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Salve!

Verfasst: Mittwoch 3. Mai 2017, 20:12
von Tra le sollecitudini
Guten Tag, ich bin der Neue!

Ersten »Klavierunterricht« erhielt ich im zarten Alter von 9 Jahren auf einer Philicorda. Lehrer war mein Großvater, seines Zeichens Militärmusiker (2. Hornist). Da man bald bemerkte, dass man auf einer Philicorda kein Klavierspiel erlernen kann, erhielt ich zwei Jahre später mein erstes Klavier. Als ich 12 wurde, und mein Großvater schon die Hoffnung aufgegeben hatte, dass ich jemals ein ordentlicher Musiker werden würde, erhielt ich Klavierunterricht von einem Kirchenmusiker. So dauerte es nicht lange, bis mein Interesse am Orgelspiel geweckt wurde und ich begann, täglich stundenlang an der Orgel zu sitzen und zu üben.

Viele Jahre war ich dann als hauptberuflicher Kirchenmusiker (zuerst im Erzbistum Köln, später im Bistum Trier) tätig. Im Laufe der Jahre zeigte sich zunehmend, dass meine Auffassung von einer würdigen Feier der Hl. Messe nicht kompatibel war mit der Auffassung der meisten Priester. Meine sich immer mehr steigernde Aversion gegenüber deutsch-katholischen Priestern endete damit, dass ich irgendwann an einem sonnigen Pfingstsonntag 10 Minuten vor Beginn des Hochamtes die Kirche verließ und dem Priester anheimstellte, den von ihm ausgesuchten Mist doch selber zu spielen. Dies bedeutete das Ende meiner Karriere als Hauptberufler im kirchlichen Dienst. Bereut habe ich diesen Schritt nie, mein an die katholische Lehre und Tradition gebundener Glaube ist mir wichtiger als eine Festanstellung.

Seit knapp 20 Jahren bin ich nun als »selbständiger Kirchenmusiker« unterwegs. Ich verdiene mein Geld durch das Orgelspiel bei Beerdigungen und durch die Erteilung von Klavier- und Orgelunterricht. Sonn- und Feiertags übernehme ich Vertretungsdienste, hauptsächlich bei den Protestanten; da rege ich mich nicht darüber auf, was diese im Gottesdienst veranstalten, ist schließlich nicht meine Kirche. Wenn ich katholisch spiele, dann nur noch im »außerordentlichen Ritus«, sprich tridentinisch, und da fühle ich mich dann auch ausgesprochen wohl.

Mal schauen, ob Ihr sojemanden wie mich hier gebrauchen könnt.

Re: Salve!

Verfasst: Dienstag 9. Mai 2017, 22:20
von Administrator
Hallo "Tra le sollecitudini" (uff, schwer zu schreiben),

willkommen im Forum. Natürlich können wir einen wie dich brauchen, denn Du bietest bestimmt ganz viele interessante Sichtweisen.

Es wirkt, als habest Du mit dem Abschied vom "Hauptamtlichentum" Deinen Frieden geschlossen, trotzdem tut es mir leid, dass da ein Glaube und die Liebe zur Musik so schwer zu kämpfen hatten. Wie schön wäre es doch, wenn die Gottesdienste allen Seelenheil schenken würden.
Musst Du denn in Deiner Umgebung lange suchen, um eine "ordentliche" Messe zu finden oder ist das eher unproblematisch?
Für alle, die sich mit den Begriffen schwer tun: Kannst - und magst - Du die Problematik der "würdevollen Feier" kurz erläutern?

Nochmals willkommen und fühl Dich wie zu Hause. Schreib gerne, wenn Dir was an Fragen unter den Nägeln brennt oder Du etwas loswerden möchtest. Und wenn Du Fragen hast, kannst Du auch mir jederzeit eine Nachricht schicken. Ich bemühe mich, zeitnah zu anworten.

Re: Salve!

Verfasst: Donnerstag 11. Mai 2017, 11:23
von Tra le sollecitudini
Ein herzliches Dankeschön für die nette Begrüßung hier im Forum!

Ich habe nicht nur meinen Frieden mit meiner damaligen Entscheidung getroffen, sondern bin davon überzeugt, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Es hat zwar vier bis fünf harte Jahre gedauert, bis ich wieder ein Einkommen hatte, das dem eines Hauptberuflers gleicht. Aber für jemanden wie mich, der sich schwer tut mit Bevormundungen jeglicher Art, ist eine freiberufliche Tätigkeit genau das richtige. Ausschließlich ich selbst entscheide seit 20 Jahren, wann und wo und vor allen Dingen was ich spiele. Und ich sehe mich selbst nach wie vor als "hauptberuflichen Kirchenmusiker", auch wenn ich nicht mehr bei der Kirche angestellt bin. Das Aufgabengebiet ist ja nahezu identisch.

Ordentlich gefeierte Hl. Messen im außerordentlichen Ritus (welch schönes Wortspiel!) habe ich in unmittelbarer Umgebung: In 200 Meter Entfernung eine Pfarrkirche, in der jeden Sonn- und Feiertag die Hl. Messe tridentinisch gelesen wird, und in ca. 10 km Entfernung eine Kapelle der Pius-Bruderschaft, in der täglich tridentinische Messen gelesen werden. Also, für mein Seelenheil ist bestens gesorgt!

Gibt es eigentlich noch jemanden hier im Forum, der auf die Begleitung von Hl. Messen im außerordentlichen Ritus spezialisiert ist? Da könnte man sich mal austauschen ...