Der 5 2/3 Faden

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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Ippenstein
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Der 5 2/3 Faden

Beitrag von Ippenstein » Montag 5. November 2018, 14:14

Bei einer romantischen Orgel (1868) mit 36 Registern ist mir die obige Quintflöte begegnet. Nun stellt sich mir die Frage, wozu die eigentlich dienen soll, steht das 1. Manual doch auf einem kräftigen Prinzipal 16. Soll das eine Zunge 16 erfolglos imitieren? Nur, um die Obertonreihe auf 16er Basis voll zu machen, wäre das doch ein teurer Spaß, da ansonsten mir das Register erst einmal recht nutzlos erscheint.

Viele Grüße

Ippenstein

Voceumana
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Re: Der 5 2/3 Faden

Beitrag von Voceumana » Montag 5. November 2018, 18:19

Möglicherweise ist der 5 1/3' als leise Stütze gedacht?

kernspalter
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Re: Der 5 2/3 Faden

Beitrag von kernspalter » Montag 5. November 2018, 23:12

Mit der Quinte wollte man wahrscheinlich nichts "imitieren", sondern vielmehr den Klang erzeugen, der nun mal nur durch eine Quinte zu erzielen ist, weil eben "die Quinte dem Klange des Grundtons einen ganz eigenthümlichen Reiz giebt, wodurch eine solche Zusammenstellung von jeder andern unterschieden werden kann." (Johann Gottlob Töpfer, Die Orgel, Erfurt 1843, S. 98)
Mit kernspalterischen Grüßen

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olds
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Re: Der 5 2/3 Faden

Beitrag von olds » Mittwoch 7. November 2018, 06:38

Da kommt mir doch schon eine Frage, die ich schon immer stellen wollte.

Als ich Orgel lernte wurde mir gesagt, dass die 5 1/3 und 1 3/5, in diesem Fall die Nasard und die Terz, nur für solistisches Spiel geeignet seien. Tatsächlich bekam man auch Ohrenweh, wenn man an diesem Instrument entsprechend registrierte.

Inzwischen kenne ich einige Orgeln, wo der Sesquialter (hier 5 1/3 + 1 3/5), die Quinte und die Terz ohne Probleme auch nicht solistisch registriert werden könnnen. Bei einer kleinen Orgel (dank Wechselschleife aber sehr interessantes und abwechselungsreiches Instrument) ist hier 5 2/3 und 1 3/5 nicht weg zu denken, gerade die Quinte und die Terz geben dem Instrument Klang.

Was macht der Orgelbauer denn da anders?

Voceumana
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Re: Der 5 2/3 Faden

Beitrag von Voceumana » Mittwoch 7. November 2018, 07:34

Um Missverständnissen vorzubeugen:
Sesquialter / Cornet/ Cornett etc. sind 2 2/3' und 1 3/5', also 8/3' und 8/5' und somit auf 8'-Basis. Der 5 1/3' ist als 16/3' auf 16'-Basis, die entsprechende 16/3' Terz ist der 3 1/5'!

Die einzeln regsitrierbare Terz kann man enger bauen, dann ist das eher Sesquialter-Klang (auch enger als die Quinte). Weiter gebaut machen beide Aliquoten das Cornet. Dieses ist ja schon in der französischen Barockzeit als décomposé, also zerlegt gebaut. Macht auch manchmal Sinn, denn aus Einzelaliquoten kann doch viel kmbiniert werden:
Sesquialter, Cornettino, Hörndl/ Hörnle, Terzian, Terz-Quint, Carillon III, (ggf. Terzsept, Terznon).

Trotzallem: Ein Sesquialter heißt nicht nur, dass es principalisch klingt und somit weitere Principal-Stimmen im Werk braucht, sondern es steht auch auf einer gemeinsamen Schleife, was wiederum für die Tonansprache und das Mischen der Reihen von Bedeutung ist. Eine principalige Rauschpfeife 2f, 2 2/3'+2', klingt auch anders als eine registrierte Quinte 2 2/3' und Superoctave 2' dazu.

kernspalter
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Re: Der 5 2/3 Faden

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 7. November 2018, 08:02

olds hat geschrieben:
Mittwoch 7. November 2018, 06:38
Was macht der Orgelbauer denn da anders?
Er nimmt sich so lange Zeit für die Intonation, bis es paßt.


(Es können natürlich vielerlei Faktoren mitspielen, die ihm das Intonieren erleichtern oder erschweren - von der Mensur bis zur Raumakustik...)
Mit kernspalterischen Grüßen

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olds
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Re: Der 5 2/3 Faden

Beitrag von olds » Montag 19. November 2018, 06:28

Ich meinte bei meinem Beispiel natürlich die 2 2/3 Nasard. Der Fehler ist mir jetzt erst aufgefallen.

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