Der Wurf ins kalte Wasser

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Orgelmäusle
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Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Orgelmäusle » Sonntag 30. Dezember 2012, 10:38

Hallo liebe Forumler,
ich habe im Vorstellungsbereich schon mein "Problem" angesprochen. Ich hatte mich in meiner Kirchengemeinde als Organistenvertretung vorgeschlagen. Allerdings erst nach ein paar Orgelstunden und einer ausführlichen Übephase (dachte so an Ende diesen Jahres). Nun sind aber einige Organisten krankheitsbedingt und aus familiären Gründen kurzfristig weggefallen und ich soll nun im Januar noch den ersten Gottesdienst (katholisch) begleiten. :shock:
Ich kann zwar Klavier spielen, doch das Orgeln ist ja sicher doch nochmal was anderes.
Ich habe mich schon über Register, Spielweise usw. informiert, kann das heute nachmittag auch praktisch testen wenn ich das erste Mal an die Orgel kann. Auch der Ablauf im Gottesdienst ist mir soweit klar. Aber einige Fragen (oder eher viele) sind natürlich da und ich hoffe ihr könnt mir bei der ein oder anderen weiterhelfen.
1. Ich hab die Orgel schonmal angesehn. Die Registerzüge sind klar. Ziehe ich Prinzipal 8´klingt das entsprechende Register, aber was sind "Kopplungen" und wie setzt man sie ein?
2. Welches Manual ist das erste und welches das zweite?
3. In der Kirche liegt ein Gesamtwerk aller Gottesloblieder für Orgel. Allerdings alle ohne Vorspiele. Ich habe ein Heft mit einzelnen Vorspielen, aber gibt es ein Werk mit Vorspielen für ALLE GL-Lieder? Oder muss man da improvisieren?

Orgelnoten hab ich mir bestellt und hab sie auf dem Klavier auch schon drauf. (es sind viel manualiter-Stücke für den Anfang. Ich denke dass das Pedalspiel nicht ohne sein wird...).
Folgende Hefte hab ich bestellt:
-44 Vorspiele zu Liedern aus dem Gotteslob (Walter Hofmann)
-Freie Orgelmusik für den Gottesdienst (J.Rheinberger)
-Einzug-Auszug Neun leichte Orgelstücke (Strube Verlag)
-Orgelvorspiele zum Gotteslob Band 1,2,3 (Peter Hölzl)
-Maestoso II (Karl-Peter Chilla)
-Choralvorspiele und Intonationen barocken Charakters (Sigmar Schickel)
-Pièces faciles (T.Stern)


Ich hoffe ich komm damit über die Runden, die Lieder mit Gemeindegesang sind ja in dem dicken roten Buch dass in der Kirche liegt (dieses mit den Gotteslobliedern).

Ich schreib euch heut abend die Disposition auf und habe dann sicher noch mehr Fragen. Leider steht mir momentan kein Organist der Gemeinde für Fragen zur Verfügung und ich muss das irgendwie alleine schaffen :(


Liebe Grüße, euer Orgelmäusle
Zuletzt geändert von Orgelmäusle am Mittwoch 2. Januar 2013, 14:19, insgesamt 1-mal geändert.
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kernspalter
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von kernspalter » Sonntag 30. Dezember 2012, 14:14

