Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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malle235
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Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von malle235 » Samstag 9. Juli 2016, 00:01

Was haltet ihr für die sinnvollste Anordnung der einzelnen Teilwerke/Manuale am Spieltisch?

also z.B. deutsch-romantisch - kräftiges Hauptwerk unten und dann nach Lautstärke, d.h. je leiser, desto weiter nach oben

oder norddeutsch-barock: Rückpositiv unten, dann Hauptwerk, dann z.B. Oberwerk

französisch-romantisch scheinen Positif bzw. Grand Orgue je nach Orgel unten zu sein, während das Récit expressif/Solo/Bombarde weiter oben stehen

Was haltet ihr spieltechnisch für am besten? Mir ist das Problem neulich bei Reger aufgefallen, als man bei einem Cantus firmus im Alt die rechte Hand auf zwei Manuale aufteilen sollte. So konnte die leise Außenstimme auf dem oberen Manual gespielt werden, während der Daumen ein Manual tiefer dann ein schönes Soloregister bräuchte - das lässt sich aber nicht unbedingt mit jeder Orgel schön umsetzen von der Registrierung...

Nachthorn
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von Nachthorn » Samstag 9. Juli 2016, 18:53

Pauschal lässt sich das sicher nicht beantworten.

Die Anordnung der Manuale ist oft bedingt durch die Kostruktion der Orgel, weshalb z. B. das Rückpositiv an historischen Instrumenten in der Regel vom untersten Manual gespielt wird.
Die Pneumatik hat schon mehr Freiheiten ermöglicht, aber auch dort gibt es konstruktionstechnische Zwänge. Oft sind ja auch Mischsysteme gebaut worden, in denen unterschiedliche Ladentypen kombiniert wurden.
Erst mit elektrischen Trakturen ist es möglich die Werke frei auf die einzelnen Manuale zu verteilen.

Wahrscheinlich ist es so, dass die Anordnung der Manuale in den meisten Fällen ideal für die Musik aus der entsprexhenden Epoche/Region des Instruments ist. Die Komponisten haben ja nicht "gegen" ihre Instrumente geschrieben sondern wollten sie im besten Licht darstellen.

Ich habe zu Hause eine Hautwerk-Orgel und nehme für jedes Instrument die Manualverteilung des Originals. Die Klangbibliothek wechsle ich je nach der Musik, die ich spielen möchte. Bis jetzt komme ich gut damit zurecht.

Gruß, Nachthorn

trommet16
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von trommet16 » Samstag 9. Juli 2016, 19:57

Wie Nachthorn schon geschrieben hat, kann es da technische Notwendigkeiten geben, wenn ich mir das frei auswählen könnte für eine entsprechend große Orgel würde ich wohl meistens(!) so aufteilen:
I.Manual (Rück-)Positiv/Choir
II. Manual Hauptwerk/Great
III. Manual Schwellwerk/Swell
IV. Manual Schwellwerk II / Echo/ Solo
V. Manual Echo/Bombarde

also einigermaßen dem amerikanischen Standard folgend und deutsch-romantische Dynamikabstufung einhaltend.

olds
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von olds » Mittwoch 13. Juli 2016, 08:14

Von unten nach oben finde ich inzwischen auch praktischer, aber es ist wohl einfach nur Gewöhnungssache.

Habe bisher aber nur eine Orgel mit dem Aufbau kennengelernt. Die anderen hatten alle p - f - mf.

(Was im übrigen grausam sein kann, wenn der Trainingsplan samstags Schultern vorsieht. Das ist dann schon mal sonntags anstrengend, so das Hauptwerk und das Schwellwerk weiter oben. :lol: )

Wenn man dann halt ein Problem mit einem Reger bekommt, naja, dann ist es halt so.

