10 Register-Disposition

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mixolydius
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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von mixolydius » Sonntag 4. Mai 2014, 20:10

tiratutti hat geschrieben:Ja, da sind sie wieder, die Behaupter.
Aber auch hier sind es 46 Register und keine 48. Daher hatte ich um die Quellenangabe gebeten, damit genau das nicht passiert. Dennoch dürfte es sich hierbei um eine Ausnahme handeln, denn Cavaillé-Coll hat nun nicht selten ein Cornett verbaut.

Noch etwas: ich bin nicht hier angemeldet, um mich zu streiten. Ich versuche nur meinen Standpunkt zu erläutern. Es mag durchaus sein, dass ich manchmal etwas radikale Ansichten vertrete, aber dazu stehe ich auch. :P

tiratutti
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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von tiratutti » Sonntag 4. Mai 2014, 21:18

mixolydius hat geschrieben:Noch etwas: ich bin nicht hier angemeldet, um mich zu streiten. Ich versuche nur meinen Standpunkt zu erläutern. Es mag durchaus sein, dass ich manchmal etwas radikale Ansichten vertrete, aber dazu stehe ich auch. :P
Ich bin hier auch nicht zum Streiten.
Es wurde von Dir die Behauptung in den Raum gestellt, dass die Orgel von Cavaillé-Coll in Sainte-Clotilde zu Paris in jedem Manualwerk einen Cornet oder eine Cornetmischung besitzt. Das wurde zur Begründung der Behauptung herangezogen, dass eine Orgel ohne Cornet(mischung) nur Behelf und keine richtige Orgel sei.

Da nun die Behauptung über die Cornette der Clotilde-Orgel falsch ist, so stützt sie auch die Behelf-und-keine-richtige-Orgel-Behauptung nicht. Nichts anderes habe ich dargelegt. Über Deine Dispositionsideen habe ich nicht geurteilt.

Grüße von tiratutti

kernspalter
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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kernspalter » Montag 5. Mai 2014, 00:53

mixolydius hat geschrieben:Eben, es ist wieder eine Frage des Geldes. Aber wenn man schon zusammenführt, dann mit dem richtigen Register!
Das wäre dann Principal 8' oder Trompete 8'? Oder eins der höheren Register?
Ja, das könnte man tun, aber wenn ich den Wert auf die Mixtur lege, bin ich eher im Barock verhaftet, lege ich Wert auf eine Voix céleste, bin ich in der Romantik. Ein Cornett kommt in ziemlich jeder Epoche vor. Mal klassisch, mal modern interpretiert.
Die Mixtur kommt in jeder Epoche vor.
Das weitmensurierte Cornett (oder Jeu de tierce) als Standardregistrierung gibt nur im westeuropäischen Barock (in Norddeutschland z. B. schon mal nicht) und dann erst wieder ab der Orgelbewegung/Neoklassik.
Sofern wir über Ste. Clotilde in Paris sprechen, so hat sie nur 46 Register und eine Cornett-Registrierung ist in jedem Werk möglich. Also bitte Quelle angeben, denn ich kann mir das bei Cavaillé-Coll kaum vorstellen.
Tiratutti hat recht, es sind 46 Register - und kein Cornet weit und breit, in keinem der drei Manuale.

