Registerbenamsungsvorschlaege?

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Dorforgler
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Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Dorforgler » Dienstag 26. Juli 2016, 22:57

Hallo!

An meiner Hauptorgel (urspruenglich England 1909, 22 ranks) muss irgendwann noch einmal ein Registerschild aufgrund eines ziemlich bloeden Rechtschreibfehlers ausgetauscht werden ("Doubel Diapason" 8) ), und in diesem Zusammenhang moechte ich jetzt eigentlich auch noch zwei andere Schildchen ersetzen - weil einfach mittlerweile nicht mehr das drin ist, was draufsteht. :wink:
Die Orgel selbst befindet sich bis auf einige Kleinigkeiten weitestgehend im Orginalzustand; es wurde nicht mehr veraendert, als fuer die Umstellung damals wirklich unbedingt noetig war. Da das Pedal (Unitpedal mit offener und gedeckter Pfeifenreihe 16'+8') damals auf EP umgebaut werden musste, habe ich mir allerdings die Freiheit genommen, ohne Eingriff in die Orginalsubstanz noch zwei Register im Pedal zu ergaenzen :twisted:


Das erste Register ist der Quintauszug (10 2/3') der gedeckten Reihe, der sich bei dem urspruenglichen Orgelbauer an anderen Instrumenten auch als "Harmonic Bass 32'" oder "Resultant Bass 32'" nachweisen laesst. Leider hat die Vermischung der Quinte in der Tenorlage in unserer relativ trockenen Akkustik nie wirklich ueberzeugt, so dass dieser Auszug jetzt nach "amerikanischen Modell" umgeschaltet wurde: C-H 16' + 10 23', ab c dann die Repetition in den echten 32'. Da die gedeckte Reihe generell extrem mitwaechst, ergibt dieses Register schon ein ziemlich "fettes" und sehr beindruckendes Fundament fuer eine Orgel in dieser Groessenordnung!!!
(Im Bereich p-pp ist dieses Register - im Gegensatz zu mancher Grossorgel - aufgrund der tiefen Oktave eigentlich nicht wirklich sinnvoll einsetzbar. Aber spaetestens ab mf und darueber hinaus kann sich die eine oder andere Grossorgel verstecken, was den labialen 32' angeht...)

Das andere Register ist die 4'-Erweiterung der offenen Reihe, die in einer solchen Orgel eigentlich genau gar nichts zu suchen hat. (Die 12 Pfeifen stammen uebrigens von einem abgesaegtem Neobarockprinzipal, der um 6-7 HT verrueckt wurde :shock: )
Urspruenglich haben meine Orgelbauer - was ja auch erstmal nicht schlecht gedacht ist! - die Mensur der offenen Reihe konsequent weitergefuehrt. Da sich diese aber noch oben in der Mensur deutlich weitet, war in der obersten, neu zugebauten Oktave eigentlich nur noch eine sehr charakterlose "Fernweitechofloete" uebriggeblieben, die sich eigentlich musikalisch nicht wirklich sinnvoll benutzen liess.
Die obere Oktave wurde jetzt auch noch einmal gerueckt und deutlich ueberarbeitet so dass die Mensur nach oben hin wieder deutlich enger wird und klanglich anzieht; ich kann das Register mit gutem Gewissen jetzt als sehr weiten Prinzipal beschreiben. Es ist noch prinzipalistisch genug, um einen Barock-c.f. ueberzeugend darzustellen, aber gleichzeitig auch noch so floetig und mischungsfreudig, um ein romantisches Solo (z.B. mit der Schwebung) zu geben. Fuer barocke Musik im Plenum sorgt es jetzt genau fuer die noetige Menge an Aufhellung und Zeichnung, die ein englisches Pedal dieser Epoche systembedingt natuerlich nicht hat.


Sowohl ich als auch mein Intonateur (der uebrigens gestern erst abgereist ist) stehen jetzt ein wenig auf dem Schlauch, wie man diese beiden Register jetzt eigentlich benennen soll; zur Zeit steht noch "Bassquinte 12'" und "Oktave 4'" drauf. :?

Meine Kriterien sind:
1.) Die beiden Registernamen muessen alleine schon von der Bezeichnung her deutlich machen, dass sie nicht historisch zu dieser Orgel gehoeren, womit historisierende und/oder im englischen/amerikanischen Bereich uebliche Bezeichnungen definitiv NICHT aktuell sind.
2.) Die Bezeichnungen muessen fuer jeden Organisten so intuitiv sein, dass sich die Funktion dieser beiden Registern eigentlich von selbst erklaert.
3.) Deutsche oder skandinavische Bezeichnungen werden bevorzugt - wobei "Neuschoepfungen" durchaus moeglich und wuenschenswert sind so lange sie nicht gegen 2. verstossen :-)


Ich habe natuerlich schon etwas im "Hinterstuebchen" liegen - ich bin trotzdem gespannt darauf, was die kreativen Koepfe hier im Forum als Vorschlaege anbringen! :P

kernspalter
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von kernspalter » Dienstag 26. Juli 2016, 23:58

Dorforgler hat geschrieben: Da die gedeckte Reihe generell extrem mitwaechst, ergibt dieses Register schon ein ziemlich "fettes" und sehr beindruckendes Fundament fuer eine Orgel in dieser Groessenordnung!!!
Dann taufen wir das Ding doch "Fundamentalbaß".
ich kann das Register mit gutem Gewissen jetzt als sehr weiten Prinzipal beschreiben. Es ist noch prinzipalistisch genug, um einen Barock-c.f. ueberzeugend darzustellen, aber gleichzeitig auch noch so floetig und mischungsfreudig, um ein romantisches Solo (z.B. mit der Schwebung) zu geben.
Da fällt mir der Name "Choralflöte" ein.

Den letzten Halbsatz verstehe ich allerdings nicht ganz: Mischungsfreudig ... mit der Schwebung?

Die Beschreibung paßt einigermaßen auf diese Orgel:
http://www.orgelbau-krawinkel.de/orgelp ... geland.php
Mit kernspalterischen Grüßen

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Friedrich Sprondel
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 27. Juli 2016, 09:35

Choralflöte finde ich schön. Fundamentalbass klingt mir ein bisschen zu breitspurig, und auf dem Zug oder dem Schalter macht er sich auch ganz schön breit. Wie wäre es mit dem guten alten Untersatz? Den gibt es als Lehnwort auch im angelsächsischen Orgelbau, sowohl wuchtig als auch zart. Würde also auch hier passen.

Viele Grüße
Friedrich

Dorforgler
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Dorforgler » Mittwoch 27. Juli 2016, 15:32

kernspalter hat geschrieben: Die Beschreibung paßt einigermaßen auf diese Orgel:
http://www.orgelbau-krawinkel.de/orgelp ... geland.php
Ja, das ist mein gutes Schaetzchen! :-))
(Wobei auch dort auf der Webseite ein kleiner Fehler in der Disposition steht - der "Lieblich Bordun" im GT ist ein 16', kein 8'!)
Die Jahreszahlen habe ich uebrigens auch etwas verwurschtelt: Die Orgel stammt tatsaechlich von 1907 - der historische Prospekt der hiesigen Vorgaengerorgel, den wir aufgrund des Denkmalschutzamtes behalten mussten, stammt von 1909.

Fuer den 32' hatte ich eigentlich schon an "Majorbass 32'" oder "Grossbass 32'" gedacht - das sagt dem Organisten deutlich, dass es sich um ein ziemlich fettes Teil handelt, welches nicht unbedingt fuer p-pp geigenet ist. "Fundamentalbass 32" ist definitiv ein guter Vorschlag - ich habe allerdings Bedenken, ob sich diese Bezeichnung auf dem Registerschild ueberhaupt unterbringen laesst :-(

Der Name "Choralfloete" gefaellt mir eigenlich auch ganz gut - trifft aber den Nagel nicht auf den Kopf, weil daws Register eben klanglich keine Floete ist...

olds
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von olds » Mittwoch 27. Juli 2016, 17:03

Profund(bass) 32'

Starkflöte 4' (Wenn´s mal ein neobarocker Schreihals war..... )

Voceumana
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Voceumana » Mittwoch 27. Juli 2016, 17:41

für den 4':
Flötenprinzipal (mit z, um den deuschen Charakter zu unterstreichen)

nicht unbeding intuitiv, aber schön: Venezianerflöte (so hat Klas einen recht weiten Italienisch Principal 4' Prospekt im Rückpositiv von Würzburg St. Michael genannt.)

kernspalter
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 27. Juli 2016, 19:05

Dorforgler hat geschrieben:"Fundamentalbass 32" ist definitiv ein guter Vorschlag - ich habe allerdings Bedenken, ob sich diese Bezeichnung auf dem Registerschild ueberhaupt unterbringen laesst :-(
Dann nehmen wir eine Abkürzung: Fun-Bass 32'.
Mit kernspalterischen Grüßen

Dorforgler
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Dorforgler » Dienstag 9. August 2016, 01:39

Ich muss mich grade etwas bei euch entschuldigen, dass ich in der letzen Zeit etwas abwesend war - aber die Pflicht ruft manchmal - einfach so und total unerwartet :-)

Ich bin aber dann zwischenzeitlich tatsaechlich doch mal etwas "ueben" gegangen - diesmal mit dem H4n im Gepaeck...
Nach etlichen **Zensur** Takes habe ich doch noch etwas einigermassen "anstaendiges" hinbekommen, selbst wenn ich eigentlich nur fuer einen ganz normalen Gottesdienst geuebt hatte: hier
(Man kann das auch mit guten Gewissen als etwas "hingerotzt" bezeichen... :twisted: )

In der "Reprise" zum Ende hin ist aber auf jedem Fall der 32' gut zu hoeren - oder auch evt. nicht wirklich, weil das H4n leider bei den ganz tiefen Frequenzen gerne etwas schwach auf der Brust ist...
Den 4' konnte ich leider nicht mehr aufnehmen, da ganz einfach die Batterien leer waren :-(

Holger

Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Holger » Dienstag 9. August 2016, 06:13

Vorschlag und Tip für die problemlose Anwednung des H4n:

- Netzteil verwenden - dann gibt es kein Batterieproblem. Es gibt auch keine "Brummprobleme" aus dem Netz mehr wie beim
H2n.
- Gute externe Mikros anschließen, die besser die tiefen Frequenzen (Kompaktmikro Kleinmembran von der Firma mit dem
norwegischen Namen, sind presilich auch nicht so teuer) übertragen wesentlich besser als die eingebauten
Minimalmembranen. Die Anschlussmöglichkeiten und Phantomsteuerung sind H4n vorhanden!

Dorforgler
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Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Dorforgler » Dienstag 9. August 2016, 22:50

Holger hat geschrieben:Vorschlag und Tip für die problemlose Anwednung des H4n:

- Netzteil verwenden - dann gibt es kein Batterieproblem. Es gibt auch keine "Brummprobleme" aus dem Netz mehr wie beim
H2n.
- Gute externe Mikros anschließen, die besser die tiefen Frequenzen (Kompaktmikro Kleinmembran von der Firma mit dem
norwegischen Namen, sind presilich auch nicht so teuer) übertragen wesentlich besser als die eingebauten
Minimalmembranen. Die Anschlussmöglichkeiten und Phantomsteuerung sind H4n vorhanden!
Das weiss ich eigentlich doch alles schon :-) - nur ist das in der Summe dann doch ein groesseres Setup, was deutlich ueber ein einfaches "Auspacken, hinlegen, einschalten und aufnehmen" hinausgeht...

PS: Welches Mikrofonmodell wuerdest du empfehlen?

Holger

Re: Registerbenamsungsvorschlaege?

Beitrag von Holger » Mittwoch 10. August 2016, 06:34

Nun, das mit dem Aufbau und Anschluss an das Netz ist kein so riesiger Akt, 2 Handgriffe, fast so viel wie beim Batterieneinlegen. Dafür hast Du dann nahezu unendliche Aufnahmekapazität und das ärgerliche Ausfallen der Batterien entfällt und möglichem Komplettverlust der Aufnahme entfällt.

Ich selbst verwende das Rode NT4. Ein Kompaktmikrofon, ein Gehäuse, 2 Membranen, das Spezialkabel von einmal XLR 5-polig auf 2 x XLR 3-polig ist im Lieferumfang enthalten, damit ist der Anschluss an den H4n problemlos bzw. auch das Verlängern der Kabel durch Standard-XLR-3-pol-Mikrokabel möglich. Dass die Membranen in XY-Anordung (gleiche Anordnung wie die eingebauten Mikros im H4n) sind hat den Vorteil, dass das unverzichtbare saubere Ausrichten von einzelnen Mikros nicht nötig ist. Ein kleines Mikrofonstativ, ein Halter (wird mitgeliefert) XLR-Kabel einstöpseln und fertig. Den H4n auf eine Kirchenbank, Mikroeinstellung auf 1 + 2, Phantomspeisung an. Wenn die Aufnahme von der Empore aus erfolgt (Mikrofon ins Kirchenschiff ausgerichtet), eben auf der Emporenbrüstung oder dem Notenpult des Chorleiters. Steckdosen gibt es auf der Empore meistens in der Nähe. Fertig.

Zudem hat man den Vorteil bei der Verwendung externer Mikrofone, dass man während der Aufnahme das Gerät auch bedienen kann ohne dabei die Bediengeräusche mit in die Aufnahme zu bannen (z.B. Marker setzen)

Die Qualität ist sehr gut, es sind die gleichen Kleinmembranen verbaut wie im NT5, der Einzelversion des Mikros.

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