25 Register Orgel

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Rohrflöte
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25 Register Orgel

Beitrag von Rohrflöte » Mittwoch 9. November 2011, 18:18

Die 25 Register Orgel auf der ich Spiele

Hauptwerk C-g'
-----------------
1. Bordun 16‘
2. Principal 8‘
3. Hohlflöte 8‘
4. Gambe 8‘
5. Octave 4‘
6. Spitzflöte 4‘
7. Quinte 2 2/3‘
8. Octave 2‘
9. Terz 1 3/5‘
10. Mixtur 4f.
11. Trompete 8‘

Rückpositiv C-g'
-----------------
12. Gedackt 8‘
13. Principal 4‘
14. Rohrflöte 4‘
15. Waldflöte 2‘
16. Quinte 1 1/3‘
17. Sesquialter 2f.
18. Krummhorn 8‘

Pedal C-f' (früher C-d')
------------------
19. Subbass 16‘
20. Violon 16‘
21. Octavbass 8‘
22. Bordun 8‘
23. Choralbass 4‘
24. Rauschpfeife 2f.
25. Posaune 16‘

I-P, II-P, II-I (als Tritte)


http://www.orgelbau-krawinkel.de/_img/a ... cheden.jpg

Principalbass16Fuss
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Principalbass16Fuss » Sonntag 31. Januar 2016, 19:33

Hallo Rohrflöte,

Hier ist die Disposition einer Mutin/Cavaillé-Coll-Orgel mit 26 Registern auf drei (!) Manualen und Pedal, die sich in einer mittelgroßen Stadtkirche in der Normandie befindet. Im Sommer 2011 durfte ich sie bei einem Schüler-Austausch in Frankreich spielen. Herzlichen Dank an den freundlichen Pfarrer, der zufällig mit meiner französischen Gastfamilie befreundet war! :) Eines der schönsten Erlebnisse in meinem ganzen Organistenleben, da ich französisch-romantische Orgeln von Cavaillé-Coll einfach ausgezeichnet finde!!! :D

I. Grand-Orgue (C-a''')
----------------------
01. Bourdon 16'
02. Montre 8' (Prospekt)
03. Bourdon 8'
04. Prestant 4'
05. Nazard 2 2/3'
06. Doublette 2'
07. Tierce 1 3/5'
08. Cymbale IV rangs
09. Cromorne 8'

II. Positif (C-a''')
----------------
10. Flûte harmonique 8'
11. Cornet III à V rangs
12. Bombarde 16'
13. Trompette harmonique 8'
14. Clairon harmonique 4'

III. Récit expressif (C-a''')
-------------------------
15. Viole de gambe 8'
16. Voix céleste 8'
17. Cor de nuit 8'
18. Flûte octaviante 4'
19. Plein jeu (Registerzug leider ohne Angabe der Pfeifenreihen-Anzahl!)
20. Basson-Hautbois 8'

Pédale (C-f')
------------
21. Flûte 16'
22. Soubasse 16'
23. Basse ouverte 8'
24. Bourdon 8'
25. Flûte 4'
26. Trombone 16'

Tritte zum Einhaken:
--------------------
Accouplements (Manualkoppeln): POS/GO, RÉC/GO, GO/POS, RÉC/POS
Tirasses (Pedalkoppeln): GO/PÉD, POS/PÉD, RÉC/PÉD
Trémolo (auf die ganze Orgel wirkend)

Spiel- und Registertraktur mechanisch

Die Disposition zeigt, dass es auch möglich ist, weniger als 30 Register auf DREI Manuale zu verteilen! :wink:

Einen schönen Sonntagabend und viele Grüße -

Principalbass16Fuss

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Friedrich Sprondel
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Friedrich Sprondel » Sonntag 31. Januar 2016, 20:01

Principalbass16Fuss hat geschrieben:Die Disposition zeigt, dass es auch möglich ist, weniger als 30 Register auf DREI Manuale zu verteilen!
Joa … Sicher ist das möglich. Umso mehr, wenn man ein Manual « Positif » benamst, das eigentlich ein Grand Chœur ist und wohl auch mit den GO-Registern auf derselben Lade steht. Es ist also eigentlich eine zweimanualige Orgel mit einem aufgeteilten ersten Manual – clever aufgeteilt, weil Cromorne und Cornet auf zwei verschiedenen Klavieren verfügbar sind. Das kommt der französischen Klassik entgegen. Da hat Mutin vielleicht auf Ratschläge von Guilmant gelauscht.

