Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Informationen und Diskussionen zu allen Bereichen rund um die Orgel herum,
z.B. Vorstellung der eigenen Kirchengemeinde, Konzert- und Gottesdienstgestaltung, Konzertberichte, Sparmaßnahmen in der Gemeinde, Organisation, usw.
Benutzeravatar
hintersatz
Beiträge: 131
Registriert: Samstag 25. Oktober 2008, 15:28
Wohnort: Köln
Kontaktdaten:

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von hintersatz » Donnerstag 4. September 2014, 10:30

Ronald Henrici hat geschrieben:... aus Spargründen nur noch als 50% oder 75% ausgeschrieben werden (aber mit den Tätigkeitsaufgaben, die für einen 100 % igen Kirchenmusiker ausführbar wären).
Diese Tendenz sehe ich auch grade bei nebenamtlichen Stellen, die eine so hohe Dienstverpflichtung mit sich bringen, dass sie mit einer beruflichen Tätigkeit, von der man leben könnte, nicht vereinbar sind, selbst aber auch zu wenig abwerfen, um davon über die Runden zu kommen. Solche Stellen sind dann auch meist recht lange ausgeschrieben, bis sich ein williges Opfer gefunden hat.

Holger

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von Holger » Donnerstag 4. September 2014, 11:12

... daher, es prüfe jeder bevor er sich bindet, ob sich nicht noch was besseres findet.

Hinsichtlich der Nachwuchsfindung sicher auch ein Faktor, der es in Zukunft schwerer machen dürfte, jemanden, der bereit ist sich auch "in der Gemeinde" zu engagieren. Dies ist nämlich das Hintertürchen, das gerne in diesem Zusammenhang gebracht wird und unbezahlte Leistungen erpresst werden.

Ronald Henrici
Beiträge: 642
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von Ronald Henrici » Mittwoch 10. September 2014, 12:09

Zu diesen "Hintertürchen" muß man sehr oft freundlich aber bestimmt "nein" sagen (meine langjährige Erfahrung). Diese Hintertürchen gehen sogar so weit, daß die Gemeinde selbstverständlich voraussetzt: wenn man zum Gottesdienst fährt, kann man auch Gemeindeglieder aus dem Wohnumfeld im Auto zum Gottesdienst kostenlos befördernd mitmimmt. Die Frage steht dabei offen im Raum: Wer bezahlt den Schden, wenn der Mitfahrende einen Unfall erleidet ? Gewiß nicht die Gemeinde ! Gemeinden haben so viele Nebenwünsche an den Organisten, die versicherungstechnisch in keiner Weise abgesichert sind.Womit wir wieder einmal bei der Schlechtbehandlung der "Ehrenamtlichen" wären.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

stummorgel
Beiträge: 50
Registriert: Donnerstag 24. Mai 2012, 07:16

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von stummorgel » Dienstag 7. Oktober 2014, 09:19

Hallo!

Letzte Woche gab es eine Krisensitzung bzgl. meiner Stelle mit div. Mitgliedern der Gremien und dem Pfarrer.
Der Tenor dieser Sitzung war interessant und scheint symptomatisch zu sein für viele Kirchengemeinden:
- Kirchenmusiker ist identisch mit Organist und/oder Chorleiter und jedem anderen Tastenklimperer
- Qualifikation ist zunächst mal unerheblich, Hauptsache der Dienst wird erfüllt, wenn gut, umso besser
- der Kirchenmusiker ist Angestellter, nicht Mitarbeiter
- wer für seine Tätigkeit Geld bekommt, soll nicht auch noch Ansprüche stellen
- wer es ehrenamtlich macht, sollte gefördert werden

Nach langem Hin und Her habe ich regelrecht "erpressen" können, daß die Liedpläne in Zukunft von dem Kirchenmusiker erstellt werden,
da er den besseren Überblick hat und auch für seine Vorsänger planen muß. Der Pfarrer hat (natürlich) Korrekturrecht.
Auch soll der KiMu in Zukunft informiert werden über andere kirchenmusikalische Tätigkeiten (wie gnädig!).

