Inaktive Gemeinden ...

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Ronald Henrici
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Re: Inaktive Gemeinden ...

Beitrag von Ronald Henrici » Montag 1. Mai 2017, 20:48

Natürlich sind die Kirchenglocken weitreichender. Daran gibt es keinen Zweifel. Aber in der besagten Dorfgemeinde erklingen die Kirchenglocken erst unmittelbar mit Beginn des Gottesdienstes, also sonntags um 10 Uhr.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

Ippenstein
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Re: Inaktive Gemeinden ...

Beitrag von Ippenstein » Montag 1. Mai 2017, 22:40

Komisch...

Bei den Katholiken sollte eine halbe Stunde vorher eine Glocke und eine viertel Stunde vorher alle Glocken läuten.
Bei den Evangelischen eine halbe Stunde vorher mit einer Glocke und zum Gottesdienstbeginn 5 Minuten mit allen Glocken.

(Oder so ähnlich)

Dorforganistin
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Re: Inaktive Gemeinden ...

Beitrag von Dorforganistin » Dienstag 2. Mai 2017, 09:07

Wir läuten eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn fünf Minuten lang, und dann noch einmal zehn Minuten vor Beginn des Gottesdienstes bis zum Beginn. Wenn die Pfarrerin pünktlich ist, dann dauert das zweite Läuten zehn Minuten, manchmal dauert es aber länger. :wink:

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olds
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Re: Inaktive Gemeinden ...

Beitrag von olds » Sonntag 11. Juni 2017, 17:51

Als Mitglied des Gemeindesausschusses hat es mich die Woche auf eine Veranstaltung zur "Pfarreianalyse" verschlagen.

Pfarreianalys, bzw. die pastorale Analyse der Pfarrei ist so eine Sau, die das Bistum derzeit im Rahmen der Neuorganisation durch´s Dorf jagt.

Dazu wurden dann auch Erhebungen eingekauft, also von Unternehmensberatungen und einem Forschungsinstitut, betreffend Sozialstrutur, Einkommen, uns so weiter.

Die Zahlen finde ich dann schon fast faszinierend. In den städtischen Gemeinden, also auch in der Hauptkirche der Pfarrei, wird 2030 der "Otto-Normal-Katholik" entweder alt und allein sein oder jung und Single. Die Familien wird man in den ländlich gelegenen Gemeinden finden.

Daraus ergibt sich die fast kuriose Situation, dass die Hauptkirche gar nicht mehr alles abdecken können muss. Die Singles sind dann nämlich fast durchgehend nicht religiös sozialisiert, die Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, finden dann woanders statt. Das sind aber aktuell dummerweise genau jene Gemeinden, in denen so ein wenig der Mief regiert. Es muss also jetzt schon das Ruder rumgerissen werden, damit die älteren Herrschaften vor Ort jetzt nicht den Boden vergiften, auf dem in 20 Jahren die Zukunft der Gemeinde wachsen soll.

Anderes Faszinosum, naja, eigentlich selbst erklärend:

In meiner Stadt gab es bis 1945 3 katholische Kirchen (inzwischen eingemeindete Vororte ausgenommen) von denen 2 nach 1900 gebaut wurden. Ab 1955 kamen im Stadtgebiet 5 Kirchen hinzu, das sind exakt jene 5, die jetzt die Sorgenkinder sind.Es sind also die alten, drögen Kirchen die noch Menschen anziehen. Die vermeintlich jungen Gemeinden mit ihren modernen Kirchenbauten sehen dem Untergang entgegen.

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Re: Inaktive Gemeinden ...

Beitrag von olds » Dienstag 19. Dezember 2017, 08:13

kjz1 hat geschrieben:
Mittwoch 4. Januar 2017, 16:35
Man sollte das Beharrungsvermögen von Traditionen - gerade in der Kirche - nicht unterschätzen. Oder - in Marketingsprech ausgedrückt - es kostet nur 10 Euro, einen treuen Kunden zu vergraulen; aber 100 Euro, um einen neuen Kunden zu gewinnen.
Im Gespräch mit der neuen Pfarrerin bin ich auf folgendes, mir als Katholiken vollkommen fremdes Problem gestoßen.

Rein rechtlich ist das Presbyterium ja für die Gottesdienste zuständig, der/die Pfarrer/in ist zu den gewünschten Zeiten dann das ausführende Organ.
(So habe ich das als Katholik verstanden)

Frau Pfarrer ist nun für zwei Gemeinden zuständig (hier in meinem Stadtteil und Nachbarstadtteil, jeweils dörflich geprägt und 10 Autominuten außerhalb der Stadtgrenze).

Da sich die Presbyterien weder untereinander noch innerhalb des jeweiligen Gremiums einigen können, hat sie jetzt an Weihnachten und an Ostern doppelte Dienste. Unsere katholische Struktur ist ähnlich, hier gilt aber, dass die eine Gemeinde den frühen Termin hat und die andere den späten.
Also z.B. Osternacht ist um 22Uhr im Nachbarort, dafür haben die nichts an Ostersonntag, das Hochamt ist dann um 08:00 als "Ostermorgen" bei uns.

