Insolvenz angemeldet

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Absteller
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Insolvenz angemeldet

Beitrag von Absteller » Donnerstag 8. Mai 2014, 19:52

Wie ich soeben erfahren habe hat das Traditionsunternehmen August Laukhuff in Weikersheim ein Insolvenzverfahren eingeleitet.
Grund für die Liquiditätsschwäche seien unter anderem zu hohe Produktionskosten.

S.L
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Re: Insolvenz angemeldet

Beitrag von S.L » Donnerstag 8. Mai 2014, 20:08

Absteller hat geschrieben:Wie ich soeben erfahren habe hat das Traditionsunternehmen August Laukhuff in Weikersheim ein Insolvenzverfahren eingeleitet.
Grund für die Liquiditätsschwäche seien unter anderem zu hohe Produktionskosten.
Jetzt also tatsächlich ein Insolvenzverfahren und kein Eigenverwaltungsverfahren, wie auf http://www.laukhuff.de/ in der aktuellen Pressemitteilung zu lesen?

Holger

Re: Insolvenz angemeldet

Beitrag von Holger » Freitag 9. Mai 2014, 06:20

Nicht ganz richtig, es ist ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, bei dem der Schuldner (also das Unternehmen bzw. die Frima Laukhuff) sein eigener Insolvenzverwalter ist. Dieser Plan wurde wohl jetzt vom Insolvenzgericht genehmigt und kann durchgeführt werden.

Damit ist eine Sanierung, d.h. eine Weiterführung des Unternehmens besser möglich. Dazu müssen jedoch die Gläubiger dem Plan des Schuldners zustimmen, die Insolvenz in Eigenverwaltung durchzuführen und ein erfolgversprechendes Sanierungskonzept zu realisieren. Immerhin geht es um Außenstände, die diese ja gerne irgendwann wieder haben wollen. Ein Sachwalter wird vom Gericht bestimmt, der die ordnungsmäßige Abwicklung überwacht.

Oft wird im Falle einer "normalen" Insolvenz das Unternehmen oft nicht saniert sondern abgewickelt und schlussendlich die Geschäftstätigkeit beendet, was auch den Verlust aller Arbeitsplätze bedeutet. Hier ist eine Ausrichtung auf die Befriedigung der Gläubigeransprüche im Vordergrund, nicht das weitere bestehen eines Unternehmens, das eh keine Zukunft mehr hat.

Im Fall von Laukhuff sieht es wirklich so aus als würde eine Sanierung und ein Weiterführen des Unternehmens angestrebt.

http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokal ... 40,2576177

Die Orgelbauerbranche hat es nicht leicht. Immer weniger Bauvolumen verteilt sich auf die übrig gebliebenen Unternehmen. Und gerade als Zulieferer wird es immer schwieriger werden, wenn Außenstände bei Kunden nicht eingetrieben werden können. Ein großer Auftrag, dessen Zahlung sich verzögert kann durchaus zu massiven Liquiditätsengpässen führen, die es "eng" werden lassen. Es bleibt im Sinne der Beschäftigten zu hoffen, dass das Unternehmen erfolgreich saniert werden kann und die Einschnitte im Personalbereich nicht zu drastisch werden.

Ronald Henrici
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Re: Insolvenz angemeldet

Beitrag von Ronald Henrici » Freitag 9. Mai 2014, 21:13

Der Darstellung von Holger aus juristischer Sicht kann ich nur beipflichten, da sie sehr überzeugend ist.
Es geht bei Laukhuff mit Sicherheit nicht um eine "Abwicklung eines Orgelbaubetriebes", sondern mehr um eine familienbezogene interne Reduzierung von Zulieferaggregate an andere Orgelbaufirmen.
Dabei sind auch Patente betroffen, die Laukhuff übernommen hatte und die inzwischen "abgelaufen" sind, sodaß andere Firmen diese nachbauen können, wenn sie diese bei Wartungsarbeiten in Augenschein genommen haben.
Hierbei darf ich im Forum keine Namen nennen von Firmen, die die Nachbaulizenzen nicht erworben haben und deshalb der Fa. Laukhuff seit Jahren schulden.
Wenn ich z.B. an manche schon in die Jahre gekommene zu wartende Orgel gerate, stelle ich immer wieder fest: "Das ist ja Laukhuff". Aber in den Unterlagen findet man keinen Hinweis darauf, besonders bei Orgelbauern, die schon in Konkurs gegangen sind und nicht mehr bestehen. Wenn dabei diese Orgelbauer der Zulieferfirma noch etwas schulden, was aber nicht mehr "einzutreiben" ist, dann gerät der Lieferant der Zulieferteile irgendwann selbst in Finanzierungsnot.
Auf der anderen Seite habe ich bei einer Recherche über den Verbleib einer Aulaorgel in Nachfrage bei dem Orgelbauer, der die besagte Orgel in einen anderen Raum des gleichen Gebäudes versetzt hatte, den ehrlichen Hinweis bekommen, daß der Spieltisch "doch von Laukhuff sei", obwohl die Firma, die die Orgel ursprünglich (im Jahr 1950/1951 ??) gebaut hatte, seit Langem nicht mehr besteht und mit Laukhuff überhaupt nicht zu tun hatte... Wer weiß, was da alles noch geschehen ist und nicht nachvollziehbar ist. Zumal auch Einrichtungen nach einiger Zeit Instrumente "vom Bestand absetzen" können und einfach ungenutzt stehen lassen können, bis dann irgendwann jemand kommt, der feststellt, daß da ein doch wertvolles Instrument steht...
Deshalb ist es meine "materialgebundene" Vermutung, daß sich Laukhuff von einigen Eigenschaften als Zulieferer trennen will.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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