Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

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dieterich
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Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von dieterich » Montag 9. Mai 2016, 09:57

Guten Morgen und freundlicher Gruß!

Ich soll helfen bei der Planung einer Kleinstorgel mit nur 2-3 Registern manualiter für eine kleine Kapelle, bei der die Heizung nur per live-Handbetrieb geht und den Raum ca. 10 (zehn) Grad pro Stunde aufheizt!

Leider habe ich per Google noch nicht finden können, welche Register(typen) für eine solche - natürlich unpassende - Heizung am geeignetsten wären.

Mein Ansatz: Ein Prinzipal 8, der laut genug intoniert/gebaut ist, um den Gemeindegesang von ca. 20-60 Leute wirklich zu tragen, ein B.c.-Register (Gedeckt 8) und 1 stimmungsmässig für diese Heizung/Disposition passende Register (weiterer 8' oder 4').

1) Wie wäre Euer (korrigierendes) Konzept (Heizung leider nicht zu ändern) für 2-3 Register?

1a) Welche Grundstimmen-Arten wären (am ehesten) verträglich mit einer solch rasanten Heizung?

2) Wieviel Platz würde dies Orgel mindestens beanspruchen (vorne nahe bei der 1. Reihe)?

3) Was würden die Varianten 2-, 3--Register ca. kosten?

4) Kennt Ihr Truhenorgel-Arten, die speziell zu dieser Heizsituation passen (müsste aber i. d. R. dauerhaft am Standort in der Kapelle stehen)?

Dank von d.

Ippenstein
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Ippenstein » Montag 9. Mai 2016, 13:35

Warum nicht ein großes Harmonium?

Bei so wenig Plätzen reicht mMn
Gedeckt 8
Flöte 4
Prinzipal 2

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Friedrich Sprondel
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Friedrich Sprondel » Montag 9. Mai 2016, 14:14

dieterich hat geschrieben:1) Wie wäre Euer (korrigierendes) Konzept (Heizung leider nicht zu ändern) für 2-3 Register?
Das 8'-Prinzipal kann man sich schenken, denn das müsste so stark zurückgenommen werden, dass es musikalisch wertlos wäre.
Ippensteins Vorschlag würde ich – da ein ordentlicher Prinzipalklang nun mal gewünscht zu sein scheint – so modifizieren:

Gedeckt 8'
Prinzipal 4'
Gemshorn 2'
alles geteilt h/c' oder c'/cis'
Der Stimmton muss so liegen, dass er bei Betriebstemperatur angenehmes Singen ermöglicht (muss also im kalten Zustand ziemlich tief liegen, 438 Hz oder noch tiefer).
dieterich hat geschrieben:1a) Welche Grundstimmen-Arten wären (am ehesten) verträglich mit einer solch rasanten Heizung?
Alles, was solide gebaut ist, außerdem eher keine Register über 2' (und keine Zungen).
dieterich hat geschrieben:2) Wieviel Platz würde dies Orgel mindestens beanspruchen (vorne nahe bei der 1. Reihe)?
Den Platz einer Truhenorgel mit Sitzbank und eventuell Gebläsekiste, mindestens 1 1/2 Quadratmeter, lieber noch 2.
dieterich hat geschrieben:3) Was würden die Varianten 2-, 3--Register ca. kosten?
Das kann man auf Orgelbauer-Seiten nachschlagen; es gibt auch gebrauchte Instrumente. Man sollte sie aber in jedem Fall ausprobieren und vor allem die Windversorgung ordentlich testen; platzsparendes Bauen kann da zu Problemen führen. Teuer genug sind die Örgelchen, dass man sich über einen Fehlkauf ärgert.
dieterich hat geschrieben:4) Kennt Ihr Truhenorgel-Arten, die speziell zu dieser Heizsituation passen (müsste aber i. d. R. dauerhaft am Standort in der Kapelle stehen)?
Möglicherweise muss man auf Massivholz-Konstruktion verzichten und zu Multiplex- oder Leimholz greifen. Tropenfeste Ladenkonstruktionen gibt es schon. Auch Stecher oder Abstrakten müssen tropenfest sein, dürfen also nicht reißen oder sich werfen. Da Truhenorgeln oft reisen müssen, legen gute Orgelbauer sie entsprechend robust an.

