal!

Dass bei einem romantischen Konzept nichts wirklich „sticht“, auch nicht die Tuba, ist nicht wirklich verwunderlich. Ich wundere mich aber etwas, dass ich in dem Vorab-Konzert einen sehr „gepflegten“, eher zurückhaltenden Eindruck von der Orgel hatte. Ob die Lautstärke der Orgel wirklich so stark von der Besucherzahl des Raumes (beim Vorab-Konzert war der Raum wirklich voll) abhängt – das hätte ich beim großen Raumvolumen der Basilika nicht erwartet – oder ob Herr Bambauer dort deutlich zurückhaltender registriert hat – kann ich mir eigentlich auch nicht vorstellen?

Jedenfalls lohnt diese Orgel m.E. einen Besuch. Das (bei dem Konzert anwesende) Team der Firma Eule hat ganze Arbeit geleistet und einen Beweis für die Leistungsfähigkeit der Firma geliefert - Glückwunsch! Wie Gerhard Kluth zutreffend schreibt, ein besonders leuchtender Stein, um den das Mosaik der Trierer Orgeln bereichert wurde. Ich würde fast sagen: Nicht nur die europäischste, sondern auch die katholischste Orgel Triers 8)

LG
Solcena

P.S. Es war übrigens in der Nähe des Orgelspieltischs ein hohes Mikrofonstativ und ein in der Orgelszene recht bekannter Labelchef zu erkennen… vielleicht kommt da demnächst noch was.
Zuletzt geändert von Solcena am Dienstag 9. Dezember 2014, 18:26, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Orgel-Triduum, 07.12 2014, Eule-Orgel Konstantin-Bas. Tr

Beitrag von Administrator » Montag 8. Dezember 2014, 09:56

Herzlichen Dank für diesen Konzertbericht. Ach, wenn doch Trier nur nicht so weit weg wäre ...
Man kann dem Orgelbauer und der Gemeinde zu dieser Orgel nur gratulieren. Design hin oder her - wenn der Inhalt stimmt, kann man mal über die Verpackung hinwegschauen. Und so etwas ist eh immer Geschmackssache. Am besten: Hinfahren, angucken und sich eine eigene Meinung bilden. Das geht auf Fotos oft nur unzureichend.

Nochmal danke für Deine Mühe!
Herzliche Grüße

Daniel
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Re: Orgel-Triduum, 07.12 2014, Eule-Orgel Konstantin-Bas. Tr

Beitrag von Solcena » Montag 8. Dezember 2014, 11:36

Administrator hat geschrieben:Herzlichen Dank für diesen Konzertbericht. Ach, wenn doch Trier nur nicht so weit weg wäre ...
Man kann dem Orgelbauer und der Gemeinde zu dieser Orgel nur gratulieren. Design hin oder her - wenn der Inhalt stimmt, kann man mal über die Verpackung hinwegschauen. Und so etwas ist eh immer Geschmackssache. Am besten: Hinfahren, angucken und sich eine eigene Meinung bilden. Das geht auf Fotos oft nur unzureichend.

Nochmal danke für Deine Mühe!
Gerne.
Hinhören nicht vergessen, wenn man schon mal da ist - in den nächsten Wochen gibt es ja ausser den sonntäglichen Gottesdiensten noch zahlreiche Gelegenheiten, und das wird sich hoffentlich so schnell nicht ändern.
Man kann auch dem Land RLP gratulieren, dass sich diese Orgel quasi selbst zum Geschenk gemacht hat. In diesem Sinne: Prost - auf den Länderfinanzausgleich! :lol:

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Re: Orgel-Triduum, 07.12 2014, Eule-Orgel Konstantin-Bas. Tr

Beitrag von Solcena » Montag 8. Dezember 2014, 19:16

Eine weitere Kritik zu diesem Konzert.

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