kernspalter hat geschrieben:Vor allem spielt die Raumakustik eine sehr wichtige Rolle. Müssen die 10 Register auch powern können?
mixolydius hat geschrieben:Nein, müssen sie nicht. Sie müssen den liturgischen Anforderungen gerecht werden, um es nochmals zu sagen.
Wenn der Raum groß ist, wenn gelegentlich eine große Gemeinde zu begleiten ist und wenn auch mal ein festliches Prae- oder Postludium zu gestalten ist, aber nur 10 Register gebaut werden können, müssen die 10 Register powern können, um den liturgischen Anforderungen gerecht zu werden.
Es macht dann wenig Sinn, auf Principal, Mixtur und Trompete zu verzichten und statt dessen Vox coelestis, Sesquialtera und Physharmonika zu disponieren. Da reißt es dann auch der Winddruck nicht heraus.
Eine Mixtur ist nur dann sinnvoll, wenn man sie auch einzusetzen weiß. Das ist bei vielen Organisten leider nicht der Fall.
Das ist kein Argument. Es gibt auch viele Organisten, die eine Sesquialtera oder eine Zunge nicht einzusetzen wissen.
Bei 10 Registern ist diese Forderung nicht sehr sinnvoll. Ich muß da weder eine Reger-Fantasie noch eine Widor-Symphonie drauf spielen.
Warum auch nicht? Was spricht dagegen? Dagegen spricht eigentlich nur, dass ich meinen Horizont nicht weit genug öffnen kann, um das eben so einzurichten.
Dann sei mir mal eine konkrete Frage erlaubt: Welche Reger-Fantasie und welche Widor-Symphonie hast Du mal auf einer 10-Register-Orgel aufgeführt?
Die Begleitung wessen? Des Sesquialters? Dafür eignet sich eine Portunalflöte sogar ganz hervorragend. Eine Portunalflöte (oder auch Bordunalflöte) ist DAS Register für eine Korrepetition.
Und was ist dann die Basis für den Sesquialter? Principal oder Viola?
Mit kernspalterischen Grüßen

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von mixolydius » Montag 5. Mai 2014, 04:34

tiratutti hat geschrieben:Es wurde von Dir die Behauptung in den Raum gestellt, dass die Orgel von Cavaillé-Coll in Sainte-Clotilde zu Paris in jedem Manualwerk einen Cornet oder eine Cornetmischung besitzt. Das wurde zur Begründung der Behauptung herangezogen, dass eine Orgel ohne Cornet(mischung) nur Behelf und keine richtige Orgel sei.

Da nun die Behauptung über die Cornette der Clotilde-Orgel falsch ist, so stützt sie auch die Behelf-und-keine-richtige-Orgel-Behauptung nicht. Nichts anderes habe ich dargelegt. Über Deine Dispositionsideen habe ich nicht geurteilt.
1. Ich habe insofern keine Behauptung in den Raum gestellt, denn die Orgel von Ste. Clotilde besitzt heutzutage die beschriebenen Cornette. Mir war bei der ersten Durchsicht nicht aufgefallen, dass sie nachträglich eingebaut wurden. Ich war mir auch noch nicht sicher, ob es sich um besagtes Instrument handelte.

2. Ich habe auch nicht behauptet, dass eine Orgel ohne Cornett nur Behelf und keine Richtige Orgel sei, sondern es ist meine subjektive Meinung, von der ich mich auch nicht durch ein Beispiel unter vielen beirren lasse. Ich kenne viele englische Orgeln, die vier Manuale und über 50 Registern haben, jedoch ebenfalls kein Cornett besitzen. Dennoch ist das nicht der Regelfall und es beeinflusst meine Meinung keineswegs.

3. Du bist herzlich eingeladen, meine "Dispositionsideen" zu kommentieren. Aber ich glaube kaum, dass es hier jemandem (den Admin vielleicht ausgenommen) zusteht, über irgendetwas zu "urteilen". :wink:

mixolydius
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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von mixolydius » Montag 5. Mai 2014, 05:17