Viele Grüße
Friedrich

JulianEm
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von JulianEm » Montag 9. Mai 2016, 14:46

nochmal zur Heizungsproblematik:
Ich will irgendwie nicht ganz glauben, dass man da nichts machen kann. Ich will mir doch keine Orgel für 30.000€ da reinstellen, die dann permanent verstimmt ist und irgendwann das Gammeln anfängt.

Wir hatten ein ähnliches Problem, da wir in unserer Kirche auch eine sehr potente Warmluftheizung aus den 1980ern haben. Da hieß es auch bei der Orgelrenovierung: ... nix zu machen ... wird alles viel zu teuer ... Heizung bleit so, wie sie ist.

Als Organist blutet da einem das Herz, wenn man so scharmlos mit den Instrumenten und der Kircheneinrichtung umgeht.

Deshalb hab ich mich selbst hingestezt und eine Steuerung programmiert und gebaut, die jetzt wunderschöne Temperaturkurven mit 1,5 Kelvin/Stunde beim Auf/Abheizen fabriziert und uns noch 30l Heizöl pro Gottesdienst spart. Und das ganze wurde einfach anstatt des alten Raumthermostates angeklemmt und hat keine 150€ gekostet.

Da muss es für die Heizung eine Lösung geben, alles andere wäre aus meiner Sicht grober Unfug.

Was ist es denn für eine Heizung?

Gruß
JulianEm

Dorforgler
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Dorforgler » Montag 9. Mai 2016, 19:16

JulianEm hat geschrieben: Da muss es für die Heizung eine Lösung geben, alles andere wäre aus meiner Sicht grober Unfug.
Nein, ist es - je nach Umstaenden - absolut nicht!

Hier in Skandinavien haben wir im Winter regelmaessig mit sehr niedriger Luftfeuchte zu kaempfen - wenn es mal -15 Grad draussen sind, kommen wir in der Kirche bereits bei normaler "Frostschutztemperatur" von etwa 5 Grad oft nicht auf die 40%, die normalerweile als untere, optimale Grenze angesehen werden. Ein langsames Aufwaermen ist da nicht nur eine reine Quaelerei, sondern auf Dauer schon fast ein Sargnagel nicht nur fuer die Orgel, sondern auch alles andere Inventar wie Holzschnitzereien, Bilder etc. :x :!:
Da lokale Luftbefeuchtung (wurde bei uns in den 60er bis 70ern noch als DIE Loesung propagrandiert!) sich langfristig auch nicht als sinnvoll erwiesen hat und sich ein Kirchenraum als Ganzes auch nur auessert schwierig bzw. nur sehr aufwendig entsprechend klimatisieren laesst, gibt unser Denkmalschutzamt folgende Empfehlung:
Schmellstmoeglich aufheizen, schnellstmoeglich abkuehlen lassen und laengstmoegliche Ruhezeit danach.

Der Gedanke dahinter ist, dass grade lebende Materialien wie Holz nicht sofort auf Klimaaenderungen reagieren - und ein sehr schnelles Aufwaermen bzw. Abkuehlen kann tatsaechlich Trocknungsschaeden verhindern. (Fuer die Stimmung der Labialpfeifen ist ist es natuerlich nicht optimal - aber ich bevorzuge lieber eine leicht verstimmte Orgel, als nach jedem Aufwaermen die Holzkeile fuer die Kehlen der Zungenregister neu einpassen zu muessen...)

Und ja: Es funktioniert!!!


Als ich hier vor etwa 10 Jahren angefangen habe, hat die Luftfeuchte eigentlich keine Sau interessiert :roll:
Ich kann mich noch an einen sehr kaltem Dezember vor 4-5 Jahren erinnern, wo die Heizung aus irgendwelchen absurden Gruenden eine ganze Woche an war und die Luftfeuchte zum Schluss bis auf 17%(!!!!) gesunken war...
Die Orgel hat es zum Glueck noch ganz gut ueberlebt: Allerdings brauchte ich mindestens 2 volle Tage, um sie wieder fuer Heiligabend klar zu haben, und unsere Orgelbauer brauchten danach auch noch etwa 3 Jahre im Rahmen einer normalen Wartung, um wieder alle Schaeden zu beheben...

Das Umdenken begann erst etwa zwei Jahre spaeter, als drei historische Gemaelde in dieser Kirche vom Denkmalschutz zur Restaurierung abgeholt wurden.
Die Gemeinde musste dieses (zum Glueck!!!) nicht selbst bezahlen - aber die Rechnung von rund 200.000€ hat definitiv zu einem Umdenken gefuehrt.

