Was ist das ??

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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Was ist das ??

Beitrag von Administrator » Dienstag 27. Februar 2007, 20:50

Hallo zusammen,

wer kann mir erläutern, was "auxiliaire-Koppeln" sind?

Gruß

Daniel

Pierre Lauwers
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Beitrag von Pierre Lauwers » Mittwoch 28. Februar 2007, 08:04

Hallo,

Das kann eine Manual sein, der keine eigene Stimmen hat, dient aber nur
um die übrige Manuale zusammen zu spielen:

Manual I, Manual II, und drittes als I+II.

Aber andere Lösungen sind tatsächlich möglich!

Viele Grüsse,
Pierre

Johannes Meyer
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Auxiliaire

Beitrag von Johannes Meyer » Donnerstag 1. März 2007, 12:20

Hallo Administrator,

Auxiliaire sind Werke, denen keine eigenen Manuale zugeordnet sind.
Sie können an beliebige Manuale gekoppelt werden und von dort aus erklingen. Ohne die Koppeln wären sie aber nutzlos, da sie sonst nicht gespielt werden können.

Johannes

Andreas
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Beitrag von Andreas » Samstag 3. März 2007, 14:58

Hallo Daniel, Pierre und Johannes,
das von Pierre beschriebene auxiliaire wird im Deutschen meist als Koppelmanual bezeichnet. Es handelt sich um ein Manual, dem kein eigenes Werk zugeordnet ist, sondern auf dem die Werke meist zweier anderer Manuale gekoppelt gespielt werden können.

Ein Auxiliaire, wie es z.B. in Hannover-List gemeint scheint, ist eine Registergruppe, die keinem Werk zugewiesen sind sondern nur über Koppeln auf einzelne Manuale gelegt werden können.

Eine interessante Variante ist in der nap. Kirche in Stuttgart-Süd, Immenhofer Str. zu finden. Hier wurde das Schwellwerk von 1926 (Weigle), das in zwei nach Registergruppen getrennten Schwellkästen aufgestellt war, beim Einbau eines neuen elektrischen Spieltisches 1969 in ein Schwellwerk und ein schwellbares Auxiliaire-Werk getrennt, das separat auf das I. oder II. Manual gekoppelt werden kann. Dadurch besitzt diese Orgel 3 Manualwerke auf zwei Manualen.
Die Jahreszahl 1969 fällt auch direkt in die Zeit, in der der Bau, der Sinn und die Verwendung von solchen Auxiliaire-Werken diskutiert wurde.
Heute würde man hierfür eventuell ein weiteres Manual einbauen.
Viele Grüße
Andreas

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Beitrag von Administrator » Montag 21. Mai 2007, 14:17

Insofern ist also solch eine Bauweise gar nicht mehr üblich? Wie kam man überhaupt auf diese Idee? War das nur, um ein Manual einzusparen?

Gibt es viele Orgeln mit diesen Werken oder ist das eher eine Rarität? Oder ist das nur in bestimmten Gegenden anzutreffen?

Liebe Grüße

Daniel

gunnem
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Beitrag von gunnem » Donnerstag 15. November 2007, 22:39

Eine interessante Einsatzmöglichkeit zeigt sich in Weißenburg,
St. Andreas. Hier wurde die Steinmeyerorgel von 1963 als typisches Dokument der neobarocken Ära unter Denkmalsschutz gestellt, aber erlaubt, ein Auxiliairewerk mit sechs Registern anzubauen, so daß auch Musik der Romantik adäquat dargestellt werden kann.