Orgelmäusle hat geschrieben:1. Ich hab die Orgel schonmal angesehn. Die Registerzüge sind klar. Ziehe ich Prinzipal 8´klingt das entsprechende Register, aber was sind "Kopplungen" und wie setzt man sie ein?
Jedes Register ist einem Manual (oder dem Pedal) zugeordnet. Z. B. Prinzipal 8' im I. Manual, Gedeckt 8' im II. Manual. Will ich beide zusammen auf einem Manual spielen, ziehe ich die Koppel II an I. Dann klingt das Gedeckt 8' auf dem I. Manual mit.
2. Welches Manual ist das erste und welches das zweite?
Es wird von unten nach oben gezählt. Also I. Manual = Untermanual, II. Manual = Obermanual.
3. In der Kirche liegt ein Gesamtwerk aller Gottesloblieder für Orgel. Allerdings alle ohne Begleitung.
Du meinst, ohne Vorspiele?
Das Gesamtwerk "Orgelbuch zum Gotteslob" besteht aus zwei Bänden, dem dicken für den Stammteil und einem dünneren für den Diözesananhang (die Liednummern ab 800).
Ich habe ein Heft mit einzelnen Vorspielen, aber gibt es ein Werk mit Vorspielen für ALLE GL-Lieder? Oder muss man da improvisieren?
Soviel ich weiß, gibt es da mehrere Bände; ich habe allerdings keinen davon und auch nie einen benutzt, sondern schon immer mehr oder weniger improvisiert.
Ich schreib euch heut abend die Disposition auf und habe dann sicher noch mehr Fragen. Leider steht mir kein Organist der Gemeinde für Fragen zur Verfügung und ich muss das irgendwie alleine schaffen :(
Für solche Fragen gibt es allerdings einen Regionalkantor oder Dekanatskirchenmusiker, der sollte da eigentlich schon weiterhelfen können.
Mit kernspalterischen Grüßen

Orgelmäusle
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Orgelmäusle » Sonntag 30. Dezember 2012, 19:08

Danke dir kernspalter für deine Hilfe. Ja, ich meinte natürlich "Vorspiele". Improvisieren, nein das würd ich nciht hinkriegen!

Ich hab heut mittag 3 Stunden auf "meiner Orgel" geübt und finde sie fantastisch! :D So ein grandioses Instrument *staun*

Ich hab euch mal die Disposition aufgeschrieben:
Manual I
Bourdon 16`
Weitprinzipal 8`
Flöte 8`
Salizional 8`
Dolce 8`
Oktav 4`
Gemshorn 4`
Quinte 2 2/3
Waldflöte 2`
Mixtur 2`
Trompete 8`

Manual II
Quintatön 16´
Hornprincipal 8´
Lieblich Gedeckt 8´
Viola d`amore 8´
Jubelflöte 8´
Aeoline 8´
Voxcelestis 8´
Lieblich Principal 4´
Nasat 2 2/3
Kornett 2 2/3
Schwiegel 2´
Sifflöte 1`
Oboe 8´
Klarine 4´
Tremulant

Manual III
Gemshorn 8´
Rohrflöte 8´
Dulciano 8´
Prästant 4´
Nachthorn 4´
Rohrquinte 2 2/3
Flageolett 2´
Terz 1 3/5
Zimbel 1´
Krummorn 8´
Regal 4´
Ranket 16´
Tremulant

Pedal
Principalbass 16´
Subbass 16´
Zartbass 16´
Quintbass 10 2/3
Oktavbass 8`
Choralbas 4´
Gedecktbass 4´
Rauschpfeife 2 2/3
Bassflöte 2´
Trompete 8´
Posaunenbass 16´


Über jedem Register befinden sich wiederum 3 kleine Knöpfe mit der Bezeichnung Fr. Kombi I II und III.
Über den Tasten finden sich viele Normal-und Oktavkopplungen. Das hab ich dank der obigen Antwort nun verstanden. Danke nochmal :)

Unter den Tasten finden sich noch einige Register. Das erste heißt MF wobei doe Buchstaben verschmolzen sind. Die Orgel spielt damit sehr leise aber auch sehr dumpf. Dann folgen
F (laute Registrierung, ich denke mal für den Gemeindegesang)
T
Ausl.
Fr.Kombi I
Fr.Kombi II
Fr. Kombi III
Handreg. frei
Crescendo ab.
Piano Ped. ab
Zungen ab
Mixturen ab

Unten gibt es zwei Fussregler für zwei Schwellwerke ( was machen diese Schwellwerke genau? ich konnte nur einen leichten Lautstärkenunterschied feststellen)
Außerdem gibt es eine Crescendowalze.
So, das war alles was ich entdecken konnte...


Ihr merkt, ich bin der totale Laie und blicke noch nicht ganz durch. Aber es lief besser als gedacht :o Und nächste Woche kann ich jeden Abend zum Üben, dann wird es schon werden...
Zuletzt geändert von Orgelmäusle am Montag 31. Dezember 2012, 22:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Ippenstein
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Ippenstein » Sonntag 30. Dezember 2012, 19:37

Hallo Mäusle, Gruß aus Bamberg vom Anfang 30jährigen. Wo steht denn die Orgel? Ev. kann Dir jemand aus dem Forum noch Hilfe vor Ort geben.