kernspalter hat geschrieben:
mixolydius hat geschrieben:Eben, es ist wieder eine Frage des Geldes. Aber wenn man schon zusammenführt, dann mit dem richtigen Register!
Das wäre dann Principal 8' oder Trompete 8'? Oder eins der höheren Register?
Nein, der Kommentar bezog sich auf Die Zusammenführung von Registern wie vorgenannt (Bass Rohrflöte und ab c° Viola). Spätestens seit der Romantik hat man Wert darauf gelegt, dass die Teiltonaufbauten verschiedener Flöten und verschiedener anderer Register (z. B. Gemshorn/Blockflöte) miteinander harmonieren. Das trifft aber auf Rohrflöte und Viola nicht zu, daher die Forderung nach dem "richtigen" Register.
Die Mixtur kommt in jeder Epoche vor.
Das weitmensurierte Cornett (oder Jeu de tierce) als Standardregistrierung gibt nur im westeuropäischen Barock (in Norddeutschland z. B. schon mal nicht) und dann erst wieder ab der Orgelbewegung/Neoklassik.
Die Mixtur kommt eben als solches nicht in jeder Epoche vor. In der Romantik hat man sehr häufig in kleineren Orgeln "nur" Mixtur-Cornette verbaut, keine "echten" Mixturen (Quinten, Oktaven), aber eben auch keine reinen Cornette. Auch im norddeutschen Barock war sehr häufig ein Cornett (zumindest in Teilen) disponiert (z. B. Schnitger).
Wenn der Raum groß ist, wenn gelegentlich eine große Gemeinde zu begleiten ist und wenn auch mal ein festliches Prae- oder Postludium zu gestalten ist, aber nur 10 Register gebaut werden können, müssen die 10 Register powern können, um den liturgischen Anforderungen gerecht zu werden.
Es macht dann wenig Sinn, auf Principal, Mixtur und Trompete zu verzichten und statt dessen Vox coelestis, Sesquialtera und Physharmonika zu disponieren. Da reißt es dann auch der Winddruck nicht heraus.
Eben genau das ist für meinen Geschmack zu engstirnig gedacht. Ich kenne Orgeln, bei denen das dazu führt, dass die Orgel in der Gemeinde als zu laut empfunden wird und sich damit nicht besonderer Beliebtheit erfreut.
Das ist kein Argument. Es gibt auch viele Organisten, die eine Sesquialtera oder eine Zunge nicht einzusetzen wissen.
Ja, das bestreite ich nicht.
Dann sei mir mal eine konkrete Frage erlaubt: Welche Reger-Fantasie und welche Widor-Symphonie hast Du mal auf einer 10-Register-Orgel aufgeführt?
Es beginnt schon mal damit, dass ich kein Freund von Reger bin, aber das ist die Sache des jeweiligen Geschmacks. Widor überlasse ich den Organisten, die die Zeit haben, sich mit dem Werk auseinander zu setzen. Ich spiele seit vielen Jahren im Ehren- und Nebenamt und "beschränke" mich daher auf die Dinge, die ich ohne großen Aufwand zur Ehre der Liturgie und zur Freude der Gottesdienst-Besucher vorbereiten kann. Weiterhin haben wir in unserer Gegend kein Instrument mit 10-Registern. Aber das tut nichts zur Sache, ich habe schon viele spannende Werke auf kleinen Orgeln gehört und kenne leider auch das Gegenteil (z. B. dass ein Organist die Suite Gothique von Boellmann an einer romantischen Orgel spielte, ohne auch nur einen einzigen Streicher zu benutzen).
Und was ist dann die Basis für den Sesquialter? Principal oder Viola?
Ein Sesquialter (ich gehe auch hier von der üblichen Zusammensetzung 2 2/3' und 1 3/5' in Prinzipal-Mensur aus) ist ein Solo-Register, welches meistens zum Cornett zusammengefügt wird.
In der deutschen Zusammensetzung werden hierzu meist Stimmen gemischter Mensur verwendet (ideal: Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2'), während in der französischen Zusammensetzung meistens Stimmen mit gleicher Mensur verwendet werden (Prinzipale 8', 4', 2').
Selbstverständlich können auch ohne die klassische Cornett-Registrierung schöne Effekte erzielt werden. In der (moderneren) Literatur finden sich dann aber auch entsprechende Hinweise zu den zu registerenden Stimmen. Diese Angaben halte ich grds. für variabel. Zur Begleitung eines Cornetts empfehlen sich verschiedene Stimmen (auf jeden Fall aber die oben genannten). Es gibt auch Werke, die das Cornett insoweit fordern, dass ich mit zarten Stimmen auf dem zweiten Manual (gleich welcher Zusammensetzung) im Dialog spiele. Ich weiß aber auch von Organisten, die einfach den Sesquialter zur Gemeindebegleitung einsetzen und ins Plenum mischen. Denen ist meistens gar nicht bewusst, dass es sich eigentlich um ein Solo-Register handelt. Weiters gibt es auch Flöten-Cornette, Streicher-Cornette, etc.
Es kommt also darauf an, was ich gerade darbieten möchte.

