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Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Montag 8. Januar 2018, 18:10
von dieterich
Guten Tag!

Manche Mixturen sind ja zu scharf/laut und 1. Hilfe kann sein, die höchsten 1-2 Chöre abzustecken oder zuzukleben.

Nun frage ich Euch,
- ob dies auch der fest angestellte, einzige betr. Organist kann/"darf",
- ob abstecken oder zukleben besser/schneller wäre,
- wie diese 2 Methoden gehen?

Mit frdl. Gruß! Dieter

Re: Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Dienstag 9. Januar 2018, 14:39
von kernspalter
Wenn er es kann (und auch ggf. spurlos wieder rückgängig machen kann), dann darf er es auch.

Wenn er es nicht kann, würde ich dazu raten, die Finger davon zu lassen und es den Orgelbauer bei der nächsten fälligen Stimmung machen zu lassen.

Möglicherweise ist dem Orgelbauer das Abstecken lieber als das Stimmen.

Re: Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Dienstag 9. Januar 2018, 18:15
von Sofia Chilkowski
Wir habe es damals bei eine Wartung gemacht. Zugesteckt mit Pfarrbriefresten. Was Besseres hätte man damit nicht machen können.

Re: Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Mittwoch 10. Januar 2018, 12:05
von olds
Ich kenne nur die nachträgliche Einrichtung des Registers "Ratta-Schepper".

Unter der Woche wurden die Prospektpfeifern mit 1 Pfenningmünzen gefüttert. Muss sich wohl nett angehört haben, wenn sie vom Luftstrom durch die Pfeife gewirbelt wurden.

Re: Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Freitag 12. Januar 2018, 00:42
von Dorforgler
Man kann das im Grunde schon gut selbst machen - uebrigens wurde die Methode mit den Wattebaueschchen noch nicht erwaehnt :lol:

Ich moechte aber wirklich empfehlen, das ganze in Zusammenarbeit mit dem Orgelbauer (am besten einem Intonateur!) zu machen - es kann naemlich passieren, dass durch die veraenderte Zusammensetzung der Mixtur grade an den Repititonspunkten kleinere Nacharbeiten an der Intonation noetig werden - und sowas macht man bitte nicht selbst! Auch Probetoene (z.B. alle C`s) am Anfang sind sinnvoll, da es sich durchaus lohnen kann, z.B. nur einen "halben" Chor (z.B. den hoechsten nur im Diskant) stillzulegen... oder auch vielleicht doch eher einen der mittleren? :?:
Grade die grossen "Kreisch 12-17f" laden regelrecht zum Experimentieren ein, weil du mit relativ wenig Zeit- und Kostenaufwand reversibel(!) den Klangeindruck der Orgel komplett veraendern kannst.


Ich habe so etwas schon bei 3-4(?) Orgeln in Zusammenarbeit mit verschiedenen Orgelbauern im Rahmen der jaehrlichen Wartung gemacht, wobei das aber teilweise auch ueber mehrere Runden ging.
Letztes Projekt war mein Problemoergelchen (eigentlich zu kleines 5-1/2-Registerpositiv) in der Fialkirche, wo sich die Mixtur 2-3f einfach nicht weiter zuruecknehmen liess, ohne die Stabilitaet der Pfeifen zu gefaehren. In der ersten Runde wurde nur der 3. Chor stillgelegt - das brachte zwar stimmungsmaessige, aber keine grossen klanglichen Verbesserungen. In der Zweiten Runde haben mir die Orgelbauer nach Probetoenen aus den 3 Choeren einen wirklich sehr ordentlichen und fast durchgehenden 1 1/3 gebastelt (die obere Quart repitiert dann doch leider in die Oktave) :shock: . Das ist natuerlich in dem Sinne keine Mixtur mehr - ist aber deutlich flexibler einsetzbar und reicht auch als Klangkrone voellig aus.

Re: Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Sonntag 21. Januar 2018, 14:03
von Ippenstein
Falls das mal jemand macht - könntet Ihr bitte eine Vorher/Nachher-Aufnahme machen?

Re: Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Dienstag 27. Februar 2018, 18:21
von Ronald Henrici
Der Organist kann durchaus Mixturchöre abstecken, eventuell auch umsetzen, um dem Gesamtklang die gewisse obertönige Schärfe zu nehmen. Aber ich würde als Volontär im Orgelbau und als Wartungsmensch im Orgelbau auf keinen Fall ein Zukleben von Labien oder Stockbohrungen vornehmen, weil das Einfluss auf Intonation hat und im zweiten Fall den Winddruck labil macht und verändert. Das hat dann negative Auswirkung auf die Stimmbarkeit der (restlichen) Mixtur.
Das Abstecken eventuell mit Vogelfedern oder mit Keilen aus weichem Papier in den Labien wird durchaus funktionieren, aber dabei gehe ich nicht tonweise vor, sondern nehme die hochliegenden Chöre, die evtl. bei C Null oder C 1 beginnen. Damit vermeidet man die Sprünge bei den Repetitionspunkten. Auch habe ich schon Pfeifenreihen versetzt, d.h. aus einem hohen Oktavchor mit der Quinte anfangen lassen und dann c bis fis, was dann unten übrig war, oben angesetzt. Auch habe ich aus einem Quintchor einen tieferliegenden Terzchor gemacht, wobei dann der Gesamtklang der Mixtur runder wurde, d..h. die Obertonlage nicht extrem verschärft wurde.
Besonders notwendig wurden entsprechende Maßnahmen bei Mixturen und Zimbeln in den sogenannten "neobarocken" Orgeln der unmittelbaren Zeit nach 1945, um die Spielbarkeit mit Mixturen und Zimbeln erträglicher zu machen.
Also ich würde dem Absteckverfahren den Vorzug geben.
Gruß
Ronald

Re: Abstecken oder Zukleben von Mixturchören durch Organisten?!

Verfasst: Samstag 10. März 2018, 21:21
von tournemire
...ich stecke Mixturchöre immer selbst ab. Ist doch überhaupt kein Problem! Für kleinere Pfeifen nehme ich immer Pfeifenputzer aus dem Raucherbedarf, deren dickes (wahlweise auch dünnes) Ende ich von oben in den Pfeifenkörper stecke. Für größere Pfeifen schneide ich mir aus etwas kräftigerem Papier Dreiecke aus, falte diese in der Mitte (ergibt dann die halbe Dreiecksgröße des Ausgangsschnipsels) und stecke die in den Aufschnitt. Kräftigeres Papier deshalb, weil es nach dem Falten besser "auf Spannung" bleibt und nicht gleich vom Winde verweht wird.
Hauptsache beim Abstecken: dass jede abgesteckte Pfeife jenen Wind verbraucht, der ihr regulär ohne Abstecken zugeführt wird! Aber wem sage ich das...
Gruß
der tournemire