Ein Franke stellt sich vor

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alexander_wunderlich
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Ein Franke stellt sich vor

Beitrag von alexander_wunderlich » Montag 22. Oktober 2012, 22:05

Grüß Gott aus dem westlichen Mittelfranken, genau gesagt aus dem Bezirksregierungshauptstadt Ansbach. Mein Name ist Alexander Wunderlich, ich bin beruflich nichtmusikalisch sondern medizinisch tätig und bin Facharzt für Chirurgie. Seit meiner Kindheit bin ich von Orgel begeistert und trotz einiger anfänglicher Schwierigkeiten kam ich doch zum Orgelspiel. Letzlich dank Bemühungen unseren KMDs wurde die Orgel zu der ich Zugang hatte entfernt und seither bin ich nur sporadisch in Nürnberg (Friedenskirche) an der Orgel anwesend. Orgelspiel und Orgeltechnik interessieren mich weiterhin und ich hoffe, mich irgendwann wieder mehr der Orgel zu wenden. In der Zwischenzeit beschäftige ich mich (musikalisch) mit dem Cembalo. Ich bin in Besitz von einem 2-manualigen Cemablo (Lindholm), das ich auch bearbeitet und verändert habe.
So wäre meine kurze Selbstvorstellung. Fragen werden (fränkisch untypisch) gerne beantwortet.

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Re: Ein Franke stellt sich vor

Beitrag von Administrator » Dienstag 23. Oktober 2012, 12:06

Lieber Alexander,

herzlich willkommen in unserem Forum.
Zu Deinem Vorstellungstext habe ich gleich eine Frage: Was war da mit der Orgel, zu der Du nun keinen Zugang hast? Ist die weggekommen? Oder durftest Du nicht mehr?

Orgel und Chirurg ergänzt sich ja eigentlich sehr gut. Ich denke da an Herrn Trappe, der schon mehrere CDs aufgenommen hat. Wer weiß - vielleicht gibt es irgendwann von Dir CDs mit Cembalo-Einspielungen?

Ich wünsche Dir viel Spaß und guten Austausch in unserem Forum.

alexander_wunderlich
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Re: Ein Franke stellt sich vor

Beitrag von alexander_wunderlich » Dienstag 23. Oktober 2012, 19:25

Hallo!
Danke für herzliche Begrüßung.
Zum Thema Orgel - eine komplizierte und m. E. recht unschöne Geschichte. Diese wurde in dem Forum eigentlich noch nicht so recht vorgetragen, dann mach ich es mindestens skizziert.
Es stand in der Kirche St. Gumbertus in Ansbach eine Orgel von Steinmeyer (BJ. 1961), als neobarockes Instrument mit leichtem Hang zur Orgelbewegung und einigen romantischen Stimmen. Und diese Orgel war ein Dorn im Auge für hiesigen KMD, der sie zu schwach, technisch schlecht und nach nichts klingend empfand. Er tat es zwar alleine konnte aber im Laufe der Zeit (organisatorisches Talent hat er ja unbestritten) einige gewichtige Leute auf seine Seite zu reißen. Es biltete sich auch eine Gegenbewegung, der Streit wurde auf vielen Ebenen geführt, viele Argumente wurden präsentiert, anhand der Orgelstreit in Ansbach verfasste Rudolph Mayer seine "Deklaration der Orgelrechte" (diese wurde vom Verfasser in einer Sitzung vom sog. Gegenverein persönlich vorgetragen). Letzlich kam Beschluß des Kirchenvorstandes für einen Neubau, und zwar rekonstruktiven Neubau einer Orgel aus dem Jahre 1738 von Wiegleb. Auch wenn keine Pfeiffen der recht großen Orgel (47 Register) erhalten geblieben sind. Trotz unserer Bemühungen das Steinmeyer-Instrument zu retten schaffte Orgelbauverein die fast 2 Mio. Euro zu sammeln und so wurde die Steinmeyer-Orgel von Dr. Lampl in Valley erworben, abgebaut und im Speicher des Schlosses zu Valley eingelagert. Dort liegt sie immer noch. Die neu entstandene "alte" Wiegleb-Orgel steht natürlich nur dem KMD zu Verfügung und noch Gastorganisten. Klanglich überzeugt mich die jetzige Orgel nicht (kein Freund von 12-fachen Terzmixturen und nur einer 16' Zunge im Pedal), also bemühe ich mich auch nicht, an diese Orgel zu kommen. So bleibt nur gelegentliches Spielen wie erwähntin Nürnberg und sonst (man hat ja Bedürfnisse) das Cembalo. Der Orgel trauern viele noch nach, aber was weg ist, ist weg. Überigens wurde die neue Orgel schön kritisch (Schadensfreude komm auf) in Orgelführer Deutschland Band 2 vorgestellt. Ich denke, dieses Thema werde ich im Forum ausgedehnter präsentieren und zur Diskussion stellen, es passiert häufig genug und in meinen Augen ist es Rückschlag im Orgelbau, wie auch Täuschung der Zuhörer (und Organisten) nach dem Motto: Schaut, wie schön die alte Orgel ist, ja weil die alt ist, auch wenn sie eigentlich neu ist, aber nach alten Prinzipien und alter Disposition gebaut und mindestens deswegen schön sein soll.
Es ist aber meine persönliche Meinung, gut noch von paar Dutzende Menschen. Vielleicht werden diese Menschen mehr, dann werden die Orgeln der Nachkriegszeit von der Zerstörung bewährt. Romantische Orgeln bauen wir wieder nach...
Also, viele Grüße, Antworten sind willkommen.

