10 Register-Disposition

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Voceumana
Beiträge: 34
Registriert: Mittwoch 9. Juli 2014, 19:45

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von Voceumana » Mittwoch 26. Oktober 2016, 19:13

Nun,

bei so wenigen Registern ist es eine Frage der persönlichen Auslegung, eher grundtönig oder eher etwas heller. Grundtönig läuft früher oder später auf eine romantisch angelegte Kleinorgel hinaus, evtl. sogar auf eine Stilkopie französischer oder deutscher Natur. Heller/ obertöniger / hochfüßiger wirkt auf dem Papier schnell neobarock, orgelbewegt, oder eben auch als stilistisch angelegte Kopie.
Neben dem Verwendungszweck (Übungsorgel, Hausorgel mit durchaus repräsentativem Anspruch, Gemeindebegleitorgel, Hauptorgel einer kleinen Kirche) spielt sicher auch der Geschmack des Organisten, des OSV eine Rolle.
Ich denke, wir sind uns einig, dass es nicht DAS Konzept gibt.
Mir persönlich ist auch eine Kleinorgel mit eher grundtönigen Stimmen lieber, auch hier kann man mal etwas Barockes darstellen. Viel wichtiger ist mir aber, dass möglichst viele Stimmen ein Solist UND gut verschmelzend sind (und das geht nunmal mit einigen 8'-Stimmen besser als mit Mixtur/Terzian/Terzsept oder einer Sextade 2'). Bei 60-80 Registern machen 2 "daneben" intonierte Stimmen weniger aus als bei 8-10 Registern.

Kreativität in der Konzeption muss auch genutzt werden. Gerade bei kleineren Neubauten ist der kreative Umgang doch dann wohl an bestimmte Personen gebunden, die irgendwann nicht mehr sind - will, und vor allem, kann der Nachfolger im Amt mit einem "zu kreativen" Instrument umgehen? Wird die Gemeinde mit einer "zu kreativen" Orgel auf Dauer glücklch sein?

Keine Kleinorgel, aber als Beispiel für Kreativität:
http://www.orgelbauschreier.de/Seiten/u ... kempen.htm

Was bringt die in diesem Thread schon erwähnte gute Idee, eine Quintade anstelle eines Nasard 2 2/3' zu disponieren, wenn ein Nachfolger die Quintade irgendwann durch eine ihm zu fehlende Schwebung zu ersetzen? Hoffentlich wird einem solchen Änderungswunsch (der meines Wissens aber überhaupt nicht ansteht) nicht entsprochen...

malle235
Beiträge: 97
Registriert: Sonntag 20. März 2016, 19:25

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von malle235 » Samstag 11. Februar 2017, 12:48

Im Probensaal des Würzburger Doms befindet sich eine Probenorgel der Firma Karl Göckel mit 8 Registern

Disposition seit 2009
I Grand Orgue C–c4
Prinzipal 8′
Flöte 8′

II Récit C–c4
Bourdon 8′
Gamba 8′
Flöte 4′
Octavin 2′
Basson Hautbois 8′
Tremblant

Pédale C–g1
Subbass 16′

Koppeln: II/I, II/P, I/P.

Zwei Register könnte man gedanklich also noch hinzufügen - aber welche?

kernspalter
Beiträge: 671
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kernspalter » Samstag 11. Februar 2017, 13:05

Salicional 8' und Prestant 4' auf I, zum Beispiel.

Oder Tuba mirabilis 8' und Untersatz 32'.
Mit kernspalterischen Grüßen

malle235
Beiträge: 97
Registriert: Sonntag 20. März 2016, 19:25

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von malle235 » Sonntag 19. Februar 2017, 22:48

was haltet ihr von Schwebungen in einer 10-Register-Orgel?

Wie auf Seite 1 zu sehen, disponiert Cavaillé-Coll eine Voix célèste 8' (Streicherschwebung), während alt-italienische Orgeln oft die Voce umana 8' (Prinzipalschwebung) enthalten - welches Register ist eurer Meinung sinnvoller/vielseitiger einsetzbar?

Nebenfrage: Ähnelt die Unda maris eigentlich von der Bauform eher nem Streicher oder Flöte/Prinzipal?

olds
Beiträge: 199
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von olds » Montag 20. Februar 2017, 10:52

Einige Jahre habe ich auf einer einmanualigen Orgel mit 8 Registern und Schwebung (Viola da Gamba, wenn ich mich recht entsinne ab g) gespielt.