Ich spiele lieber bei 16 Grad an einem mehr oder weniger ungestimmten Instrument, als Stunden damit zu verbringen, dieses in Ordnung zu halten.
(Selbst die Stimmung und die Holzkeile der Zungen halten sich mittlerweile ueber den Winter, wenn man sie nicht anruehrt :twisted: :-) )

dieterich
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von dieterich » Dienstag 10. Mai 2016, 21:31

guten Abend, Dank allerseits!

1) Ich habe durchaus auch für den konkreten Fall genau hinreichend und nicht zu laute Prinzipale 8 erlebt. Wäre er nicht - solo zum Gemeindegesang verwendet - nicht auch bei rasanter Kirchenheizung in sich (hinreichend) gestimmt?!

2) Ich frage mich oft, warum man bei Kleinorgeln so oft auf den Pr. 8 (zumindest im Manual) verzichtet (hat)!
Oft im Vergleich zum 8', 4' zu laute 2', 1 1/3', 1' schnüren mir beim Gemeindegesang trotz meiner Gesangsausbildung regelmässig quasi den Hals zu, sodass ich nur mit grosser Mühe die hohen Töne singen kann.
Ausserdem ist doch Grundtönigkeit mit viel 8', 16' und möglichst 32' sowohl im (deutschen) Barock als auch in der Romantik Standard gewesen?!

3) Warum also nicht bei einer neu zu disponierenden Kleinstorgel ohne Pedal für Gottesdienste und Gemeindegesang nicht: Pr. 8, Ged. 8, Streichregister 8?!

4) Auf welchen Orgelbauer-Seiten konkret kann ich denn eine Preisvorstellung für og. 3-Register Orgel mit Pr. 8, Ged. 8 + Streichregister 8' erlangen?

mfg d.

Ippenstein
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Ippenstein » Mittwoch 11. Mai 2016, 08:30

Die Grundtönigkeit war in der Romantik weitaus stärker als in der Barockzeit vertreten. Unabhängig der Register kommt es auf die Intonation an, die den Charakter der Orgel maßgeblich beeinflusst. Ich kenne wenige Orgeln aus der Endzeit der Romantik, bei der die Grundtönigkeit derart überhand genommen hat und man nur mit Superkoppeln ein wenig Zeichnung reinbekommen hat. Diese Orgeln sind mMn der Schrecken eines Organisten, weil völlig unausgewogen.

Ich bin zwar ein Romantiker, der gerne mit den Farben spielt, aber mit einer Orgel, die nur 3 8-Füßer hat, fällst Du auf die Nase, weil die Zeichnungskraft fehlt. Genauso, wie ich es im Regelfall für unmöglich halte, die hohen Register beim Gemeindegesang überzubetonen (manche ziehen die Hauptwerksmixtur), so ist es mMn gleichermaßen falsch, die Gemeinde nur mit den 8-Füßern zu begleiten. Freilich gewöhnt sich die Gemeinde an ihre Orgel, aber besser ist es doch, wenn die Orgel der Gemeinde "Sicherheit" gibt.

Bei kleinen Orgeln habe ich die Erfahrung, daß der Prinzipal 8 den Rest erschlägt. Geht man zu den 3 Registern zurück, würde ich die Disposition von Herrn Sprondel unterstützen. Diese Orgel dürfte bei 3 Registern das Maximum dessen sein, was einerseits für Gemeindegesang, andererseits für alle weiteren Erfordernisse des Gottesdienstes herausholbar wäre.

Ich möchte noch kurz an meine Erstorgel mit 7 Registern erinnern: Hohlflöte 8, Gedeckt 8, Prinzipal 4, Flöte 4, Octave 2, Mixtur 2 fach 1 1/2, Subbaß 16. Diese Orgel füllt einen Raum mit ca. 120 Plätzen hinreichend und die Register sind untereinander hervorragend kombinierbar. Da reicht es mitunter auch, mit 2 Registern im Manual die Leute zu begleiten. (Variatio delectat).

Indes empfehle ich, sich vom Gedanken, daß das Prinzipal 8 notwendig sei, zu lösen. Im Gottesdienst registriere ich gerne auch das eine oder das andere Lied gänzlich ohne Prinzipal 8 (und Octave 4). Für mich ist eine Orgel erst dann eine gute Orgel, wenn man eben auch mal ohne Prinzipale viel erreichen kann.