Übrigens gibt es im orgelbewegten Neobarock diverse Schriften mit Dispositionsempfehlungen, die aber einmütig fordern, dass z. B. eine Mixtur bei einem 8'-Prinzipal 5-fach (1 1/3') zu sein hat und für jede vorhandene Zungenstimme ein weiterer Chor hinzutritt. Demzufolge wäre dann nach Deinem Muster bereits eine 6-Chörige Mixtur zu disponieren...

kernspalter
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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kernspalter » Montag 5. Mai 2014, 22:37

mixolydius hat geschrieben:Nein, der Kommentar bezog sich auf Die Zusammenführung von Registern wie vorgenannt (Bass Rohrflöte und ab c° Viola).
Genau darauf bezog sich meine Frage. Wenn wir Principal 8', Rohrflöte 8' und Viola 8' haben, aber kein Platz für zwei offene Reihen C-H da ist: Womit soll der Baß der Viola 8' zusammengeführt werden?
Die Mixtur kommt eben als solches nicht in jeder Epoche vor. In der Romantik hat man sehr häufig in kleineren Orgeln "nur" Mixtur-Cornette verbaut, keine "echten" Mixturen (Quinten, Oktaven), aber eben auch keine reinen Cornette.
Auch in der Romantik kommt die Mixtur vor.
Es gibt Epochen ohne Cornette, aber keine Epochen ohne Mixturen.
Auch im norddeutschen Barock war sehr häufig ein Cornett (zumindest in Teilen) disponiert (z. B. Schnitger).
Das Register "Cornett" bei Schnitger ist ein Zungenregister (normalerweise als 2' im Pedal).
Zum Schnitger-Sesquialter siehe unten.
In der deutschen Zusammensetzung werden hierzu meist Stimmen gemischter Mensur verwendet (ideal: Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2'), während in der französischen Zusammensetzung meistens Stimmen mit gleicher Mensur verwendet werden (Prinzipale 8', 4', 2').
Falsch. Der klassische französische 5fache Cornet basiert immer auf Rohrflöte 8'. Die höheren Reihen sind offen, aber weit mensuriert.
Das Jeu de tierce (Einzelregister 8' + 4'+ 2 2/3' + 2' + 1 3/5' und eventuell 1 1/3') ist nicht dasselbe wie ein Cornet (klingt anders und wird auch anders verwendet), aber auch das Jeu de tierce basiert immer auf einem gedeckten (oder rohrgedeckten) 8'. 2 2/3' und 1 3/5' sind wie beim Cornet weit mensuriert; 4' und 2' können aus der Principalfamilie genommen werden.
Ein Principal 8' hat weder in einem französischen Cornet noch in einem Jeu de tierce etwas zu suchen.
Ich weiß aber auch von Organisten, die einfach den Sesquialter zur Gemeindebegleitung einsetzen und ins Plenum mischen. Denen ist meistens gar nicht bewusst, dass es sich eigentlich um ein Solo-Register handelt
Der barocke deutsche Sesquialter - z. B. bei Schnitger - ist im Unterschied zum französischen principalisch mensuriert (und kann repetieren, ähnlich wie eine Mixtur). Dieser Sesquialter ist dazu da, ins Plenum gezogen zu werden, kann aber auch solistisch verwendet werden.
Die Kombination Principal 8' + Octav 4' + Octav 2' + Sesquialter + Mixtur ist im deutschen Barock eine Plenumregistrierung.