Zu Deinen Fragen:

Das 2. und 3. Manual sind wohl mit Jalousien versehen. Durch den Schwelltritt kannst Du diese öffnen und schließen. Dadurch wird das jeweilige Manual leiser oder lauter.
Die Crescendo-Walze schaltet nacheinander nach einer festgelegten Reihenfolge die Register ein. So kann man Effekte erzielen.

p, mf, f, T stehen für feste Registereinstellungen: Piano, Mezzoforte, Forte, Tutti.

Fr.Kombi I = der erste Schalter oberhalb der normalen Register. Damit kannst Du Deine Register vorbereiten und schaltest dann die freie Kombination ein, wenn Du sie brauchst.
Fr.Kombi II = ebenso
Fr. Kombi III = ebenso
Handreg. frei = Die normalen Register werden damit wieder aktiviert.
Crescendo ab. = Damit schaltest Du die Crescendowalze aus. Die aktiviert nämlich beim Hochdrehen alle Register, die nicht bereits durch die Handregister aktiviert sind, ein.
Piano Ped. ab = Wenn das eingeschalten ist und Du auf einem der oberen Manuale spielst, schalten sich im Pedal bestimmte Register und Koppeln ab, damit das Pedal automatisch leiser wird.
Zungen ab = Wenn die Zungen verstimmt sind oder man ein "Organo pleno" will, kann man damit die Zungen abschalten (Trompete, Klarine, Oboe, Posaune etc.). Die sind dann weg, auch wenn Du das Tutti (= Volles Werk, Papst marschiert ein) aktivierst
Mixturen ab = Damit werden die Mixturen abgestellt.

Wenn wir davon ausgehen, daß Deine Orgel kräftig ist und jedes Manual seine Lautstärke hast, so hast Du zwei generelle Möglichkeiten, das Vorspiel vom Lied zu trennen:

1. Du legst auf die freien Kombinationen die Registrierung für das Vorspiel und auf das Handregister dann die für die Gemeindebegleitung

2. Du registrierst bereits die Manuale so, daß Du damit sowohl ein schönes Vorspiel machen als dann auch die Gemeinde begleiten kannst.

Beide Möglichkeiten haben ihren jeweiligen Reiz. Schau Dir dazu auch youtube-Videos als Appetitanreger an. Die Kunst des Registrierens wird nicht nur so genannt. Man muß seine Orgel auch richtig und farbenfroh registrieren, um bei der Gemeinde viel erreichen zu können. Ich kenne einige Leute, die beherrschen auch nach Jahren nicht diese Kunst und haben kein Fingerspitzengefühl. Eine frischgebackene C-Organistin war mir da mal besonders aufgefallen. Die konnte aber leider gar nichts an der Orgel...
Daher mach Dich nicht verrückt, es reicht, wenn Du bei Deiner ersten Messe die grundlegenden Dinge machst, so daß die Gemeinde mitsingen kann. Zudem wirst Du sehr aufgeregt sein, weshalb Du Dir jede Schwierigkeit vom Hals halten solltest. Vielleicht wohnt auch ein Organist in Deiner Nähe und hat Zeit, Dich mental zu unterstützen. Es tut gerade beim ersten Mal gut, wenn man eine Sicherheit hat, daß jemand notfalls noch in die Tasten greifen kann.

Zuguterletzt möchte ich Dir noch sagen, daß es eine absolute Herausforderung ist, gleich eine ganze Messe zu spielen. Wenn ich jemanden an die Orgel heranführe, so spielt der erst mal ein Lied, das nächste Mal ein oder zwei usw... um einerseits das Aufgeregtsein zu zügeln und andererseits Sicherheit zu geben.