Aber kein Zweifel, dass das eine sehr schöne Orgel sein kann – von dem Hersteller und aus der Zeit …

Viele Grüße
Friedrich

Principalbass16Fuss
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Principalbass16Fuss » Sonntag 31. Januar 2016, 20:41

Hallo Friedrich,

Vielen Dank für Deine Antwort! :)

Du hast Recht. Die Register des II. Manuals dieser Mutin/Cavaillé-Coll-Orgel befanden sich, soweit ich mich erinnere, tatsächlich auf der G.O.-Windlade und bildeten damit in der Tat ein "Grand Choeur", so wie an der größten Cavaillé-Coll-Orgel in Saint-Sulpice, Paris. Hier besitzt das G.O. (II. Manual) nur Labialstimmen, die bei Doublette 2' aufhören. Der Rest, d.h. die Klangkronen (Mixturen) und Zungen befindet sich auf dem Grand Choeur (I. Manual).

Das II. Manual der kleinen o.g. Orgel in der Normandie habe ich mehr oder weniger willkürlich "Positif" genannt! :wink: Dein Vorschlag, es "Grand Choeur" zu nennen, macht viel mehr Sinn. Andernfalls könnte man es auch noch "Solo" oder "Bombarde" nennen, letztere Bezeichnung insbesondere wegen der kräftigen Zungen (Bombarde 16' - Trompette 8' - Clairon 4').

Hast Du schon einmal an einer Cavaillé-Coll-Orgel gespielt? Leider ist es in Frankreich sehr schwierig oder nahezu unmöglich, an diese genialen Instrumente heranzukommen... :( Damals in der Normandie hatte ich erstens, wie gesagt, das Glück, dass der Pfarrer mit meiner Gastfamilie befreundet war und es in der eher ländlichen Kirche keinen "festen" Organisten gab, der "sein" Instrument vor "Fremdzugriff" schützen wollte! :lol:

Viele Grüße,

Principalbass16Fuss

P.S.: Ich bin Neu-Mitglied habe in diesem Forum eine neue Themengruppe für Freunde von Cavaillé-Coll-Orgeln gegründet! :)

Solcena
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Solcena » Sonntag 31. Januar 2016, 21:21

Principalbass16Fuss hat geschrieben: Die Disposition zeigt, dass es auch möglich ist, weniger als 30 Register auf DREI Manuale zu verteilen! :wink:
Supper kriegt das mit den 26 Registern auf drei Manualen bzw. auch mit 19 Registern ebenfalls locker hin!

Principalbass16Fuss
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Principalbass16Fuss » Dienstag 2. Februar 2016, 22:35

Hallo Solcena,

Als Du den Namen Supper erwähntest, nahm ich doch gerade mal das Buch "Aspekte der Orgelbewegung" von Alfred Reichling (Verlag: Merseburger, 1995) zur Hand, das ich einst im Rahmen meiner langjährigen Mitgliedschaft in der "Gesellschaft der Orgelfreunde" (GdO) geschenkt bekam. Auf Seite 50 ist die Muster-Disposition für eine dreimanualige Orgel mit 25 Registern von Walter Supper (1940) aufgeführt:

POS (6 Stimmen): Gedackt 8', Flötgedackt 4', Principal 2', Sifflöte 1 1/3', Cymbel 3fach, Schalmey 8'
HW (6 Stimmen): Pommer 16', Principal 8', Spillpfeife 8', Oktav 4', Mixtur 5fach, Trompete 8'
OW (7 Stimmen): Gemshorn 8', Rohrflöte 4', Nachthorn 2', Sesquialtera 2fach, Hintersatz 4fach, Dulcian 16', Krummhorn 8'
PED (6 Stimmen): Subbass 16', Principal-Flöte 8', Quintadena 4', Rauschpfeife 3fach, Posaune 16', Zink 4'

Meines Erachtens eine schöne, vielseitige Disposition, die eigentlich alles abdeckt, was man als Organist braucht (mal abgesehen von romantischen Streicherstimmen, Schwebungen usw. ...). Gesetzt den Fall, eine Kirchengemeinde plant einen Orgel-Neubau mit 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Theoretisch könnte in dieser Kirche doch auch diese DREImanualige Orgel mit 25 Registern gebaut werden. Meinst Du, dass es WESENTLICH teurer käme, eine DREImanualige Orgel mit 25 Registern zu bauen, als eine ZWEImanualige mit 25 Registern? Okay, logischerweise käme bei einem dritten Manual natürlich noch eine weitere Windlade, eine Klaviatur, die Traktur, Registerzüge und ggf. noch ein Schwellkasten hinzu... aber was meinst Du grundsätzlich dazu? :wink:

Also, ICH wäre mit meiner Orgel MEHR als glücklich, wenn diese die o.g. Disposition von Supper hätte!! :D

Viele Grüße,
Principalbass16Fuss

kernspalter
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 3. Februar 2016, 00:40

Principalbass16Fuss hat geschrieben:Gesetzt den Fall, eine Kirchengemeinde plant einen Orgel-Neubau mit 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Theoretisch könnte in dieser Kirche doch auch diese DREImanualige Orgel mit 25 Registern gebaut werden. Meinst Du, dass es WESENTLICH teurer käme, eine DREImanualige Orgel mit 25 Registern zu bauen, als eine ZWEImanualige mit 25 Registern? Okay, logischerweise käme bei einem dritten Manual natürlich noch eine weitere Windlade, eine Klaviatur, die Traktur, Registerzüge und ggf. noch ein Schwellkasten hinzu...
Bei den Registerzügen ändert sich nichts. Bei 25 Registern brauchen wir in der Regel 25 Registerzüge.

Aber Klaviatur, Mechanik, Ventile schlagen finanziell schon merklich zu Buche.
Dann will man das dritte Manual noch an die anderen Manuale und ans Pedal koppeln.
Und drei Koppeln: III-II, III-I, III-P. Also doppelt so viele Normalkoppeln wie bei der zweimanualigen Orgel.

Ein zusätzliches Manual bedeutet: Man muß bei den Registern sparen.


Eine real existierende Orgel mit III 25 und Supper-Disposition, die ich selber vor vielen Jahren kennengelernt habe:

http://www.orgbase.nl/scripts/ogb.exe?d ... LIJST=lang
http://www.evangelischer-kirchenbezirk- ... phanus.pdf

Leider ist keine der beiden Dispositionen ganz korrekt. Ich weiß aber sicher, daß die Schalmey im Hauptwerk ein 4' ist und daß es zwei Manualkoppeln gibt. Folgende Disposition müßte einigermaßen stimmen:

I. Hauptwerk:

Rohrquintadena 16'
Flötenprinzipal 8'
Harfpfeife 8' (entspricht etwa einem zarten Gemshorn)
Oktave 4'
Hörnlein 1-2fach (2', im Diskant 2' + 1 3/5')
Scharfmixtur 4fach
Schalmey 4'

II. Schwellwerk:

Koppelflöte 8'
Rohrflöte 4'
Flachflöte 2'
Grobmixtur 5fach
Dulcian 16'
Helltrompete 8'

III. Oberwerk:

Stillgedackt 8'
Hohlflöte 4'
Kleinprinzipal 2'
Sifflöte 1 1/3'
Zimbel 3fach
Goes-Oboe 8' (war original: Musette 8')
(Tremulant)

