Abtei Himmerod wird aufgelöst

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Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von Administrator » Samstag 14. Oktober 2017, 16:44

Gerade gelesen: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -aufgelost

Wie geht es nun weiter?
Was wird aus der Klais-Orgel?
Und aus diesem sehr wichtigen spirituellen Ort?
Herzliche Grüße

Daniel
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olds
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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von olds » Sonntag 15. Oktober 2017, 16:07

Der Artikel verschweigt, dass es in Himmerod am 25.07.2017 in direkter Nähe der Orgel gebrannt hat. Der Schaden ist ingesamt höher als gedacht und stellt wohl eine Art Sargnagel für die Abtei insgesamt da.

https://www.swr.de/swraktuell/rp/brand- ... index.html

Da ich verschiedene Bezüge zur Abtei habe, kenne ich den Werdegang seit etwa 1991. Die Entwicklung wundert mich daher nicht.

So reagierten die Wasserrohre recht eifrig mit dem aus dem Grundwasser der Vulkanregion gewonnenen Trinkwasser - in so einer Abtei liegen einige Meter Wasseleitung.

Die Abtei setze ab den 90ern sehr auf "Spirituelles Zentrum", so entstand ein eifriger Kunst- und Kulturbetrieb der in die Insolvenz ging.

Was man insgesamt nicht vergessen sollte. Der Vorgängerabt Bruno Fromme sagte mal den schönen Satz, dass Himmerod von 75 Mönchen für 75 Mönche gebaut wurde. Von diesen waren sehr viele Bauerssöhne der Eifel. Nicht umsonst hatte das Kloster mit dem Altenhof eine Art "Außenstelle", ein recht großer Bauernhof, der komplett mit Brüdern bewirtschaftet wurde.

Ob es in anderen Abteien auch so ist, vermag ich nicht zu sagen, aber Himmerod erweckte für mich doch immer ein wenig den Eindruck, dass die erneute Blüte nach 1919 auch sehr von dem Umstand eine Versorgungsanstalt für überzählige Bauersöhne zu sein, geprägt wurde.

EDIT:

Grad mi´m Vadder telefoniert, der heute mit seiner Frau in Himmerod war.

Die Orgel ist abgebaut und bei Klais. Bis auf den aktuellen Abt gehen alle Zisterzienser sonstwohin, wobei einer sich keinem anderen Kloster anschließen wird. Die Kirche innen komplett eingerüstet.

Brandursache war die Bodenreinigungsmaschine, die eingesteckt unter der Orgel gestanden hat.

Was das Gästehaus und die Bücherei betrifft gibt es wohl Ehrenamtler die schon seit längerem unabhängig vom eigentlichen Haus arbeiten.
(Klassischer Förderverein, vermute ich mal.) Die Klosterschenke ist von einem Gastronom übernommen worden.

Für mich persönlich ist aber fraglich, was das Bistum damit anstellt, insbesondere, da mit dem ehemaligen Priesterhaus in St.Thomas eine Erwachsenenbildungsstätte und mit der Marienburg in Zell eine Jugendbildungsstätte jeweils eine gute halbe Stunde Autofahrt entfernt liegen.

Ronald Henrici
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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von Ronald Henrici » Montag 16. Oktober 2017, 12:06

Besten Dank für die Information. Gut, dass sich Klais der Orgel angenommen hat, die ja auch erst vor einigen jahren zuletzt gereinigt/überholt wurde.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

olds
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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von olds » Montag 16. Oktober 2017, 15:11

Natürlich unter Vorbehalt, dass ich die Entwicklung in anderen Abteien nicht kenne, hier noch einige EInblicke in meine Erlebnisse in Himmerod.

1991 habe ich dort mit meinem Vater einen Wanderurlaub verbracht. Aufgrund des hohen Alters meines Großvaters waren wir nicht umhin gekommen, den Sommerurlaub in einen Vater-Sohn und einen Mama-Sohn Urlaub zu trennen. Wir waren im dem Kloster vorgelagerten (und nicht zum Kloster gehörigen) Gasthof Zils abgestiegen und lernten dort einige jungen Theologen kennen, die auf dem Weg zum Priester oder Mönch waren und sich im Kloster aufhielten. Die saßen Herren abends zusammen mit einem der etwa gleichaltrigen Mönch im Biergarten.

Nach dem Tod meiner Mutter folgte 1992 im Advent ein erster Aufenthalt im Kloster selbst, die Klausur blieb zwar tabu, ansonsten konnte man als Mann komplett am Klosterleben teilnehmen, Frauen blieb allerdings das Refektorium ebenfalls versperrt, sie nahmen ihre Mahlzeiten in einem vorgelagerten größeren Speiseraum ein.

Zu dem Zeitpunkt gab es in Himmerod eine Fraktion junger Theologen, die das Kloster zukunftsfähig halten wollten. Dazu gehörte auch das oben genannte Konzept. Ich sage jetzt bewusst "Theologe" statt "Bruder" oder "Pater". Die jungen Herren hatten Theologie studiert, aber keine Priesterweihe empfangen, waren also nur einfache Brüder, aber halt mit Studium und gehörigem Fachwissen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch etwa 23 Patres und Brüder, der Altenhof war bereits verpachtet.