Die weitmensurierten Cornette und Terzen sind im deutschen barocken Orgelbau eher Ausnahmen; sie wurden von französisch beeinflußten Orgelbauern (z. B. Riepp und Silbermann) gebaut.

Im orgelbewegten Neobarock sind sie allerdings sehr häufig. Diese Sesquialtern sind eher nicht fürs Plenum gedacht.

Eben genau das ist für meinen Geschmack zu engstirnig gedacht. Ich kenne Orgeln, bei denen das dazu führt, dass die Orgel in der Gemeinde als zu laut empfunden wird und sich damit nicht besonderer Beliebtheit erfreut.
Natürlich gibt es zu laute Orgeln. Wenn aber eine 10-Register-Orgel für den Raum zu laut ist, dann kann es sich nicht um einen sehr großen Raum handeln.
Es beginnt schon mal damit, dass ich kein Freund von Reger bin, aber das ist die Sache des jeweiligen Geschmacks. Widor überlasse ich den Organisten, die die Zeit haben, sich mit dem Werk auseinander zu setzen.
Danke für die Auskunft. Du hast also nie versucht, eine Reger-Fantasie oder eine Widor-Symphonie auf einer 10-Register-Orgel einzurichten.
Jetzt verstehe ich, wie der Satz gemeint war:
Dagegen spricht eigentlich nur, dass ich meinen Horizont nicht weit genug öffnen kann, um das eben so einzurichten.
Aber das tut nichts zur Sache, ich habe schon viele spannende Werke auf kleinen Orgeln gehört
Ich auch.
Eine spannende Reger-Fantasie auf einer 10-Register-Orgel habe ich allerdings noch nicht gehört.

Übrigens gibt es im orgelbewegten Neobarock diverse Schriften mit Dispositionsempfehlungen, die aber einmütig fordern, dass z. B. eine Mixtur bei einem 8'-Prinzipal 5-fach (1 1/3') zu sein hat und für jede vorhandene Zungenstimme ein weiterer Chor hinzutritt. Demzufolge wäre dann nach Deinem Muster bereits eine 6-Chörige Mixtur zu disponieren...
Wenn ich eine 10-Register-Orgel mit Principal 8' disponiere und im II. Manual als einziges Register eine Doppelflöte 8', handelt es sich bestimmt nicht um eine orgelbewegte Disposition. Was soll ich da mit orgelbewegten Dispositionsempfehlungen anfangen?
Wenn ich eine Pizza backen will, schaue ich ja auch nicht im Rezeptbuch für Schwarzwälder Kirschtorte nach.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kernspalter » Dienstag 6. Mai 2014, 07:14

mixolydius hat geschrieben:@kernspalter: Vielen Dank für die Ausführungen. Diese Anhäufung gefährlichen Halbwissens, die teilweise in völligen Blödsinn mündet, macht mich mal wieder sprachlos
Falls ich irgendwo Quatsch geschrieben haben sollte, bin ich für sachliche Korrekturen dankbar.

Meine Ausführungen zu Cornetten, Sesquialtern und deren Verwendung stützen sich u. a. auf folgende Literatur:


Dom Bedos, Die Kunst des Orgelbauers, Lauffen 1977

Friedrich Jakob, Mixturen, Cornette und andere repetierende Register süddeutscher Orgeln des 18. Jahrhunderts, in: Acta Organologica 24 (1994)

Jon Laukvik, Orgelschule zur historischen Aufführungspraxis, Stuttgart/Kassel ³1996

Wolfram Syré, Zur Registrierung des norddeutschen Orgelrepertoires. In: Orgel International 1998, Heft 6 / Orgel International 1999, Heft 1
Mit kernspalterischen Grüßen

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von Administrator » Mittwoch 7. Mai 2014, 21:57

Liebe Leute: Ihr könnt gerne alle unterschiedlicher Meinung sein, aber tragt sie bitte vernünftig, ohne Angabe von Beleidigungen o.ä. aus.
Den letzten Beitrag von Mixolydius habe ich gelöscht. Lieber Mixolydius, bitte formuliere es doch ein wenig freundlicher. Danke !
Herzliche Grüße

Daniel
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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von olds » Donnerstag 31. Juli 2014, 18:51

Mir fällt gerade auf, dass ich hier posten darf :idea:

Sitze jedes Wochenende an einer 9-Register-Orgel.

