Benutzung 32' im Pedal

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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malle235
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Benutzung 32' im Pedal

Beitrag von malle235 » Mittwoch 30. November 2016, 16:09

Hallo an alle!

Mich würde interessieren ob/wie oft ihr beim Spiel an größeren Orgeln 32' Register im Pedal einsetzt (oder bei welchen Literaturstücken)

Die wenisten Orgeln haben ja nen offenen 32', 16' + 10 2/3' gibts ja schon häufiger. Ich finde den Effekt aber nicht so herausragend, oft fangen dann aber zu allem Überfluss noch irgendwelche Orgel/Emporenteile an mitzuvibrieren, was natürlich mit störenden Geräuschen verbunden ist.
32' Zungen sind natürlich sehr bombastisch, aber oftmals sprechen diese auch nicht besonders schnell an, so dass bei etwas schnelleren Bewegungen im Pedal Töne verloren gehen können...

Voceumana
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Registriert: Mittwoch 9. Juli 2014, 19:45

Re: Benutzung 32' im Pedal

Beitrag von Voceumana » Mittwoch 30. November 2016, 19:26

Nun,

wenn ich in den Genuß einer 32'-Orgel komme, genieß ich den dann auch. Somit muss man Literatur wählen oder eben entsprechend improvisieren. Das heißt, dass man bei träger und weniger prompt ansprechenden Registern eben wählt, wann und wofür man sie benutzt. Eine Triosonate von Bach wird man sicher nicht mit der Bombarde 32' registrieren, auch wenn sie da ist, ebenso sollte man einmal das häufig schon gehetzt-akrobatische Prestissimo eines Finales aus Widors V. Sinfonie überdenken, wenn hier die 32'-Stimmen nur das grunzen beginnen und sich gar nicht entfalten können. Nicht bei jeder Communio-Improvisation muss Voix Celeste und dazu Bourdon 32' sein...
Was den 10 2/3' angeht, ist er gerade bei schnelleren Bewegungen eine manchmal gute Alternative, wenn der Untersatz/Subbass/Bourdon 32' an sich zu langsam anspricht. Es gibt auch gute 10 2/3' - Lösungen (auch die hier schon nachgefragte 10 2/3' - Bombarde von Cavaillé-Coll in Orleans überzeugt mich auf der DVD-Dokumentation zu ACC, es geht also doch).
Besser ist natürlich ein offener Principal, ein gedeckter Untersatz, ein enger offener und etwas träger Violon, eine Bomarde und ein Fagott 32' in EINER Orgel - wohl Wunschdenken, die Riesenorgel aus USA mal ausgenommen.

Dorforgler
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Re: Benutzung 32' im Pedal

Beitrag von Dorforgler » Donnerstag 1. Dezember 2016, 21:57

Voceumana hat geschrieben:Nun,
wenn ich in den Genuß einer 32'-Orgel komme, genieß ich den dann auch. Somit muss man Literatur wählen oder eben entsprechend improvisieren. Das heißt, dass man bei träger und weniger prompt ansprechenden Registern eben wählt, wann und wofür man sie benutzt.
32' gehoeren fuer mich wie Tuben, Streicherschwebungen, Zymbelstern, Nachtigall und dem Tremulanten zu den "Effektregistern".
Diese sind eigentlich nicht wirklich eksistensiel fuer die Orgel an sich und eigentlich auch mehr ein "nice to have" als ein "must". Selbstverstaendlich ist der Gebrauch sehr verlockend :-) - aber leider auch mit der deutlichen Gefahr verbunden, dass sich der Effekt fuer die Gemeinde bei allzu hauefigen Gebrauch abnutzt...

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Friedrich Sprondel
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Re: Benutzung 32' im Pedal

Beitrag von Friedrich Sprondel » Samstag 3. Dezember 2016, 13:38

Dorforgler hat geschrieben:32' gehoeren fuer mich wie Tuben, Streicherschwebungen, Zymbelstern, Nachtigall und dem Tremulanten zu den "Effektregistern".
Diese sind eigentlich nicht wirklich eksistensiel fuer die Orgel an sich und eigentlich auch mehr ein "nice to have" als ein "must". Selbstverstaendlich ist der Gebrauch sehr verlockend :-) - aber leider auch mit der deutlichen Gefahr verbunden, dass sich der Effekt fuer die Gemeinde bei allzu hauefigen Gebrauch abnutzt...
Zustimmung zum ‘Nice to have’. Orgeln sind nicht unvollständig ohne 32'.

In meinen Ohren ist er aber kein Effektregister im engeren Sinn. Ich glaube, es gibt Umstände, unter denen er tatsächlich notwendig ist. Dazu gehört ein großer Raum, in dem sich ein großes Instrument mit tiefer Prinzipalbasis Gehör verschaffen muss, oder ein musikalisches Profil, das der Orgel regelmäßig klangliche Extreme abfordert, z. B. durch ein ehrgeiziges Kirchenmusik- und Konzertprogramm.

Aber ich glaube auch, dass es auf dieser Erde sehr viel mehr Zweiunddreißigfüße gibt als nötig und sehr viel weniger wirklich gute und brauchbare, als man sich wünschen könnte.

Viele Grüße
Friedrich

Ippenstein
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Re: Benutzung 32' im Pedal

Beitrag von Ippenstein » Samstag 3. Dezember 2016, 16:10

Dito. Verhält sich ebenso mit der Posaune. Schön eine zu haben, aber man sollte sie nicht über Gebühr verwenden.

Viele Grüße

Ippenstein

Ronald Henrici
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Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Benutzung 32' im Pedal

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 3. Dezember 2016, 21:23

Echte 32 Füßer hat es auch schon in Orgeln des 17. Jahrhunderts gegeben. Wenn diese gut grundfundiert bei weiter Mensur intoniert sind, dann spiele ich auch gern unter Hinzuziehung eines 32 Fuß, es gibt sehr oft die nötige Fundierung in den unteren Lagen, besonders beim Plenumspiel.
16 Fuß und 10 2/3 Fuß in Kombination ist kein guter Ersatz, weil die akustische Differenztonwirkung schon bei einem Prinzipalplenum ohne Mixturen deutlich abgeschwächt ist.
Ich kenne eine Konzertsaalorgel mit einer 32 Fuß Gambe, deren Wirkung aber nur bei Spiel mit Pianoregistern gut zeichnend wirkungsvoll ist. Leider ist dort ein weiterer 32 Fuß nicht vorhanden.
Die Raumakustik spielt bei einem 32 Fuß eine sehr große Rolle, z.B. käme man in der Basilika Ottobeuren beim Plenumspiel ohne den 32 Fuß nicht aus, es fehlt da deutlich am Bassfundament.
Andererseits würde ich mir bei einer vorhandenen guten Orgel mit vorhandenen 46 Registern auf Hauptwerk, Schwellwerk, Positiv, (moderner Bauweise) doch noch einen 32 Fuß wünschen statt der Kombination 16 Fuß und 10 2/3 Fuß, es kann auch ruhig eine 32 Fuß Bombarde sein.
Wie herrlich wirkt doch eine solche in der Oetkerhalle Bielefeld ! :D
Das ist unabhängig von der Auffassung "Barockorgel" oder "Orgel der Romantik". Denn es istn eine Frage der Intonation.
Ich glaube, man würde bei großen Orgeln auch auf die 32 Fuß Lage ausdehnen, wenn der Platz vorhanden ist und das entsprechende Geld.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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