Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
tiratutti
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Beitrag von tiratutti » Mittwoch 9. Februar 2011, 09:17

Hallo,
Martin hat geschrieben:Die Gießener Gemeinde hat sich zum Abbruch der Verhandlungen in ihrem Dezember-Pfarranzeiger (angeblich zudem via Internet einsehbar) geäußert.
das ist der Gemeindebrief von St. Bonifatius Gießen, der auf Seite 18-20 die Überlegungen erläutert.

Grüße von tiratutti

Holger

Beitrag von Holger » Dienstag 15. Februar 2011, 06:52

Danke für die Hinweise tiratutti.

Zwei sehr erfreuliche Entwicklungen haben sich da wohl ergeben.

Die Kirchengemeinde St. Bonifatius in Giessen hat wohl erkannt, dass neben interessantem Klang auch andere Argumente gewichtig sind, die in das Gelingen eines derartigen Projektes einzukalkulieren sind.

Orgeln (und vor allem die Großen) sind nun einmal Einzelanfertigungen, die man nicht so ohne weiteres in eine neue räumliche Umgebung bringen kann. Dies ist klanglich wie auch technisch ein gewagtes Unternehmen, wenn zudem noch Auflagen vorhanden sind, die einen gravierenden Eingriff in die technische Anlage erwarten lassen.

Die Kostenaspekte sind dann immer noch zu berücksichtigen - und eine alte Orgel bleibt eine alte Orgel mit allen technischen Spezialitäten, die das Instrument dann so mit sich bringt.

Ich denke, wenn die Giessener weiterhin in dieser wohlüberlegten Form an einer neuen Orgel planen und bauen, werden diese mit ihrem individuellen Instrument sicher auch eine überzeugende Orgel bekommen.

Den 2. positiven Aspekt, den ich sehe ist, dass der Verein zur Erhaltung der Bühler Schwarzorgel auf der HP der Pfarrei verlinkt ist: Hier wird wieder miteinander gesprochen. Und das sehe ich als wichtigen Ansatzpunkt für eine gemeinsame Basis an. Nur im partnerschaftlichen Dialog kann ein Projekt dieser Art und Größe geschultert werden. Nur, wenn irgenwie ein Entgegenkommen beider Seiten möglich ist, wird auch hier (wenn auch nicht kurzfristig, so doch hoffentlich auf längere Sicht) positives bewirkt werden können.

Da die Orgel schon weit über 30 Jahre nicht genutzt wurde ist es sicher ratsam genügend Zeit für eine umfassende Diskussion einzuplanen und lieber ein paar Jahre mehr für eine ausgereifte Konzeption und Finanzierung einzuplanen, damit nicht unterwegs Schiffbruch erlitten wird.

Deshalb allen Beteiligten, in Bühl, wie in Giessen für Ihre Projekte, die ja neben der Seelsorge und Gemeindearbeit laufen müssen, die nötige Weitsicht und den nötigen Mut gemeinsam daran zu arbeiten.

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Beitrag von Administrator » Dienstag 22. Februar 2011, 11:45

Ich habe vor einigen Tagen eine Mail von Herrn Bramser vom Verein zur Erhaltung der Schwarzorgel erhalten. Darin schreibt er:
Mittlerweile gibt es in Bühl neue Entwicklungen. Wir können Ihnen mitteilen, dass sich der Pfarrgemeinderat neuerdings entschlossen hat, die Orgel definitiv am Standort Bühl zu belassen. Zugleich wurde unserem Verein ausdrücklich erlaubt, unsere erklärten Ziele uneingeschränkt verfolgten zu dürfen. Wir werden jetzt erst genau überlegen, wie wir dieses Unternehmen u.a. in Abstimmung mit dem Denkmalamt am besten anpacken können ...
Das sind doch schon mal gute Nachrichten. Und jetzt - ran an den Speck. Ich bin gespannt, ob die weitere Zusammenarbeit nun harmonisch verläuft.