Pedalwerk:

Subbass 16'
Flötbass 8' (ist eigentlich eher ein Principal)
Gedacktpommer 4'
Rauschbass 5fach
Stillfagott 16'
Singend Kornett 2'

Koppeln:
III/II, II/I
I/P, II/P, III/P

Daß es keine Koppel III/I gibt, fand ich schon irgendwie hinderlich. Wenn beide Manualkoppeln gezogen sind, koppelt III nach I durch, aber das ist nicht der Stein der Weisen.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Friedrich Sprondel
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 3. Februar 2016, 10:15

kernspalter hat geschrieben:Leider ist keine der beiden Dispositionen ganz korrekt. Ich weiß aber sicher, daß die Schalmey im Hauptwerk ein 4' ist und daß es zwei Manualkoppeln gibt. Folgende Disposition müßte einigermaßen stimmen:

I. Hauptwerk:
Rohrquintadena 16', Flötenprinzipal 8', Harfpfeife 8' (entspricht etwa einem zarten Gemshorn), Oktave 4', Hörnlein 1-2fach (2', im Diskant 2' + 1 3/5'), Scharfmixtur 4fach, Schalmey 4'

II. Schwellwerk:
Koppelflöte 8', Rohrflöte 4', Flachflöte 2', Grobmixtur 5fach, Dulcian 16', Helltrompete 8'

III. Oberwerk:
Stillgedackt 8', Hohlflöte 4', Kleinprinzipal 2', Sifflöte 1 1/3', Zimbel 3fach, Goes-Oboe 8' (war original: Musette 8') (Tremulant)

Pedalwerk:
Subbass 16', Flötbass 8' (ist eigentlich eher ein Principal), Gedacktpommer 4', Rauschbass 5fach, Stillfagott 16', Singend Kornett 2'
Das ist zweifellos ein Supper. Ist sein Beritt und sein Stil.

Wie klingt das Ding denn insgesamt – Pleno, Triosachen, Schwellwirkung? Ausgedacht finde ich es nicht so schlecht, das Schwellwerk z. B. könnte genug Power auf die Waage bringen, um im Gesamtklang etwas auszurichten. Auch dass dort die 8'-Trompete steht, ist ja nicht verkehrt, wenn sie denn als Pedal-8'-Zunge taugt und gegen das HW-Plenum gesetzt werden kann. Insgesamt wirkt es wie eine Außenstelle des HW, weil es dessen Lücken füllt (Flöten, Grobmixtur, Zungen 16' + 8'). Die 4'-Schalmei hat sicher manchen, wenn nicht jeden Organisten, der hier an den Spieltisch kam, die Stirne runzeln lassen. Und es gibt vier Plena – das finde ich persönlich schon mal toll. Heute gibt es größere dreimanualige Orgeln mit genau einer Mixtur, das ist doch idiotisch.

Kann sie denn schön klingen?

Viele Grüße
Friedrich

P. S.
Edit: Ja, Supper stimmt – das PDF verrät es auf Seite 25.

kernspalter
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 3. Februar 2016, 20:06

Friedrich Sprondel hat geschrieben:Wie klingt das Ding denn insgesamt – Pleno, Triosachen, Schwellwirkung?
Die Intonation ist schon überarbeitet worden, die Flöten sind verhältnismäßig rund und werden im Original etwas spuckender und/oder quintierender gewesen sein.

Insgesamt klingt die Orgel verhältnismäßig zurückhaltend. Das deutet ja schon die Namensgebung an. Die beiden achtfüßigen Prospektprincipale heißen ja nicht von ungefähr "Flötenprinzipal" und "Flötbass". Die "Helltrompete" im Schwellwerk entfaltet nur mäßige Kraft, das "Stillfagott" im Pedal ist dementsprechend. Noch viel stiller ist der Dulcian 16'.
Triosachen sind nicht unproblematisch. Im Hauptwerk hat man die Wahl zwischen einem etwas zurückhaltenden Principal 8' und der substanzarmen Harfpfeife 8', als 4' steht nur die Oktave zur Verfügung. Koppeln von III nach I geht nicht. Die Auswahl an Aliquoten ist auch nicht üppig - entweder Terz 1 3/5' (nur zusammen mit 2') oder Quinte 1 1/3'. Quinte und Terz zusammen geht nicht, 2 2/3' gibt es nicht.