Und frage mich jedesmal, ob ich sie hassen oder lieben soll.

Disposition:

Linke Seite Manual
(Obere Reihe)
8`Prinzipal
4´ Viola
2´ Salicet

(untere Reihe)
Mixtur (ohne weitere Angabe)
Pedal Kopppel

Rechte Seite Manual
(Obere Reihe)
8´ Gedeckt
8` Salizional
4´ Oktav

(Untere Reihe)
16´ Subbass
8´ Violonbass

Gibt dann noch einen Tutti-Hebel.

Das Instrument klingt eigentlich sehr gut, allerdings hasse ich den Salicet inzwischen von Herzen. Er schneidet doch sehr.
Problem: Die Orgel kennt eine Mitte nur bedingt. Leisere und mittellaute Registrierungen sind wirklich leise. Nimmt man dann den 2´ dazu, passt es nicht immer.

Die Prinzipale sind so dominant, dass man bei normalem Kirchenbesuch auf die Oktav verzichten kann.

Die Mixtur ist als "Mixtur" erstmal nicht zu erkennen, hat nicht wirklich den typischen "spitzen" Klang, sondern trägt mehr in der Breite. Ist halt ein romantisches Instrument.
(Habe ich das jetzt so ausgedrückt, dass ich nicht zum Forendeppen des Monates Juli gewählt werde? :oops: )

Das Instrument ist historisch und verfügt sogar noch über eine funktionierende Kalkant-Anlage. Also wenn die Stromrechnung mal nicht bezahlt ist..... . Was ich an dem Ding sehr mag ist die Positionierung des Spieltisches: Direkt vor der Orgel mit freiem Blick zum Altar. Dummerweise hat man damals keine großen Organisten eingeplant. Mit meinen 1,90m passe ich nicht in die Lücke zwischen Spieltisch und Orgelprospekt. Zumal in Lendenhöhe eine ziemlich dominante Zierleiste angebracht ist. Ich spiele also praktisch durchgehend mit Hohlkreuz.

Den Umfassenden Holzwurmbefall kann ich dem Ding jetzt leider nicht wünschen, ein Neubau ist finanziell undenkbar und die Gemeinde dürfte in 10 Jahren Geschichte sein?

Da man hier ja von 10-Register Dispositionen träumen darf, würde ich mir eine Zunge wünschen. Wobei eine echte Trompete 8´ zu heftig sein dürfte? Und statt dem Salicet 2´ eine Oktav 2´.

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kernspalter » Sonntag 3. August 2014, 18:17

olds hat geschrieben:Das Instrument klingt eigentlich sehr gut, allerdings hasse ich den Salicet inzwischen von Herzen. Er schneidet doch sehr.
Problem: Die Orgel kennt eine Mitte nur bedingt. Leisere und mittellaute Registrierungen sind wirklich leise. Nimmt man dann den 2´ dazu, passt es nicht immer.

...

Was ich an dem Ding sehr mag ist die Positionierung des Spieltisches: Direkt vor der Orgel mit freiem Blick zum Altar.
Könnte es auch daran liegen, dass das Salicet sich sehr nahe an den Organistenohren befindet?
Manchmal kommt einem ein Register am Spieltisch sehr schneidend vor, aber von der Mitte des Kirchenschiffs aus abgehört paßt es dann doch ganz gut.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von olds » Samstag 9. August 2014, 18:34

Sicherlich wird der Salicet im Kirchenschiff selbst anders klingen. Ändert aber nichts daran, dass ich 2´ Salicete nicht mag.

