Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

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Principalbass16Fuss
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Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 3. Februar 2016, 22:41

Hallo zusammen,

Hiermit erstelle ich einen neuen Themenbereich für alle Freunde der großen Klais-Orgel (Baujahr 1974) im Dom zu Trier.

Freue mich über Eure Beiträge! :)

Viele Grüße,

Principalbass16Fuss

Solcena
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Re: Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Solcena » Mittwoch 3. Februar 2016, 22:48

Der Hausherr stellt sein Instrument vor; auf http://www.trierer-orgelpunkt.de gibt es viele Informationen über Trierer Orgeln, nicht nur die Domorgel, und hier findet man ein interessantes MP3, Domorganist Still spielt Transkription von Kodalys Tänze aus Galanta.
Zuletzt geändert von Solcena am Mittwoch 3. Februar 2016, 23:22, insgesamt 1-mal geändert.

Principalbass16Fuss
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Re: Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 3. Februar 2016, 22:53

Hallo Solcena,

Freut mich, dass Dir die große Klais-Orgel im Trierer Dom auch gefällt! :wink: Bei YouTube gibt es ein Video, in dem Herr Still sie im Detail vorführt und zum Schluss die Toccata aus der Suite Gothique von Léon Boellmann spielt. Du kennst doch bestimmt die Internet-Seite http://www.trierer-orgelpunkt.de ? Da gibt es irgendwo einen Orgelführer im PDF-Format zum herunterladen... darin habe ich gelesen, dass die großen Holzpfeifen des Untersatz 32' im Pedal KEINE Erweiterung vom Subbass 16' sind, was ja sehr häufig aus Platz- und Kostengründen gemacht wird. Untersatz 32' und Subbass 16' besitzen jeweils vollständig eigene Pfeifen. Im Trierer Dom stehen die Untersatz-Pfeifen aus Platzgründen auch auf einer separaten Windlade hinter der Orgel... die hätte man wohl kaum noch in die seitlichen Pedaltürme hineinquetschen können!!!!!!!!!!!!!!!! :lol: :lol: :lol:

Die Naxos-CDs mit Reger-Orgelwerken habe ich alle komplett. Die mit der Trierer Domorgel wurden sowohl von Josef Still als auch von dem internation tätigen Konzertorganisten Martin Welzel eingespielt.

Meiner Frau habe ich vor zwei Jahren zu Weihnachten eine weitere Trierer Domorgel-CD geschenkt, auf denen Herr Still die fünf Orgel-Toccaten von Bach interpretiert. Sehr hörenswert!!!!! :)

Viele Grüße und bis morgen...

Solcena
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Re: Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Solcena » Mittwoch 3. Februar 2016, 23:13

Ja, dieses Video hatte ich doch oben verlinkt.

Hier der Orgelführer und ein Dispositionsschema.

Principalbass16Fuss
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Re: Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Principalbass16Fuss » Donnerstag 4. Februar 2016, 20:01

Hi Solcena!

Sorry, unsere letzten Einträge zur Trierer Domorgel haben wir wohl zeitgleich aneinander vorbeigeschrieben und Du warst schneller! :lol: Danke für die Links! :)

Gruß, Principalbass16Fuss

Principalbass16Fuss
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Pedalzungen mit Holz- und Metallbechern im Dom zu Trier

Beitrag von Principalbass16Fuss » Dienstag 9. Februar 2016, 21:10

Guten Abend Solcena, ich hätte mal eine Frage: In dem Dispositionsschema der Trierer Domorgel lese ich, dass die Pedalzungen Bombarde 32' und Trompete 8' jeweils Holzbecher, die Posaune 16' wiederum Metallbecher besitzt. Vielleicht könntest Du mir meine folgenden Fragen dazu beantworten?

a) Bombarde 32' besitzt - meiner Vermutung nach - Holzbecher aus zweierlei Gründen: Erstens aus Kostengründen (Holz ist preisgünstiger als Metall), zweitens aus Stabilitätsgründen (Metallbecher "knicken" unter ihrem Gewicht ein, Holzbecher nicht).

