Orgelkonzert Alexander Toepper im Dom zu Muenster

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Antworten
tournemire
Beiträge: 37
Registriert: Sonntag 17. November 2013, 00:10

Orgelkonzert Alexander Toepper im Dom zu Muenster

Beitrag von tournemire » Sonntag 25. Oktober 2015, 23:36

Am vergangenen Samstag gab es ein fabelhaftes Orgelkonzert im Dom zu Münster. Interpret: Alexander Toepper, Kirchenmusiker an St. Lamberti in Münster. Dazu gern folgende Zeilen (die ich in etwas reduzierter Form für die hiesige Tageszeitung, die "Westfälischen Nachrichten" geschrieben habe):

Um Healey Willans „Introduction, Passacaglia and Fugue“ es-Moll wirklich gültig und klanglich überzeugend spielen zu können, gibt es im Münsterland eigentlich nur ein einziges geeignetes Instrument: die Klais-Orgel im münsterschen Paulusdom! Vielleicht hat das Instrument ja nur darauf gewartet, dass Alexander Toepper auf ihr dieses Opus 149, diesen Dreiteiler des 1968 gestorbenen Wahl-Kanadiers Willan präsentiert. So geschehen am Samstag, den 24. Oktober.
Das Besondere und Unabdingbare für dieses Stück ist die englische Hochdruck-Tuba. Und so eine steht im Nordturm des Domes, sogar dynamisch abstufbar! Das erste Mal meldet sie sich nur mit lakonischen sieben Tönen, quasi als „Einwurf“, dann flutet sie markerschütternd durch die Kathedrale mit einem getragenen Choral – Gegenpol zur raumgreifend ins Fortissimo aufgedrehten Hauptorgel im Seitenschiff. Das macht Effekt!
Neben dem Effekt war es aber vor allem Alexander Toeppers interpretatorische Leistung, die hier faszinierte. Wie er anfangs geheimnisvolle Stimmung erzeugte, wie er die Architektur der achtzehn Passacaglia-Variationen anlegte, Klarheit in die Fuge brachte, das war maßstabsetzend. Und dies unter schwierigen akustischen Bedingungen, denn am Orgelspieltisch lässt sich solch eine Klang-Regie nur schwer kontrollieren. Hut ab – Alexander Toepper (Jahrgang 1989) gelang es. Seit 2012 ist er Kantor an St. Lmberti, nur einen Steinwurf weit entfernt vom münsterschen Dom und Kollege des Lamberti-Organisten Tomasz Adam Nowak. Dort obliegt ihm die (orgel-)musikalische Gestaltung der Werktagsgottesdienste und die Arbeit mit den Chören. Mit diversen bemerkenswerten Chorkonzerten konnte er inzwischen ebenso auf sich aufmerksam machen wie mit der Einführung regelmäßig angebotener und überaus gut besuchter „Evensongs“ nach dem Vorbild der anglikanischen Kirche.
William Byrds „Walsingham“ wirkte bei Toeppers Domkonzert im Anschluss an Healey Willan als farbig perlendes, reizvolles Kontrastprogramm aus der Zeit der Renaissance. Schön, dass Münsters Domorgel auch diese Sprache perfekt beherrscht.
Dann der zweite Solitär neben Healey Willan: „La Croix du Sud“, die rund 20-minütige symphonische Dichtung aus der Feder des 2004 gestorbenen Messiaen-Schülers Jean-Louis Florentz, vor fünfzehn Jahren von Olivier Latry uraufgeführt. Musik, die Kulturen und Religionen verbindet, wovon so manche arabisch gewürzte Phrase kündete. Musik über Liebe, Musik über die Sehnsucht nach göttlicher Offenbarung. Ganz viel Klang-Fantasie und Inspiration steckt in dieser dichten, den Hörer durchaus auch herausfordernden Partitur. Weshalb hört man sie nicht häufiger im Konzert? Weil sie dem Organisten schlicht und einfach wahnsinnig viel Arbeit bereitet. Da musste eben erst ein Könner wie Alexander Toepper kommen! Riesenbeifall im Dom.

der tournemire

Antworten