Orgelfan traut sich nicht ;-)

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Triforium
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Beitrag von Triforium » Mittwoch 13. April 2011, 12:26

"Ventus" ist der "Einschalter + Blasebalgaktivierer".

Interessant finde ich, dass in Notre Dame, Paris, zu Zeiten eines Widor u. Guilamt auch noch einen Kalkantenzug gab. Da es aber für den Blasebalg von Notre Dame 4 "lufttretenden Männer" brauchte, hatte wohl der Kalkantenzug eine andere Wirkung? :D

Gruß

Triforium

Silencium
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Beitrag von Silencium » Sonntag 1. Mai 2011, 21:56

Hallo allerseits,

ich darf mich nun auch endlich zum Kreise derer zählen die die Ehre hatten mal eine Orgel spielen zu dürfen und ich muss sagen es hat alle meine Erwartungen um Längen übertroffen. Ich habe gut eine Stunde georgelt und es war die mit Abstand kürzeste Stunde meines Lebens :lol:

Es ist einfach unbeschreiblich toll. Obwohl die kleine Orgel an der ich spielen durfte gerade mal 24 Register verteilt auf 2 Manuale und eine Pedalreihe hatte war es wirklich unglaublich facettenreich. Von ganz leisen zarten Tönen bis hin zum typischen donnernden Orgelsound. Und selbst meine sehr bescheidene Spielkunst klang auf der Orgel um längen besser als auf so einem armseligen Keyboard. Lustig fand ich auch, dass am Ende meines Gedüdels fast 10 Leute mehr oder weniger "zufällig" in der Kirche waren (die Kirche steht in einem kleinen bayerischen Dorf, wo so ziemlich jeder jeden kennt) und jeder hat mich mit großen Augen angeschaut als ich dann von der Empore gestiegen bin.

Ich hab neben klassichen Kirchenliedern wie Großer Gott wir loben Dich, Fest soll mein Taufbund immer stehen, Unser Leben sei ein Fest etc. auch bisschen rockigere und popigere Sachen gespielt (Nothing Else Matters von Metallica, Eye of the Tiger...) und ich finde dass sich gerade auch rockige Stücke super mit der Orgel umsetzen lassen.

So...jetzt will ich aber meine Euphorie mal wieder bisschen bannen.
Aber für mich steht eines fest...Orgelspielen macht süchtig :D Ich hätte stundenlang spielen können...

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Montag 2. Mai 2011, 17:15

*schimpf* 24 Register ist keine kleine, sondern eine mittelgroße Orgel *schimpf*

Kleine Orgeln sind einmanualig mit unter 10 Registern.

Und meine momentane "Hauptorgel" hat "nur" 17 Register, macht aber ebenfalls ordentlich Krach und ist die beste im Umkreis, weil hier alles Käffer sind, die sich entweder keine ordentliche Orgel leisten konnten oder wollten.

Also erfreue Dich an der Orgel und wenn die auch noch Zungenregister hat, jubiliere. Andere Leute wären froh, eine Orgel mit 24 Registern zu haben!

Viele Grüße

Ippenstein

Silencium
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Beitrag von Silencium » Montag 2. Mai 2011, 19:11

Oh, ich bitte vielmals um Verzeihung *g*. Aber verglichen mit einer Domorgel ist sie dann doch wieder klein :wink:

Aber Zungenregister hat sie reichlich...und ich muss gestehen ich bin auch eher ein Fan von diesen schrillen Orgelklängen als von diesen winselnden Registern, weshalb ich auch zu 90% Vollgas gespielt habe. Aber es gibt auch Stücke bei denen man das lassen sollte da es sonst für das Liedchen bisschen "too much" wird.

Womit ich noch bisschen koordinatorische Schwierigkeiten habe ist ganz klar das Pedalspiel. Das hab ich vorher noch nie gemacht, deshalb hink ich da beim spielen im wahrsten Sinne des Wortes auch ziemlich hinter her.
Aber das kann man halt auch schlecht "trocken üben".
Was man aber machen kann ist passendes Schuhwerk anziehen und nicht so wie ich die breitesten Quadratlatschen *mit mir selbst schimpf* :D

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Montag 2. Mai 2011, 22:40

Ich habe mal in St. Lorenz Nürnberg gespielt (3 Orgeln, 144 Register).
War nicht so prickelnd wie die "kleine" (3 Manuale, 35 Register) in Göttingen oder Vierzehnheiligen (4/68).

Die Vielzahl der Register reißt es noch nicht, sondern nur im Zusammenspiel mit der Akustik. So spiele ich demnächst eine Hochzeit im Dom. Es ist nett, da mal ranzukommen. Aber, da man in der Orgel sitzt, wird das Hörerlebnis für den Organisten gar nicht so die Wucht sein...

