Orgelfan traut sich nicht ;-)

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Silencium
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Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von Silencium » Dienstag 5. April 2011, 20:59

Hallo zusammen,

schon seit meinem 7. Lebensjahr bin ich ein riesiger Fan der Orgelmusik.
Meine Eltern waren ganz erstaunt, warum ich jeden Sonntag freiwillig - meistens sogar ganz allein :D - in die Kirche gegangen bin. Und bis heute hat die Orgel auf mich eine unbeschreibliche Faszination. Ich habe schon seit ich mich zurück erinnern kann auf meinen verschiedenen Keyboards Kirchenlieder mit Orgelsound nachgespielt und mache das auch heute noch gerne. Viele Kirchenlieder kann in und auswendig - mit Begleitung - spielen. Bis heute hatte ich jedoch leider noch nicht die Ehre mal auf einer "echten" Kirchenorgel in die Tasten hauen zu dürfen - was ich sehr schade finde. Die Akustik - insbesondere durch das Pedalspiel muss unvergleichbar sein...

Ich hab mich wirklich sehr stark mit dem Thema auseinandergesetzt und auch ziemlich viel über Orgeltheorie gelesen, doch als ich mal an einer Klosterkirche nachfragte ob ich mal üben dürfte (auch weil ich schon öfter gebeten wurde auf Hochzeiten, Taufen etc. zu spielen) sagte man mir, dass das ohne Orgelkenntnisse nicht gestattet wird. Seit diesem Rückschlag bin ich ziemlich demotiviert und auch enttäuscht.

Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt...

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Dienstag 5. April 2011, 21:15

Hallo Silencium,

einfach mal überall nachfragen, ob nicht ein Nachwuchsorganist gebraucht wird.

Orgelkenntnisse? Ok... man sollte wissen, wie das Drum bedient wird. Aber das reicht dann auch schon fürs Reinkommen. Schließlich ist man ja am Anfang der Studiererei.

Gruß von einem, der sich die Orgelei auch selbst beigebracht hat und es immer wieder genießt, nach Belobigungen auf nicht vorhandene Scheine angesprochen zu werden.

Silencium
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Beitrag von Silencium » Dienstag 5. April 2011, 21:44

Hallo Ippenstein,

danke für die Antwort. Ich bin auch der totale Autodidaktiker. Also ich würde mir nach einer kurzen Einweisung über die Funktion und Aufbau der jeweiligen Orgel durchaus zutrauen nach kurzer Zeit ganz passable Ergebnisse zu erzielen.

Was ich allerdings auf keinen Fall will ist Unterricht von einem Orgelprofi und ich denke daran würde es scheitern. Kann mir nicht vorstellen dass man einfach jemanden so in die Tasten hauen lässt.

Und eine blöde Frage hätte ich da noch: Wer hat orgemäßig eigentlich das "Sagen" in einer Kirche? Der Organist oder der Pfarrer? An wen wendet man sich da am besten?

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Dienstag 5. April 2011, 23:46

Theoretisch ist der Pfarrer die letzte Instanz. Es ist aber unschön, den Organisten zu hintergehen. Mit diesem sollte man sich zuerst gut stellen. Der sorgt dann auch dafür, daß der Pfarrer abnickt. :wink:

Grüße

Ippenstein

Holger

Beitrag von Holger » Mittwoch 6. April 2011, 06:41

Tip: Geh doch mal wieder in die Klosterkirche an der Du so abgekanzelt wurdest zum Gottesdienst, schleich Dich auf die Empore und fang einfach mal ein freundliches Gespräch nach Ende des Gottesdienstes mit dem Organisten an - vielleicht läßt er Dich auch mal ans Instrument.

Kann sein dass Du damit auch erreichst, die Gelegenheit zu bekommen als Vertretung einzuspringen oder einfach mal ein Lied zu begleiten. Sei freundlich, zeig Interesse und rede auf Augenhöhe (zumindest was die Techni betrifft) mit dem Organisten.

Einfach nicht aufgeben, Mut haben, Fantasie beweisen und dann wird das schon.

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schneckenturm
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Re: Orgelfan traut sich nicht ;-)

Beitrag von schneckenturm » Mittwoch 6. April 2011, 08:26

Silencium hat geschrieben:Ich hab mich wirklich sehr stark mit dem Thema auseinandergesetzt und auch ziemlich viel über Orgeltheorie gelesen, doch als ich mal an einer Klosterkirche nachfragte ob ich mal üben dürfte (auch weil ich schon öfter gebeten wurde auf Hochzeiten, Taufen etc. zu spielen) sagte man mir, dass das ohne Orgelkenntnisse nicht gestattet wird. Seit diesem Rückschlag bin ich ziemlich demotiviert und auch enttäuscht.

Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt...
Hallo,
da möchte ich dir Mut machen, es von Zeit zu Zeit mit einer gewissen Hartnäckigkeit zu probieren. Dieses Abschotten erleben viele Orgelfans.
Da gibt es abstruse Argumente: z.B. die Orgel geht durch das Spielen und Üben kaputt oder solche Hirnrisse. Schlucke tief runter und probiere es woanders. Von zehnmal 'Klinkenputzen' ist mit Sicherheit ein- oder zweimal ein aufgeschlossener Organist oder Pfarrer dabei, der den Schlüssel rausrückt.
Natürlich gibt es auch gestörte Typen. Ich habe bei unserem Organisten Unterricht genommen. Er ging dann weg und die Nachfolgerin war furchtbar misstrauisch, hat sogar die Schlösser zur Empore austauschen lassen. Ich habe es dann einfach woanders versucht. Klar habe ich mich geärgert - aber dann einfach drüber weg und neue Möglichkeiten suchen. Viel Erfolg dabei wünscht
Schneckenturm
die einzigartigen Ebracher Chororgeln sind restauriert.
Ideal für Orgelduette. Gibt es Konzerte ?

thomas morus
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Beitrag von thomas morus » Mittwoch 6. April 2011, 16:14

Ich habe als nebenamtlicher Organist bisher extrem unterschiedliche Erfahrungen gemacht, was die Freigebigkeit von Verantwortlichen angeht, einen an eine bislang unbekannte Orgel zu lassen.

Entweder waren die Reaktionen sehr "restriktiv", also dann ging gar nichts, oder sie waren sehr offen und freigebig und haben ohne Probleme und Nachfragen den Schlüssel übergeben.

Silencium
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Beitrag von Silencium » Mittwoch 6. April 2011, 19:11

Vielen lieben Dank für die zahlreichen Antworten. Mit so viel Feedback in so kurzer Zeit habe ich gar nicht gerechnet.

Aber ich werde am Ball bleiben...in unregelmäßigen Abständen juckt es doch ganz schön in den Fingern *lach

Liebe Grüße,

Silencium

jbraki
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Würde dich gerne Spielen lassen

Beitrag von jbraki » Donnerstag 7. April 2011, 13:48

Hallo,

tja DE ist groß.
Sonst hätte ich gesagt schau mal vorbei.
Auch wenn nicht gerade eine 80 Register Domorgel habe.

Ich selbst bin als aktiver nebenamtler vor dem gleichen Problem.
Manche Orgel sind keine - das sind Hochsicherheitstresore.

Aber da gibt es auch ganz tolle Ausnahmen
z.b. Mainzer Dom / Wiesbaden Marktkirche wo ich spielen durfte
Highligt war Ingolstadt das Münster - obwohl das Treffen platzte organisierte der Hausorganist das ich trotzdem spielen konnte - Hut ab !
Gruß
jbraki

Silencium
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Beitrag von Silencium » Montag 11. April 2011, 22:31

Hi,

ich habe es jetzt durch einen mehr oder weniger komischen Zufall geschafft nach Ostern mal auf einer kleinen Kirchenorgel (2 Manuale) spielen zu dürfen.
Der einzige Haken daran wird sein, dass die Kirchengemeinde zurzeit ohne festen Organisten ist und auch niemand Zeit hat mir mal die Basics der Orgel zu erklären. Ich muss also selbst versuchen das ganze hinzubekommen ohne großen Schaden anzurichten. Theoretisch weiß ich eigentlich schon ganz gut Bescheid wie man so eine Orgel bedient und wie sie aufgebaut ist. Hoffentlich klappt das auch in der Praxis, nicht dass es schon am Einschalten scheitert :D

jbraki
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Einschalten ?

Beitrag von jbraki » Dienstag 12. April 2011, 09:53

Hallo,
da muss ich nun schmunzeln.
Spiel ja nun schon lange.
Aber es passiert schon mal ab und zu, dass ich wirklich nach dem Einschaltknopf suche.

Einmal suchte ich ein paar Minuten - hab ihn aber dann doch gefunden.

Wird schon klappen - und viel Spaß
Da Du ja kaum ins Gehäuse steigen wirst, kann eigentlich nichts schief gehen

Gruß
jbraki

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Dienstag 12. April 2011, 12:56

Das netteste: Den Calcanten-Zug als Motoreinschalter mißbrauchen. :D

Grüße

Ippenstein

Triforium
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Beitrag von Triforium » Dienstag 12. April 2011, 14:39

... mitunter heisst der Blasebalgaktivierer auch "Ventus". Kenn' so eine Kirche, wo der Orgelbauer sich das "erlaubt" hat.

Gruß

Triforium

Silencium
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Beitrag von Silencium » Dienstag 12. April 2011, 20:29

*Lach na immerhin. Aber mal ganz blöd gefragt: Wenn ich den Einschaltknopf finde müsste ich doch eigentlich gleich loslegen können (klar vorher noch das ein oder andere Register ziehen), also das einschalten müsste ja gleichzeitig die Luftzufuhr aktivieren oder sehe ich das falsch?

Ippenstein
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Beitrag von Ippenstein » Mittwoch 13. April 2011, 09:31

Nein. Jede Orgel ist anders.

Es gibt welche, bei denen man z.B. die Stromanlage für den Spieltisch und den Ventus jeweils gesondert anschaltet.

Dann kann es bei elektrischen Systemen sein, daß man erst den Knopf HW drücken muß. Sonst kommt gar nix, weil die Register nicht angewählt sind. Usw...

In der St. Lorenzkirche steuert man über den Hauptspieltisch ja drei Orgeln an. Zuerst muß man ihn mit dem Schlüssel über Motoren öffnen. Da geht dann das Licht automatisch an und der Spieltisch selbst steht unter Strom. Man kann alles programmieren etc.
Dann muß man bei den drei Orgeln jeweils den Motor einschalten und dann noch die Ansteuerung aktivieren. Dann erst kann man spielen. (Natürlich reicht es auch, nur eine Orgel anzufahren).

Grüße

Ippenstein

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