Viele Grüße und toi toi toi

Andreas

Orgelmäusle
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Orgelmäusle » Sonntag 30. Dezember 2012, 20:28

@ippenstein Ich danke dir für deine ausführlichen Erklärungen! Das Puzzle in meinem Kopf setzt sich Stück für Stück zusammen.
Und jetzt schau ich mir die restliche Nacht auf Youtube um, auf den Gedanken bin ich gar nicht gekommen?!?

Ein großes Lob an das Forum! Hier wird einem schnell, effektiv und freundlich geholfen...DANKE :)
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Ippenstein
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Ippenstein » Montag 31. Dezember 2012, 09:42

Noch ein Tip:

Du wirst durch die Kirchengemeinde doch sicherlich auch Zugriff auf weiterer, v.a. kleinerer Orgeln haben. Schau Dir dort auch die Register an und spiele sie. Je kleiner eine Orgel, um so mehr wird sich auf das nötige - v.a. für den Gottesdienst - beschränkt. So erkennst Du die Systematik hinter den ganzen Registern und bekommst noch schneller ein Gefühl für die Orgel und den Raum.

Das mutige Registerieren :mrgreen: ist dann der nächste Schritt.

Viele Grüße

Ippenstein

pvh
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von pvh » Montag 31. Dezember 2012, 12:13

Hallo,

grundsätzlich fände ich es schon wichtig, dass man niemanden einfach so ins kalte Wasser wirft. Ein neuer Organist sollte begleitet werden, angeleitet von einem, der schon länger spielt und vor allem Erfahrung mit Orgel und Gemeinde hat. Sonst können Reaktionen (oder Nicht-Reaktionen) der Gemeinde verunsichern, es kann Gemecker geben (zu laut, zu leise, zu schnell, zu langsam), so dass den Neulingen gleich die Lust verdorben wird. Vielleicht kann man in einem Gottesdienst erst mal ein oder zwei oder drei Choräle übernehmen, oder der zuständige Kantor oder ein anderer Orgler begleitet den Neuling beim ersten mal. Als ich selbst in meiner Jugendzeit angefangen habe, habe ich einzelne Choräle oder ein Nachspiel bei Gottesdiensten übernommen, die mein Vater beorgelt hat. Als ich nach meiner großen Orgelpause von 25 Jahren wieder anfing (zwischzeitig habe ich nur ein bischen Klavier gespielt), habe ich zunächst Werktagsmessen begleitet, für die ich die Lieder selbst aussuchen konnte. Also sachte vorgehen und Frustrationen vorbeugen, damit der Nachwuchs nicht gleich wieder abgeschreckt wird.

Die Disposition der Orgel liest sich aber toll. Über 50 Register, 3 Manuale, das ist ja schon ein sehr großes Instrument, sicher eine Stadtorgel. Da muss sich doch jemand zur Unterstützung des Beginns der Organisten/innenkarriere finden lassen. Wenn das ein langfristiges Engagement werden soll, wäre auch Unterricht sinnvoll. Den bekommt man als williger Gittesdienstbeorgler ja in der Regel ganz günstig oder sogar kostenlos im Rahmen von D- oder C-Kursen.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.

Ronald Henrici
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Ronald Henrici » Dienstag 1. Januar 2013, 22:29

Liebes Orgelmäusle !
Ich wurde mit 14 Jahren auch regelrecht ins kalte Wasser geworfen mit einer ähnlichen viemanualigen Orgel mit 55 Registern und vierfacher Setzeranlage (im Jahr 1960) Ich habe Nachte an der Orgel verbracht und alles (!!) ausprobiert, und zwar so, daß ich das Instrument im Dunkeln spielen konnte.
Du hast die Disposition Deiner Orgel genannt, da könnte ich ja neidisch werden, was damit alles möglich ist. Also - alles ausprobieren.
Übrigens habe ich an der Orgel genauso autodidakt angefangen wie Du, allein mit gehabten Klavierunterrich. Ich kann Dir versichern: d a s ge h t ! !
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Orgelmäusle » Mittwoch 2. Januar 2013, 09:37

@Roland Das macht mir Mut, vielen Dank für die aufmunternden Worte!