Die Orgeldienste dort begannen in der Endphase meiner Organistenausbildung, mein Lehrer hielt das mit der Schwebung für ziemlichen Quatsch. Natürlich hat die Möglichkeit zum solistischen Spiel Spaß gemacht, aber es ist halt fraglich ob sich der Aufwand und die Kosten für eine Orgel lohnen, deren Organisten wohl eher nicht entsprechenden Ausbildungsstand haben.

Zumindest galt das damals für so eine kleine Orgel in entsprechend kleiner Kirche am Arsch der Welt.

Voceumana
Beiträge: 34
Registriert: Mittwoch 9. Juli 2014, 19:45

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von Voceumana » Montag 20. Februar 2017, 18:56

Ich denke, dass die Qualifikation des Musikers auch Einfluss auf die Häufigkeit des Einsatzes einer schwebenden Stimme hat. Der Einsatz einer schwebenden Stimme darf nicht inflationär erfolgen. Ebenso langweilig ist es, diese Stimme immer an der selben Stelle im Gottesdienst zu verwenden. Ich kenne Kirchen, da geht keine Kommunionausteilung ohne. Und ich kenne auch hauptamtliche Musiker, bei denen die schwebende Stimme die Begleitstimme für Sologesang ist. So viel zum Thema Qualifikation. Es ist wie mit Safran oder Chilli. Nicht zu jedem Anlass passend.
Das Instrument muss entsprechend gestaltet sein. Bei einer Orgel von ACC darf schon in einem kleinen Instrument die schwebende Stimme disponiert sein. Auch eine spätbarocke Orgel aus dem süddeutschen Raum darf eine Bifara haben. Eine italienische Orgel sowieso eine Voce Umana.
Als Unda Maris wird oft eine unterschwebende Stimme bezeichnet und gerade die Unterschwebung als Charakteristikum genannt. Über die Bauart wird nicht immer etwas ausgesagt, oft ist es eine Flöten- oder Gedacktschwebung. Im angloamerikanischen Raum versteht man darunter oft die schwebende Stimme zum Register Dulciana, Dolce, Dolce flute, Spitz flute, meist aber höherschwebend. Man könnte sie also als eine sehr weiche schwebende Stimme bezeichnen.

Dorforgler
Beiträge: 83
Registriert: Mittwoch 30. April 2014, 18:58

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von Dorforgler » Dienstag 21. Februar 2017, 19:50

olds hat geschrieben:
Montag 20. Februar 2017, 10:52
Einige Jahre habe ich auf einer einmanualigen Orgel mit 8 Registern und Schwebung (Viola da Gamba, wenn ich mich recht entsinne ab g) gespielt.

Die Orgeldienste dort begannen in der Endphase meiner Organistenausbildung, mein Lehrer hielt das mit der Schwebung für ziemlichen Quatsch. Natürlich hat die Möglichkeit zum solistischen Spiel Spaß gemacht, aber es ist halt fraglich ob sich der Aufwand und die Kosten für eine Orgel lohnen, deren Organisten wohl eher nicht entsprechenden Ausbildungsstand haben.
Viele G-Schein-Organisten [tm] haben panische Angst vor Aliquoten, Mixturen und Zungenstimmen (die bei solchen Orgeln eh nie stimmen...).
Da koennte eine Schwebung tatsaechlich die bessere Option sein, was eine spaetere Nutzung angeht :wink:
(Vor allem dann, wenn der Raum eigentlich weder Aliquoten, Mixturen oder Zungen vertraegt.)

kernspalter
Beiträge: 671
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kernspalter » Dienstag 21. Februar 2017, 23:18

Dorforgler hat geschrieben:
Dienstag 21. Februar 2017, 19:50
Viele G-Schein-Organisten [tm] haben panische Angst vor Aliquoten, Mixturen und Zungenstimmen (die bei solchen Orgeln eh nie stimmen...).
Da koennte eine Schwebung tatsaechlich die bessere Option sein
Wenn die Zungen sowieso nie stimmen, kann man doch gleich die Zungen als Schwebung benutzen.
(Vor allem dann, wenn der Raum eigentlich weder Aliquoten, Mixturen oder Zungen vertraegt.)
In einem Raum, der keine Aliquoten und keine Zungen verträgt, möchte ich eigentlich auch keine Schwebung hören.
Mit kernspalterischen Grüßen

olds
Beiträge: 199
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von olds » Freitag 24. Februar 2017, 13:02

Aus gegebenen Anlass eine Frage.