Hausorgler
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Re: Ein Franke stellt sich vor

Beitrag von Hausorgler » Freitag 26. Oktober 2012, 17:44

Solches passiert leider immer wieder. Ich könnte von einem ähnlichen Fall berichten. Auch hier führte dies dazu, daß das neue Instrument plötzlich nur noch dem Platzhirsch zur Verfügung stand und die anderen Spieler ausgebootet wurden. Da wird auch gerne vergessen, daß Orgeln nicht das Privateigentum Einzelner sind.
Was die Zerstörung neobarocker, orgelbewegter Instrumente anlangt: ich wundere mich schwer, daß man so gar nicht aus der Geschichte lernt. Sonst könnte man ja leicht sehen, daß sich die Muster wiederholen: Nach ca 50 Jahren werden die Instrumente schlecht geredet. Die Stereotypen sind bekannt: Schlechte Materialien, schlechte Verarbeitung, schlechte Mensuren. Leider ist es häufig so, daß später der Wert der so vernichteten Instrumente durchaus erkannt wird. Wenn wir noch ein wenig warten, werden wir Rekonstruktionen von neobarock-orgelbewegten Instrumenten bejubeln. Der einst verachtete romantische Vorgängerstil kommt ja bereits wieder zu seinen Ehren: http://www.baumhoer-orgelbau.de/Aktuell ... ojekt.html

Viele Grüße (momentan auch aus dem Frankenland)
Hausorgler

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schneckenturm
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Re: Ein Franke stellt sich vor

Beitrag von schneckenturm » Donnerstag 15. November 2012, 02:09

Hallo Ansbacher Orgelfreund,
die berühmte Wiegleborgel - es war eine jahrelange heftige Auseinandersetzung.
Das habe ich auch in Feuchtwangen mitgekriegt.
Herzlich willkommen - schon wieder ein Westmittelfranke.
Evtl. sieht man sich mal auf irgendeiner Orgelbank:
ich spiele in Feuchtwangen zur Aushilfe, weil bei uns die Organisten auf der Roten Liste stehen.
;-)) . Bis vor einiger Zeit spielte ich im Dinkelsbühler Münster die große Rieger ( 58/ III ).
Da gab es aber - neutral ausgedrückt - ziemliche Verwerfungen. Naja. .... :-((
Grüße
schneckenturm
die einzigartigen Ebracher Chororgeln sind restauriert.
Ideal für Orgelduette. Gibt es Konzerte ?

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