Viele Grüße

Ippenstein

P.S. Denk ans Harmonium... da hättest Du mehr Klangfarben und wenn es mit Pedal ist, auch einen schönen 16er. Und wenn es ein Druckwind ist, ist der Organist sowieso gefordert, wird aber mit schönen Klängen belohnt. Auch dabei gilt, sich nicht das alte klapprige Ding von der Oma zu holen, sondern sich nach einem ordentlichen Werk (beim Orgelbauer) zu erkundigen. https://www.youtube.com/watch?v=EMZaqX4OlsI

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Friedrich Sprondel
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 11. Mai 2016, 13:58

dieterich hat geschrieben:guten Abend, Dank allerseits! …
2) Ich frage mich oft, warum man bei Kleinorgeln so oft auf den Pr. 8 (zumindest im Manual) verzichtet (hat)! …
Ausserdem ist doch Grundtönigkeit mit viel 8', 16' und möglichst 32' sowohl im (deutschen) Barock als auch in der Romantik Standard gewesen?!
3) Warum also nicht bei einer neu zu disponierenden Kleinstorgel ohne Pedal für Gottesdienste und Gemeindegesang nicht: Pr. 8, Ged. 8, Streichregister 8?!
Vieles hat ippenstein schon betont. Ich meine, ein Prinzipal 8' braucht erstens viel Platz zur Aufstellung (allein wegen der Statik) und zweitens eine Menge Raum zur klanglichen Entfaltung, denn drittens ist es ein ziemlich kräftiges Register, das viertens eine Menge Wind beansprucht. Und wenn es da ist, will es auch einen offenen 4' und mindestens einen prinzipalischen 2' haben, am liebsten eine Mixtur – macht schon mal drei Register, davon mindestens zwei teuer und schwer, und noch ist keine zarte Begleitfarbe disponiert. Eine Orgel mit Prinzipal 8' ist also ein Dimensionssprung gegenüber einer Kleinstorgel. (Händel hat sich einen 8'-Prinzipalchor bauen lassen für seine Orgelkonzert-Orgel (die hatte ungefähr 8-8-4-3-2, 8-4), aber die musste auch Opernhäuser füllen, nicht einen Gemeindesaal oder eine Kapelle.) Und fünftens ist ein 8'-Prinzipal sehr teuer dafür, dass es für kleine Räume im Tenor und Bass arg zurückgenommen werden muss.

Ein Gedackt 8' bietet, wenn es gut gebaut und intoniert ist, viel mehr Musik fürs Geld bei kleinen Verhältnissen: Es begleitet zart, kann aber auch einen 4' gut stützen und wächst klanglich mit dem Aufregistrieren; mit einem guten Prinzipal 4' gibt es einen vollen und gut zeichnenden Klang. Es braucht weniger Wind als der offene 8', weniger Platz und ist viel leichter. Nichts gegen Grundtönigkeit, aber die ist eine Sache von Mensur und Intonation, weniger von Art und Anzahl der 8'-Register. Trost hat zwar viele Achtfüßer in seine großen Orgeln gebaut, aber die fächern eher die Farben auf, als dass sie die Grundtonmasse verstärken. Romantische Orgeln haben – mit Kegelladen, Kastenbälgen und Trakturhilfen – eine ganz andere Infrastruktur, und sie brauchen in der Regel viel mehr Platz.

Eine Lösung für die, die gerne einen Prinzipal-8'-Sound zum Melodieführen haben, bieten Kleinorgeln mit offenem Diskant-8' ab c' oder g. Disponiert man es in der Lage, spart man sich bei Kleinorgeln eine Menge Probleme und hat trotzdem eine zeichnende Diskantfarbe mehr.

Viele Grüße
Friedrich

tiratutti
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von tiratutti » Mittwoch 11. Mai 2016, 14:49

Hallo Friedrich,

das, was Du schreibst, ist die Theorie der Orgelbewegung.
In der Praxis hat die Zeit ca. 1870-1920 ganz anders gedacht und gebaut. Und deren Konzept funktioniert für das liturgische Orgelspiel nach meiner Einschätzung wesentlich besser.
So hat eine manchmal von mir gespielte Orgel (Baujahr 1899, mechanische Kegellade) bei vier Manualregistern einen komplett offenen Prinzipal 8', ein Gedeckt 8', ein Salizional 8' und eine Oktave 4'. Die tiefe Oktave des Prinzipal ist aus Holz und wurde mangels Emporenhöhe liegend (!) gebaut. Die Oktave 4' ist gleichzeitig 4', 2' und Mixtur aus deinem theoretischen Konzept. Das Gedeckt 8' gibt Fülle und betont die hohe Lage, das Salizional 8' ist die leiseste Farbe und gibt Zeichnung. So eine Orgel würde ich immer einer Orgel mit Gedeckt 8', Prinzipal 4', 2' und Mixtur vorziehen.

