Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnungen?

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dieterich
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Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnungen?

Beitrag von dieterich » Donnerstag 11. August 2016, 12:50

Hallo!

Es geht um eine Kleinstorgel (8,8,4,2), die - um den Gemeindegesang zu tragen und damit zu fördern - für den Raum mit ca. 70 Sitzpläten erheblich zu leise oder alternativ zu piepsig ist.

Leider ist das Gehäuse allseitig durch Holzwände 100%ig (!) geschlossen ausser natürlich der Prospektöffnung.

Kann ich mit einer erheblichen Lautstärkeerhöhung rechnen, wenn die 4 geschlossenen Gehäuseseiten inkl. Dach mit grossen Öffnungen versehen werden, Dach und Hinterseite komplett geöffnet werden, z. T. mit Tuch vor Staub geschützt?

Danke von D. F.

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Friedrich Sprondel
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von Friedrich Sprondel » Donnerstag 11. August 2016, 13:08

Das kann etwas bringen, und sicher lohnt es sich, das auszuprobieren.

Allerdings kommt es drauf an, wie die Orgel sonst angelegt ist. Ist es eine Truhe? Dann könnte schon ein kleines Podest helfen, damit der Klang nicht zwischen Hosenbeinen stecken bleibt. Auch mit dem Aufstellungsort könnte man dann experimentieren. Wenn die Gemeinde Orgel und Spieler z. B. sieht, kann das schon helfen – akustisch wie psychologisch.

Wenn die Orgel einen Unterbau und einen festen Platz hat, dann würde ich das Dach in Frieden lassen und es zunächst mit dem Öffnen der Rückwand versuchen. Wenn dahinter eine gemauerte Wand ist, könnte die schon helfen, die tieferen Frequenzen besser zu verteilen. Öffnungen in den Seitenwänden – vielleicht; dann am besten auf Höhe der Labien, sodass die Pfeifenansprache deutlicher hörbar wird. Allerdings kann der Klang auch an Kraft verlieren, wenn er sich mehr streut; und die Intonation wurde ja für das geschlossene Gehäuse gelegt.

Was man also auch probiert: Wunder sollte man nicht erwarten.

Viele Grüße
Friedrich

dieterich
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von dieterich » Donnerstag 11. August 2016, 14:55

Dank an Friedrich!

Sicher kann der Klang durch viele Gehäuseöffnungen diffuser werden, aber derzeit ist er im Gegenteil durch das völlig geschlossene Gehäuse und minmalem Pfeifenabstand untereinander sehr gedrückt.

Mir fallen noch folgende Möglichkeiten ein, damit die Orgel lauter bei der Gemeinde ankommt:
- Lackierung der Holzinnenwände,
- Drehung der Orgel Richtung Raumzentrum/Gemeinde (derzeit steht sie vorne in der Ecke mit Ausrichtung parallel zur längeren Seitenwand, also ziemlich am Publikum vorbei)
- Anbringung von high-tech-schallreflektierenden Innenwänden
- Eine solche besonders reflektierende Wand quasi als neues Schrägdach, um den Klang nicht senkrecht nach unten, sondern Richtung Gemeinde zu befördern.
- Versuch, die 8+4-Füsse lauter zu intonieren.

Wie steht Ihr zu alledem?

trommet16
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von trommet16 » Donnerstag 11. August 2016, 19:14

Wie Friedrich schon schrieb kann das Öffnen des Gehäuses etwas bringen, eine wirklich deutliche Lautstärkesteigerung würde ich absolut nicht erwarten.
Kannst du uns noch mit weiteren Infos zu der Orgel versorgen (Dispo, Erbauer, Baujahr vielleicht ein Foto?)

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Friedrich Sprondel
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von Friedrich Sprondel » Donnerstag 11. August 2016, 19:48

dieterich hat geschrieben:Dank an Friedrich!

Sicher kann der Klang durch viele Gehäuseöffnungen diffuser werden, aber derzeit ist er im Gegenteil durch das völlig geschlossene Gehäuse und minmalem Pfeifenabstand untereinander sehr gedrückt.

Mir fallen noch folgende Möglichkeiten ein, damit die Orgel lauter bei der Gemeinde ankommt:
- Lackierung der Holzinnenwände,
- Drehung der Orgel Richtung Raumzentrum/Gemeinde (derzeit steht sie vorne in der Ecke mit Ausrichtung parallel zur längeren Seitenwand, also ziemlich am Publikum vorbei)
- Anbringung von high-tech-schallreflektierenden Innenwänden
- Eine solche besonders reflektierende Wand quasi als neues Schrägdach, um den Klang nicht senkrecht nach unten, sondern Richtung Gemeinde zu befördern.
- Versuch, die 8+4-Füsse lauter zu intonieren.

Wie steht Ihr zu alledem?
Mit Schallkosmetik habe ich wenig Erfahrung, aber reflektiert werden kann nur, was schon da ist. Also abermals: Keine Wunder.

Das mit der Drehung könnte was bringen, wenn der Sound durch das Gehäuse entsprechend gerichtet wird. Mit dem Lauterintonieren muss man sich aber vorsehen, denn das heißt immer auch höherer Windverbrauch, und das muss so eine Raumsparwindlade erstmal mitmachen. Da wäre abzuwägen, ob man z. B. im Bass nur den 4' behutsam aufdreht, zum Diskant hin dann einen der Achtfüße. Und auch das muss mit Feingefühl geschehen, damit nicht die ganze Balance flötengeht. Pauschal alles aufdrehen geht fast sicher schief.

Auch ich wüsste aber gerne mehr über das Örgelchen, das ja wohl eine Truhe ist.

Viele Grüße
Friedrich

Dorforgler
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von Dorforgler » Donnerstag 11. August 2016, 21:29

dieterich hat geschrieben: - Drehung der Orgel Richtung Raumzentrum/Gemeinde (derzeit steht sie vorne in der Ecke mit Ausrichtung parallel zur längeren Seitenwand, also ziemlich am Publikum vorbei)
Das hoert sich fuer mich sehr bekannt an :roll:
Ausgangssituation: Kleines 8442II/16-Positiv direkt vor der Gemeinde um 90 Grad gedreht, so dass dieses eigentlich mehr die Kanzel als den Raum selbst "angeschrien" hat...

Nicht nur wegen der unguenstigen Abstrahlung, sondern auch wegen begonnenden Schimmelpilzbefall haben meine Orgelbauer damals (2010) die urspruenglich geschlossenen Seitentueren zur Gemeinde hin reversibel(!) durch welche mit - eigentlich sogar sehr dezenten und fast unauffaelligen! - "Lueftungsschlitzen" ersetzt, die aber auch gleichzeitig als "Klangaustritt" funktionieren.
Das hat eigentlich SEHR GUT funktioniert - die Orgel verteilt sich akkustisch gesehen deutlich besser im gesamten Kirchenraum als vorher!

(Ich muss aber auch dazusagen, dass diese Massnahme im Rahmen einer Ausreinigung und Neuintontation stattfand - so sind z.b. einige Innenpfeifen - soweit es ging - auch bewusst Richtung Gemeinde gedreht worden. Von einer weiteren Oeffnung haben meine Orgelbauer mich damals aus hier benannten Gruenden auch deutlich abgeraten!)

dieterich
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von dieterich » Freitag 12. August 2016, 10:05

...vielen Dank für Eure Tipps!

Genaueres zur Orgel kann ich diskretionshalber leider nicht sagen.

Nachfragen möchte ich:

1) Bringt High-Tech-Schallreflektion (vgl. "wandelbare Akustikwände") deutlich mehr als eine hölzerne Gehäuserückwand?

2) Bringt ein solches Material als Schrägdach deutlich mehr Schall Richtung Hörer als die bisherige waagerechte Holzgehäusedecke?

trommet16
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von trommet16 » Freitag 12. August 2016, 15:51

dieterich hat geschrieben:...vielen Dank für Eure Tipps!

Genaueres zur Orgel kann ich diskretionshalber leider nicht sagen.
Jetzt mach uns keine Angst, hast du etwa eine organistenfressende Gemeinde? :)

Mit speziell schallreflektierenden Oberflächen habe ich keine Erfahrung, da musst du dir ein Forum mit Akustikern suchen, wenn die Holzoberfläche glatt ist, kann ich mir aber nicht wirklich eine Verbesserung vorstellen.

Wenn es sich um eine Truhe handelt hilft wie Friedrich schon schrieb meist schon ein Podest.
Wenn es sich nicht um eine Truhe handelt kannst du mal gucken, ob die Seitenwände als herausnehmbare Füllungen ausgeführt sind, dann kannst du mal reversibel ausprobieren, ob eine Öffnung viel bringt. (hier wäre ein Foto hilfreich. Füllung häufig entweder mit Schloss und Scharnier, von innen mit Riegeln oder als Steckfüllung - vorsichtig anheben, dann kann man die Füllung unten herausziehen und dann auch oben; nicht in die Orgel fallen lassen! ;) )

Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich bei den 8 Füßen um Gedackt/Bourdon 8´ und Salicional 8´handelt?
Dann wäre da noch die Frage, was ihr für eine 4´ habt, von einer Rohrflöte oder einem Gedackt würde ich mir nicht sehr viel versprechen, wenn man es lauter intonierte.

Dorforgler
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von Dorforgler » Montag 15. August 2016, 22:45

dieterich hat geschrieben:...vielen Dank für Eure Tipps!
Genaueres zur Orgel kann ich diskretionshalber leider nicht sagen.
Wenn es wirklich GANZ diskret sein soll:
Einfach ein ordentliches Mikrofon vor die Orgel stellen und dass ganze ueber die vorhandene Anlage(?) der Kirche laufen lassen - da kann man am Equalizer durchaus auch die Baesse etwas anheben... :twisted:
(Das ist nicht nur reversibel, sondern wahrscheinlich auch noch deutlich guenstiger(!) und erfolgreicher als alle anderen Loesungen, die dir vorschweben...)

Ansonsten waere natuerlich die wichtigste Frage: Was genau ist bei der Kommunikation zwischen Orgelbauer und Gemeinde schiefgelaufen?!?

kjz1
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von kjz1 » Mittwoch 17. August 2016, 16:10

Dorforgler hat geschrieben:Wenn es wirklich GANZ diskret sein soll:
Einfach ein ordentliches Mikrofon vor die Orgel stellen und dass ganze ueber die vorhandene Anlage(?) der Kirche laufen lassen - da kann man am Equalizer durchaus auch die Baesse etwas anheben...
Das hat sogar bei unserem (Chor-)Örgelchen viele Jahre lang ganz unbeabsichtigt gut geklappt. Da waren einige Mikrophone im Altarraum so nahe an der Orgel platziert, dass zumindestens die Obertöne auch quasi im 'Stützverfahren' über die Lautsprecheranlage wiedergegeben wurden.

Voceumana
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Re: Kleinstorgel: Mehr Lautstärke durch grosse Gehäuseöffnun

Beitrag von Voceumana » Mittwoch 17. August 2016, 16:17

zum letzten Post von Dorforgler:

Wenn es ein vor nicht allzu vielen Jahren fertiggestellter Neubau ist, dann stellt sich tatsächlich die Frage, was zwischen OB und Gemeinde (auch unter Einbeziehung des OSV) in der Gestaltung des Projektes schiefgelaufen ist.

In allen übrigen Fällen (Gebrauchtkauf, Schenkung von Privat, man konnte/wollte sich zunächst oder dauerhaft nichts größeres/besseres leisten, Ersatz bis geplanter Neubau, ein zur Dauerlösung gewordenes Interimsinstrument, etc...) sollte man lieber in die Zukunft blicken.

Wenn auch nur die Chance auf spürbare Besserung besteht (z. B. durch Neubau, Gebrauchtkauf mit Modifikationen etc...) würde ich nichts tun, um den status quo z. B. mit Mikrofonen zu verbessern - Den oder die Geldverwalter freut das nämlich: "das tut's doch auch, jetzt ist's ja schon viel besser, toll - für nicht mal 2.000 Euro...".
Ich musste mit Hilfe von Orgelbauern und amtl. Sachverständigen der Landeskirche meiner Gemeinde mitteilen, dass das bisherige und mittlerweile verkaufte Instrument nicht mehr zu retten ist und auch gar nicht so wertvoll, als dass man ein solches Instrument erhält. Die Zeit des Übergangspositives dauert noch an und ich habe so fast ein Kirchenjahr mit allen Hochfesten ertragen - die Gemeinde und die Gemeindevorsteher aber auch!!!!
Somit freuen sich die Meisten auf das Instrument, das wohl noch dieses Jahr bestellt wird (auch hier gibt's Leute, denen reichen die 3 Register....)

Viele Grüße

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