Zungenregister

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malle235
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Zungenregister

Beitrag von malle235 » Mittwoch 20. Juli 2016, 13:44

Welche Zungenregister sind eurer Meinung nach am wichtigsten/unverzichtbarsten?
Beschränken wir uns vielleicht auf 2-3 manualige Orgeln und nicht Domorgeln, wo eh alles im Überfluss da ist
Auch Hausorgeln würde ich hier eher aussparen, da Zungen hier doch eher selten anzutreffen sind - wenn überhaupt passt ein Regal 16' oder 8' platzmäßig in den Raum...

Bei den Manualen sicherlich sowas wie Trompete 8' und je nach Stilrichtung Krummhorn/Dulzian/Regal 8' oder eher romantisch Oboe/Clarinette/Trompette harmonique 8'

Was ist universell einsetzbarer /klangschöner?
16' Zungen im Manual sind sicherlich Luxus, aber ggf. sehr gravitätisch

Im Pedal sind sicherlich Posaune/Bombarde 16' und Trompete 8' am wichtigsten (Zunge 4' und 2' Luxus)
Obwohl ich doch oft im Pedal eine gut zeichnende aber nicht so laute Zunge 16' vermisse (sowas wie Fagott/Dulzian)

kernspalter
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Re: Zungenregister

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 20. Juli 2016, 17:39

malle235 hat geschrieben:Welche Zungenregister sind eurer Meinung nach am wichtigsten/unverzichtbarsten?
Das hängt vom Raum und der Orgelgröße ab.
Wenn eine Orgel in einem großen Raum majestätisch klingen soll, dann ist eine Posaune 16' nahezu unverzichtbar.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Friedrich Sprondel
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Re: Zungenregister

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 20. Juli 2016, 18:07

kernspalter hat geschrieben:
malle235 hat geschrieben:Welche Zungenregister sind eurer Meinung nach am wichtigsten/unverzichtbarsten?
Das hängt vom Raum und der Orgelgröße ab.
Wenn eine Orgel in einem großen Raum majestätisch klingen soll, dann ist eine Posaune 16' nahezu unverzichtbar.
Genau das meine ich auch.

Wenn das Hauptmanual der Orgel ein Plenum auf Prinzipal 8' hat, dann sollte die 16'-Posaune noch vor der Trompete 8' dabei sein. Eher noch kann das Nebenmanual dann eine 8'-Zunge bekommen (SW: Oboe oder Trompete, Positiv: Cromorne oder Dulzian), um Farbe und Charakter gegen das 8'-Hauptwerk setzen zu können.

Basiert das Hauptmanual auf Prinzipal 4' und einem Prinzipal-Stellvertreter 8', dann ist oft sicher eine Manualtrompete 8' die erste Wahl; das Plenum kann dann ins Pedal gekoppelt werden. Soll das Pedal dann noch gravitätischer werden, kann es ein Fagott 16' bekommen.

Viele Grüße
Friedrich

olds
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Re: Zungenregister

Beitrag von olds » Donnerstag 21. Juli 2016, 11:19

Was ich oft bedauere ist bei kleineren Orgeln die fehlende Zunge im Pedal.
Ist zwar schön wenn es Koppeln gibt, aber wenn die Trompete im Hauptwerk liegt, ich sie dort aber nicht dazuhaben möchte, da frage ich mich doch schon mal, warum man die Trompete nicht ins 2. Manual gelegt hat.

Gerade bei barocken Werken finde ich Sub16', Tromp 8', Koppel, Prinzipalplenum mit Mixtur doch recht angenehm.

Insgesamt sind in der Fläche ja eigentlich die meisten Trompeten obsolet. Meine ersten Jahre habe ich durchweg ohne Zungen gespielt. Sind halt meistens verstimmt. Was mir heute in einem Fall übrigens ziemlich leid tut, das war zwar ergonomisch ein schwer zu spielendes Instrument, aber insgesamt doch klangvoll. Nur habe ich nie die Trompete(n) (Diskant, Bass) genutzt. Naja, war damals halt noch ein schüchterner Organist.