Frau Pfarrer hat an Ostern aber doppelt, die Gemeinden wollen nicht kooperieren UND der Nachbarort legt wert auf eine echte Osternacht. Bei gleichzeitiger früher Osternacht (für die Familien). Die ärmste hat also um 20 Uhr hier, um 22 Uhr bei denen und um 5 Uhr wieder bei denen.

Was sich natürlich auf die Besucherzahl auswirkt: um 22 Uhr fehlen ca. 30% der üblichen Besucher, von denen geht die eine Hälfte um 20h in der anderen Gemeinde, der Rest, so ca. 10 Leute, die hartgesottenen Konservativen, kommen dann morgens um 5Uhr.

Da sie bei der Agape natürlich anwesend sein soll und sich das alles hinzieht, ist sie nach eigenen Angaben dann um kurz nach 1 daheim im Bett und um vier rappelt der Wecker...

Unser Katholischer Pfarrer hat im Gegensatz die Hütte jeweils voll, weil die Gemeindemitglieder bereit sind, zu dem jeweilig günstigeren Gottesdienst in den NAchbarort zu fahren.

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Re: Inaktive Gemeinden ...

Beitrag von olds » Montag 15. Januar 2018, 18:18

Durch meine "Zurück zu den Wurzeln"-Überlegungen (siehe entsprechender Gesprächsfaden hier) hat man mir folgende Begebenheit berichtet.
Man muss und darf doch sehr schmunzeln. :mrgreen:

In meinem Heimatdorf sind die normalen Messen nur noch wenig und sonstige Gottesdienste nur noch spärlich besucht. Ausnahmen bilden die Feiertage, da hier dann mehrere Gemeinden zusammengefasst sind. Der Vorschlag des örtlichen Gremiums, Wortgottesdienste, Andachten und sonstige Feiern im Pfarrsaal durchzuführen lehnt der Pfarrer (der 18km weiter weg sitzt) ab. Begründung: Der Raum biete nicht den dem Anlass gebührenden Rahmen. Speziell ging es bei der Begebenheit um eine Kreuzwegandacht, warum auch immer, diesen wurde in meiner Heimatpfarrei schon immer besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Nun wollte der Pfarrer natürlich eine Meldung haben, wie viele Leute gekommen sind. Ein in der Gemeinde schon seit Jahrzehnten engagierte nicht ganz so dummer Mann fotografierte dazu vor und nach der Andacht den Zähler der Ölheizung und schickte diese Fotos, mit der lakonischen Meldung, dass (bei 150 Liter Verbrauch) pro Gottesdienstbesucher (Sakristan und Organist eingeschlossen) 15 Liter Heizöl verbrannt worden seien, zum Pfarrer.

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Re: Inaktive Gemeinden ...

Beitrag von olds » Samstag 9. Juni 2018, 18:50

Vor zwei Wochen beklagte sich der Kaplan vor der Messe in einem Gespräch, dass derzeit immer weniger Leute in die Kirche kommen. Er wisse derzeit nicht, wie er die Gemeinde noch besser zu greifen bekomme.

Im Bezug auf die Schlussworte der Vorabendmesse beklagte sich dann der Küster mir gegenüber am Rande und unter vier Augen, dass er hoffe, dass wenn der Kaplan in jetzt einem Jahr dann wieder geht, überhaupt noch Leute da sind, die in die Messe kommen. Man leide doch schon ein wenig unter seinen konservativen Ansichten.

Was übrigens mit ein Grund ist, dass meine Lust schwindet dort zu vertreten. Prinzipiell darf ich Lieder aussuchen, davon bleibt am Schluss herzlich wenig übrig. Stattdessen singen wir sehr Verkopftes oder musikalisch Anspruchsvolles. Der Priester kann halt seine wissenschaftlichen und kirchenmusikalischen Weihen nicht verbergen und liefert praktisch jede Messe eine theologisch und liturgisch 100% stimmige Leistung ab.

Bei meinem letzten Dienst dort war er sichtlich überrascht, dass meine Hauptorgeldienstgemeinde auf diesen Festtag eine Familiengottesdienst hält.
Die Liturgie des Tages würde doch gar keinen Spielraum für einen Familiengottesdienst lassen.

Na klar, den Spielraum finden wir. Ordinarium gab´s fröhliches Tanzen und Springen, das neue Gotteslob hat ja hier einiges im Angebot. Zum Proprium sangen wir dann passende Lieder. Das mag zwar schon als ziemliches Durcheinander wirken, aber wenn man möchte, kann man doch beides Seiten in Andacht genießen.

Natürlich haben wir die wirklich heftigen Brocken zu dem Tag weg gelassen, aber viele fröhliche Danklieder und Gesänge zur Eröffnung haben passende Strophen (ich hasse es, wenn immer nur die ersten beiden Strophen gesungen werden, da lobe ich immer wieder die Protestanten) für diesen Tag.
Warum also nicht?

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