Grüße

Ippenstein

Ronald Henrici
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Re: Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 18. Juni 2011, 21:24

Ich kann Dir nur Mut machen, habe wie Ippenstein auch autodidakt angefangen und habe bis heute noch keinen "Nachweis". War auch nicht nötig. Die Hartnäckigkeit und gutes Orgelspiel brachte immer wieder viele Orgeln in Deutschland und Belgien unter meine Füße und Hände. Inzwischen mache ich schon 55 Jahre Organistendienst in allen Variationen und mit allen möglichen Orgeln, am liebsten mit allen Pfeifenorgeln der Welt.

Also: nicht aufgeben ! Hartnäckig bleiben ! Freundlich bleiben!

Zum Lobe Gottes Orgel zu spielen darf man sich immer trauen.

Du wirst sehr schnell erkennen, daß Du auf offene Ohren und an offene Orgeln kommst, meistens da, wo der Organist/Kirchenmusiker der Gemeinde nicht selbst unsicher oder verunsichert ist . Oder Konkurrenz befürchtet.

Mit bestem Gruß von mir, einem Orgelspieler, dem es immer wieder in Fingern und Füßen juckt, wenn er irgendwo eine Kirche betritt und allein schon einen Blick auf adas Instrument wirft.
Inzwischen habe ich auch die "Schlüsselverstecke" ausfindig gemacht bei manchen Orgeln, selbst versteckte Motorschalter sind mir inzwischen seit Jahren nicht mehr tabu, auch wenn ich gelegentlich statt den Orgelmotor die Glocken angestellt hatte, diese aber sehr schnell wieder abstellte: Sorry, es war der falsche Schalter !

Bei den vielen Orgeln, die ich kennenlernte, war es wirklich eine Seltenheit, daß mir evtl. der Küster/die Küsterin, der Messner/die Messnerin aus unerfindlichen Gründen den Strom abgestellt hat.

Die Orgel als Imnstrument verfolgt mich mein Leben lang, und das hat auch heute nicht aufgehört.

Gruß

Ronald
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elsenp
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Re: Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von elsenp » Montag 15. August 2011, 14:42

Zum Thema Einschalter nicht gefunden:

Vertretung gemacht an einer Orgel, die ich seit mindestens 25 Jahren nicht mehr gespielt hatte und inzwischen "modernisiert" wurde.

Ich erhielt vom Küster den Schlüsselbund (!) für den Organisten.

1. Empore aufschließen
2. Spieltisch an der linken Seite aufgeschlossen.
3. Spieltisch geht nicht auf! Überall geschaut: Ahh!! Es gibt noch ein 2. Schlüsselloch an der rechten Seite!
4. Spieltisch geht jetzt auf.
5. Drücke auf den Schalter "Motor ein" - nix passiert.
6. Überall gesucht und schließlich noch einen Schlüsselschalter gefunden, in den der 3. Schlüssel vom Schlüsselbund passte. Strom eingeschaltet. Kontrolleuchte geht an.
7. Am Spieltisch wieder "Motor ein" gedrückt - Die Bälge knarzen - also Windmaschine läuft.
8. Habe aber noch kein Licht.
9. Schalter am Spieltisch links gefunden - Pedalleuchte geht an!
10. Schalter am Spieltisch rechts gefunden - Notenpultleuchte geht an!
11. Jetzt kann ich tatsächlich auch spielen...

So kanns auch gehen. Erinnert mich ein bisschen an Fort Knox...

Grüße
Peter

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schneckenturm
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Re: Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von schneckenturm » Montag 15. August 2011, 15:20

Hallo,

dein Bericht klingt sehr realistisch. Es gibt halt Küster/Mesner. deren Hobby es ist, einige Stolpersteinchen einzubauen. Solange du weiterkommst ist das auch nicht bösartig, aber lästig.
Sobald du es mit veränderten Schlössern zu tun hast, wird es tatsächlich manchmal bösartig.
Dann suche schnell das Weite -lohnt den Kampf nicht.
Aber es gibt auch welche, die dir den Schlüssel zum Aufgang geben und sagen: die Orgel ist auf.
Prima - "der Herrgott hat eben einen großen Tiergarten" Spruch meiner Großmutter.
die mit der "offenen Orgel" sind in der Überzahl.
Viele Grüße
U. M.
die einzigartigen Ebracher Chororgeln sind restauriert.
Ideal für Orgelduette. Gibt es Konzerte ?

