Histor. Hausorgel: Ged. 8' typisch (zu) leise?

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dieterich
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Histor. Hausorgel: Ged. 8' typisch (zu) leise?

Beitrag von dieterich » Montag 9. Mai 2016, 10:33

Guten Morgen und Gruß!

Nach meinen zu geringen Erfahrungen habe ich den Eindruck, dass ein Gedeckt 8 bzw. B.c.-Grundstimme bei Kirchenorgel, Truhen solo fast wie mf wirken können, jedenfalls für Continuospiel im Ensemble laut genug sind,
während bei sehr kleinen Hausorgeln des 18., frühen 19. Jh. ich den Eindruck habe, dass diese Grundstimme selbst für die B.c.-Begleitung eines einzigen anderen Soloinstruments zu leise ist.

Wie sind da Eure Erfahrungswerte?

Vielen Dank! d.

Ronald Henrici
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Re: Histor. Hausorgel: Ged. 8' typisch (zu) leise?

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 2. Juli 2016, 22:16

Da stimmt etwas mit der Intonation nicht oder der Winddruck ist zu gering. Versuchen Sie zunächst einmal den Winddruck zu erhöhen. Seien Sie aber nicht erstaunt, wenn sich die Tonhöhe insgesamt etwas anhebt. Sie müssen dann eben den Gedackt tiefer stimmen. Wenn das nicht mehr geht wegen der Pfeifenlänge, hilft es, wenn Sie C auf Cis oder D setzen und hören, ob der Ton lauter wird. Wenn ja, dann alle Pfeifen einen Halbton oder Ganzton höher setzen und entsprechend stimmen, d.h. das C zum Cis stimmebn , das Cis zum D stimmen und so weiter. Damit erweiteren Die die Mensur des Gedackt., müssen aber zwangsläufig auf das C, bzw. C und Cis verzichten oder dazubauen.
Der Versuch ist es wert.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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Friedrich Sprondel
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Re: Histor. Hausorgel: Ged. 8' typisch (zu) leise?

Beitrag von Friedrich Sprondel » Sonntag 3. Juli 2016, 10:29

dieterich hat geschrieben:Nach meinen zu geringen Erfahrungen habe ich den Eindruck, dass ein Gedeckt 8 bzw. B.c.-Grundstimme bei Kirchenorgel, Truhen solo fast wie mf wirken können, jedenfalls für Continuospiel im Ensemble laut genug sind,
während bei sehr kleinen Hausorgeln des 18., frühen 19. Jh. ich den Eindruck habe, dass diese Grundstimme selbst für die B.c.-Begleitung eines einzigen anderen Soloinstruments zu leise ist.
Wie sind da Eure Erfahrungswerte?
Mit Erfahrungswerten kann ich leider kaum dienen. Aber wenn es ums Continuospiel geht, dann sollte man vielleicht bedenken, dass es erstens ja meist einen oder zwei 4'-Register gab oder gibt, idealerweise gut verschmelzend bei dem üblichen geringen Winddruck kleiner Orgeln. Und zweitens war der Organist beim Continuospiel ja auch meist nicht allein, sondern spielte mit einem Fagottisten, Sordunisten, mit Cello, Gambe und/oder Bassgambe bzw. Kontrabass, mit Theorbe, Regal oder Cembalo zusammen, alles beliebte Bassinstrumente, die die Basslinie gut zeichnend verstärkten. Da konnte man sich also ein teureres, raum- und windfressendes weites 8'-Register sparen.
Dass das Örgelchen alles, auch den guten Bass, selber erledigen soll, ist vielleicht eher eine Idee des 20. Jahrhunderts. Wenn es das früher sollte, dann war eben eine größere Orgel gefragt (Bach forderte in Mühlhausen genau deswegen, also für die Figuralmusik, ein Fagott 16' im HW ). Für eine Truhenorgel wird so etwas schwierig, weil Zungenregister das Transportiertwerden nicht so mögen. Sonst könnte man ja ohne Probleme einen geteilten Dulzian 8' oder gar 16' disponieren.

