Durchschlagende Zunge 16´ Name gesucht

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Antworten
Vargonautas
Beiträge: 65
Registriert: Mittwoch 7. November 2012, 18:38

Durchschlagende Zunge 16´ Name gesucht

Beitrag von Vargonautas » Dienstag 31. Oktober 2017, 15:11

Guten Tag zusammen,

ich möchte um Eure Hilfe bitten.
Es geht um ein Pedalregister, bei dem ich mir unsicher bin, wie es genannt wird. Es ist eine durchschlagende Zunge, das 16´-Register befindet sich in einer Orgel, die um 1857 erbaut wurde. Die Kirche steht in Litauen, im ehemaligen Memelland. Die Zungen befinden sich auf (in) großen Holzkästen, die auf der Pedallade stehen, C und Cis-Seite. Alle Zungen sind in Kanzellen voneinander getrennt. Ich konnte mit viel Mühe die originale Disposition rekonstruieren, mithilfe der wenigen verbliebenen Registerschilder, Bezeichnungen auf den Scheren, Stöcken und Rasterbrettchen. Der Erbauer der Orgel ist zur Zeit unbekannt.

1.Manual
Principal 8´ (Vielleicht ein paar Pfeifen erhalten, falls sie original sind)
Bordun 8´ oder 16´ (Holzpfeifen, vielleicht komplett)
Gambe 8´ (ein paar Pfeifen erhalten)
Portunalflöte (nicht mehr vorhanden, oder aus Holz?)
Aeoline 8´ teils 2f. (nicht mehr vorhanden)
Octave 4´ (nicht mehr vorhanden)
Flöte 4´ (teilweise, aus Holz?)
Superoctave 4´ (nicht mehr vorhanden)
Mixtur (?) 3fach (nicht mehr vorhanden)
Clarinette 8´ (nicht mehr vorhanden)

Pedal
Subbaß 16´ (Komplett)
Register 8´ (nicht mehr vorhanden)
Octave 4´ (nicht mehr vorhanden)
Durchschlag. Zunge 16´ (Becher fast alle entwendet, Zungen renovierungsbedürftig)

Kalkantenzug, Zimbelstern (nur noch der Stern vorhanden) Mechanische Traktur, keine Manualkoppel

Nur ein paar kleine Metallbecher sind vom 16´ im Pedal erhalten geblieben, die Zungen sind zum Glück fast alle vollständig erhalten, müssen aber aufwendig instandgesetzt werden.
Ich vermute einen Fagott (-bass) 16´, es würden dann aber die Becher nicht passen, die oben gedeckt sein sollen, mit seitlichen Bohrungen. Oder ist es ein Basson oder ein Äolodikon?
Leider hat sich der Pfarrer damals in den 1980er Jahren als Orgelbauer betätigt und hat vieles an der Orgel durcheinandergebracht, hat fremde, brutal zusammengelötete Pfeifen eingefügt, hat fürchterlich an der Orgel herumimprovisiert, gebastelt, nur um der Orgel ein paar Töne entlocken zu können.
Es würde mich freuen, wenn Ihr mit weiterhelfen könnt, die Orgel soll möglichst nächstes Jahr wieder spielen,
ich suche außerdem noch passende Register für das Instrument.

Auf den Fotos seht ihr die Orgel im heutigen Zustand (farblich in den 1980ern umgestaltet, mit dem, was an Farbe zu bekommen war, im Sozialismus), sowie die 16´-Zungen und die Zungenfüße (Kisten).

Einen schönen Tag noch und lieben Dank für die Hilfe!

Vargonautas

[
IMG_1788.jpg
IMG_1788.jpg (261.38 KiB) 357 mal betrachtet
IMG_1794.jpg
IMG_1794.jpg (225.86 KiB) 357 mal betrachtet
IMG_1811.JPG
IMG_1811.JPG (247.79 KiB) 357 mal betrachtet
P1350244.JPG
P1350244.JPG (241.67 KiB) 357 mal betrachtet
Zungen 01.jpg
Zungen 01.jpg (268.03 KiB) 357 mal betrachtet
Zungen 02.jpg
Zungen 02.jpg (278.11 KiB) 357 mal betrachtet
Zungen 03.jpg
Zungen 03.jpg (326.49 KiB) 357 mal betrachtet
Zungen 04x.jpg
Zungen 04x.jpg (271.68 KiB) 357 mal betrachtet
Zungen 05x.jpg
Zungen 05x.jpg (302.03 KiB) 357 mal betrachtet

kernspalter
Beiträge: 688
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Durchschlagende Zunge 16´ Name gesucht