richtig / falsch

b) Die Holzbecher der Bombarde 32' haben vermutlich auch eine klangliche Funktion, da Holz eine bessere Resonanz erzeugt.

richtig / falsch / fraglich

c) Die Holzbecher der Trompete 8' haben lediglich eine klangliche Funktion, damit die Trompete nicht so "hart" klingt?

richtig / falsch

Wenn Du hierzu mehr weißt, korrigier mich bitte! :wink:
Danke im Voraus! :)

Solcena
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Re: Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Solcena » Dienstag 9. Februar 2016, 22:37

Hallo,

gute Frage!

Leider kann ich da auch nicht mehr beitragen als Spekulationen. Was konkret die unterschiedlichen Materialien speziell bei dieser Orgel sollen - keine Ahnung. Vielleicht gibt es aber Kundige hier, die eine grundsätzliche Aussage treffen können.

Im Bezug auf die Materialien in der Trierer Domorgel könntest du eine E-Mail an den Domorganisten / OSV schreiben - oder an Klais! 8)

Die 32'-Bombarde in Trier ist jedenfalls nicht so ultrastark, kein Fagöttchen, aber nicht zu vergleichen mit den vollbecherigen Dampfhämmern wie z.B. in Düsseldorf St. Peter (Göckel), die in den vergangenen Jahren vielerorts eingebaut worden sind. Vermutlich hat die (zumindest in der tiefen Oktave) nur halbe Länge, sie muss ja in die 16'-Pedaltürme passen, da sie nicht wie der Untersatz aufs Triforium ausgelagert ist. Im imposanten Gesamtbild des Klanges fügt sie sich dennoch gut ein, man hört sie in dem oben verlinkten Video (Orgelvorstellung).

Die Trierer Orgel profitiert wirklich von der guten mittigen Positionierung im Dom als Schwalbennest. Obwohl man teilweise die in C- und Cs-Lade geteilten Pedalladen unterschiedlich wahrnimmt, klingt sie doch insgesamt recht gleichmäßig im Dom. Es gibt keine so deutlichen Klangschatten-Positionen (bzw. diffusen Klänge) im Trierer Dom, wie man es z.B. vom deutlich größeren Kölner Dom kennt, wenn man diesen durchs Westportal betritt und nur die Querhausorgel spielt.

LG

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Friedrich Sprondel
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Re: Pedalzungen mit Holz- und Metallbechern im Dom zu Trier

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 10. Februar 2016, 11:31

Principalbass16Fuss hat geschrieben:a) Bombarde 32' besitzt - meiner Vermutung nach - Holzbecher aus zweierlei Gründen: Erstens aus Kostengründen (Holz ist preisgünstiger als Metall), zweitens aus Stabilitätsgründen (Metallbecher "knicken" unter ihrem Gewicht ein, Holzbecher nicht).
b) Die Holzbecher der Bombarde 32' haben vermutlich auch eine klangliche Funktion, da Holz eine bessere Resonanz erzeugt.
Hans Gerd Klais hat es geliebt, in seinen Dispositionen möglichst verschiedene Bauarten und -materialien zu verwenden, sowohl in kleinen als auch in großen Orgeln. Sie werden dadurch klanglich recht bunt, dafür ist – zumindest in meinen Ohren – die Klangverschmelzung oft nicht optimal. Die Orgeln können rau, kühl und manchmal auch disparat klingen.
Holzbecher hat er oft für seine 32'-Zungen bauen lassen. Möglicherweise sollen die trotz halber Länge einen runderen Klang ergeben, oder sie sind tatsächlich bei den nötigen weiten Mensuren die billigere Lösung. Dass Holz wirklich eine »bessere« Resonanz ergibt, bezweifle ich. Die Resonanz entsteht im umschlossenen Luftraum, und Klang und Stimmhaltung werden umso stabiler, je steifer die Hülle ist.
Principalbass16Fuss hat geschrieben:c) Die Holzbecher der Trompete 8' haben lediglich eine klangliche Funktion, damit die Trompete nicht so "hart" klingt?
Klais’ Holztrompeten habe ich nicht als weich im Ohr. Eher als deutlich, aber nicht knallig, und mit einem feinen Sirren, das den Ton gleichsam singend macht und möglicherweise mit dem Material zu tun hat. Französische und auch noch Silbermännische Pedaltrompeten wären sehr viel lauter, Schnitgertrompeten deutlich weicher und runder.