Niels

Beitrag von Niels » Freitag 16. November 2007, 06:49

Was ist de der Unterschied zu einem 3ten Manual als Koppelmanual?

gunnem
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Beitrag von gunnem » Freitag 16. November 2007, 08:15

ein Koppelmanual bringt keine neuen Register, sondern ersetzt bei einem (meist zweimanualigen Werk) die Manualkoppel. Der Vorteil ist, das ich die gekoppelten Manuale mit den Registern sowohl des ersten wie auch des zweiten Manuals begleiten kann, was bei der normalen Manualkoppel nur mit einem der gekoppelten Manuale möglich ist. Ein Auxiliairewerk dagegen hat eigene Register (in Weißenburg sind es sechs, sogar mit eigenem Schwellkasten), aber keine Tasten dazu. Man schaltet die Register wahlweise irgendeinem Manual oder auch dem Pedal hinzu. Soviel ich weiß, ist es in Weißenburg auch möglich, einzelne Register gleichzeitig verschiedenen Manualen zuzuordnen.

zehnzweidrittel
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Beitrag von zehnzweidrittel » Samstag 24. November 2007, 10:32

In Weißenburg kann jedes Register des Auxiliairewerk einzeln auf jedem Manual gespielt werden. Damit steigen die Einsatzmöglichkeiten des Auxiliaires erheblich (allerdings auch die Anzahl der Registerwippen im Spieltisch).
Üblich ist, dass das Auxiliaire immer als ganzes an ein Manual gekoppelt wird (sog. "Floating Division").
Auch in der Stadtpfarrkirche Neustadt a.d. Waldnaab wird am 16.12.2007 eine Orgel mit einem derartigen schwellbaren Auxiliaire (5 Register und 5 Extensionen) geweiht werden.

Weiß jemand, ob diese Art von Auxiliaire schon früher gebaut wurde?

malle235
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Re: Was ist das ??

Beitrag von malle235 » Montag 19. September 2016, 17:50

in amerikanischen Orgeln scheinen diese sogenannten floating divisions ja relativ verbreitet zu sein, z.B. dass die "String Division" oder "Solo" kein eigenes Manual haben, sondern einfach jedem beliebigen Manual zugeordnet werden können

mich würde mal interessieren, wie technisch aufwendig so etwas ist bzw. wie das technisch realisiert wird

Die Vorteile sind ja offensichtlich, weil man eine unglaubliche Flexibilität beim Registrieren kriegt. So kann man sich z.B. eine schöne Solostimme (z.B. Flöte oder Zunge) aus einem Manual aussuchen und dann z.B. den begleitenden Streicherchor auf ein anderes Manual legen

Was sind die Nachteile davon, warum ist das nicht mehr verbreitet?

violdigamb
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Re: Was ist das ??

Beitrag von violdigamb » Montag 19. September 2016, 18:01

Hallo,

das gibt's tatsächlich zunehmend wieder, siehe z.B.:

https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_B._Gaida

Oft in Verbindung mit elektronischen Einzelventilladen!

Viele Grüße,

violdigamb

Voceumana
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Re: Was ist das ??

Beitrag von Voceumana » Montag 19. September 2016, 18:22

malle235 hat geschrieben:in amerikanischen Orgeln scheinen diese sogenannten floating divisions ja relativ verbreitet zu sein, z.B. dass die "String Division" oder "Solo" kein eigenes Manual haben, sondern einfach jedem beliebigen Manual zugeordnet werden können

mich würde mal interessieren, wie technisch aufwendig so etwas ist bzw. wie das technisch realisiert wird

Die Vorteile sind ja offensichtlich, weil man eine unglaubliche Flexibilität beim Registrieren kriegt. So kann man sich z.B. eine schöne Solostimme (z.B. Flöte oder Zunge) aus einem Manual aussuchen und dann z.B. den begleitenden Streicherchor auf ein anderes Manual legen

Was sind die Nachteile davon, warum ist das nicht mehr verbreitet?
Prinzipiell muss man das mit einer elektrischen oder pneumatischen Spieltraktur machen, mechanische Lösungen mögen gehen (z. B. Solostimmen auf eine Sololade, ggf. schwellbar, und dann Koppeln Sololade an I, an II an III, an P etc.), bedeuten aber enormen Kraftaufwand.
Somit ist zumindest das Aux. elektrisch angespielt, somit ist es auch simpel, hier einfach eine Koppel AUX/I, AUX/II, AUX/P, auch mit Octavkoppeln zu realisieren, mit den üblichen Nachteilen einer elektrischen Spieltraktur (wobei hier Vor- und Nachteile unterschiedlich bewertet werden dürften).

