16'

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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olds
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16'

Beitrag von olds » Dienstag 19. Juli 2016, 12:57

Eine Sache, wo ich bisher eher wenig mit zu tun habe sind 16' im Hauptwerk, bzw. Schwellwerk.
Da ich in der Ausbildung auch nie mit so Jungs zu tun hatte, fehlt mir auch ein Einblick, den Bereich des Orgelbaus hat man bei mir weggelassen.

Aktuell spiele ich häufige Orgeldienste auf Orgeln mit einem 16' im HW, Pommer 16' bzw. Bourdon 16'.

Ich komme damit nicht wirklich klar, also klanglich, habe immer das Gefühl, dass da was verstimmt ist. Kann aber nicht sein, denn die eine Orgel ist frisch gestimmt. Setze die Register auch entsprechend nicht ein.

Habe ich da jetzt ein Knick im Ohr oder gibt es da Geheimnisse, die ich noch nicht kennenlernen durfte?

Nachthorn
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Re: 16'

Beitrag von Nachthorn » Dienstag 19. Juli 2016, 14:56

Ich kenne jetzt keinen besonderen Trick beim Registrieren mit einem 16' im Manual.
Stell doch mal die Disposition der Orgel vor und eine Beispiel, welche Registrierung für dich seltsam klingt.
Vielleicht lässt sich so eine Unstimmigkeit erkennen.

Gruß, Nachthorn

malle235
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Re: 16'

Beitrag von malle235 » Dienstag 19. Juli 2016, 15:00

also als verstimmt habe ich einen Bordun 16' noch nie wahrgenommen - mich stört eher, dass solche Manualregister in der tiefsten Oktave kaum Volumen/Kraft haben - ansonsten passen die aber gut um z.B romantische Stücke etwas "voluminöser" zu machen
Quintadena 16' mag ich vom Klang nicht so
Prinzipal 16' im Manual haben eh nur sehr große Orgeln, da kann ich nicht viel zu sagen

Ippenstein
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Re: 16'

Beitrag von Ippenstein » Dienstag 19. Juli 2016, 20:43

Besser als wenn der 16er beim c aufhört oder darunter immer leiser wird und sich nach dem G ganz verabschiedet (Sparplanungen)
Ich verwende unseren Bordun 16 (komplett ausgebaut) sehr sparsam - meist nur in Literatur, die diesen verlangt.

kernspalter
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Re: 16'

Beitrag von kernspalter » Dienstag 19. Juli 2016, 21:39

olds hat geschrieben:Eine Sache, wo ich bisher eher wenig mit zu tun habe sind 16' im Hauptwerk, bzw. Schwellwerk.
Da ich in der Ausbildung auch nie mit so Jungs zu tun hatte, fehlt mir auch ein Einblick, den Bereich des Orgelbaus hat man bei mir weggelassen.

Aktuell spiele ich häufige Orgeldienste auf Orgeln mit einem 16' im HW, Pommer 16' bzw. Bourdon 16'.

Ich komme damit nicht wirklich klar, also klanglich, habe immer das Gefühl, dass da was verstimmt ist. Kann aber nicht sein, denn die eine Orgel ist frisch gestimmt. Setze die Register auch entsprechend nicht ein.

Habe ich da jetzt ein Knick im Ohr oder gibt es da Geheimnisse, die ich noch nicht kennenlernen durfte?
Wenn ein 16' als "verstimmt" wahrgenommen wird, gibt es mehrere Möglichkeiten:

- Es sind mehrere Einzeltöne verstimmt, z. B. durch lose Spunde.
- Das Register ist tatsächlich als ganzes verstimmt, z. B. weil die Schleife nicht richtig zieht.
- Die Windversorgung ist ungenügend, was sich beim Zuzug des windfressenden 16' besonders bemerkbar macht.
- Ein stark quintierender Pommer 16' kann den Eindruck falscher Akkorde hervorrufen - in einem C-Dur-Dreiklang sind immer die Töne h und d mitzuhören.
- Ansonsten machen sich kleine Intervalle bzw. Akkorde in enger Lage ab der Mittellage abwärts als wummernde Kombinationstöne bemerkbar. Die können das Klangbild trüben, obwohl es sich eigentlich nicht um Verstimmungen handelt.
Mit kernspalterischen Grüßen

kernspalter
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Re: 16'

Beitrag von kernspalter » Dienstag 19. Juli 2016, 21:48

Ippenstein hat geschrieben:Besser als wenn der 16er beim c aufhört oder darunter immer leiser wird und sich nach dem G ganz verabschiedet (Sparplanungen)
Ich verwende unseren Bordun 16 (komplett ausgebaut) sehr sparsam - meist nur in Literatur, die diesen verlangt.
Bei Duo-Stücken (und anderen Stücken, wo die linke Hand die Baßstimme solistisch führen kann) ist ein gut ansprechender und bis zum C ausgebauter 16' sehr nützlich, auch wenn er nicht unbedingt verlangt wird.

Ich verwende den 16' auch gern - eine Oktav höher gespielt - als Grundlage für cantus-firmus-Registrierungen, z. B. 16' + 8' + 2 2/3' (klingt als 8' + 4' + 1 1/3') oder 16' + 4' (klingt als 8' + 2')...
Mit kernspalterischen Grüßen

olds
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Re: 16'

Beitrag von olds » Mittwoch 20. Juli 2016, 08:26

Hhmm,

klingt für mein Problem plausibel.