@chp Habe mich über die D und C Kurse schon informiert. Leider ist das Ausmaß der Kurse (Dauer, Wochenendtermine, regelmäßiger Unterricht, und und und ) für mich als Mehrfachmama, Ehefrau und Selbständige nicht nebenher zu bewältigen :-( Aber reizen würds mich schon. Mal schauen was die Zukunft bringt, träumen darf man ja immer

@ippenstein Gute Idee, danke dafür :)

@aktenzeichen Danke für die Registrierungsvorschläge! Werd ich gleich heut abend ausprobieren.


Ich hatte gestern eine kleine Einweisung eines Organisten der Gemeinde. War super, er hat mir zu jeder Orgel (es gibt noch einige Teilgemeinden) was erzählt, Tipps gegeben und mir sehr weitergeholfen. Jetzt fühl ich mich ein bisschen sicherer :) Ich kann ab heute 3mal die Woche abends die Orgel nutzen und hoffe dass ich mich bis Ende Januar ein wenig weiterentwickeln kann...
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Ronald Henrici » Mittwoch 2. Januar 2013, 16:57

Noch einmal ans Orgelmäusle !
Wenn die Orgel tatsächlich in der Diözese Stuttgart - Rottenburg liegt, kannst Du mit Hilfe von mir vor Ort rechnen,. weil mich die Orgel brennend interessiert und ich nicht weit entfernt wohne.
Die von Dir gesandten Daten zum Spieltisch der Orgel habe ich mir genauer angesehen und kann mir ein Bild vom Instrument machen. Deshalb gebe ich weitere Hinweise: Schalte das Gebläse ein, drücke den Schalter Ausl. (Auslöser) in der Reihe unter dem 1. Manual, dann darf bei Tastenanschlag in allen drei Manualen kein Ton erklingen. Wenn doch, mußt Du die Schalter MF, F etc. ausschalten und ausgeschaltet lassen !
Dann ist das Bedienfeld klar: Beim Einschalten "Handregister frei", erkingen nur die Register auf den Manualen, die Du in der Registerreihe eingeschaltet hast. Wenn Du dann so vorgehst, wie Dir Kernspalter schon geschrieben hat, kannst Du mit den freien Kombinationen über den Registern, die übrigens die gleiche Funktion haben, gewünschte Register vorbereiten, die Du in der ersten Reihe ausprobiert hast. Wenn Du dann jeweils den Schalter unter dem 1. Manual für Komb.I oder Komb II oder Komb III - da wo Du die Register vorbereitet hast - drückst, erklingen auch nur die in der jeweiligen Kombination gezogenen Register.
Um nicht unvorhergesehene Effekte zu veranlassen, indem Du eventuell die Crescendowalze mit dem Fuß betätigt hast, schalte die Walze vorsorglich ab mit "Crescendo ab".
Mit diesen Hinweisen und denen von Kernspalter wirst Du mit den vielseitigen technischen Dingen der Orgel zunächst klarkommen.
Zum Schluß: Sollte tatsächlich besagte Orgel nicht allzuweit von mir entfernt stehen, laß es mich bitte wissen, mich interessiert das Instrument sehr !
Ansonsten: Jeder Tag an der Orgel wird Dir immer mehr Freude bereiten im Spiel des Instrumants !
Gruß
Ronald :)
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Orgelmäusle » Freitag 4. Januar 2013, 21:41

Hallo zusammen,
komme gerade (halberfroren!) aus der Kirche. Ich habe mich durch die Register "gewühlt" und alle erdenklichen Variationen ausprobiert. Hab mir einige (für mich) schön klingende Registrierungen notiert (werd ich euch die Tage mal aufschreiben. Hab den Zettel im Auto liegen gelassen). Bin schon viel sicherer geworden und hab immer mehr das Gefühl, dass die Orgel und ich miteinander harmonieren *freu* :D
Morgen treffe ich mich mit der Dame, die die Wortgottesdienste im Januar gestaltet und bekomme von ihr die Gemeindelieder gesagt, so kann ich diese gezielt üben.
So, das war ein kurzer Zwischenbericht von mir. Am Sonntag abend kann ich wieder üben, dann schreib ich ein bissl ausführlicher :)

@Ronald VIelen lieben Dank für deine ausführliche Hilfe, auch im andern Thread!! :)
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von pvh » Freitag 4. Januar 2013, 23:29

Hallo,

noch ein kleiner Tipp (soweit das nicht schon bekannt ist): Auf den ersten Seiten des Orgelbuchs zum GL finden sich ganz brauchbare Ausführungen und Hinweise zur Begleitung des Gemeindegesangs und zur Registrierung.