Bzw. habe ich sie anfangs als penetrant empfunden, dass war aber jugendlicher Irrsinn.

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Friedrich Sprondel
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Re: Zungenregister

Beitrag von Friedrich Sprondel » Donnerstag 21. Juli 2016, 12:17

olds hat geschrieben:Insgesamt sind in der Fläche ja eigentlich die meisten Trompeten obsolet. Meine ersten Jahre habe ich durchweg ohne Zungen gespielt. Sind halt meistens verstimmt.
Tja, wer Zungen möchte, muss auch stimmen wollen. Mit etwas Routine ist das aber rasch erledigt.

Übrigens ist auch das ein Grund dafür, dass die Posaune 16' als erstes Zungenregister seit Jahrhunderten so beliebt ist. Es sind weniger Pfeifen zu stimmen, und wenn sie einigermaßen solide bemessen und gebaut sind, verstimmen sie längst nicht so leicht wie höhere Zungenregister oder kleinere Zungenpfeifen. Manche Konstruktionen halten übrigens die Stimmung erstaunlich gut.

Viele Grüße
Friedrich

violdigamb
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Re: Zungenregister

Beitrag von violdigamb » Donnerstag 21. Juli 2016, 12:32

Hallo zusammen,

es muss, falls es tatsächlich nur ein einziges Zungenregister sein soll und man sich für eine Pedalzunge entscheidet, m.E. nicht unbedingt ein 16' sein. Eine 8'-Posaune mit Bechern in voller Länge gibt in einem kleineren bis mittleren Raum genügend Gravität und ist etwas sonorer als eine Trompete (die natürlich auch in Frage kommt). Im Gegensatz zur 16'-Zunge lässt sie sich auch zum Spielen eines Tenor-c.f. nutzen.

Viele Grüße,

violdigamb

malle235
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Re: Zungenregister

Beitrag von malle235 » Donnerstag 21. Juli 2016, 18:31

Was haltet ihr von 16' Zungen im Manual? nützlich oder eher überflüssig?
a) kurzbecherige Regale b) mittellaute Zungen - z.B. Fagott, Cor anglais c) sehr laut: Trompete / Bombarde / Tuba

Ippenstein
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Re: Zungenregister

Beitrag von Ippenstein » Donnerstag 21. Juli 2016, 21:52

Ein Fagott 16 im Schwellwerk, das als Transmission im Pedal gespielt werden kann, halte ich für gut.

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Friedrich Sprondel
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Re: Zungenregister

Beitrag von Friedrich Sprondel » Donnerstag 21. Juli 2016, 23:37

Ippenstein hat geschrieben:Ein Fagott 16 im Schwellwerk, das als Transmission im Pedal gespielt werden kann, halte ich für gut.
Ja, das ist sicher eine schöne Sache. Aber auch dann sollte das Fagott ordentlich nach was klingen, denn an seinem eigentlichen Ort ist es dazu da, das Schwellwerk zu einem großformatigen Klavier zu machen. Der 16'-Sound sollte sich satt unter die SW-Trompete 8' schieben, die man dann unbedingt haben sollte. Dann hat man ein wirkungsvolles, sinfonisches SW.

Für den Gesamtklang wichtiger finde ich allerdings eine 16'-Trompete im Hauptwerk. Das ist eines der Register, die einen entscheidenden Unterschied in der Grundgröße einer Orgel ausmachen. Mit einer 16'-Trompete im HW hat man eine große Orgel. Sie ist auch nicht so einfach durch eine SW-Zunge zu ersetzen, denn die wird immer gedämpft klingen. Der freistehende Zungensound ist unersetzlich. Er gibt diese neue Dimension, auch wenn das HW keinen offenen 16' hat.

Dazu gehören natürlich ein paar weitere Bausteine. Z. B. ein offener 16' im Pedal, dazu eine Posaune, die deutlich breiter als die HW-Trompete 16' klingt; und mindestens ein durchsetzungsfähiges Nebenwerk, z. B. ein Positiv auf Prinzipal 8' oder eben ein voll besetztes Schwellwerk vom 16' bis zur Mixtur. Die HW-Mixtur muss außerdem überzeugend an den tiefen Zungensound anschließen, darf also nicht zu scharf ansetzen.

Die 16'-Trompeten Gottfried Silbermanns (heißen Fagott, sind aber Trompeten – Silbermann-Forscher Frank-Harald Greß sagt sogar: Posaunen) sind einer der deutlichsten Unterschiede zur französischen Tradition, aus der Silbermann kommt. Sie machen seine Hauptwerke zu Tutti-Werken. Bei Schnitger ersetzt z. B. in Norden die 16'-Trompete zusammen mit einer Quintade 16' das Prinzipal 16'.

Schaut euch mal diese Disposition an in puncto 16'-Zungen. Da gibt es fünf bei 47 Registern. Das ist eine rundum herrliche Orgel.

Viele Grüße
Friedrich

Ippenstein
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Re: Zungenregister

Beitrag von Ippenstein » Freitag 22. Juli 2016, 08:22

Lieber Friedrich,

unwidersprochen - je mehr einsetzbare Zungen, um so besser. Sie sind die Würze! Nur würde ich im Schwellwerk dann eine Posaune 8 nehmen, wenn ich im Hauptwerk den Gegenspieler Trompete habe. Die Fagott 16 ohne weitere Zunge würde im Schwellwerk nicht passen. Das stimmt.

Diese Orgel kam meinen Bedürfnissen sehr entgegen:
http://www.samiki.de/bho/dcms/sites/bis ... orgel.html

Viele Grüße

Andreas

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Friedrich Sprondel
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Re: Zungenregister

Beitrag von Friedrich Sprondel » Freitag 22. Juli 2016, 14:32

Friedrich Sprondel hat geschrieben:Schaut euch mal diese Disposition an in puncto 16'-Zungen. Da gibt es fünf bei 47 Registern. Das ist eine rundum herrliche Orgel.
Hier kann man sie sich übrigens mal kurz anhören. Der Spieler – Matthias Eisenberg – wechselt ganz am Schluss, schon im Fade-out, vom 16'-Zungenplenum von HW+RP zu dem des RP allein.

Viele Spaß
Friedrich

Principalbass16Fuss
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Re: Zungenregister

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 27. Juli 2016, 23:24

Hi, also "meine" große Schuke-Unterrichtsorgel (1969/2013) ist mit folgenden Zungenregistern ausgestattet:

OBERWERK (I): Dulzian 16', Oboe 8'
HAUPTWERK (II): Trompete 16', Trompete 8', Trompete 4'
BRUSTWERK (III): Rankett 16', Krummhorn 8'
SCHWELLWERK (IV): Trompete 8', Trompete 4'
PEDAL: Posaune 32' (seit 2013), Posaune 16', Trompete 8', Trompete 4'

Bei fast 60 klingenden Registern sind das insgesamt 13 Zungen! Unentbehrlich sind für mich zum einen die Oboe, da ich gerne César Franck spiele, zum anderen die beiden HERRLICHEN Posaunen im Pedal!! 8) Die Oboe würde ich mir prinzipiell eher im Schwellwerk wünschen als im Oberwerk, aber die beiden Echo-Trompeten des Schwellwerkes stellen natürlich auch ein feines Gegenüber zu den Hauptwerks-Trompeten dar! :mrgreen: Bei den Orgelmessen von Francois Couperin, die ich gerade übe, verwende ich die 8'-Trompete(n) als "Trompette", die 4'-Trompete(n) als "Clairon" und die Oboe 8' als "Cromorne", da unser "Krummhorn" im Brustwerk sehr leise ist und nicht so "derb" klingt wie das französische "Cromorne"! :D

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