Beitrag von kernspalter » Mittwoch 1. November 2017, 22:07

Das ist schwierig, wenn man nicht den Orgelbauer kennt und seine Gepflogenheiten, Register zu benennen.
Ich würde am ehesten auf "Basson" tippen.
Woher weiß man, daß die Orgel "um 1857" gebaut wurde?
Mit kernspalterischen Grüßen

Vargonautas
Beiträge: 65
Registriert: Mittwoch 7. November 2012, 18:38

Re: Durchschlagende Zunge 16´ Name gesucht

Beitrag von Vargonautas » Sonntag 5. November 2017, 16:15

Hallo Kernspalter,

die Kirche wurde 1856 erbaut, die Orgel soll schon "immer" in der Kirche gestanden haben. Oft sollte eine Kirche nach der Erbauung erst
ein Jahr lang austrocknen, bevor sie eine Orgel bekommt. Mir sind viele solcher Fälle aus dieser Region bekannt.
Die ältesten "Inschriften", also schriftlichen Hinterlassenschaften in der Orgel von Präzentoren oder Organisten sind von 1871.
Was aber nichts aussagt. Ich habe noch nicht alle Inschriften dokumentiert. Eduard Wittek, Orgelbauer aus Elbing, hat sich dort
auch verewigt.
Auf dem Registerzug der Zunge des Manuals steht Clarinette, auf dem Stock Trompete. Alles durcheinander...
Ich werde abwarten, wie das Register nach der Renovierung klingt. Und dann entscheiden, wie es heißen soll.
Posaune, Basson, Fagott...
Trotzdem lieben Dank für die Hilfe!

Gruß, Vargonautas

kernspalter
Beiträge: 688
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Durchschlagende Zunge 16´ Name gesucht

Beitrag von kernspalter » Montag 6. November 2017, 00:31

Vargonautas hat geschrieben:
Sonntag 5. November 2017, 16:15
die Kirche wurde 1856 erbaut, die Orgel soll schon "immer" in der Kirche gestanden haben. Oft sollte eine Kirche nach der Erbauung erst
ein Jahr lang austrocknen, bevor sie eine Orgel bekommt. Mir sind viele solcher Fälle aus dieser Region bekannt.
Die ältesten "Inschriften", also schriftlichen Hinterlassenschaften in der Orgel von Präzentoren oder Organisten sind von 1871.
Und oft reichte das Geld nach dem Kirchenbau nicht gleich für eine neue Orgel, und man mußte noch einige Jahre lang sparen. Aber mit 1856 und 1871 gibt es schon mal ein Zeitfenster.

Eduard Wittek, Orgelbauer aus Elbing, hat sich dort auch verewigt.
Das ist ja nicht gerade in der unmittelbaren Nachbarschaft.
Hatten die Elbinger Orgelbauer auch sonst in der Region zu tun? Eventuell auch schon August Terletzki?
Mit kernspalterischen Grüßen

Vargonautas
Beiträge: 65
Registriert: Mittwoch 7. November 2012, 18:38

Re: Durchschlagende Zunge 16´ Name gesucht

Beitrag von Vargonautas » Freitag 10. November 2017, 00:36

Moin,
August Terletzki, Nachfahre Eduard Wittek, baute die 17-Register-Orgel in Heydekrug (Silute). Die kenne ich gut.
Wittek, Terletzki haben über 400 Orgeln in Ostpreußen erbaut. Es gibt daher in der Region mehrere
Terletzki-Orgeln. Auch von Max Terletzki, Nachfahre Bruno Goebel.
Es kommen noch verschiedene Orgelbauer aus Polen, Litauen und Königsberg, Ostpreußen infrage.
Leider sind bis jetzt absolut keine Hinweise zu finden.
Ich hoffe, in einem Archiv in Vilnius etwas zu finden.

Gruß, Vargonautas

Antworten