Grüße von tiratutti

Ippenstein
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Ippenstein » Mittwoch 11. Mai 2016, 19:14

Zum Vergleich hatte ich eine Steinmeyer mit Prinzipal 8, Gedeckt 8, Salizional 8, Octave 4, Flöte 4, Superkoppel, Subbaß 16.
Die Ausdrucksmöglichkeiten waren im Vergleich zu meiner oben genannten Orgel erschreckend gering. Das hing auch damit zusammen, daß die Flöte 4 dumpf und das Gedeckt 8 kräftig und plump war. Die Orgel war für 150 Sitzplätze ausgelegt. Das Prinzipal 8 war da nur für die lauten Dinge möglich.

Anbei ein Klangbeispiel - man stelle sich vor, ich hätte da das Prinzipal benutzt. Die Hohlflöte zeichnet da doch weitaus schöner - und später in Verbindung mit der Flöte 4 wohl eine gefällige Begleitung.
https://dl.dropboxusercontent.com/u/789 ... _Nacht.mp3

Natürlich bin ich mit der Orgel bei dieser Aufnahme reich beschenkt - ich hätte da zigfach anders registrieren können. Aber genau dadurch muß ich keine Kompromisse eingehen und mische mir das Beste zusammen.

Auch ein Gedeckt 8 + Flöte 4 + Prinzipal 4 könnte eine schöne Orgel ergeben.

Dorforganistin
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Dorforganistin » Donnerstag 12. Mai 2016, 09:02

Ippenstein hat geschrieben:Auch ein Gedeckt 8 + Flöte 4 + Prinzipal 4 könnte eine schöne Orgel ergeben.
Plus Salicional 8' und Subbass 16' ist das genau das, was "meine" kleine einmanualige Orgel bietet. Man kann da schon eine Menge rausholen, trotz der Beschränkung. Die Kirche hat ca. 120 Sitzplätze.

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Friedrich Sprondel
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Friedrich Sprondel » Donnerstag 12. Mai 2016, 16:00

tiratutti hat geschrieben:Hallo Friedrich,
das, was Du schreibst, ist die Theorie der Orgelbewegung.
In der Praxis hat die Zeit ca. 1870-1920 ganz anders gedacht und gebaut. Und deren Konzept funktioniert für das liturgische Orgelspiel nach meiner Einschätzung wesentlich besser.
So hat eine manchmal von mir gespielte Orgel (Baujahr 1899, mechanische Kegellade) bei vier Manualregistern einen komplett offenen Prinzipal 8', ein Gedeckt 8', ein Salizional 8' und eine Oktave 4'. Die tiefe Oktave des Prinzipal ist aus Holz und wurde mangels Emporenhöhe liegend (!) gebaut. Die Oktave 4' ist gleichzeitig 4', 2' und Mixtur aus deinem theoretischen Konzept. Das Gedeckt 8' gibt Fülle und betont die hohe Lage, das Salizional 8' ist die leiseste Farbe und gibt Zeichnung. So eine Orgel würde ich immer einer Orgel mit Gedeckt 8', Prinzipal 4', 2' und Mixtur vorziehen.
Grüße von tiratutti
Es fühlt sich etwas komisch an, so als Sprachrohr der Orgelbewegung – und das in meinem zarten Alter … :)

Ich kann mir gut vorstellen, was Du beschreibst, und habe solche Single-Purpose-Oktaven auch schon gehört. Gefallen tut mir das nicht sehr, musikalisch betrachtet. Aber Du hast natürlich recht, alldem liegt ein anderes Denken zu Grunde, das alles von der 8'-Lage aus aufbaut. Meine musikalischen Vorstellungen gehen mehr in Richtung Klanggruppen – bei Klotz Chöre genannt, insofern ordnest Du mich richtig ein. Wobei ich allerdings meine, dass das Konzept des Prinzipalchors – anstatt das der einsamen Prinzipalreihe – musikalisch sinnvoll ist, geschweige denn schon sehr lange verbürgt. Ein Prinzipal 8' kann ein sehr schönes Einzelregister sein, aber muss man nicht auch fragen, welche Rolle es fürs Ganze spielt? Und unter den beschriebenen Bedingungen kann doch ein Gedackt 8' einfach sehr viel mehr Aufgaben zufriedenstellend erfüllen als ein Prinzipal 8'.

Und die Orgel, die Du beschreibst, hat zwar nur vier Register, aber kann man sie wirklich als Kleinstorgel beschreiben? Oder eher als Minimalfall einer ausgewachsenen Jahrhundertwende-Kirchenorgel? Ist ihre Standfläche (ohne Balg) nicht eher auf 1,20 m mal 2,80 m mindestens zu schätzen, die Höhe auf mindestens 2,50 m? Vom Gewicht und Preis mal ganz zu schweigen?

Viele Grüße
Friedrich

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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von tiratutti » Donnerstag 12. Mai 2016, 18:25

Friedrich Sprondel hat geschrieben:Und die Orgel, die Du beschreibst, hat zwar nur vier Register, aber kann man sie wirklich als Kleinstorgel beschreiben? Oder eher als Minimalfall einer ausgewachsenen Jahrhundertwende-Kirchenorgel? Ist ihre Standfläche (ohne Balg) nicht eher auf 1,20 m mal 2,80 m mindestens zu schätzen, die Höhe auf mindestens 2,50 m? Vom Gewicht und Preis mal ganz zu schweigen?
Minimalfall einer Jahrhundertwendeorgel ist schon richtig, die Maße sind allerdings kleiner als vermutet. Die genaue Breite und Tiefe muss ich bei nächster Gelegenheit abmessen, die Höhe ist maximal 2,30 m. Gekostet hat sie damals 1180 Mark.

Grüße von tiratutti

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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von Ippenstein » Sonntag 15. Mai 2016, 19:45

@Dorforganistin,

solange Deine Orgel in gepflegtem Zustand und gut brauchbar ist, kann man damit schon einiges machen. Noch ein Prinzipal 8 zu Deiner Disposition und fertig war die Steinmeyerin, die ich zwischendurch zu ärgern hatte.

Für Dich habe ich noch ein anderes trauriges Beispiel:

Es gab eine Gemeinde, die mal "um jeden Preis" eine Orgel haben wollte. So wurde aus 4 Orgeln eine "neue" pneumatische zusammengestöpselt. Die Pfeifen waren wohl Ofenblech, die Register waren aus schlecht gebranntem Emaille, die Tastatur
wohl von einem Klavier, der Tonumfang von C - g1, also ein bißchen mehr als 3 1/2 Oktaven. Die Klaviatur hatte aber 4 Oktaven.
Dementsprechend war auch die Superkoppel sinnlos.

Prinzipal 8
Flöte 8
Gedeckt 8
Salizional 8
Octave 4

Subbaß 16

Die Pfeifen rotzten vor sich hin, keine Zeichnung, nix... aber ein Wartungsvertrag. :mrgreen:

Daher wünsche ich Diederich viel Erfolg, das Passende zu finden und möglichst viel und lange Freude mit einem schönen Örgelchen.

tiratutti
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Re: Kleinst-Orgel-Konzept bei rasanter Kirchenheizung?!

Beitrag von tiratutti » Sonntag 5. Juni 2016, 21:44

tiratutti hat geschrieben:
Friedrich Sprondel hat geschrieben:Und die Orgel, die Du beschreibst, hat zwar nur vier Register, aber kann man sie wirklich als Kleinstorgel beschreiben? Oder eher als Minimalfall einer ausgewachsenen Jahrhundertwende-Kirchenorgel? Ist ihre Standfläche (ohne Balg) nicht eher auf 1,20 m mal 2,80 m mindestens zu schätzen, die Höhe auf mindestens 2,50 m? Vom Gewicht und Preis mal ganz zu schweigen?
Minimalfall einer Jahrhundertwendeorgel ist schon richtig, die Maße sind allerdings kleiner als vermutet. Die genaue Breite und Tiefe muss ich bei nächster Gelegenheit abmessen, die Höhe ist maximal 2,30 m. Gekostet hat sie damals 1180 Mark.
Heute hatte ich Gelegnheit, Maß zu nehmen:
Höhe 2,15 m
Tiefe 0,95 m
Breite 2,30 m

Grüße von tiratutti

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