Trier empfinde ich als eine der homogeneren Klais-Orgeln der Zeit, ähnlich z. B. wie die Berliner Hedwigskathedrale. Beide Räume haben große Akustik, die spielt also möglicherweise eine Rolle. Als eher rau empfinde ich zum Beispiel Limburg, die lutherische Kirche in Manhattan und die Konzertorgel in Brisbane, als bunt und mächtig z. B. Altenberg und Ingolstadt.

Viele Grüße
Friedrich
Zuletzt geändert von Friedrich Sprondel am Mittwoch 10. Februar 2016, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.

Voceumana
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Re: Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Voceumana » Mittwoch 10. Februar 2016, 12:58

Tatsächlich hat Klais mit Vorliebe solche gemischten Pedale gebaut so in Altenberg (im Original: Contraposaune 32' Holz C-H halbe Länge, Posaune 16' Metall, Basson 16' Metall, Holztrompete 8', Klarine 4' Metall), Würzburg (Bombarde 32' Mahagoni volle Länge, Posaune 16' Kupfer, Dulcian 16' Kupfer (in der Monografie "Die Würzburger Domorgeln" beschrieben als wicher stiller Ton, 8'-Länge mit trichterförmigem Aufsatz), Holztrompete 8', Zink 4' = Kopftrompete).

Kostengründe gab es bei solchen Prestige-Projekten weniger (WÜ Holztrompete wird in "Die Würzburger Domorgeln" beschrieben: bedingt mischfähig).

Generell ist das für mich lange eine der Charakteristica der Klaisorgeln insbesondere der 3. Generation (Hans-Gerd) gewesen (das ist nun mein persönlicher Eindruck): wirklich sehr schöne und zum Teile exzellent intonierte Einzelstimmen, Schwäche in der Mischfähigkeit der Einzelstimmen, was mich aber nicht bei jedem Gottesdienst und Konzert gleichermaßen gestört hat: Gerade bei Gastorganisten hatte ich als Konzertbesucher in Würzburg (und da gibt es ja nun einige Klaisorgeln) den Eindruck, man hört, ob sich der Gast mit dem Insrument befasst hat, oder ob er nach seinem üblichen Schema registriert und dann nicht das klangliche Optimum erreicht.

Viele Grüße

Principalbass16Fuss
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Bombarde 32' mit Mahagoni-Bechern

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 10. Februar 2016, 19:30

Dass für die Becher der Bombarde 32' in der Würzburger Domorgel MAHAGONI-Holz verwendet wurde, ist natürlich eine große Köstlichkeit! :) Mahagoni-Holz ist qualitativ hochwertig, sündhaft teuer und aufgrund seiner Härte sehr gut für Holzpfeifen geeignet. Wenn man sich Holzblasinstrumente (Fagotte, Oboen, Klarinetten...) anschaut, bestehen die ja aus Ebenholz, was ebenfalls sehr hart ist. Je härter das Holz, desto besser eignet es sich für Blasinstrumente, auch für Blockflöten. So ein Mahagoni-Baum braucht HUNDERTE von Jahren, um groß zu werden und einen dicken, "holzigen" Stamm zu bilden! :shock:

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Friedrich Sprondel
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Re: Bombarde 32' mit Mahagoni-Bechern

Beitrag von Friedrich Sprondel » Mittwoch 10. Februar 2016, 20:14

Principalbass16Fuss hat geschrieben:Wenn man sich Holzblasinstrumente (Fagotte, Oboen, Klarinetten...) anschaut, bestehen die ja aus Ebenholz, was ebenfalls sehr hart ist …
Kleine Korrektur: Fagotte sind meistens aus Palisander. Ist etwas günstiger und leichter (hier kann man Raumgewichte von Holz nachlesen). Oboen und Klarinetten sind meist, aber nicht immer aus Ebenholz, die gibt’s auch aus Grenadill und Buchs.

Viele Grüße
Friedrich
Zuletzt geändert von Friedrich Sprondel am Mittwoch 10. Februar 2016, 20:28, insgesamt 1-mal geändert.

kjz1
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Re: Pedalzungen mit Holz- und Metallbechern im Dom zu Trier

Beitrag von kjz1 » Mittwoch 10. Februar 2016, 20:17

Principalbass16Fuss hat geschrieben:a) Bombarde 32' besitzt - meiner Vermutung nach - Holzbecher aus zweierlei Gründen: Erstens aus Kostengründen (Holz ist preisgünstiger als Metall), zweitens aus Stabilitätsgründen (Metallbecher "knicken" unter ihrem Gewicht ein, Holzbecher nicht).
Holz kann preisgünstiger sein, muss aber nicht (das schon erwähnte Mahagoni). Oft wird die tiefe Oktave ja auch nur in halber Becherlänge gebaut. Oder man verwendet Zink (teilweise hat das auch Cavaille-Coll so gehandhabt, die Contrebombarde 32' hat da auch 'markerschütternde' Wirkung) bzw. Kupfer für die Becher. Zink und Kupfer dürften erstens billiger sein als Zinn, ausserdem sind diese Metalle um einiges härter. Da knickt dann auch nichts ein.

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Doppelt besetzte Register Principal 8' und Octave 4'

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 10. Februar 2016, 21:05

In der Disposition fiel mir auf, dass im Hauptwerk die Register Principal 8' und Octave 4' z.T. doppelt besetzt (1-2fach) sind. Auch in der großen Klais-Orgel im Würzburger Dom gibt es einen Doppelprincipal 8' im Hauptwerk. Welchen Sinn hat es, Prinzipalregister zweireihig zu bauen? Vielleicht, damit es fülliger/kräftiger klingt? :|

In den Dispositionen großer Orgeln in England ist mir schon oft folgendes aufgefallen:

Open Diapason No.1 8' (large)
Open Diapason No.2 8' (medium)
Open Diapason No.2 8' (small)
Principal No.1 4'
Principal No.2 4'

Es handelt sich dabei um mehrere "identische" Prinzipal-Register, die sich lediglich in ihrer Intonation voneinander unterscheiden (large = stark, medium = mittelstark, small = schwach). Trotzdem wüsste ich aber nicht, wozu ich in einem und demselben Manualwerk zwei oder sogar drei Prinzipale gemeinsam ziehen sollte... :shock:

Solcena
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Re: Die große Klais-Orgel (1974) im Dom zu Trier

Beitrag von Solcena » Mittwoch 10. Februar 2016, 21:17

Der Klang wird dann tragfähiger, nicht unbedingt lauter (außer bei Verstimmungen :twisted: )!

Vgl. auch das Hauptwerk der Münchener Domorgel.

Oder schau dir mal die Mehrfachbesetzungen hier an!

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Tragfähigkeit

Beitrag von Principalbass16Fuss » Mittwoch 10. Februar 2016, 21:51

Ah ja, es geht also um Tragfähigkeit. Die von Dir verlinkte Orgel in Amsterdam hat ja dermaßen krasse Mehrfachbesetzungen, die ich noch nie zuvor gesehen habe!!!!! :shock: Da braucht man aber doch ordentlich Platz auf der Windlade... mein lieber Scholli!!! :idea:

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