Die Trompete 8' gibt dem nur 6-registrigen Schwellwerk immerhin etwas Substanz. Und wenn man zum Schwellwerk das Hauptwerk addiert, kommt einerseits noch labialer 16'+8'-Klang, andererseits die 4'-Zunge und die Scharfmixtur dazu, das hat schon einen gewissen Effekt.

Aber alles in allem: In der eher kleinen Kirche erwartet man von einer 25-Register-Orgel eigentlich mehr, als dann im Zungen-/Mixtur-/Generalplenum herauskommt.
Kann sie denn schön klingen?
Bei sparsamer Registrierung klingt sie charmanter als wenn man versucht aufzutrumpfen.
Und improvisatorisch läßt sich mehr herausholen als im Literaturspiel.
Heute gibt es größere dreimanualige Orgeln mit genau einer Mixtur, das ist doch idiotisch.
Absolut.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 3. Februar 2016, 20:33

Vielen Dank für die Info zu der Weigle/Supper-Orgel in der Martinskirche Tübingen, kernspalter! :) Es freut mich, zu erfahren, dass es heute tatsächlich noch eine dreimanualige Orgel mit einer 25-Register-Disposition nach Supper gibt. In dem o.g. Buch "Aspekte der Orgelbewegung" liest man bei Supper immer von "Muster-Dispositionen", daher fragte ich mich, ob überhaupt irgendwelche Orgeln mit einer solchen Disposition in der Realität gebaut wurden... man lernt dazu! :wink:

Wenn man mal in Tübingen ist, lohnt sich sicherlich mal ein Besuch in der Martinskirche.

Solcena
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Solcena » Mittwoch 3. Februar 2016, 21:13

Principalbass16Fuss hat geschrieben: POS (6 Stimmen): Gedackt 8', Flötgedackt 4', Principal 2', Sifflöte 1 1/3', Cymbel 3fach, Schalmey 8'
HW (6 Stimmen): Pommer 16', Principal 8', Spillpfeife 8', Oktav 4', Mixtur 5fach, Trompete 8'
OW (7 Stimmen): Gemshorn 8', Rohrflöte 4', Nachthorn 2', Sesquialtera 2fach, Hintersatz 4fach, Dulcian 16', Krummhorn 8'
PED (6 Stimmen): Subbass 16', Principal-Flöte 8', Quintadena 4', Rauschpfeife 3fach, Posaune 16', Zink 4'
Ja, die Dispo ähnelt den von mir verlinkten Musterdispositionen.

Mal abgesehen von den Kosten für das ganze dritte Manual, das unbestritten (besonders im Hinblick auf eine vollmechanische Traktur) viele Registriermöglichkeiten auch beim liturgischen Einsatz bietet, finde ich doch ein paar Punkte problematisch an solch einem Instrument:

- Den Prinzipalchor muss man sich aus dem Hauptwerk und Pos zusammenkoppeln.
- Viele Manuale bedingen eine Verdoppelung oder Verdreifachung der obligatorischen Grundstimmen. Ein guter Intonateur kriegt Unterschiede zwischen den 8' und 4' der verschiedenen Manuale hin, ein schlechter nicht. Zu charakteristisch dürfen diese gar nicht ausdifferenziert werden, da sie als neutrale Grundlage der Werke dienen müssen.
- Der Musterraum ist wohl eher klein; kein offener 16', ein Weder-Fisch-noch-Fleisch-Pedal-8', beide Nebenwerke ohne Prinzipal 4'. Gekoppelte Positive. Drei Klangkronen müssen es dann für mich nicht sein, obwohl ich Friedrichs Bedauern über klangkronenarme Dispos teile.
- Keine alleinstehende Terz, kein alleinstehende 2 2/3'-Quinte.
- Sehr große Klangkronen (dreifach über Przp. 2, fünffach im HW), auf dem Weitchor-Manual Hintersatz vermutlich als etwas tiefliegendere "Prinzipaltutti"-Mixtur, die die Löcher im Prinzipalchor stopfen soll.
- 4'-Zunge im Pedal finde ich viel weniger wichtig als eine 8'-Trompete. So oft kann ich gar nicht "Komm, Herr Jesus, vom Himmel herunter" spielen, dass sich so etwas rentiert ... :P
- Quintade 4' im Pedal ist Quark, hatte ich an meiner ersten Übeorgel. Dafür fehlt im Manual die schöne Quintaden-Klangfarbe.
- Völlige (wohl bewusste) Abwesenheit von "schönen" Stimmen (und mischfähigen Grundstimmen), Streichern, offenen Flöten.

Wie gesagt, das kann durchaus sehr schön klingen, wenn ein guter Intonateur so was macht, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, warum heutzutage quasi niemand so etwas in Auftrag gibt.

Als C-Organist bin ich leider mit der teils doch recht spröden deutschen Orgelliteratur des 20. Jahrhunderts, die sehr gut auf solchen Orgeln gehen müsste, noch nicht so warm geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bach solch eine Dispo toll gefunden hätte - bzw. vermutlich hätte er sie etwas anders gestaltet. Das sollte aber bei den Orgeln nicht der Maßstab sein, ich weiß ...

kernspalter
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von kernspalter » Donnerstag 4. Februar 2016, 00:04

Ein Konzept mit 26 bzw. 31 Registern (die mit * bezeichneten Register wurden in einem 2. Bauabschnitt eingebaut) wurde nicht weit von Tübingen verwirklicht (Fischer & Krämer 1992, Beratung Ludger Lohmann):

I. Manual

Bourdon 16'
Principal 8'
Offenflöte 8'
* Salicional 8'
Octave 4'
* Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Mixtur 4fach 1 1/3'

II. Manual (auf durchschobener Lade mit I. Manual gemeinsam)

Rohrflöte 8'
Gedeckt 4'
Cornet 4fach 4'
Trompete 8'
Clairon 4'

III. Manual (schwellbar)

Holzflöte 8'
Viola di Gamba 8'
Voix céleste 8' ab c
Principal 4'
Flöte 4'
Flageolet 2'
* Larigot 1 1/3'
Sesquialter 2 2/3' + 1 3/5'
Fourniture 4fach 2'
Basson 16'
Trompette harmonique 8'
Hautbois 8'
- Kanaltremulant -

Pedal:

Subbaß 16'
Octavbaß 8'
* Gedeckt 8'
Octave 4'
Bombarde 16'
* Trompete 8'

I/P, II/P, III/P, II/I, III/I, III/II

(Auch wenn wir jetzt schon deutlich über 25 Registern sind, noch ein Hinweis auf ein ganz ähnliches Konzept in Bonn, St. Nikolaus: http://www.freiburgerorgelbau.de/bonn.php?neue=1)

Ein sehr eigenartiges Konzept mit 3 Manualen, 22 Registern und 4 Transmissionen von derselben Firma:

http://www.freiburgerorgelbau.de/linz.php?neue=1

Das "Positif" ist eigentlich eine Ergänzung der Hauptwerks-Grundregister und gleichzeitig das "Kleinpedal".
Mit kernspalterischen Grüßen

Solcena
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Solcena » Donnerstag 4. Februar 2016, 15:20

Nur fünf Register mehr als die Supper mit 25 Registern, denn auf die Trompete im Pedal könnte ich angesichts der im Solo locker verzichten, aber wieviel Spielmöglichkeiten mehr bedeutet das!