Die Floatings in Anglo-Amerikanischen Orgeln (ab einer bestimmten Größe seeeehr häufig mit elektr. Traktur) sorgen dafür, dass man nicht zu viele Manuale bei vielen Werken bekommt: I Choir, II Great, III Swell, IV Solo, dazu Pedal und diverseFloatings: Strings, Echo, Antiphonal, Ethereal, Tuba, und wie sie alle heißen. Alles Werke, die man nicht dauernd braucht, aber doch mit den häufigeren Manualwerken zusammen spielen mag - oder gerade eben nicht: Will man leise spielen, kann man auf I und III leise registrieren, und auf dem Great (unison off, also stumm geschaltet) Strings und/oder Echo legen, um hier zwischen den leisen Werken zu wechseln. Flexibilität ist möglich - bei einer elektrischen Traktur prinzipiell bis zum äußersten.
Unterscheide:
Deutsches Werk = Ein Werk ist ein Manual
Anglo-Amerikanische Division: Ein Werk ist eine Abteilung, sinnvollerweise sind manche Abteilungen den Manualen bzw. dem Pedal fest zugeordnet. Die übrigen Werke werden als Floating Division an die fest belegten Manuale hinzugekoppelt. Meist ist das eigentlich fest zugewiesene Werk stummschaltbar.

Sowas habe ich aber, glaube ich, schon einmal bei alten Orgeln (Spanien?) gelesen: I Spielt Hauptwerk an, II entweder Positiv oder Echo (also im Schwellkasten, Umschaltung mittels Kniehebel).

Ronald Henrici
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Re: Was ist das ??

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 1. Oktober 2016, 17:42

Auxiliaeres sind vollständige auf einer Windlade stehende Register, die aber kein eigenes spielmanual haben. Diese Werke sind inzwischen doch schon weit verbreitet. Ich kenne diese inzwischen aus mehreren Orgeln:
Basilika Ottobeuren, Marienorgel
Köln, Antoniterkirche
Köln, Konzertsaal des Westdeutschen Rundfunks
Trossingen, Konzertsaal der Musikhochschule
(Im letzteren Fall muß ich allerdings kritisch bedenken, daß auf der Auxiliaer - Windlade so 15 Register stehen, die besser ein 4. Manual in Eigenständigkeit verdiennt hätten, allein schon des Charakter dieses Schwellwerkes wegen.)
Es gibt noch mehr Orgeln, die extra Windladen mit mehreren Registern haben, die keine eigene Klaviatur haben, wohl aber zu jeder vorhandenen Klaviatur zuschaltbar sind.
Ein Koppelmanual hat mit einem Auxiliaer nichts zu tun. Es ist ein drittes Manual meist bei zweimanualigen Orgeln, das rein auf mechanischem Wege eine Verbindung zu den zwei vorhandenen Manualen hat. Es erspart die Koppeleintichtung zwischen den beiden Werken.
Gruß
Ronald
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Grobgehackt
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Re: Was ist das ??

Beitrag von Grobgehackt » Sonntag 2. Oktober 2016, 16:00

Im Zusammenhang mit Firma Gaida nenne ich hier die Link-Orgel in der Paulus-Kirche in Ulm.
2014 wurde ein 4.Manual ergänzt mit diversen Stimmen(mit Sub-und Oktavlagen), die als Auxiliare auch in anderen Manualen und Pedal angespielt werden können...
68 Koppel und Spielhilfen sind schon eine Menge Möglichkeiten :-) - fast unübersichtlich....
http://www.ulmer-orgeln.de/orgeln/paulus/paulus.htm

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Friedrich Sprondel
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Re: Was ist das ??

Beitrag von Friedrich Sprondel » Montag 3. Oktober 2016, 14:31

Ganz kurz mal zwischendurch:

Richtig wird das Ding »Auxiliaire« (ja, -iai-) geschrieben, als französisches Fremdwort. Auf Deutsch bedeutet das im Orgelbau Hilfslade oder Hilfsmanual, also eine Klanggruppe zur Ergänzung der übrigen Werke ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Viele Grüße
Friedrich

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