Viele Grüße
Friedrich

Ronald Henrici
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Re: Histor. Hausorgel: Ged. 8' typisch (zu) leise?

Beitrag von Ronald Henrici » Sonntag 3. Juli 2016, 13:40

Der Hinweis von Ftiedrich Sprondel ist schon gut. es ist nur die frage, ob ein zusätzlicher 4 Fuß da weiterhilft und die Maße der Kleinorgel das zulassen. Denn es wird eine weitere Tonkanzelle notwendig, die dann auch schließlich die Winddruckverhältnisse zur Änderung erforderlich macht. Um den bassbereich stärker zu bekommen, könnte man die vorhandenen Pfeifen der tiefen 15 Töne umintonieren, was aber wiederum eine Veränderung im Bereich der Labien erforderlich macht. Es ist schon richtig, daß die Begleitung damals im Continuo eine weiteres Bassinstrument zur verfügung hatte, sei es Cello, Fagott, Basson. Dann brauchte man für die Akkordierung der Bässe keinen starkes Gedackt 8 Fuß, weil die Akkorde schon die Klangfülle erhöhten, ohne den Klngcharakter zu ändern, was mit einem zusätzlichen Register erfolgt. Es kam also nicht unbedingt auf das "Soloregister" Gedackt 8 Fuß an, und deshalb konnte man dieses register auch "leise" oder "zurückhaltend" intonieren.
Heute ist man etwas davon abgekommen, weil bei größeren Instrumenten ein "Musiziergedackt" als allein ohne zweites Instrument brauchbares Continuoregister vorhanden ist. Deutlich wird dies besonders beim Musiziergedeckt mit rösslerischen Mensuren und entsprechender Intonation und Weitenmaßen, was als Continuo-Begleitung ohne weiters Instrument und als Soloinstrument etwa bei den Händelschen Orgelkonzerten klangvoll in Volumen und Charakter nutzbar ist.
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Ronald Henrici
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Re: Histor. Hausorgel: Ged. 8' typisch (zu) leise?

Beitrag von Ronald Henrici » Sonntag 3. Juli 2016, 13:45

Der Hinweis von Friedrich Sprondel ist schon gut. es ist nur die frage, ob ein zusätzlicher 4 Fuß da weiterhilft und die Maße der Kleinorgel das zulassen. Denn es wird eine weitere Tonkanzelle notwendig, die dann auch schließlich die Winddruckverhältnisse zur Änderung erforderlich macht. Um den bassbereich stärker zu bekommen, könnte man die vorhandenen Pfeifen der tiefen 15 Töne umintonieren, was aber wiederum eine Veränderung im Bereich der Labien erforderlich macht. Es ist schon richtig, daß die Begleitung damals im Continuo eine weiteres Bassinstrument zur verfügung hatte, sei es Cello, Fagott, Basson. Dann brauchte man für die Akkordierung der Bässe keinen starkes Gedackt 8 Fuß, weil die Akkorde schon die Klangfülle erhöhten, ohne den Klngcharakter zu ändern, was mit einem zusätzlichen Register erfolgt. Es kam also nicht unbedingt auf das "Soloregister" Gedackt 8 Fuß an, und deshalb konnte man dieses register auch "leise" oder "zurückhaltend" intonieren.
Heute ist man etwas davon abgekommen, weil bei größeren Instrumenten ein "Musiziergedackt" als allein ohne zweites Instrument brauchbares Continuoregister vorhanden ist. Deutlich wird dies besonders beim Musiziergedeckt mit rösslerischen Mensuren und entsprechender Intonation und Weitenmaßen, was als Continuo-Begleitung ohne weiters Instrument und als Soloinstrument etwa bei den Händelschen Orgelkonzerten klangvoll in Volumen und Charakter nutzbar ist.
Gruß
Ronald
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