Ippenstein
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Re: Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von Ippenstein » Sonntag 21. August 2011, 12:19

Das witzigste war für mich immer noch die Orgel in der Lorenzkirche Nürnberg:

Erst mal mit dem Schlüssel die ganze Spieltischanlage (Rolladen für den Spieltisch, Klappe für die Sitzbank) elektrisch hochgefahren. Danach mußte jede Orgel mit zwei Schaltern (Traktur - Motor) gekoppelt werden. Aber das hat auch etwas erhabenes. :D

Grüße

Ippenstein

Ronald Henrici
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Re: Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von Ronald Henrici » Montag 22. August 2011, 21:43

Zu Ippensteins Erfahrungen kann ich weiteres Kurioses mit Orgelspieltischen mitteilen.
Es war im Jahr 1963 im November, für die Weihnachtskonzerte des Bielefelder Kinderchores stand die Zungenstimmung an der Orgel in der Oetkerhalle (III/P/54) an, was über Nacht geschehen mußte, weil tagsüber ständig im Saal Veranstaltungen waren. Zu Stimmen der 14 Zungen wurde ich auserkoren, zu dem Vorgang war ich das erste Mal in besagter Konzerthalle. nachmittags zeigte mir schließlich der Hausmeister, wie ich in den Pfeifenraum der Orgel komme und tat mir kund, daß in der Elektrik etwas nicht stimme.
Nun ran ans Werk - das ging aber erst nach 23 Uhr, weil vorher in der ganzen Zeit der Saal belegt war.
Nun ich kam um 23 Uhr wieder, und der Hausmeister ging nach hause. Er tat mir nur kund, daß um 24 Uhr als Tastenhalter jemand aus dem Haus Oetker (dem Besitzer der Orgel) kommt. Folglich blieb mir noch die Zeit, auf der Orgel zu spielen...
Aber! Wo ist der Spieltisch ? Auf der Orchesterbühne war keiner, im Orgelraum selbst war keiner. Ich suchte und suchte...bis ich dann auf den Gedanken kam, mit Taschenlampe die Verlegung des Orgelkabelstanges zu verfolgen, zwischen Seitenverkleidung des Saales und Mauer des Saales. Da gab es in ganzer Orchesterbühnenbreite einen 1,5 m breiten Gang, auf dessen Boden das Orgelkabel verlegt war. Glücklich, endlich ans Spiel zu kommen, fand ich schließlich am Ende des Ganges den Orgelspieltisch im Dunkeln. Schön, dachte ich und setzte mich dran, Spieltischschlüssel war nicht notwendig, das Rollo ließ sich so betätigen, Orgelmotorschalter war wie vermutet rechts im Spieltisch, ich zog Register im Dunkeln nach Schein der Taschenlampe ... und entlockte dem Instrument tatsächlich Töne.
Aber die waren alle sehr gedämpft zu vernehmen, und bei Spiel mit allen Registern klang es so als wäre das gesamte Werk mit einer dicken Styropur - Hülle umgeben...
Nun die Not war bald beendet, denn der Tastenhalter kam durch eine breite Nebentür von der Orchesterbühne her und wunderte sich, daß ich im Dunkeln saß.
Nun zu Zweit haben wir dann den Spieltisch durch die breite Tür aus die Orchesterbühne geschoben, bzw. gerollt ... und die Arbeit konnte beginnen.
Wie gesagt, manches geht auch ohne Schlüssel, aber mit Taschenlampe und Wegführer, sprich Kabelstrang.
Auch hier möchte ich betonen..... Orgeln haben immer wieder Überraschungen und etwas Faszinierendes...
Gruß an alle Orgelfreunde
Ronald
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Ronald Henrici
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Re: Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von Ronald Henrici » Samstag 12. Januar 2013, 19:49

Als 16jähriger habe ich auf einer mir nicht ganz fremden Orgel spielen dürfen.
Lutherkirche Köln - Nippes, Orgel 1895, II/P/17, Orgelbaumeister Ernst Seifert, Köln Mannfeld, Orgel original erhalten, nur Gebläsemotor aus dem Jahr 1925 neu.
sechs Wochen lang Passionsandachten, donnerstags abends, 20 Uhr.
damals habe ich da einen generalmusikdirektor a.D. vertreten dürfen, der seit Wochen schon wegen Krankheit in einer Klinik außerhalb Kölns lag. Bei einem Besuch bei ihm im Krankenhaus hat er mich bestens informiert über Zugang, Schlüssel, etc. zur Orgel.
Die Tücke des Objektes wollte es anders... Beim zweiten Donnerstag - Spiel wurde mir offensichtlich, daß der Küster der Kirche Aversionen gegen mich aufbaute, er gab mir die falschen Lieder, was aber noch rechtzeitig mit dem Pfarrer geklärt werden konnte.
Warum die Aversion ? Er hatte gehofft, ein Bekannter von ihm würde für den Organistendienst eingeteilt werden, das hat aber nicht geklappt.
Der dritte Donnerstag ging glatt, da hatte der besagte Küster keinen Dienst, aber der vierte Donnerstag...
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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