Hauptsächlich ärgert mich halt, dass die Orgel abseits der Prinzipale mir zu leise vorkommt. Wenn also der Salicet im Kirchenschiff nur wirkt, wenn er an der Orgel besonders betont dem Organisten das Ohrenschmalz portioniert, dann dürften die anderen "zarten" Register im Kirchenschiff noch schwächer klingen? Also die Orgel ist ein eher romantisches Instrument und wenn ich beispielsweise zur Kommuion was Romantisches mit der Forderung nach den 8´ und 4´ Flöten und Streichern spiele, fehlt mir da die Wirkung.

Zu dem Problem habe ich jetzt einen Lösungsansatz vermittelt bekommen. Ursprünglich war die Viola 4´ scheinbar mal ein irgendein 8´. Vielleicht wurde durch diesen Umbau die "zarte Seite" der Orgel unnötig geschwächt?

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kernspalter » Samstag 9. August 2014, 22:19

olds hat geschrieben:Zu dem Problem habe ich jetzt einen Lösungsansatz vermittelt bekommen. Ursprünglich war die Viola 4´ scheinbar mal ein irgendein 8´. Vielleicht wurde durch diesen Umbau die "zarte Seite" der Orgel unnötig geschwächt?
Dann drängt sich der Verdacht auf, daß auch das Salicet nicht original ist.
Sicherlich wird der Salicet im Kirchenschiff selbst anders klingen.
Da hilft nur: Verschiedene Registrierungen im Kirchenschiff abhören.
Meistens findet man auch zu "unpassenden" Registern noch die eine oder andere brauchbare Registerkombination.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von olds » Sonntag 10. August 2014, 17:46

Der Kernspalter darf sich dann hiermit auf die Schulterklopfen.

Habe das nie so richtig beachtet, bzw. nicht in dem Kontext gedacht, aber Viola und Salicet haben tatsächlich andere Beschriftungen am Registerzug. Fällt einem auch erst auf den zweiten Blick auf.

Schriftart variiert doch sehr.

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von olds » Sonntag 10. August 2014, 21:21

Übrigens hat in diesem Gespräch der Orgelbauer gemeint - zumindest habe ich ihn so verstanden - dass eine romantische 10 Register Orgel die kostengünstigste Alternative für eine normale nicht ganz mittelgroße Pfarrkirche sei. Guter und kräftiger Klang mit wenig Registern. Bei den neobarocken Instrumente mit 15-18 Registern würde alleine das Stimmen der Mixturen schon viel länger dauern.

Irgendwie bin ich geneigt, ihm da zu folgen.

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Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von Poupoulcorouse » Sonntag 10. August 2014, 22:31

Na hier wird sich ja mal wieder gestritten. Ich dachte, das würde nur passieren, wenn ich meine norddeutsch-barock motivierten Ansichten zu Stimmungsfragen usw. zum Besten gebe ;)


Was den letzten Beitrag betrifft:

Das mag ja alles sein. Aber ich bleibe schon grundsätzlich dabei, daß eine Orgel nicht nur dazu da ist, pflegeleicht und günstig zu sein, sondern Glanz in die Hütte zu bringen. An der Mixtur zu sparen, weil sie stimmungsaufwändiger ist, kann's ja auch irgendwie nicht sein. Dazu ist das ganze Instrument zu teuer, um es dann langweilig werden zu lassen, weil man an der falschen Stelle spart. Natürlich sind romantische Orgeln nich per se langweilig. Sie haben ihre Geschichte und ihren wohlverdienten Platz in der Orgelwelt. Aber wenn der "Einfachheit" halber irgendwann romantische Orgeln den klein- und mittelgroßen Bereich dominieren, dann läuft etwas schief.

Ebenso wie in den 50ern und 60ern etwas schieflief, als jedes Positiv nach Neobarock-Schema F erstellt wurde und nicht selten heute höchstens noch bei Ladach den Staubfänger geben darf.

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