Grüß Gott aus der Hallertau !

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grobgedackt
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Grüß Gott aus der Hallertau !

Beitrag von grobgedackt » Dienstag 23. Oktober 2012, 11:22

Die Hallertau ist bekannt für seinen Hopfen, liegt in einem Bereich zwischen Ober- und Niederbayern und hat -leider- keine große Orgeltradition. In der Kirche meines Heimatdorfs (jetzt ein Ortsteil von Au) wurde die musikalische Begleitung des Gottesdiensts im 19.Jahrhundert (nach der Überlieferung) durch den jeweiligen Lehrer mit der Geige und seine Frau - Gesang - bestritten. Erst zu Beginn der 1930er Jahre wurde eine Orgel (1/P) aufgestellt. Als etwa 1938 der Schullehrer, mit Hinweis auf eine staatliche Anordnung, das Orgelspiel quittierte, bat der Kooperator meinen Großvater, ob er nicht das Amt des Organisten übernehmen wolle. Dieser hatte vor seiner Verheiratung hin und wieder in Volksmusikgruppen Geige gespielt. Er beschaffte sich ein vermutlich gebrauchtes Harmonium, und brachte sich zum größten Teil im Selbststudium das Spielen selbst bei. Von nun an spielte er jeden Tag die Frühmessen, dann an Sonn- und Feiertagen die übrigen Gottesdienste und übte auch noch täglich mindestens eine Stunde nach seiner Arbeit als Wagnermeister. Über 30 Jahre versah er diesen Dienst, bis er 1971, durch einem Schlaganfall, von der Orgelbank fiel und noch in der Kirche verstarb.

Leider hatte mein Großvater seinen Kindern das Orgelspielen nicht beigebracht, so daß mit ihm die musikalische Tradition in meiner Familie abriß. Als Kind "klimperte" ich ein wenig auf dem verwaisten Harmonium, aber an einen Unterricht dachte niemand, auch ich nicht.
In den 90er Jahren begann ich mich für Musik zu interessieren, ich machte gemäßigten Tekkno mit einem Softwaresequencer auf dem PC, später legte ich mir einige Synthesizer zu, schraubte an neuen Klängen und Arpeggios, aber so richtig auf den Tasten spielen, da fehlte einfach die Motivation des Übens, ich steuerte alles per MIDI an. Ein paar Jahre später machte ich dann mit einem Freund in einer "Band" eine Mischung zwischen Synthiepop und Gothic, wieder hauptsächlich mit dem Sequencer, wobei ich der Sänger war. Nach einem Auftritt 1996 vor etwa 200 Leuten, bei einer OpenAir Party, der ein ziemlicher Erfolg war, schlief die Sache aber ein, der Beruf wurde zunehmend wichtiger. Auch mein Musikgeschmack änderte sich, mehr Richtung Alter Musik und Klassik.
2004 stieß ich zufällig auf die Software "Hauptwerk", (Nachbildung echter Orgeln mithilfe von Samples, auf recht hohem Niveau, dürfte hier bekannt sein). Dadurch wurde mir immer klarer, wo ich eigentlich hin wollte: selber spielen und zwar auf echten Orgeln !
Ich habe mir schrittweise eine Konsole mit 4 Manualen und Pedal (zur Ansteuerung der Hauptwerk-Software) aufgebaut.
Seitdem habe ich, mit größeren Pausen, daran gearbeiten, mir ebenso wie mein Großvater das Orgelspielen so weit wie möglich selber beizubringen: zuerst mußte ich mir das Notenlesen beibringen (war am Computer nicht nötig!), dann die zugehörigen Tasten auf dem Manual finden, seit einem Jahr übe ich konsequent fast jeden Tag mindestens eine Stunde, bis dato spiele ich -leidlich- ganz einfache 2- und 3-stimmige Stücke manualiter, seit einem Monat etwa übe ich mit dem Pedal.
Ich hoffe eines Tages von der virtuellen zur realen Orgel wechseln zu können, weil mich deren Technik, der gewaltigere Klang, der oft schöne Prospekt, etc. anzieht. Allerdings möchte ich damit solange warten, bis meine "Spielkünste" so weit sind, das man es auch anderen Leuten zumuten kann :lol:

Mit den besten Grüßen

Michael
Zuletzt geändert von grobgedackt am Dienstag 23. Oktober 2012, 13:08, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Grüß Gott aus der Hallertau !