Vielen alteingesessenen Brüdern missfiel dies, sogar wir männlichen Gäste wurden von diesen geschnitten und teilweise unfreundlich angefahren.
Durch die Blume wurde dazu kommuniziert, dass es einige ältere Brüder gäbe, die in ihrem Leben außer dem elterlichen Eifelbauernhof und dem Kloster nie was gesehen hätten und ein grundlegendes Problem mit Fremden hätte. Dazu passte natürlich schlecht, dass es nun diese Bemühungen gab, das Kloster der Welt zu öffnen. (Der Eifelbauer an sich ist ja schon eine spezielle Spezies Mensch. Dazu dann noch 40 Jahre Abgeschiedenheit im Kloster.......)

Unabhängig davon hatte es aber schon immer ein rege Aktivitäten im Gästehaus gegeben, die Gruppen hier wurden allerdings über die Klostergaststätte versorgt und waren nicht im vergleichbaren Maß ins Klosterleben integriert. Dazu folgende nette Anekdote:
Im Studium lernte ich eine Studentin kennen, die mal mit einer Jugendgruppe in Himmerod war und sich wunderte, warum sie Schwimmzeug mitnehmen sollte. Wozu und warum merkte sie dann vor Ort recht schnell. Teil des Programmes vor Ort war das morgendliche Schwimmen im Fischteich. Zumindest versuchte Pater Stephan dazu zu animieren. Das macht Stephan wohl heute noch, egal ob Sommer oder Winter: in den Teichen schwimmen.

Besagte "Reformer" sind dann im Laufe der 90er alle wieder aus dem Orden ausgetreten. Also die jüngeren.

Im Zuge der Modernisierung entstand dann dieser Kunst- und Kulturbetrieb, dessen Betriebs-GmbH den Weg in die Insolvenz gehen musste. Aber eben auch erheblich Anteil daran hat, dass Himmerod ein echter Anlaufpunkt geworden ist. Die Gastronomie ist lohnenswert, der Kulturbetrieb geht über die übliche beschaulich-religiöse Bücherei hinaus und zieht auch kirchenferne Klientel an.

Erheblichen Anteil daran hatte der damalige Verbandsbürgermeister, die Kommune erkannte recht schnell, dass hier was passieren muss. Der inzwischen in den Ruhestand getretene Verbandsbürgermeister ist auch nach wie vor der Vorsitzende des zuständigen Vereines und hält mit seinen Ehrenamtlichen "den Laden am Laufen."

Auch aufgrund der Lage in dem Tal ist Himmerod also ein lohnenswerter Ort. Nur: Es fehlen halt Zisterzienser.

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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von kjz1 » Sonntag 22. Oktober 2017, 17:44

Zumindestens ist es wohl so, dass die Schäden durch den Schwelbrand durch eine Versicherung gedeckt werden. Orgel und Kirchengebäude werden also wieder saniert. Die Frage ist: was kommt dann? Evtl. gelingt es ja, Mönche aus einem anderen Orden anzusiedeln. In der Wallfahrtskirche in Bornhofen haben Franziskaner aus Polen übernommen, in der Citykirche in Koblenz sind jetzt Arnsteiner Patres tätig, nachdem die Jesuiten fortgezogen sind. Allerdings werden diese Kloster Arnstein jetzt auch aufgeben. Das hiesige Kapuzinerkloster wurde auch von den Kapuzinern verlassen, heute hat dort der Deutsche Orden eine Niederlassung. Und die Abtei Sayn mit ihrer historischen Stumm-Orgel wurde wieder von Prämonstratensern besiedelt.

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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von olds » Sonntag 19. November 2017, 20:18

Mein Vater treibt sich derzeit häufiger in Himmerod herum.

Seine neueste News, ob das so stimmt, das weiß ich jetzt nicht:

Das Bistum hat wohl im eigentlichen Sinn kein Interesse an der Anlage, allerdings gibt es scheinbar eine (verbindliche) Vereinbarung von Anno dazumal, dass die Anlage an das Bistum fällt, wenn es denn mal soweit kommen sollte.

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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von kjz1 » Montag 20. November 2017, 20:35

Ja, das Kloster fällt meines Wissens nach ans Bistum. Dieses scheint sich zur Zeit zu bemühen, einen anderen Orden zur (Wieder-)besiedlung zu finden. Die Klostergaststätte und der Klosterladen sollen wohl vom dortigen Förderverein weiter betreut werden.

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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von Administrator » Dienstag 21. November 2017, 08:00

Na, das sind doch gute Nachrichten. Solch ein wichtiger geistlicher Ort darf nicht leer stehen oder säkularisiert werden.
Halte uns bitte, wenn Du etwas erfährst, weiter auf dem Laufenden.
Herzliche Grüße

Daniel
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Re: Abtei Himmerod wird aufgelöst

Beitrag von olds » Donnerstag 23. November 2017, 17:20

Der "weltliche Bereich" des Klosters ist ja schon seit längerem ausgegliedert gewesen. Hier ist es ja auch vor einiger Zeit zur Insolvenz der Betriebs-GmbH gekommen.

Das geht noch alles auf die Bemühungen aus den 1990ern zurück. Damals mit federführend war der damalige Verbandsbürgermeister Densborn. Herr Densborn ist inzwischen Pensionär und Vorsitzender des Fördervereins. Fischwirtschaft, Landwirtschaft, Gastronomie und Kultureinrichtungen bleiben daher erhalten, da sie in eigene Unternehmen darstellen und jeweils verpachtet sind. Stellt sich halt nur die Frage, was mit dem "Rest" passiert.

Daher stelle ich die provokante These in den Raum, dass Himmerod als spiritueller und Rückzugsort auch ohne Fortführung durch einen Orden erhalten bleibt.

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