Ronald Henrici
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Beitrag von Ronald Henrici » Dienstag 15. März 2011, 22:16

Die Schwarz - Orgel ist auf jeden Fall zu erhalten. Eine restaurierung ist wesentlich preiswerter als ein Neubau in gleicher Größe. Offensichtlich läßt sich die Kirchengemeinde allzusehr von einem Orgelbaumeister beeinflussen, der unbedingt ein neues Instrument loswerden möchte. Solche Bemühungen kenne ich von einigen dieser Orgelbauer, die hauptsächlich aus der Schweiz stammen.
Es ist eine massive Kulturschande, ein Instrument dieser Art zu zerstören.das sollten sich die Pfarrer einmal hinter die Ohren schreiben. So geht man nicht mit Kirchensteuermitteln um. Diese gewissen Pfarrer dürfen sich nicht wundern, wenn ihre gemeindegliederzahlt erheblich sinkt.Die bestellten Gutachter haben offensichtlich auch nicht mehr alle Tassen im Schrank.
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von florianf » Sonntag 31. Juli 2011, 01:45

Bitte um Entschuldigung, dass ich dieses Thema nun erneut "aufwärme", doch bin ich von der Rettung der Orgel in beinahe letzter Minute sehr beeindruckt.
Gibt/gab es über die Bühl-Orgel in den letzten Monaten eigentlich Neuigkeiten bezüglich einer Renovierung? Was treibt der Verein eigentlich gerade?

Grüße,
F.

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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von Ronald Henrici » Sonntag 31. Juli 2011, 22:23

Es gibt tatsächlich einmal gute Nachrichten über erhaltenswerte Orgeln, wie es sich hier wohl zeigt. Wieso der "Sinneswandel" doch schließlich so verläuft, ist leicht zu erklären. Man muß manchmal den eisamen Entscheidern doch mit Nachdruck auch sehr kritisch vor Augen führen, was in ihren Gedankengängen gut ist, aber auch was in ihren Gedankengängen "zum Himmel schreiend" von excelenter Dummheit zeugt.
Ronald
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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von Administrator » Montag 8. August 2011, 21:25

Es gibt Neuigkeiten aus Bühl, Herr Bramser war so nett mir aktuelle Infos zu schicken.

"Die Kircheninnenrenovation in unserer Pfarrkirche wurden erfolgreich abgeschlossen.

Der Ventus-Motor wurde von einer Fachfirma generalüberholt und durchgeprüft und mit einer Prüfplakette versehen.

Die bauseitigen Elektroinstalationen sind noch nicht wg. der Ferienzeit abgeschlossen. Mit einem weiteren Testlauf ist voraussichtlich im Herbst d.J. zu rechnen."



Also - es läuft !!

thomas morus
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Neuigkeiten aus Gießen

Beitrag von thomas morus » Donnerstag 5. April 2012, 23:00

Ich krame mal diesen alten Thread raus, nachdem in ihm schon recht leidenschaftlich diskutiert wurde. Es gibt Neuigkeiten aus Gießen.

Nachdem man im letzten Jahr eine Ausschreibung begonnen hat und entsprechende Angebote reingeholt hat, sich anschließend diese Angebote und entsprechende Referenzinstrumente angeschaut hat, ist nun die Entscheidung für einen Orgelneubau durch die Firma Eule gefallen. Weiterführende Informationen werde ich bei Gelegenheit hier vorstellen.

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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von P.M.P. » Montag 24. September 2012, 18:36

So wie es aussieht tut sich wieder etwas in Bühl. Im "anderen Orgelforum" wurde bereits auf die neue Homepage hingewiesen. Denke, dass der Link hier aber der Vollständigkeit halber auch hingehört. . .

http://www.schwarzorgel-buehl.eu

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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von thomas morus » Dienstag 11. Juni 2013, 14:03

Der Vertrag ist unterschrieben, der Auftrag erteilt. Geplant ist, dass die neue Eule-Orgel Advent 2016 das erstemal in Gießen zu hören sein wird.

http://www.giessener-anzeiger.de/lokale ... 162473.htm

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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von Administrator » Donnerstag 12. Juni 2014, 13:15

Hallo zusammen,
weiß jemand etwas Neues aus Bühl?

Solcena
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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von Solcena » Donnerstag 12. Juni 2014, 16:58

Administrator hat geschrieben:
weiß jemand etwas Neues aus Bühl?
Gute Frage, das würde mich auch sehr interessieren!

