Die gebrauchte Orgel

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Antworten
Benutzeravatar
olds
Beiträge: 311
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Die gebrauchte Orgel

Beitrag von olds » Sonntag 4. Februar 2018, 10:50

Wie sind denn da so die Erfahrungen?

Wurde am Montag mal wieder auf ein Vorhaben aufmerksam, eine nicht ganz so gute Orgel durch eine gebrauchte zu ersetzen, die in einer aufzulösenden Kirche hinfällig wird. (Wobei dieser Plan derzeit noch den Status "Überlegungen einiger engagierter Gemeindemitglieder" hat).

Ich kenne dazu nur drei Beispiele, das schlimmste ist eben jene Orgel, die da ersetzt werden soll (mit dem Raum völlig überfordert, antiquierte und schlecht ausgeführte Technik). Dann wurde hier in der Stadt eine Orgel halb übernommen, d.h. die Disposition ist komplett neu, der Spieltisch auch.

Anfang der 90er als noch nicht orgelinteressierter Teenager gab es in meiner Heimat einen recht alten Priester, dessen Mission es war, möglichst viele Kirchen mit neueren Orgeln auszustatten. Eine unserer Filialkirchen bekam so ein Instrument. Nix besonderes, nichts das einen vom Hocker haut.

Ist da im Moment einiges in Bewegung? So wie ich das Gespräch verfolgen konnte, hatte ich das Gefühl, dass da aufmerksam und schnell sein muss, weil das Geschacher langsam losgeht.

Ippenstein
Beiträge: 506
Registriert: Montag 3. August 2009, 15:23

Re: Die gebrauchte Orgel

Beitrag von Ippenstein » Sonntag 11. Februar 2018, 14:43

Wir hatten in Priesendorf auch eine gebrauchte Orgel für ca. 70.000 Euro bekommen, 17 Register und moderne Disposition. Die Verantwortlichen hatten sich die Orgel genau angesehen und auch überlegt, ob sie in den Raum passt bzw. diesen ausfüllen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=rdmjR_6yosk

https://www.youtube.com/watch?v=2uwCb4hrDrw

Hat hier also geklappt. Es kommt aber immer darauf an, tatsächlich eine Orgel zu finden, die zu dem Raum passt.

Viele Grüße

Ippenstein

Ronald Henrici
Beiträge: 718
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Die gebrauchte Orgel

Beitrag von Ronald Henrici » Dienstag 27. Februar 2018, 19:54

Es gibt in meinem Wissen ein Beispiel, wo die Gemeinde sich eine gebrauchte Orgel aus einer anderen Kirche zulegen wollte, die eben auch in fachlichen Informationen angeboten wurde. Es war ein Instrument mit 10 Registern, das für die verkaufende Gemeinde beim Bau der Kirche angeschafft wurde, aber für den Kirchenraum zu klein war. es waren damals finanzielle Gründe, ein "kleines" Instrument sich zu gönnen.
Dann in den 90er Jahren hat man ein größeres Instrument gewünscht, und deshalb die 10 Register Orgel zu Kauf angeboten,auch mit dem Hinweis, daß das Instrument mehrere Reparaturarbeiten hatte, die erfolgreich abliefen. So recht so gut. Die neue Gemeinde mit nur einem kleinen Saal im Gemeindehaus hätte sich gefreut über das Instrument, und haben Presbyter mit dem Kreiskantor in die verkaufende Gemeinde geschickt, um sich das Instrument zu Gemüte zu führen. Das hatte auch so geklappt, da das Instrument aus den 60er Jahren gut gewartet war, gut klang und auch im Material recht in Ordnung war.
Aber:
Gleich ein Tag nach dem Besuch in der verkaufenden Gemeinde hat mich der Kreiskantor einmal angerufen und mir folgende Frage gestellt: "Sag mal, warum ward ihr (d.h. die Orgelbaufirma mit mir) öfter zu Reparaturen an der Orgel ? Das habe ich an den Notizen hinten auf der Windlade gesehen, daß du und Herr B. Arbeiten ausgeführt haben. Dazu meine Antwort: das Instrument hatte Durchstecher bei den Tonkanzellen wegen Rissen in der Lade, die wir mit Lederstreifen verklebt abgedichtet haben.
Nun, die Tatsache war eigentlich kein Mißgeschick, hat aber dazu geführt, daß die Orgel nicht gekauft wurde, weil weitere Reparaturen wegen weiterer Risse in der Windlade zu erwarten waren. Irgendwann hätte die Windlade erneuert werden müssen, was weder die alte noch die neue Gemeinde finanziell hätte tragen wollen.
Das soll nur ein Beispiel sein, nicht zur Vernichtung eines Instruments, sondern zu der Nutwendigkeit kostenintensiver Erneuerung.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

Antworten