Natürlich kann man beklagen, dass heutzutage vielerorts nur noch Literatur aus vergangenen Jahrhunderten aufgeführt wird. Eine Weiterentwicklung des Instrumentes Orgel bleibt da oft auf der Strecke. Aber zumindest ich als C-Organist mit meinen beschränkten Fähigkeiten hätte an solch einem Instrument viel mehr Spaß als an einer Supper-Spar-Orgel. Eine gute Intonation vorausgesetzt, sollte ich an einer Orgel wie der zuletzt notierten Bach, Mendelssohn, klassische Franzosen und vieles aus der romantischen Ecke spielen können. Für liturgische Zwecke sollte sie auch besser geeignet sein als Suppers Entwurf. Letzten Endes ist sie ja gar nicht soweit von der oben im zweiten Beitrag beschriebenen CC weg.

Principalbass16Fuss
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Principalbass16Fuss » Donnerstag 4. Februar 2016, 21:13

Hi kernspalter und Solcena,

Da fällt mir noch etwas zu Rudolf von Beckerath (Hamburg) ein: Seine erste Orgel baute er 1949 in der Christuskirche Othmarschen, einem Vorort von Hamburg. Sie besitzt 30 Register auf 3 Manualen und Pedal, also auch eher eine "kleine" dreimanualige Orgel. Sie klingt aber fantastisch und ist auch auf einer CD-Einspielung mit Bachs Orgelbüchlein zu hören. Mehr zur Disposition in meinem Themenkreis zu Beckerath-Orgeln...! :wink:

Gruß

Dorforgler
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Re: 25 Register Orgel

Beitrag von Dorforgler » Donnerstag 4. Februar 2016, 23:52

kernspalter hat geschrieben: Ein sehr eigenartiges Konzept mit 3 Manualen, 22 Registern und 4 Transmissionen von derselben Firma:
http://www.freiburgerorgelbau.de/linz.php?neue=1
Das "Positif" ist eigentlich eine Ergänzung der Hauptwerks-Grundregister und gleichzeitig das "Kleinpedal".
Ehrlich gesagt: Die Idee, die grossen "Krachmacher" und expliziten Solokandidaten des HW auf einem seperaten Manual spielbar zu haben, ist an sich alles andere als dumm!!!
Zu einem bekommt man eine musikalische Ebene mehr (das HW kann sich ja quasi selbst "begleiten"?), zum anderen vermeidet man bei geschickter Auslegung die Dopplungen im Grundstimmenbereich, die fuer das naechste Manual eigentlich notwendig waeren. (wie z.B. bei Supper und Konsorten...)


Ich verlasse jetzt deutlich die genannten 25 Register :-) - aber da ich grade heute mal wieder da war, moechte ich gerne diese Orgel in den Raum werfen...
Das liest sich auch erstmal alles sehr ungewohnt und raetselhaft - wenn man allerdings weiss, dass Bombardwerk (IV) und HW (I) direkt nebeneinander auf der gleichen Windversorgung stehen, macht das ploetzlich ganz, ganz viel Sinn:
Beide Manuale (I+IV) sind fuer sich selbst durchaus geschlossene und selbststaendige Werke - aber im Grunde hat diese Orgel eigentlich ein ziemlich ueppiges und sehr grosses HW mit sage und schreibe 19 Registern!
(Das einzige Grundstimmenregister, was fuer diese Aufteilung "gedoppelt" werden musste, ist die Oktave 8 auf IV)

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Konzept auch in deutlich kleinerem Rahmen sehr gut funktioniert - und zumindest ein historisches Vorbild wurde ja bereits schon genannt. Warum also nicht z.B. das Cornett, die starken Zungen oder die Solofloete des HW auf einem zweiten Manual spielbar machen?
"Ankoppeln" kann man ja immer - seperat spielen dagegen leider nicht.


PS: Wie so ueblich bei Klais sollte man bei besagter Orgel besser den Daumen vom "Tuttiknopf" fernhalten...
Die "Dulciana celeste" der Chororgel ist uebrigens definitiv das "Highlight" dieser Orgel... *jamjamjam* :-)

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