Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
malle235
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Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von malle235 » Sonntag 3. April 2016, 11:31

In der Marienkirche Neubrandenburg soll 2017 eine große Konzertorgel entstehen. Ein Unternehmer hat 2 Millionen Euro gespendet, damit nächstes Jahr im Sommer (zu dessen 70. Geburtstag) die Orgel erklingen soll. Die Orgel soll 70 Register haben. Die Firmen Klais und Karl Schuke (Berlin) sollen wohl zusammen die Orgel bauen.

Hier die Nachricht:
http://www.neubrandenburg.de/index.php? ... Itemid=102

http://www.freundeskreis-nb.de/aktuelle ... ssion.html

Über Dispositionsentwürfe ist mir noch nichts bekannt, also legt mal los, noch ist die Orgel ja nicht fertig :wink:

malle235
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von malle235 » Freitag 15. April 2016, 00:06

ich konnte nicht widerstehen und hab mal einen eigenen Dispositionsentwurf gemacht
Ziel: stilistisch vielfältige Universalorgel, viele 8' Farben (Labiale und Zungen), kein Oberton-Overkill

1. Positiv (12 Register, barock, Echo zu Hauptwerk)
Prinzipal 8' Copel 8' Quintadena 8'
Oktave 4' Flauto dolce 4'
Nasat 2 2/3 Blockflöte 2' Terz 1 3/5'
Mixtur
Dulzian 16' Krummhorn 8' Schalmey 4'

2. Hauptwerk (16 Register, gravitätisch)
Bordun 16' Prinzipal 16'
Bordun 8' Prinzipal 8' Offenflöte 8' Cello 8'
Oktave 4' Offenflöte 4'
Quinte 2 2/3' Oktave 2'
Großmixtur Kleinmixtur
Fagott 16' Trompete 8' Vox humana 8' Trompete 4'

3. Schwellwerk (19 Register, französisch-symphonisch)
Quintaton 16'
Diapson 8' Bourdon 8' Flute harmonique 8' Doppelflöte 8' Salicional8'
Octave 4' Flute octaviante 4' Salicet 4'
Nasard 2 2/3 Doublette 2' Tierce 1 3/5'
Mixtur
Bombarde 16' Trompette harmonique 8' Clairon 4'
Clarinette 8' Cor d'amour 16' Cor d'amour 8'

Hörbeispiel unten auf Seite: http://www.organstops.org/c/CornoDAmore.html

4. Schwellwerk (14 Register, deutsch-romantisch)
Gemshorn 16'
Holzprinzipal 8' Rohrpommer 8' Gemshorn 8' Gambe 8' Dolce 8' Vox celeste 8'
Oktave 4' Gambe 4' Nachthorn 4'
Flautino 2'
Mixtur
Harmonia aethera
Oboe 8'

bisher 4 Manuale 61 Register

Pedal
9 eigenständige Register
Prinzipal 32'
Kontrabass 16' Flötbass 16'
Quinte 10 2/3'
Posaune 32' Posaune 16' Cornett 2'
Mixtur
Oberton 3f. 6 2/5' 5 1/3' 4 4/7'

dazu aus Hauptwerk:
Prinzipal 16' 8' 4'
Bordun 16' 8'
Offenflöte 8' 4'
Cello 8'
Fagott 16' Trompete 8' 4'

kernspalter
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von kernspalter » Freitag 15. April 2016, 13:33

"Kein Oberton-Overkill" schön und gut, aber dass die ganze Orgel keinen 1 1/3' und keinen 1' bekommen soll, ist mir dann doch gar zu knickerig.

In einem französisch-symphonischen Schwellwerk mit 19 (!) Registern sollte unbedingt eine Voix humaine vorhanden sein. Dafür kann man dort z. B. auf eine Doppelflöte 8' neben Bourdon und Flute harmonique 8' gut verzichten. Die Doppelflöte könnte im deutsch-romantischen Schwellwerk unterkommen, wo bisher noch gar keine richtige 8'-Flöte disponiert ist.

