Registrierung der Orgelwerke J. S. Bachs

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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malle235
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Registrierung der Orgelwerke J. S. Bachs

Beitrag von malle235 » Freitag 14. Oktober 2016, 12:36

Hier ein Link zu einem sehr schönen Aufsatz (Downloadbutton auf der rechten Seite)

http://digitalcommons.unl.edu/musicfacpub/21/

Der Text enthält viele Anweisungen von Zeitgenossen und enthält Themen wie: 16' im Manual, Lückenregistrierungen, mehrere Achtfüße im Manual gleichzeitig etc.

kernspalter
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Re: Registrierung der Orgelwerke J. S. Bachs

Beitrag von kernspalter » Freitag 14. Oktober 2016, 13:02

Ergänzend die Registrierungen des Bach-Schülers Doles, die dort nicht genannt werden:

http://www.walcker-stiftung.de/Download ... n_1769.pdf
Mit kernspalterischen Grüßen

Ippenstein
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Re: Registrierung der Orgelwerke J. S. Bachs

Beitrag von Ippenstein » Montag 28. November 2016, 12:39

Ich habe das jetzt nur überflogen. Zu den Registrieranweisungen kommt aber auch noch die Stilfrage: Mit den "gleichen" Registern klingt eine romantische Orgel ja anders als eine barocke. Kann man Bach auf einer romantischen Orgel überhaupt darstellen, ohne eigenwillige Wege zu gehen?
Beispiel: http://orgel-in-sachsen.de/ovz_detail5.php?o=852 (Orgel Lutherkirche Ellefeld). So gab es dort erst ein Konzert mit Werken von Bach, wobei das Orgel + Trompete gewesen war. Leider habe ich das Konzert verpasst, denn mich hätte der Klangeindruck sehr interessiert - ist diese Orgel ohne jegliche hohen Register (außer den Mixturen) ja doch schon sehr extrem.

Viele Grüße

Ippenstein

kernspalter
Beiträge: 684
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Registrierung der Orgelwerke J. S. Bachs

Beitrag von kernspalter » Montag 28. November 2016, 23:38

Ippenstein hat geschrieben:Zu den Registrieranweisungen kommt aber auch noch die Stilfrage: Mit den "gleichen" Registern klingt eine romantische Orgel ja anders als eine barocke.
Und eine romantische Orgel klingt anders als eine andere romantische Orgel. Eine Walcker-Gamba von 1850 klingt schon ganz anders als eine Walcker-Gamba von 1900.
Kann man Bach auf einer romantischen Orgel überhaupt darstellen, ohne eigenwillige Wege zu gehen?
Wenn man Bach auf dem modernen Konzerflügel darstellen kann, dann kann man ihn auch auf der romantischen Orgel darstellen. Der Unterschied zwischen Cembalo und Konzertflügel ist größer als der zwischen Barockorgel und romantischer Orgel. Man muß sich eben auf den Instrumenten auskennen, auf denen man spielt, und wissen, was man machen muß, daß sie gut klingen.

Übrigens hat Bach selber auf stilistisch total unterschiedlichen Orgeln gespielt.
Man vergleiche mal die Trost-Orgel in Altenburg mit der Schnitger-Orgel in Hamburg St. Jacobi. Bach mit Violonbaß, Geigenprinzipal und Viol di Gamba ist also genauso "legitim" wie Bach mit Dulzian, Trechterregal und Bärpfeife.
Mit kernspalterischen Grüßen

Holger

Re: Registrierung der Orgelwerke J. S. Bachs

Beitrag von Holger » Dienstag 29. November 2016, 06:59

Weshalb soll Bach nicht auf einer "romantischen" Orgel interpretierbar sein?

Gerade auf diesen Orgeln wurde er wieder entdeckt.

Und wie schon folgerichtig erkannt, was definiere ich als romantisch, was als Barock?

Bach selbst war ja an unterschiedlichsten Orgeln unterwegs, Mitteldeutsch bis Norddeutsch - selbst im "Barock" gibt es keinen einheitlichen Bach-Stil.

Selbst in Frankreich wurde und wird Bach gültig interpretiert und zwar auf Orgeln, die gar nicht mit Bach rechnen - und es ist gut, selbst im Dupré'schen legato.

Bitte gönnt Euch mal die Aufnahme, die Käthe van Tricht im Dom zu Bremen eingespielt hat - ich finde sie in ihrer stilistischen Konsequenz eine ganz tolle Interpretation.

Ronald Henrici
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Re: Registrierung der Orgelwerke J. S. Bachs

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 3. Dezember 2016, 21:31

Bach läßt sich auf einer romantischen Orgel auch gut spielen. Beste Beispiele gibt es bei den Bach-Interpretationen durch Albert Schweitzer.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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