Zum Unterricht: Ich habe auch neben meinem zeitlich doch stark beanspruchenden Hauptberuf Orgelunterricht genommen. Natürlich ging das nicht regelmäßig jede Woche, aber eben so nach Terminkalender von mir und der Kantorin, so alle 2 bis 4 Wochen eine Stunde mit Sommerpausen, vielleicht 10-20 im Jahr. D-Kurse gibt es bei uns in der Region (im evangel. Bereich) als Kompaktkurs (ein Wochenende), d.h. wenn die Schüler/innen im Unterricht entsprechend Fortschritte gemacht haben, gehen Sie auf den (Abschluss-)Kurs, wo Orgelbaukunde, usw. usw. kompakt vermittelt wird. Ich habe mienen (kath.) D-Kurs allerdings vor langer Zeit gamcht und musste da alle 4 Wochen 2 Stunden am Abend investieren. C-Kurs ist aufwendiger, da habe ich aus beruflichen Gründen heute keine Chance, an den Kurseinheiten teilzunehmen.

Tipp zur Literatur: Wenn man gut Klavier, aber noch wenig Pedal spielt, empfehlen sich ältere süddeutsche, oder südeuropäische (spanische, italienische) Literatur (älter heißt jetzt bis 18. Jahrhundert, also etwa bis zum Spätbarock). Damals gab es an Orgeln im Süden vielfach statt "Pedal" nur wenige Knöpfe für Haltetöne (oft nur eine Oktave und kein Cis, Dis). Die Pachelbel-Toccaten etwa klingen gut und erfordern nur ganz wenig Pedalspiel, überwiegend Orgelpunkte/Haltetöne über viele Takte.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.

Ronald Henrici
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 4. Januar 2013, 23:35

An das Orgelmäusle !
Noch etwas zu den Registrierungen. dazu ein Wenig zur Psysik der Orgel.
Die Fußzahl 8 Fuß bei allen Stimmen sagt aus, daß diese register so klingen, wie sie in Tonhöhe auch am Klavier klingen. So ist auch hier das "C am Schloß" am Klavier das "kleine c" auf der Orgelklaviatur.
Also die 8 Fuß Register sind alle auf der gleichen Tonhöhe und bringen beim Zusammenschalten kaum ein Mehr an Klangstärke, wohl aber eine Veränderung der Klangfarbe.
Schaltest Du aber zu einem 8 Fuß einen klangähnlichen 4 Fuß hinzu, merks Du ein "lauer Werden" des Klanges, so etwa den Effekt am Klavier, wenn Du Oktaven spielst. Kommt dann noch ein 2 Fuß hinzu, wird das Spiel noch lauter. Am Klavier eine weitere Oktave hinzugefügt. Nur bei der Orgel brgauchst Du dazu nur einen Ton anzuschlagen. u.s.w.mit 1 Fuß Register und Mixturen, die noch weiter hoch liegen.
Versuche mit solchen Kombinationen die Klangstärken der Orgel zu beeinflussen ...
Gruß
Ronald
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von olds » Sonntag 6. Januar 2013, 22:20

Auf meiner ersten Stelle meine beiden Vertretungen, denen ging es genauso. 17jährige Mädchen, gut am Klavier, keine Erfahrung an der Orgel, ziemlich brave und schüchterne Mädchen.

(OK, "Stelle" ist etwas hochgegriffen. Bin talentierter D-Organist, mehr nicht - noch nicht.)

Angelehnt daran, wie mein Orgellehrer mir damals am Anfang eine ORgel erklärte, war mein Tipp damals folgender:

1. Der 8´ Prinzipal und der 4´ Pinzipal (heisst meist Oktav) auf dem - ich nenne es jetzt mal Hauptmanual, für Dich: das laute - sind Deine wichtigesten Mitarbeiter. Die heißen Prinzipal wie der US-amerikanische Schuldirektor (Principal) oder der römische Kaiser (Princeps), weil: Die Jungs haben das sagen. Ihr Wort übertönt die anderen.