Immerhin, die Orgel spielte ja wieder, und ein Verkauf ist vom Tisch. Jetzt muss der Verein wohl die nötigen Mittel für eine Renovierung auftreiben, denn die Orgel ist ja "nur so" im unrestaurierten Zustand nicht dauerhaft spielfähig, wenn ich die HP richtig verstehe. Kein Wunder nach dem langen Stillstand. Den dort Engagierten ist nur alles Gute für diese Riesenaufgabe zu wünschen.

Ronald Henrici
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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 12. Juni 2014, 22:57

Wenn die Orgel in die richtigen Orgelbauer - Hände gerät, dann wird aus der Restaurierung auch etwas Gescheites.
Wenn sie teilweise auch nur notdürftig spielbar ist, dann sollte es Benefizkonzerte geben. Ich bin gerne bereit dazu, mit guten Improvisationen mit den spielbaren Registern dazu beizutragen und warte auf Spielmöglichkeiten !!
Gruß
Ronald
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Ippenstein
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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von Ippenstein » Samstag 14. Juni 2014, 22:43

Hallo Ronald,

wenn Du so gerne überall konzertant spielst, wieso hast Du nie auf meine PNs diesbezüglich reagiert? Das Angebot steht immer noch.

Viele Grüße

Ippenstein

MaxReger
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Re: Bedeutende Orgel von 1928 bedroht!

Beitrag von MaxReger » Sonntag 15. Juni 2014, 15:25

Bei einer Sitzung des Fördervereines zur Erhaltung der Schwarzorgel in Bühl erinnere ich mich noch ganz genau an die Phase, in welcher die Orgel nach Giessen veräussert werden sollte und wir überlegten, welche Firmen wir bezüglich Gutachten und Beurteilungen des Instrumentes kontaktieren könnten.

Genau in dieser Zeit im Jahr 2007 wurde ein Entscheid über den Erhalt der Schwarz-Orgel zu Bad Bellingen (Baujahr 1896 II/16 leicht verändert 1974 von Fischer & Krämer) gefällt. Die Orgel in Bad Bellingen stand bereits unter Denkmalsschutz, daher hatte die Gemeinde Auflagen zu erfüllen und den Erhalt der Schwarz-Orgel trotz geplanten Orgelneubau's zu sichern. Durch ein Orgelkonzert meiner Mutter Brita Schmidt-Essbach im Jahre 2003 kannte ich die Orgel in Bad Bellingen näher und wusste hier besteht Handlungsbedarf. Der zuständige Sachverständige (dessen Namen ich nicht erwähnen möchte, da dieser einige Schwarz-Orgeln (vor allem im Raum Waldshut) äusserst unglücklich verändern liess und auf der anderen Seite Konzerte an einer Schwarz-Orgel organisiert) genehmigte der Gemeinde die Lagerung der Orgel auf dem Dachboden, was nach einiger Zeit sicherlich das Todesurteil der Orgel gewesen wäre. Durch Konzerte in Norddeutschland und Freundschaften zu den dortigen Sachverständigen konnte ich die Orgel schlussendlich an die Kirchgemeine Wolfshagen/Uckermark vermitteln. Dort wird das Instrument rege für Konzerte genutzt, wird geschätzt und fügt sich harmonisch in die romantisch geprägte Orgellandschaft ein.

Eine Orgel wie Bühl ist auf Grund der Grösse wesentlich schwerer zu vermitteln und es wäre nicht nur ein unwiederbringlicher Verlust für die Orgellandschaft gewesen, sondern auch sicher, dass das Instrument an einem neuen Ort sicher Anpassungen erfahren hätte, welche in die Originalsubstanz eingreifen. Ist doch die Bühler Orgel neben der Orgel zu Salem eine der wenigen grösseren Instrumente von Schwarz, welche noch fast unverändert erhalten geblieben sind.

Das Pendant zur Rieger-Orgel ist perfekt und beide Instrumente sind äusserst vielfältig.