Ippenstein
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von Ippenstein » Samstag 16. Juli 2016, 07:03

Wenn es nach mir ginge:

1. Manual Hauptwerk (mit genügend Registern für das Begleiten des Solowerkes)
2. Manual Schwellwerk (Charakteristischer Gegenspieler zum Hauptwerk, genauso laut und mächtig, kann durch den Schweller ja leiser gemacht werden)
3. Manual Solowerk (viele Farben, ebenfalls laut, ev. auch Hochdruckregister)

Da ich mehr die Gemeinde begleite als solistisch spiele, finde ich es eine Verschwendung, wenn ein 3. oder 4. Manual vor sich hinsäuselt und man das komplett mit offenem Schweller nutzen muß, um die Gemeinde halbwegs begleiten zu können.
Das gilt auch für kleinere Orgeln, bei denen das 2. Manual ein Pianomanual ist.

Durch die möglichen Kopplungen schafft man am Schluß ja doch eine Abstufung.

Viele Grüße

Ippenstein

olds
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von olds » Dienstag 26. Juli 2016, 22:17

Was mir jetzt aufgefallen ist und für ein breites Grinsen sorgte:

Seit nunmehr einigen Jahre mühe ich mich durch eine Notenausgabe. Die Stücke sind durchweg für Hauptwerk-Schwellwerk-Positiv-Orgeln komponiert, manches ist aber durchaus auch auf einer einmanualigen zu spielen - fixes Registrieren vorrausgesetzt.

Insgesamt habe ich mir bisher immer mit den Dingern schwergetan, bis gestern dann, auf der 3-manualigen, ich die ich derzeit häufiger bespiele. Das Stück "Flourish for the Flutes" ist ziemlich lebhaft und man hat etwas zu tun, aber bei 3-Manualen flutscht es plötzlich. Eben durch eine Sorglosigkeit im Spiel ohne registrieren zu müssen, aber auch, weil so ein Instrument schlicht die entsprechende Ergonomik mit sich bringt.

Ganz abgesehen von dem Effekt, dass ein Stück, dass alle Flöten fordert und ein "Flourish" sein soll, bei ca. vier 8' Flöten und drei 4' Flöten erst seinen Charakter entwickelt. Hätte ich nie gedacht, ist aber so.

Principalbass16Fuss
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 27. Juli 2016, 23:02

Also, ICH persönlich finde folgende Manual-Anordnungen (je nach Musikstil) am sinvollsten:

a) Für französisch-symphonische und andere romantische Musik: Prinzip nach Aristide Cavaillé-Coll, d.h.
I. Grand-Orgue (forte), II. Positif expressif (mezzoforte), III. Récit expressif (piano bis pianissimo)

b) Für deutsche Barockmusik:

- 3 Manuale: I. Rückpositiv, II. Hauptwerk, III. Brustwerk oder Oberwerk
- 4 Manuale: I. Rückpositiv, II. Hauptwerk, III. Oberwerk, IV. Brustwerk

c) Für "universale" Konzertorgeln:

- 3 Manuale: I. Positiv, II. Hauptwerk, III. Schwellwerk
- Alternativ: I. Hauptwerk, II. Positiv (ggf. schwellbar), III. Schwellwerk

- 4 Manuale: I. Positiv, II. Hauptwerk, III. großes Schwellwerk, IV. kleineres Schwellwerk
- Alternativ: I. Hauptwerk, II. Positiv, III. großes Schwellwerk, IV. kleineres Schwellwerk

Wer stimmt mir zu...? :wink: Viele Grüße! :D

Solcena
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von Solcena » Mittwoch 27. Juli 2016, 23:14

Volle Zustimmung. Es kommt darauf an, was die Orgel leisten können soll ... daher hatte sich malle235 im ersten Beitrag schon selbst die richtige Antwort gegeben! 8)

Principalbass16Fuss
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Re: Anordnung mehrerer Manuale am Spieltisch

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 27. Juli 2016, 23:28

Die vier Manuale "meiner" großen Schuke-Unterrichtsorgel (1969/2013) sind wie folgt angeordnet:

I. Oberwerk mit Prinzipal 8' im Prospekt (ersetzt hier ein Positiv bzw. Rückpositiv)
II. Hauptwerk mit Prinzipal 16' im Prospekt
III. Brustwerk (schwellbar) auf Prinzipal 2'-Basis (entspricht meinem "kleinen Schwellwerk")
IV. Schwellwerk auf Prinzipal 4'-Basis (entspricht meinem "großen" Schwellwerk)

Vielen Dank für Deine Zustimmung, Solcena!!! :D

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