Daß das Pedal überhaupt keinen eigenen 8' bekommen soll, finde ich auch etwas dürftig. Wenigstens einen labialen und einen lingualen 8' darf man dem Pedal einer 70-Register-Orgel schon gönnen. Die dürfen dann schon "baßlastig" sein, was bei den Manual-Achtfüßern eher nicht erstrebenswert ist.
Zuletzt geändert von kernspalter am Freitag 15. April 2016, 21:29, insgesamt 2-mal geändert.
Mit kernspalterischen Grüßen

violdigamb
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von violdigamb » Freitag 15. April 2016, 20:37

Stimmt, bei einer so üppigen Disposition fehlen ein paar "Basics":
ein 8'-Streicher im Positiv,
im französischen Schwellwerk "Hautbois" und "Voix céleste" (dafür vielleicht im deutschen SW eine Flötenschwebung),
im Pedal neben den von kernspalter bereits genannten eigenständigen Stimmen ein zarter 16', z.B. Salicetbaß.

Dazu: die ganze Orgel hat keine einzige "Gambe 8'", wo auch immer (am besten im HW) und relativ wenige 4'-Farben (Salicet 4' im SW vielleicht besser ins Positiv).

Viele Grüße,

violdigamb

trommet16
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von trommet16 » Freitag 15. April 2016, 21:29

Die Gambe 8´findet sich im deutschen Schwellwerk :wink:

kernspalter
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von kernspalter » Freitag 15. April 2016, 21:32

violdigamb hat geschrieben:ein 8'-Streicher im Positiv,
... wäre kein Fehler. Überhaupt ist das Positiv - immerhin das I. Manual - ziemlich sparsam und im Vergleich mit den anderen Werken auffallend "neobarock" besetzt.
Dazu: die ganze Orgel hat keine einzige "Gambe 8'", wo auch immer (am besten im HW)
Das Cello im Hauptwerk ist ein guter Ersatz, und im IV. Manual sehe ich doch deutlich eine Gambe 8'.
Mit kernspalterischen Grüßen

trommet16
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von trommet16 » Freitag 15. April 2016, 21:47

I. Manual (14 Reg.)

Gedackt 8´
Quintadena 8´
Erzähler 8´
Erzähler Celeste 8´
Principal 4´
Rohrflöte 4´
Octav 2´
Waldflöte 2´
Quinte 1 1/3´
Sifflöte 1´
Sesquialtera 2f
Scharff 3f
Trichterregal 16´
Dulcian 8´

II. Manual (12 Register)

Violon 16´
Principal 8´
Rohrflöte 8´
Gamba 8´
Octav 4´
Spitzflöte 4´
Quinte 2 2/3´
Octav 2´
Mixtur 5f
Cornett 4f
Trompete 16´
Trompete 8´

III. Manual Recit expressif (15 Register)
Bourdon 16´
Diapason 8´
Flute harmonique 8´
Viol de Gambe 8´
Vox Celeste 8´
Prestant 4´
Flute traversiere 4´
Nazard 2 2/3´
Flageolet 2´
Tierce 1 3/5´
Plein jeu 4f
Basson 16´
Trompette 8´
Hautbois 8´
Clairon 4´

IV. Manual Schwellwerk (11 Reg.)

Salicional 16´
Geigenprinzipal 8´
Doppelflöte 8´
Lieblich Gedeckt 8´
Salizional 8´
Unda Maris 8´
Fugara 4´
Flauto amabile 4´
Flautino 2´
Harmonia Aetherea 2-4f
Aeoline 16´
Clarinette 8´


Pedal (18 Reg. Transmissionen zähl ich nicht)

Violon 32´
Untersatz 32´
Prinzipalbass 16´
Subbass 16´
Violon 16´
Bordun 16´ Tr.
Salizetbass 16´ Tr.
Quintbass 10 2/3´
Oktavbass 8´
Flötenbass 8´ Tr.
Violoncello 8´
Oktavbass 4´
Terz 3 1/5´
Nachthorn 2´
Hintersatz 4f 5 1/3´
Mixtur 6f 2´
Posaune 32´
Posaune 16´
Basson 16´ Tr.
Aeoline 16´ Tr.
Trompete 8´
Fagott 8´ Tr.
Trompete 4´


Mit "menschlichen Stimmen" in Zungenbauform kann ich nichts anfangen, deshalb ist keine da.

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Friedrich Sprondel
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von Friedrich Sprondel » Freitag 15. April 2016, 21:51

Ich würde ersteinmal vom Prospekt und dem Raum ausgehen.

Das Gehäusemodell zeigt ein breites, tiefes und hohes 32'-Gehäuse – beste Voraussetzungen. Allerdings kann über Konzertpodien die Temperatur durch die arbeitenden Musiker und die Beleuchtung schnell ansteigen. Konsequenz: Die wichtigen Zungenstimmen, also die Trompetenchöre von HW, großem SW und Pedal, sollten alle auf einer Ebene stehen, dazu die kleinfüßigen Register; wenn sich etwas verstimmt, dann wenigstens einheitlich. Bei den Zungen erleichtert das auch das Stimmen, wichtig bei dicht belegten Konzertsälen. Layout: Hauptwerk vorne, großes Schwellwerk dahinter, Pedal Pleno- und Zungenladen seitlich.

Das SW, egal ob man es deutsch, englisch oder französisch mag, muss ein komplettes Tutti bereithalten, möglichst mit Pedaltransmissionen der 16'-Register, vor allem der Zungen. Der Sound muss stark sein, ohne gepresst zu wirken; der Schwellkasten sollte also in alle Richtungen viel Platz haben. Er sollte sich nach vorne und nach den Seiten öffnen, damit der Klang sich mit dem Pedal und dem HW gut mischt. Aus demselben Grund sollten die großen Pfeifen außen stehen.

Damit ist das Schwellwerk weniger gut zur Chorbegleitung geeignet. Deswegen könnte man ein Begleitschwellwerk C-Cis-geteilt in den Unterbau setzen, mit einem transmittierten oder selbständigen Pedal-16'. So sollte der Chor sich gut versorgt fühlen.

Damit das Orchester überstrahlt werden kann, lässt sich nach oben ein Solowerk setzen, mit Zungen auf höheren Drücken, schwerem Prinzipalchor, Solocornet und Soloflöte. Wenn das Solowerk dagegen der »Nachbrenner« fürs Tutti werden soll, lässt es sich mit auf der HW-Lade plazieren, wobei dann beide Werke etwas knapper gehalten werden müssten.

Was man damit nicht hat, ist ein konzertierendes Positiv-Plenum. Das könnte ins Begleitwerk, mit der Einschränkung, dass der Sound weniger direkt wäre als bei einem echten Positiv. Man könnte auch fünf bis sechs Register vor die Schweller auslagern; damit kämen sie allerdings in Griffweite der Choristenhände. Oder man baut eine Zwillingslade fürs Hauptwerk und ein kleineres Positiv mit sechs bis acht Registern, mit eigenem Klavier oder auf demselben Manual wie das Begleitwerk. (Das schließt eine gemeinsame Solo-HW-Lade dann aus.) Ein Kronpositiv hätte man rein für Konzertzwecke, nicht für den Orchestergebrauch; auch müsste es vollständig besetzt sein, man könnte also keine Grundstimmen-Synergien nutzen wie bei den Kombinationen Begleitwerk-Positiv oder HW-Positiv.

Aliquoten sind so ein Thema: Wo braucht man sie im Konzertbetrieb? Braucht man sie überhaupt? Soll die Orgel als Soloinstrument konzertieren? Da könnte man sich am Aliquotenfreund Messiaen orientieren und einen Cornet décomposée ins Begleitwerk setzen, dazu einen Basson 16' und eventuell einen Larigot 1 1/3'. Ein 1' muss vielleicht nicht sein, wenn alle Manuale 16'-Labiale bekommen und der Umfang bis c'''' geht, man also zum Glitzern oktavieren kann.

Zur Disposition im übrigen: Viele differenzierte Grundstimmen sind gut, Mixturen müssen aber auch vielchörig und intensiv sein, wenn sie nicht untergehen sollen. In einer Kirche gehe ich von schweren Böden und Wänden aus, sodass die tiefen Pedalregister vielleicht nicht ganz so wuchtig und zahlreich zu sein brauchen wie in einem reinen Konzertsaal.

Die Manuale würde ich nach sinfonischer Sitte anlegen: HW auf I, SW auf III; Begleitwerk und Positiv auf II; Solo auf IV.

Nach dem Sermon schreibe ich einen Dispositionsentwurf – ach, das macht so’n Spaß! – mal in einen Extra-Beitrag.

Viele Grüße
Friedrich
Zuletzt geändert von Friedrich Sprondel am Donnerstag 5. Mai 2016, 00:36, insgesamt 2-mal geändert.

kernspalter
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von kernspalter » Freitag 15. April 2016, 22:15

trommet16 hat geschrieben:Mit "menschlichen Stimmen" in Zungenbauform kann ich nichts anfangen, deshalb ist keine da.
Du brauchst sie ja nicht zu benutzen.
Das ist aber kein Grund, sie den Organisten vorzuenthalten, die die französische Literatur spielen wollen, wo sie eine unverzichtbare Klangfarbe darstellt.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Friedrich Sprondel
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von Friedrich Sprondel » Freitag 15. April 2016, 22:39

I. Hauptwerk
Prinzipal 16'
Bordun 16'
Oktave 8'
Hohlflöte 8'
Gamba 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Superoktave 2'
Mixtur 2' 5-6f.
Trompete 16'
Trompete 8'

II. Begleitwerk und Positiv
im Schwellkasten:
Gedackt 16'
Prinzipal 8'
lieblich Gedackt 8'
Salizional 8'
Gemshorn 4'
Gedacktflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Larigot 1 1/3'
Progressio 2 2/3' 3–5f. (+ 2' + 1 1/3'; c: + 4'; c': + 8'; c'': -1 1/3', + 5 1/3')
Basson 16'
Oboe 8' (deutsch, Drehdeckel, »schokoladig«)
–––
freistehend:
Rohrflöte 8'
Prinzipal 4'
Oktave 2'
Sesquialter 2f. 1 1/3' (rep. auf c zu 2 2/3')
Scharf 1 1/3' 4–5f.
Cromorne 8'

III. Schwellwerk
Bourdon 16'
Prinzipal 8'
Bourdon 8'
Flûte traversière 8'
Viole de Gambe 8'
Voix céleste 8'
Oktave 4'
Flûte octaviante 4'
Viole 4'
Octavin 2'
Cornet 3–7f. 2 2/3' (+ 2' + 1 3/5'; c: + 4' + 1 1/3'; c': + 8' + 1 1/7')
Mixtur 6f. 2'
Bombarde 16'
Trompette harmonique 8'
Basson-Hautbois 8'
Voix humaine 8'
Clairon 4'

IV. Solo
Violonbasse 16'
Montre 8'
Flûte harmonique 8'
Flûte 4' (sehr weites Prinzipal)
Cornet 8' 5f. ab g
Grand plein jeu 2 2/3' 5–7f.
Trompette 8'
Clairon 4'

Pedal
Praestant 32'
Untersatz 32'
Prinzipalbass 16'
Subbass 16'
Quintbass 10 2/3'
Oktavbass 8'
Violoncello 8'
Offenflöte 8'
Terz 6 2/5'
Oktave 4'
Basszink 5 1/3' 4f. (+ 4' + 3 1/5' + 2 2/7')
Mixtur 2 2/3' 6f.
Kontraposaune 32'
Posaune 16'
Bombarde 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
–––
Transmissionen:
Violonbasse 16' (IV)
Gedackt 16' (II)
Bourdon 16' (III)
lieblich Gedackt 8' (II)
Flûte 8' (III)
Flûte 8' (IV)
Bombarde 16' (III)
Basson 16' (II)
Trompette 8' (IV)
Clairon 4' (IV)

Manuale C–c'''', Pedal C–g'

Tremulanten: Begleitwerk, Positiv, Schwellwerk

Koppeln:
II/I, III/I, IV/I; III/II, IV/II; IV/III; Sub III/I, Sub III/II; Sub IV/I;
I/P, II/P, III/P, IV/P; Super III/P; P Superoktave
Positiv an I, Positiv an II, Begleitwerk ab

einstellbare Pedalteilung; Sostenuto I, II, III, P
Winddrosseln: HW, Begleitwerk, Positiv, SW, Pedal

10 geteilte Kombinationen zu I, II, III, P
Setzer

kernspalter
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von kernspalter » Freitag 15. April 2016, 23:05

Friedrich Sprondel hat geschrieben:I. Hauptwerk
Prinzipal 16'
Bordun 16'
Oktave 8'
Hohlflöte 8'
Gamba 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Superoktave 2'
Mixtur 2' 5-6f.
Trompete 16'
Trompete 8'

II. Begleitwerk und Positiv
im Schwellkasten:
Gedackt 16'
Prinzipal 8'
lieblich Gedackt 8'
Salizional 8'
Gemshorn 4'
Gedacktflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Larigot 1 1/3'
Progressio 2 2/3' 3–5f. (+ 2' + 1 1/3'; c: + 4'; c': + 8'; c'': -1 1/3', + 5 1/3')
Basson 16'
Oboe 8' (deutsch, Drehdeckel, »schokoladig«)
–––
freistehend:
Rohrflöte 8'
Prinzipal 4'
Oktave 2'
Sesquialter 2f. 1 1/3' (rep. auf c zu 2 2/3')
Scharf 1 1/3' 4–5f.
Cromorne 8'

III. Schwellwerk
Bourdon 16'
Prinzipal 8'
Bourdon 8'
Flûte traversière 8'
Viole de Gambe 8'
Voix céleste 8'
Oktave 4'
Flûte octaviante 4'
Viole 4'
Octavin 2'
Cornet 3–7f. 2 2/3' (+ 2' + 1 3/5'; c: + 4' + 1 1/3'; c': + 8' + 1 1/7')
Mixtur 6f. 2'
Bombarde 16'
Trompette harmonique 8'
Basson-Hautbois 8'
Voix humaine 8'
Clairon 4'

IV. Solo
Violonbasse 16'
Montre 8'
Flûte harmonique 8'
Flûte 4' (sehr weites Prinzipal)
Cornet 8' 5f. ab g
Grand plein jeu 2 2/3' 5–7f.
Trompette 8'
Clairon 4'

Pedal
Praestant 32'
Untersatz 32'
Prinzipalbass 16'
Subbass 16'
Quintbass 10 2/3'
Oktavbass 8'
Violoncello 8'
Offenflöte 8'
Terz 6 2/5'
Oktave 4'
Basszink 5 1/3' 4f. (+ 4' + 3 1/5' + 2 2/7')
Mixtur 2 2/3' 6f.
Kontraposaune 32'
Posaune 16'
Bombarde 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
–––
Transmissionen:
Violonbasse 16' (IV)
Gedackt 16' (II)
Bourdon 16' (III)
lieblich Gedackt 8' (II)
Flûte 8' (III)
Flûte 8' (IV)
Bombarde 16' (III)
Basson 16' (II)
Trompette 8' (IV)
Clairon 4' (IV)

Manuale C–c'''', Pedal C–g'

Tremulanten: Begleitwerk, Positiv, Schwellwerk

Koppeln:
II/I, III/I, IV/I; III/II, IV/II; IV/III; Sub III/I, Sub III/II; Sub IV/I;
I/P, II/P, III/P, IV/P; Super III/P; P Superoktave
Positiv an I, Positiv an II, Begleitwerk ab

einstellbare Pedalteilung; Sostenuto I, II, III, P
Winddrosseln: HW, Begleitwerk, Positiv, SW, Pedal

10 geteilte Kombinationen zu I, II, III, P
Setzer
Schöne Disposition. Etwas richtig Säuselndes (Dolce, Dulciana, Aeoline) wäre natürlich noch schön, aber man kann nicht alles haben.

Wenn es nur 70 Register sein sollen, was würdest Du weglassen?
Mit kernspalterischen Grüßen

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Friedrich Sprondel
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von Friedrich Sprondel » Freitag 15. April 2016, 23:20

kernspalter hat geschrieben:Schöne Disposition. Etwas richtig Säuselndes (Dolce, Dulciana, Aeoline) wäre natürlich noch schön, aber man kann nicht alles haben.
Stimmt beides. Ich stelle mir allerdings den Schwellkasten so vor, dass er sogar die Trompette säuseln lässt.
kernspalter hat geschrieben:Wenn es nur 70 Register sein sollen, was würdest Du weglassen?
HW: Bordun 16'
BglW: evtl. Gedacktflöte 4'
SW: Viole 4', Cornet 3–5f., evtl. Prinzipal 8'
Pedal: 10 2/3', 6 2/5', evtl. Posaune 16'

oder: Außenpositiv weg, dafür in II statt Gemshorn ein Prinzipal 4', statt Progressio ein Scharf 4–5f., statt Oboe eine französische Clarinette. Die Sesquialtera und der Cromorne würden mir allerdings schon fehlen … Und eventuell müsste dann die HW-Mixtur vergrößert und geteilt werden (5f. 2', 4f. 1 1/3' oder so).

Viele Grüße und danke für die Blumen!
Friedrich

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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von malle235 » Samstag 16. April 2016, 13:37

schön, dass wir jetzt so eine lebendige Diskussion haben... Die Analyse von Friedrich Sprondel über die räumliche Anordnung der Werke fand ich sehr spannend

also ich denke für das Hauptwerk haben wir alle recht ähnliche Ansichten: gravitätisch, mit 16' Register, incl. 8' Streicher, damit auch JSBach glücklich gewesen wäre

Positiv ist schon schwieriger: ich denke für die Umsetzung barocker Werke sollte das Positiv eine Art Echo-Hauptwerk sein, also z.B. Dulzian oder Krummhorn vs. starke Hauptwerktrompeten enthalten. Ein zerlegtes Kornett ist wichtig, evtl. sollte man über ein Kornett 5f. im Hauptwerk nachdenken...
Außerdem sind begleitfähige 8' wichtig: Salicional 8' wäre ja eher französisch, aber ist eines meiner Lieblingsregister (und viel schöner als eine Quintadena (die aber in ein barockes Werk gehört), Erzähler eher amerikanisch
Die Idee von Friedrich Sprondel mit dem teilweise im Schweller stehenden Positiv ist zwar interessant, aber trifft meinen Geschmack persönlich nicht so, ich fände das irritierend als Spieler wenn man nur einen Teil des Werkes "runterregeln" kann, weil man vergessen hat, das Register X nicht im Schweller ist (z.B. bei einer Improvisation).Obwohl das Werk deutlich mehr Register hat als das Hauptwerk bin ich mir bei der stilistischen Zuordnung doch eher unsicher. Die Mixturen sind ja bis auf das Progr. harm. barock, barocke Zunge ist aber nur die Cromorne im Gegensatz zu Basson und Oboe. Für französische Romantik ist das sehr schöne 3. Manual besser geeignet. Für deutsche Romantik ist dann doch zu wenig labialer 8' und zu viel Helligkeit...

Nun zu den Manualen III/IV: ein Manual sollte französisch-symphonisch sein
den Entwurf von Friedrich Sprondel finde ich sehr gut, man könnte noch überlegen ob man nicht noch eine zweite, weniger laute 16' Zunge einbaut (Cor d'anglais - oder ich mache noch mal Werbung für das amerikanische Cor d'amour - selten so ein schönes Zungenregister gehört, klingt nicht so penetrant http://www.organstops.org/c/CornoDAmore.html
Voix humaine im Schwellwerk ist natürlich auch schön, damit man die auch für Barockmusik nutzen kann, sollte man aber noch eine offene Flöte im selben Manual haben (Flute harmonique ist vielleicht etwas ahistorisch)
Der Entwurf von trommet16 ist auch schön

Zum vierten Manual: Solo oder deutsch-romantisch?
Ich kenne bei Musik Orgel+Orchester zu wenig aus: tendentiell würde ich aber behaupten, dass die meisten Komponisten eher die echten Orchester-Stimmen für Solos bevorzugen als die imitatorischen Orgelregister, damit wäre die Orgel eher als grundstimmiges Begleitinstrument gefragt (mit möglichst flexibler Lautstärkeregulierung) - eure Meinung?
Daher bevorzuge ich den Entwurf von trommet16 mehr (ist auch ähnlicher zu meinem eigenen :lol: )
Gerade für Reger brauch man ja viele unterschiedliche 8' Register und weniger Kraft durch Zungen
Die spannende Frage ist, wie man Streicher und Flöten verteilt. Für das französische Werk ist die Kombination Flöten&Zungen wichtiger, für das deutsch-romantische die Streicher. Ich finde das insofern auch vorteilhafter diese zu trennen, damit man z.B. solistisch Flute harmonique gegen Vox celeste spielen kann.
Ich hatte ja in Manual III: Flute harm. 8' Doppelflöte 8' Salicional 8'
in Manual 4: Gambe 8' Dolce 8' Vox celeste 8' außerdem Harm. aet. und "Mixtur", als Progr. harm. wäre das schön spätromantisch
Die Zungen waren mehrheitlich im 3. Manual
wobei ich auch nicht 100% zufrieden mit meinem Entwurf da bin

bin gespannt auf weitere Vorschläge, vielleicht hat ja auch jemand Ideen für französisches Schwellwerk vs. deutsches Schwellwerk

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Friedrich Sprondel
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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von Friedrich Sprondel » Samstag 16. April 2016, 13:51

Ich finde, bei einer Konzertsaalorgel haben die Bedürfnisse des Orchestereinsatzes und die Begleitfunktionen Vorrang vor stilistischen Überlegungen. Deswegen habe ich letztere auch nachgeordnet.

Eine Konzertsaalorgel muss gleichzeitig laut und sehr flexibel sein. Also Hauptwerk mit Solo zum Draufsatteln, ein Begleitschwellwerk, ein Tuttischwellwerk, ein mächtiges und flexibles Pedal. Ein klassisches Positiv hat da erst einmal keinen Platz; so kam ich auf die Idee mit der freistehenden Extra-Lade. Am Spieltisch kann man das ja entsprechend kennzeichnen. Überhaupt muss der Spieler es so bequem wie nur irgend möglich haben, denn Dirigenten sind notorisch ungeduldig und ahnungsfrei, was Orgel im Orchestereinsatz angeht. Literaturfähigkeit kommt meiner Ansicht nach an zweiter Stelle und sollte sich eher aus einer sinnvollen Verteilung der Klangfarben ergeben, als dass man ihr nachjagte.

So kam ich zu meiner Disposition – die natürlich auch so sehr luxuriös ist.

Viele Grüße
Friedrich

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Re: Konzertorgel-Neubau: Marienkirche Neubrandenburg

Beitrag von trommet16 » Samstag 16. April 2016, 18:15

Ich muss zugeben, ich kenne mich da wenig aus :oops:
Wieviele Kompositionen Orgel+Orchester gibt es denn, und wie oft werden sie aufgeführt?
Spontan fällt mir da nur Sain-Saens´ Symphony No 3 ein, sowie die Orgeleinsätze in der Last night of the proms.

Ich habe immer den Eindruck, das Dirigenten und Co. lieber nichts mit Orgel spielen, aber vielleicht täusche ich mich da.

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