Das ein solches Zusammenspiel zweier Instrumente nicht immer erwünscht ist oder in der gleichen Diözese seltsamer Weise z. B. in Herbolzheim funktioniert und nicht hinterfragt wird, wie was finanziert werden kann, musste ich noch im gleichen Jahr in Wehr feststellen. Dort hatte man neben einer klangvollen schönen Winterhalter-Chororgel noch eine der letzten grossen Dold-Orgeln der 30-ger Jahre mit 45 Registern und Contraviolon 32' zur Verfügung mit einem Spieltisch, welcher an die Wurlitzer-Kinoorgeln erinnerte. Ich hatte noch knapp zwei Monate Zeit diese Orgel vor der Verschrottung zu retten. Die Firma Metzler hatte bereits den Auftrag zum Bau einer wesentlich kleineren Hauptorgel, welche sich schlussendlich stilistisch kaum von der Chororgel abhebt.

Im Pfarrhaus befand sich noch ein Zweitspieltisch von Dold, welcher ursprünglich bis zum Bau der Winterhalter-Chororgel im Altarraum befand. Ich vereinbarte mit Dr.Sixtus Lampl, einem mir bekannten Orgelkenner und Inhaber des Orgelmuseum's Schloss Valley einen Besichtigungstermin. Zu diesem erschien auch der Dresdner Kreuzkirchenorganist, welcher bei Herrn Lampl gastierte. Brita Schmidt-Essbach gestaltete die Begrüssung der Gäste mit Max Reger's Fantasie Opus 135b an der Orgel. Innert der letzten paar Wochen wurde die Orgel dank der Vermittlung abgebaut und im Schloss Valley gelagert. Vor einem Jahr wurde die Orgel nun wieder aufgestellt und erklingt in der neuen Gedächtniskirche Auschwitz/Polen. Die Presse berichtete darüber und vermerkte zu meinem Stolz auch, dass der Landkreis Waldshut mit der Dold-Orgel die letzte grosse spätromantische Orgel verloren hatte. Mit dieser Warnung appellierte ich damals an die Kirchgemeinde die Orgel zu erhalten.

Nach einer weiteren Vermittlung der Welte-Orgel der katholischen Kirche Bötzingen's ans Schloss Valley und einer kleinen Reiser/Schefold-Orgel sollte bald die nächste Schwarz-Orgel innert kürzester Frist einen neuen Platz erhalten.

Zu Bötzingen möchte ich erwähnen, dass auch hier ein bedeutendes Werk beinahe verschwunden wäre. Wer auf den Seiten (Pfarrei) der Münsterorgeln zu Freiburg nachliest, weiss, dass die Firma Welte (übrigens mein Projekt die Erhaltung der Welte-Kirchenorgeln) die grosse Orgelanlage im Münster zu Freiburg in den Jahren 1929 bis 1938 erschuf. Die Langschifforgel wurde als einzige Orgel der einstigen Orgelanlage von Welte erhalten und nach Bötzingen transferiert. Dort erhielt das Werk einen neuen Spieltisch und eine neue Prospektfront von August Späth. Die Disposition blieb weitestgehendst unverändert. Als sich der Wunsch nach einer neuen Orgel im Jahr 2005 äusserte wurde die Welte-Orgel in ein stillgelegtes Lazareth-Krankenhaus transferiert und einige Teile des Innenlebens, der Spieltisch und der Subbass wurden grundlos entsorgt. Dr.Lampl schrieb ein Buch über die Orgelbaufirma Koulen, welche zusammen mit Welte die Münsterorgeln in Freiburg realisierte. Dort ist die Orgel aufgeführt und lagert nach wie vor als nahezu unbekanntes Stück Freiburger Orgelgeschichte. Immerhin ist die Orgel nicht verloren gegangen und ich bin dankbar, dass Dr.Lampl sich der Orgel angenommen hat.

Die kleine Reiser-Schefold Orgel aus Granheim erhielt einen neuen Platz in der Dorfkirche Casekow/Uckermark. Brita Schmidt Essbach weihte sie am neuen Ort ein und trotz der geringen Anzahl der Register, 5 klingende Register, erfreut das kleine Werk mit einem bemerkenswert frischen und kräftigen Klang die dortige Gemeinde. Das Werk besitzt lediglich einen 4' als Klangkrone und eine Super- bzw. eine Suboktavkoppel. Hier wurde eine kleine historische Orgel vorbildlich weitergegeben. Die Kirchgemeinde hatte das Werk nahezu komplett renoviert und entschloss sich erst nach einer grosszügigen Spende für eine neue Orgel. Die Reiser-Orgel mit Schefold-Material wurde vorbildlich gelagert und bedacht in gute Hände weitergegeben, welche ich vermitteln konnte.