Die Nachbarkirche ist jetzt fertig renoviert. Das Gotteshaus hat eine mehr als kuriose Orgel, ein Übergangsprovisorium, dessen Übergang schon seit 50 Jahren andauert. Die Orgel steht nackt und ohne Prospekt in eine Ecke der Empore, für die Funktion des Schwellwerkes hat man dieses Werk mit Spanplatten eingekastelt. Grau gestrichene Spanplatten.

Die Kirche ist eigentlich etwas "out of Order", d.h. sie spielt in der Großgemeinde an normalen Sonntagen nur noch eine untergeordnete Rolle, ist aber aufgrund bestimmter Festtage und der kulturhistorischen Bedeutung des Gebäudes weiterhin von Bedeutung.

Habe jetzt erfahren, dass man mit einer neuen Orgel liebäugelt. Da ich mir nicht vorstellen kann (und will), dass man da für 2 Messen im Monat eine richtige ORgel baut, die Frage, ob es 10 Registerorgeln auch in größeren Kirchen gibt. Mit kleineren Instrumenten verbindet man ja eher auch eine kleine Kirche, aber kann man das auch in einer großen Kirche (um die so 300 Leute passen rein) realisieren? Die Zahl der tragenden Register wäre ja beschränkt.

trommet16
Beiträge: 48
Registriert: Samstag 6. Februar 2016, 10:52

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von trommet16 » Freitag 24. Februar 2017, 21:10

Du kannst, wenn du gerne möchtest auch mit einer einzelnen Tuba mirabilis 100 Leute beschallen....

Für ca. 300 Leute gibt es ziemlich sicher Orgeln um die 10 Register, ich kenne keine konkretes Beispiel, aber ich bin mir ziemlich sicher, das Aristide Cavaille-Coll da was schönes hinbekommen hättte :)

Nachthorn
Beiträge: 24
Registriert: Freitag 6. Februar 2015, 09:56

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von Nachthorn » Samstag 25. Februar 2017, 00:24

Die Schnitger-Orgel in Portugal scheint mit 12 Registern gut in der Lage zu sein, den Kirchenraum zu füllen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Orgel_von ... e_Moreira)
https://www.youtube.com/watch?v=DdWsjHQO9N0

Die SIlbermann-Orgel im Museum in Frauenstein habe ich selbst schon gehört. Das Instrument ist laut und wäre sicher geeignet für die Beschallung einer kleineren Kirche. Es ist eine Kopie der Silbermann-Orgel aus dem Bremer Dom.
http://www.silbermann-museum.de/museum/orgel/
https://www.youtube.com/watch?v=ApLa11JFG2s

kjz1
Beiträge: 76
Registriert: Sonntag 17. November 2013, 15:42

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von kjz1 » Samstag 25. Februar 2017, 14:29

Nun ja, in unserer Basilika mussten wir uns fast 25 Jahre mit einem Positiv (II/11) begnügen, bis die neue große Hauptorgel finanziert werden konnte. Das funktioniert auch (zur Liedbegleitung), sofern die Kirche nicht übervoll besetzt ist und das Positiv kräftig intoniert ist. Literaturspiel ist da natürlich nur begrenzt möglich.

Und ja, Cavaillé-Coll konnte selbst mit kleinen Orgeln sehr große Kirchen mit Klang füllen.

malle235
Beiträge: 97
Registriert: Sonntag 20. März 2016, 19:25

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von malle235 » Dienstag 14. März 2017, 00:26

hier stellt sich die Frage ob ein 10-Register Begleitinstrument lieber barock oder romantisch disponiert sein sollte
ich denke, eine größere Auswahl an 8'+4' Registern ist hier sinnvoller als mehrere Register <2'

trommet16
Beiträge: 48
Registriert: Samstag 6. Februar 2016, 10:52

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von trommet16 » Samstag 18. März 2017, 18:03

Dorforgler hat geschrieben:
Dienstag 21. Februar 2017, 19:50
Viele G-Schein-Organisten [tm]
Was sind eigentlich "G-Schein" Organisten?

Dorforgler
Beiträge: 83
Registriert: Mittwoch 30. April 2014, 18:58

Re: 10 Register-Disposition

Beitrag von Dorforgler » Dienstag 21. März 2017, 20:45

kjz1 hat geschrieben:
Samstag 25. Februar 2017, 14:29
Und ja, Cavaillé-Coll konnte selbst mit kleinen Orgeln sehr große Kirchen mit Klang füllen.
150mm Windruck - deutlich mehr als die Hauptorgel... JØSS....
Geht das eigentlich schon als "Hochdruckwerk" durch?

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste