Jehlichorgel in Schloss Tarasp (CH)

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P.M.P.
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Jehlichorgel in Schloss Tarasp (CH)

Beitrag von P.M.P. » Mittwoch 23. November 2011, 14:01

Hallöchen!

Kennt jemand hier näheres zur 3man. Jehmlichorgel in Schloss Tarasp (Schweiz)? Bemerkenswert, dass man dort 1916 solch ein großes Instrument aus dem fernen Dresden aufstellte. . .

http://www.engadinerpost.ch/2011/08/ün- ... inari.html

(Das "ü" im Link ist wirklich so, weshalb die URL-Funktion der Forensoftware spinnt.)

Eine kuriose CD gibt es auch....
http://www.musik-sammler.de/media/433890



Grüße

Holger

Re: Jehlichorgel in Schloss Tarasp (CH)

Beitrag von Holger » Freitag 25. November 2011, 07:48

Ja, da war ich Anfang Oktober dieses Jahres, speziell um die Orgel zu besuchen, mit einem guten Freund, der im benachbarten Chur als Domorganist wirkt.

Die Orgel ist in einem sehr guten Zustand, ein hochromantisches Instrument, 3 Manuale, ca. 40 Register, erbaut von Jehmlich, Dresden für den "Odol"-Erfinder August Lingner, der ebenfalls in Dresden residierte. Lingner war schon um 1900 Orgelfreund und hat ein Vermögen mit "Odol" verdient. Auf seine Initiative hin wurde auch das "Deutsche Hygienemuseum" in Dresden eingerichtet. Daher auch die ungewöhnliche Verbindung Sachsen - Engadin/Schweiz. Lingner kaufte um 1890 das verfallene Schloss und baute es in den folgenden Jahrzehnten, für die damalige Zeit nach vortschrittlichen denkmalschützerischen Ideen, wieder auf.

Die Orgel selbst ist in einem Saal, für den Besucher unsichtbar eingebaut hinter einer Wand in einem Nebenraum. Der Klang kommt druch Metallgitter, die in die Wand eingelassen wurden in den Saal.

Der Spieltisch ist ebenfalls hinter einer Tür versteckt, in eine kleine Kammer eingelassen.

Die Orgel sollte unsichtbar für den Hörer klingen - das Schloss mit Musik erfüllen und das ganze klingen lassen.

Die Disposition läßt für eine romantische Orgel keine Wünsche offen. Alles da, Zungen, Streicher, Schwebungen ... sogar ein großes Röhrenglockenspiel (Celesta) ist nun eingebaut.

Klanglich ist das Werk sehr zurückgenommen, da der Raum nicht sehr groß und auch akustisch recht trocken ist und keinen Nachhall hat. Aber das hat seinen Reiz, da man sehr Kammermusikalisch darauf musizieren kann.

Dafür kommt die Palette der romantischen Einzelstimmen wunderbar zur Geltung. Eine Besonderheit hat die Orgel auch noch: ein Fernwerk, das aus einem separaten Kanal in ein Treppenhaus spricht. Eine verblüffende Wirkung, die noch zusätzlich durch das Schließen der entsprechenden Tür ins Treppenhaus verstärkt werden kann.

Einfach ein tolles Instrument und ein tolles Ambiente.

Ich schau mal nach meinen Fotos, die ich gemacht habe.

Hier der Link zur Website von Schloss Tarasp

http://www.schloss-tarasp.ch/

Sicher eine Reise Wert, Anreise empfehlenswert über die Autobahn A13 von Deutschland/Österreich Richtung Bernardino, dann Ausfahrt Landquart (14), Autoverladung auf die Räthische Bahn in Vereina (kostet zwar 29 Sfr., man spart jedoch 2 Stunden Passfahrt ), dann Richtung Scuol (Schuls) / Österreich. Kurz vor Scuol nach dem Grand Hotel rechts über eine bemerkenswerte Brücke über den Inn den Berg hoch - voilà Tarasp

Übrigens das ü anstatt i ist rätoromanisch. Auch wenn die Bewohner des Engadin irgenwie "italienisch" reden - es ist immer noch die Schweiz. :wink:

Dann gibt es im Engadin wohl noch so einen Orgelschatz, eine englische Orgel von Willis, dazu später mehr, wenn ich dort war.

P.M.P.
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Re: Jehlichorgel in Schloss Tarasp (CH)

Beitrag von P.M.P. » Freitag 25. November 2011, 09:01

danke!

Roland Koch
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Re: Jehmlichorgel in Schloss Tarasp (CH)

Beitrag von Roland Koch » Donnerstag 1. Februar 2018, 00:54

Ich habe in den letzten Tagen einige Reparaturen an der Orgel ausgeführt. Bilder dazu habe ich im folgenden Album gesammelt: https://www.facebook.com/media/set/?se ... e175d7325 .

Cordials salüds dal' Engiadina, Roland Koch
Roland Koch

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