Zustand der Kirchenmusik in katholischen Gemeinden 2014.
Quo vadis ecclesia??

Ronald Henrici
Beiträge: 642
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von Ronald Henrici » Mittwoch 8. Oktober 2014, 22:24

Diese Zustände treffen auch auf viele evangelischen Kirchengemeinden zu !
Meine Erfahrungen in den letzten zwei Jahren bei einem Wochengottesdienst in einem Altenheim mittwochs abends, zu dem ich als Gottesdienstbesucher öfter gehe, weil ich da manche gute Predigt mitbekomme. Das Orgelspiel einer "Organistin" recht stümperhaft, die Liedbegleitung so unregelmäßig im Takt, daß man kaum mitsingen kann, die Vor. und Nachspiele so nachlässig, daß damit jeder D- Aspirant bei der Prüfung zwangsläufig durchfällt...
Dabei habe ich nebenbei erfahren daß die "Organistin" schon das Dreißigjährige Orgelspiel in einer Gemeinde gefeiert hat.
Und dann kommt regelmäßig am Schluß des Gottesdienstes der Satz aus dem Munde der Predigerin: "Vielen Dank , Frau ..., für ihr schönes (herrliches) Orgelspiel".
Mich hats umgehauen...
Weiterer Kommentar meinerseits dazu erübrigt sich.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

Benutzeravatar
Administrator
Site Admin
Beiträge: 830
Registriert: Donnerstag 7. September 2006, 16:31
Wohnort: Celle
Kontaktdaten:

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von Administrator » Donnerstag 9. Oktober 2014, 07:36

Hallo Ronald,

kennst Du die Organistin näher? Ich vermute nicht.

Vielleicht ist es ja so, dass das Orgelspiel zwar nicht perfekt ist (vielleicht sogar stümperhaft), diese Organistin aber immer da ist, wenn kein anderer spielen mag. Vielleicht ist es Seelsorge, die dort betrieben wird, indem man sie spielen läßt. Vielleicht ...

Nicht immer sollte Qualität die einzige Meßlatte sein. Manchmal gibt es auch noch Hintergründe, die der Außenstehende nicht sieht und die dann solche Aussagen, wie den der Pastorin, hervorrufen. Und vielleicht hörst Du mit dem geschulten Ohr auch anders als die Leute, die sonst keine so intensive Begegnung mit Musik hatten.

Urteile nicht zu früh, denn das ist m.E. das Problem, mit welchem wir in den meisten Gemeinden zu kämpfen haben. Vorurteile.

stummorgel
Beiträge: 50
Registriert: Donnerstag 24. Mai 2012, 07:16

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von stummorgel » Donnerstag 9. Oktober 2014, 09:28

Man hat uns Kirchenmusikern oft den Vorwurf gemacht, Schuld am schlechten Image der Kirchenmusik zu sein.
Das stimmt nur begrenzt.
Ich muß leider sagen, daß die Kirchen nicht unerheblich daran mitgewirkt haben.
Oft hat man den Einduck, daß Musik zwar gewünscht ist, aber immer nur als "Zutat", nicht als wesentliches Mittel.
Und wenn, dann entscheidet der Geistliche, was wesentlich ist und was nicht.
Der Musiker ist überhaupt nicht frei in seiner Kreativität, und wenn, dann nur solange es nicht kritisch wird.
Warum haben Kleriker solch ein Mißtrauen gegenüber ihren Musikern?
Oder entspringt diese Furcht der generellen Art und Weise, wie Kirche mit evtl. Neuerungen umgeht?
Wahrscheinlich.