Beitrag von Administrator » Dienstag 23. Oktober 2012, 12:09

Hallo Michael,

willkommen in unserem Forum.
Das klingt ja so, als wärest Du der optimale Ansprechpartner, wenn jemand Fragen zu Technik, und vor allem Hauptwerk, hat. Vielleicht schreibst Du für unser Portal mal einen Bericht oder eine Anleitung dazu?

Um auf die "reale" Orgel zu wechseln, wäre doch nur ein ansprechbarer Kantor notwendig. Gibt es da nicht jemanden in Deinem Umfeld? Vielleicht erleichtert das den Wechsel von der virtuellen zur echten Königin?

Viel Spaß und guten Gedankenaustausch auf unseren Seiten wünsche ich Dir.

grobgedackt
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Re: Grüß Gott aus der Hallertau !

Beitrag von grobgedackt » Dienstag 23. Oktober 2012, 20:23

Administrator hat geschrieben: Um auf die "reale" Orgel zu wechseln, wäre doch nur ein ansprechbarer Kantor notwendig. Gibt es da nicht jemanden in Deinem Umfeld? Vielleicht erleichtert das den Wechsel von der virtuellen zur echten Königin?
Hallo !

Ich habe von einem Kirchenmusiker gehört, der etwa 20 km entfernt wohnt und Orgelunterricht gibt, einen Klavierlehrer gibt es vermutlich im Hauptort der Gemeinde, wäre also kein Problem. Ich bin nur ein schlechter "Schüler", d.h. ich lasse mir nur ungern etwas sagen, ich lerne lieber für mich selber, auch wenns dann länger dauert, aber dann auf meine Weise. Außerdem kommt mich die Lust zum Üben zu den seltsamsten Zeiten an, meist vormittags von 9 bis 10.30 wenn der Dienst später beginnt oder nachts um 22.00 bis 23.00.

Der Zugang zur realen Orgel in unserer Filialkirche ist mit einem sehr verständnisvollen Mesner kein Problem, und ich habe mich auch dort schon mehrmals ausprobiert. Zum Üben taugt mir "unsere" Orgel eher weniger, die Tastenbeläge sind schon sehr abgespielt (30 Jahre täglich von meinem Großvater und noch einige Jahre mehr, wenngleich deutlich sporadischer von Gastorganisten) und die Obertasten haben auch viel vertikales Spiel. Und Pedalspiel würde ich darauf nie lernen, weil die nicht höhenverstellbare Bank zu niedrig für mich ist und man auch nicht aufrecht auf ihr sitzen kann, da einem von hinten dann ein ausladender Prospektsims in den Rücken drückt. Aber sonst ist die Orgel wirklich großartig, noch ein bißchen spätromantisch disponiert (Register aus dem Gedächtnis: Principal 8, Gedeckt 8, Salicional 8, Vox Celestis 8, Violine 8, Prästant 4, Harmonieflöte 4, Quintflöte 2 2/3, Superoktave 2 , im Pedal ein Subbass (?)8 und ein Zartbass 8 ). Die Orgel wurde vor ein paar Jahren erst überholt, und befindet sich in einem klanglich ganz annehmbaren Zustand, abgesehen von einem Brummen, sobald man eines der Pedalregister zieht (ein teilweise offenes Ventil ?).
Auf der Orgel ein kleines Stück manualiter zu spielen macht mir schon Freude (obwohl ich von größerern Orgel und einem barockeren Klangbild träume), aber zum Üben ist mir meine Orgel im warmen Wohnzimmer doch lieber und spieltechnisch machen die Tastaturen (keine billigen Keyboards !) für mich keinen Unterschied.

Bezüglich der Hauptwerk-Software möchte ich auf die wirklich gute deutsche Infowebsite dazu verweisen - www.orgelbits.de - zwar zuletzt im Januar gepflegt, aber trotzdem - besser kann man es auch absoluten Computerlaien nicht beschreiben.
Einzelne Fragen zu dem Thema beantworte ich aber natürlich gerne !

Grüße

Michael

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