Also dass der genannte Bourdon unterschiedlich ausgebaut ist und mal lauter und leiser ist. Das habe ich dann als "verstimmt" wahrgenommen. Zumindest habe ich - mit Blick auf unseren Kernphysiker - nicht bedacht, dass ein 16' in den tieferen Lagen halt eben tief klingt und eben für ein Spiel herangezogen, wo die tieferen Lagen doch ziemlich zur Geltung kommen.

Das betrifft da vor allem einige in meinen Ohren verunglückte Vorspiele mit dem Bourdon 16'.

Bleibt nur die Frage, warum ich mit der Pommer nicht warm werde. Hier habe ich französicher Literatur gespielt, und dachte für die richtig wuchtigen Stellen die Pommer mitnehmen zu müssen. Klang teilweise unschön. Sehe da dann jetzt auch mal die Lösung darin, dass die Pommer an den falschen Stellen zu gut durchschlägt.

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Friedrich Sprondel
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Re: 16'

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 20. Juli 2016, 12:21

Ich kann mir vorstellen, dass vor allem kernspalters letzter Punkt eine Rolle spielen könnte. Möglicherweise bist Du es vom Spielen an 16'-losen Orgeln gewohnt, Klangfülle herzustellen, indem Du links lieber drei- als zweistimmig greifst und gerne auch mal in die große Oktave gehst. Macht man das mit einem labialen 16' dabei, dann ist das ein bisschen so, als würde man beim Joggen zwei Autoreifen hinter sich herziehen.

Der Manual-16' ist jedenfalls etwas für größere Räume und ernste, groß gedachte Musik mit einem gewissen Pathos. Er braucht auch einen deutlich kräftigeren 16' im Pedal, mindestens einen weiter mensurierten Subbass mit ebenfalls weitem 8'-Oktavbass, am liebsten aber einen offenen 16'. Aber es gilt auch dasselbe wie für die Mixtur (siehe den Thread »Registrieren mit Mixturen«): 16'-Manualregistrierungen sind nicht for the faint of heart, aber sie lohnen sich.

Viele Grüße und fröhliches Grummeln
Friedrich

Ronald Henrici
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Re: 16'

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 21. Juli 2016, 17:23

Bei einer Choralbegleitung vierstimmig mit 8 Fuß, 4 Fuß, 2 Fuß Principalklang nehme ich schon mal gern zur Grundierung den 16 Fuß im Manual hinzu. das geht aber nur gut, wenn dieser grundtönig ist. Bei einem engmensurierten 16 Fuß und bei einer Quintade ist das schon verstimmend. Kernspalter hat das begründet.
Wenn ich allerdings ein Choralvorspiel improvisiere, mit der linken Hand 16 und 8 im manual spiele als Bassstimme, rechts mit 8, 4, 1 1/3 einen Kontrapunkt setze und im Pedal 8, 4, die Melodie spiele, dann ist der 16 im Manual sehr wirksam.
Oder ich spiele eine Choralbegleitung 4 stimmig mit dem 16 , 8 , 4, evtl. 2 eine Oktave höher, dann ist dieser 16 als 8 doch recht wirksam, vor allem bei kleinen Orgeln (unter 17 registern).
Gruß
Ronald
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olds
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Re: 16'

Beitrag von olds » Freitag 22. Juli 2016, 21:43

war heute an der einen Orgel üben. Ist kein Bourdon, es ist ein Violon 16', die unterste Oktave repitiert.

Das habe ich dann wohl als verstimmt wahrgenommen. Insgesamt habe ich an der Orgel 27 Minuten Aufnahmen gemacht, kriege das aber gerade nicht wirklich geschnitten.

Habe diverse Intonationen anhand "Was uns die Erde gutes spendet" ausprobiert. Spielt man beide Lagen mit dem 16' oben, klingt es ziemlich schepp, wenn der Basston im Orgelsatz des Gotteslobes nach unten geht.

Ansonsten, als Solo mit Salizional 8' und Rohrflöte 8' als Begleitung im Hauptwerk einfach toll. Ebenso so einiges anderes, dann aber mit geschlossenem Schwellwerk. Mit dem Ding es wirklich gut Kirschen essen, man darf aber nur nicht in die Repitition geraten - so mein Laienhafter eindruck.

Principalbass16Fuss
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Re: 16'

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 27. Juli 2016, 22:51

Hi, an "meiner" großen Schuke-Unterrichtsorgel (1969/2013) besitzt jedes der vier Manuale mindestens ein 16'-Register:

OBERWERK (I): Dulzian 16'
HAUPTWERK (II): Prinzipal 16', Trompete 16'
BRUSTWERK (III): Rankett 16'
SCHWELLWERK (IV): Bordun 16'

Also, alles mit dabei: offener labialer 16' im HW, gedeckter labialer 16' im SW, vollbecheriger lingualer 16' in OW und HW, kurzbecheriger lingualer 16' im BW. Der Prinzipal 16' im HW beginnt allerdings erst ab Fis als offenes Prospektregister; die sechs tiefsten Pfeifen (C-F) befinden sich als Metallgedeckte im Gehäuse. Dafür gibt es im Pedal einen Prinzipal 16', der bereits ab C offen im Prospekt steht! :wink:

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