Setzt Dich an die Orgel und spiele und stelle Dir eine kräftig singende Gemeinde vor. Du weisst ja in etwa, wie laut die bei euch singen.

Sind Deine beiden Mitarbeiter zu leise, nimmst Du die Oktav 2´ dazu. Vielleicht musst Du auch ankoppeln und nimmst von den lauteren 8´, 4´ und 2´ der anderen beiden Manuale dazu. Aber immer dran denken - Du musst die Leute noch deutlich hören!

Nimm Dir die Zeit, lass Dein Kopfkino laufen und stelle Dir unterschiedlich laut singende Gottesdienstbesucher vor. Sollte die 8´und 4´ für einen normalen Gottesdienst zu laut sein (ist z.B. an meiner derzeitigen Orgel so), musst Du die Oktav 4´ durch Flöten ersetzen (also die leisen 8´, 4´, 2´), oder Du schaust, ob es auf den anderen Manualen noch Prinzipale gibt, die nicht so laut sind.

Sobald Du sicherer bist, kannst Du Dir überlegen, zu besonderen Stellen der Messe 2´ hinzuzuziehen, also wenn es besonders feierlich wird.

2. Die erste Zeit Finger weg von allem was trötet (=Trompeten und Zungenregister) und Finger weg von allen Registern mit "krummer Zahlenangabe", also bei Dir z.B. Nasat 2 2/3 und Kornett 2 2/3.

3. Wenn Du sicher geworden bist, kannst Du damit loslegen Vorspiele mit Solo zu spielen. Also Begleitung auf einem Manual und die Melodie z.b. mit der Nasat auf dem anderen. Also z.b. 8+4 (oder mehr) auf dem einen Manual und dann 8+ 2 2/3 (oder mehr) auf dem anderen.

Allerdings gilt diese Anleitung nur für eine vergleichbar kleine Orgel mit ca. 15 Registern und eine kleine Gemeinde auf dem Land. Du hast eine Mordsinstrument da stehen (Auch haben will.
:( )

Axel
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Re: Der Wurf ins kalte Wasser

Beitrag von Axel » Montag 7. Januar 2013, 19:30

olds hat geschrieben:
Setzt Dich an die Orgel und spiele und stelle Dir eine kräftig singende Gemeinde vor. Du weisst ja in etwa, wie laut die bei euch singen.

Sind Deine beiden Mitarbeiter zu leise, nimmst Du die Oktav 2´ dazu. Vielleicht musst Du auch ankoppeln und nimmst von den lauteren 8´, 4´ und 2´ der anderen beiden Manuale dazu. Aber immer dran denken - Du musst die Leute noch deutlich hören!

Sobald Du sicherer bist, kannst Du Dir überlegen, zu besonderen Stellen der Messe 2´ hinzuzuziehen, also wenn es besonders feierlich wird.

2. Die erste Zeit Finger weg von allem was trötet (=Trompeten und Zungenregister) und Finger weg von allen Registern mit "krummer Zahlenangabe", also bei Dir z.B. Nasat 2 2/3 und Kornett 2 2/3.
Lieber olds,
ist das wirklich ernst gemeint? Welche Registrierung wirklich geeignet ist, kann man so nicht beurteilen. Ich vermute, dass es um einen entsprechend großen Raum geht, oder die Orgel ist extrem leise intoniert. Mit den Prinzipalen 8&4 wird man nicht viel ausrichten. Aber auch das ist nur eine Theorie. Alles weglassen, was Farbe gibt? Da bin ich nicht für zu haben. Wenn ich das Gerät richtig einschätze, würde ich Sonntags mal mit allen 8&4 Füßen im HW und angekoppeltem vollen Schwellwerk anfangen. Ob man die Gemeinde noch singen hören muss, halte ich für fraglich, ich muss sie führen. Je nach räumlicher Konstellation der Teilwerke höre ich vom Gesang möglicherweise nicht mehr viel, muss ja auch nicht.
Schöne Grüße
Axel

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