Ronald Henrici
Beiträge: 642
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 9. Oktober 2014, 12:43

Lieber Daniel !
Es geht bei meiner Erfahrung keineswegs um ein Vorurteil.
Es geht vielmehr darum, daß ein solches Spiel lobend angepriesen wird für Menschen , die im Altenheim leben, und damit unterstellt wird, daß man ihnen solches Spiel zumutet, ohne sich bewußt zu machen, daß unter den alten Menschen auch Menschen sind, die ein besseres Orgelspiel im Lauf des Lebens erlebt haben.
Seelsorge hin Seelsorge her: so einfach geht es nicht !
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

olds
Beiträge: 201
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von olds » Dienstag 24. Mai 2016, 11:07

Ronald Henrici hat geschrieben:Lieber Daniel !
Es geht bei meiner Erfahrung keineswegs um ein Vorurteil.
Es geht vielmehr darum, daß ein solches Spiel lobend angepriesen wird für Menschen , die im Altenheim leben, und damit unterstellt wird, daß man ihnen solches Spiel zumutet, ohne sich bewußt zu machen, daß unter den alten Menschen auch Menschen sind, die ein besseres Orgelspiel im Lauf des Lebens erlebt haben.
Seelsorge hin Seelsorge her: so einfach geht es nicht !
Gruß
Ronald
Es wird doch nirgens so viel gelogen wie vor Gericht und in der Kirche. Und die Pfaffen sind Meister in dieser Disziplin.
Sollte man mit leben. Die Auftritte des Kirchench...., sorry, des Seniorensingkreises, ist ja auch immer ganz formidabel, ist halt so.
stummorgel hat geschrieben: Oft hat man den Einduck, daß Musik zwar gewünscht ist, aber immer nur als "Zutat", nicht als wesentliches Mittel.
Und wenn, dann entscheidet der Geistliche, was wesentlich ist und was nicht.
Der Pfaff ist im zweifelsfall der Chef im Ring. Der Musikus der Dienstleister. Wo ist also das Problem, dienen gehört dazu? :)

Provokant ausgesdrückt. :wink:

Tatsächlich sehe ich das Problem aber woanders, und damit wandert der Schwarze Peter wieder zu den Musikussen.

Einen sinnvollen und erträglichen Beitrag können hier vergleichbar wenige leisten. Gespielt wird das, was vorgegeben wird. Das ist bei den älteren Semestern sicherlich noch eine anerzogene Unterwürfigkeit, aber auch eine gewisse Trägheit im Rahmen dessen was möglich ist zu gestalten. Sich mal mit Alternativen beschäftigen und diese dann dem Zelebranten vorschlagen können und wollen wenige.

Oftmals haben die dafür auch gar keine Zeit einen Blick zu entwickeln und sind doch ganz begeistert, wenn der Organist Ideen einbringt.

Und das ist tatsächlich eine Vertrauensfrage. Sehr viele Pfaffen treffen erst in der Gemeinde zum ersten Mal im Leben auf Widerspruch, müssen also erstmal dazu erzogen werden, sich mit anderen Ansichten auseinanderzusetzen. Erschwert wird das dann im musikalischen Bereich dadurch, da immer schnell ein gitarrenbewehrtes, tanz- und mitklatschwütiges Hardcore-Killer-Zombiekommando aus dem Gemeindesausschuss anmarschiert kommt und so seine Ideen hat.

Ronald Henrici
Beiträge: 642
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Was würdet Ihr raten? ...die Qual der Wahl!

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 2. Juli 2016, 21:24

Lieber Daniel !
Ich habe sehr viel Verständnis für seelsorgerische Vorgänge, auch als Außenstehender. Aber der beschriebenen Organistin ist mit der Reaktion der Pfarrerin absolut nicht geholfen, denn die Organistin ordnet ihr eigenes Tun falsch ein. Ich habe es erlebt bei der Organistin, daß sie sich mit Üben vorher sehr bemühte, etwas gut zu spielen, gerade in der Gemeinde, wo sie dreißig Jahre tätig war und auch noch tätig ist. Und auch bei den Gottesdiensten im besagten Altenheim führt es zu einem besseren Auftreten, wenn jemand da ist und sie behutsam auf die "entstandene Lücke" im Spiel hinweist. Das hat ihr wesentlich besser geholfen als der Hinweis auf das ".... wunderschöne Spiel" am Schluß des Gottesdienstes.
Das zur effektiven Seelsorge !
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 1 Gast