Nun im vergangenen Jahr wackelte die nächste Schwarzorgel in Bad Rippoldsau-Schapbach. Ein original erhaltenes Werk aus dem Jahr 1904 in einem historischen Gehäuse von Mathias Martin!!!

Die Orgel wurde als zu schwach empfunden und sollte einer neuen Orgel weichen. Lange geschah nichts, ausser dass Gutachten eingeholt wurden von Firmen, welche mit pneumatischen Orgeln nahezu keine Erfahrung hatten bis auf die Ausnahme Winterhalter (welchen ich auf Grund der hervorragenden Renovierungen und Wartungen einiger Welte-Orgeln äusserst schätze).
Das Instrument sollte also nicht mehr zu retten sein und gegen Ende des Jahres 2012 wurde ich durch die Presse (übrigens Orgel-Information, dank Daniel Kunerts Arbeit mit der Presseschau) aufmerksam, dass die Orgel innert vier Wochen um die Weihnachtszeit abgebaut wird und eine neue "Gebrauchtorgel" angekauft werden soll.

Nach meiner erfolgreichen Vermittlung der Reiser-Orgel nach Casekow konnte ich die Schapbacher Schwarz-Orgel in dieser kurzen Zeit für die Zweitkirche Luckow vermitteln. Ähnlich wie in Casekow hatte Luckow durch den Krieg die Orgel verloren und es waren nie Finanzreserven für eine neue Orgel vorhanden. Mir war es auch wichtig keine englische "Exotin" oder irgendeine Orgel zu vermitteln. Ich war stets bedacht Orgeln zu vermitteln, welche in die Orgellandschaft vor Ort passen. So erklingt seit dem vergangenen Jahr die zweite Schwarz-Orgel in der Uckermark und konnte vor dem ausschlachten bewahrt werden. Ich muss auch nochmals erwähnen, eine Schwarz-Orgel in einem Gehäuse des 18.Jahrhunderts. Wo dies gelandet wäre, möchte ich lieber nicht wissen.

Nun habe ich mich etwas vorgestellt, um meinen Bezug zu den Schwarzorgeln zu erklären. Nun zu Bühl kann ich sagen, dass die Orgel ab und zu gespielt wird. Die Idee mit den Konzerten brachte ich auch vor und schlug auch vor die Altarorgel zu nutzen, falls die Schwarz-Orgel noch nicht spielen würde. Nun muss ich mich sehr diplomatisch ausdrücken, was mir als doch etwas emotionaler Mensch (kann man vielleicht aus meinem Beitrag oben herauslesen) manchmal schwer fällt. In der Schweiz gibt es an manchen Orten die Macht oder die Stimme der Kirchenpflege, welche leitend ist (dies kann bei gutem Einsatz positiv sein, aber auch manchmal viele Steine in den Weg räumen). Während in Deutschland ja meistens der Pfarrer die gewichtigste Stimme über Entscheidungen trägt (auch hier gibt es Vor- und Nachteile). In Bühl hiess es, es habe kein Publikum für Orgelkonzerte bei meiner Anfrage vor vielen Jahren.

Diese Aussage unterstreicht meistens nur den fehlenden Mut etwas aufzubauen. Ich leite seit zwei Jahren eine äusserst erfolgreiche Konzertreihe an drei romantischen Orgeln am Vierwaldstättersee und durfte unter anderem den Mainzer Domorganisten Albert Schönberger als hervorragenden und meines Erachtens besten Mainzer Organisten gewinnen. Hier dachte man am Anfang auch, vielleicht kommen nur 20 bis 30 Leute. Die Kirche war annähernd voll und die Zahl der Besucher steigerte sich von Musik zu Musik. Gut ich habe auch entsprechend geworben und keine Möglichkeiten ausgelassen, auch wenn dies teilweise mehrere Tage in Anspruch nahm. In Bühl wäre dies auch machbar, davon bin ich überzeugt. Hier müsste nur erstmal ein "Weg zur Orgel" von einigen Seiten geöffnet werden.
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Luckow1.JPG
Luckow Orgel im Mathias Martin-Gehäuse, erweitert von Fr.W.Schwarz
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Luckow Spieltisch
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