Angemessen Kleiden

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Nana26
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Angemessen Kleiden

Beitrag von Nana26 » Mittwoch 18. Juli 2012, 01:26

Hi Freunde :)

Eine sehr nette Junge Dame hat mich letztens nach dem Gottesdienst angesprochen, das ihr mein Orgelspiel sehr gut gefallen habe. Ich habe mich natürlich sehr geschmeichelt gefühlt und wir sind ins Plaudern gekommen. Nach einigen belanglosen Themen hat sie mich dann gefragt, ob ich nicht auf ihrer Hochzeit in 3 Wochen die Orgel spielen würde. Ich habe natürlich eingewilligt und bin auch schon ganz aufgeregt. Ich weiß nur leider überhaupt nicht, was ich anziehen soll, da ich sowas zuvor noch nie gemacht habe. Was würdet ihr von einem einfachen, weißen Hemd halten? Oder ist das zu wenig? Es hat doch bestimmt schon mal jemand von euch auf einer Hochzeit die Orgel gespielt. Was habt ihr da getragen? Bitte um baldige Hilfe.

LG, Nana

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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von Administrator » Donnerstag 19. Juli 2012, 19:40

Hallo Nana,

eigentlich hängt die Kleidung davon ab, was Du vorziehst. Wenn Du gerne Krawatte und Anzug trägst, ist das sicherlich für diesen Anlass nicht schlecht. Wenn Du das eher ungemütlich und unangenehm findest, solltest du es meiden. Es bringt ja nichts, wenn Dein einziger Wunsch beim Orgelspielen ist, dass Du schnellstens aus den Klamotten rauskommst.
Also: eine für Hochzeit angemessene Kleidung, lässig, elegant, chic. Das kann auch ganz einfach Jeans, weißes T-Shirt und Sakko sein. Oder eine gute Stoffhose mit einem vernünftigen Hemd.
Wichtig ist einfach: Sauber und nicht abschreckend.

Also lass den Kilt lieber zu Hause.

olds
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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von olds » Donnerstag 26. Juli 2012, 21:27

Das nehmt ihr aber sehr ernst. :oops:

Diese Show-Events spiele ich wegen der Kohle. Mir ist ist es ziemlich egal, was die von dem da an der Orgel halten.

Wobei ich inzwischen bei Anfragen immer irgendwelche Termine habe und leider nicht spielen kann. 8) Also ich bekenne im Gespräch erstmal Interesse, kündige aber an, da wahrscheinlich keine Zeit zu haben. Stellt sich heraus, dass es ein interessantes Programm zu spielen gibt oder interessante Solisten zu begleiten sind ioder ich irgendwas zwischen 30 und 50€ abgreifen kann, ja, gerne. Ansonste mache ich dem Brautpaar klar, dass es wohl besser ist einen anderen zu suchen.....dieser Termin halt....., der macht die Sache so fürchterlich wackelig....... :cry: :lol:

Ich bin ein Freund der Gebühren-Theorie. Einmal heiraten würde bei mir 500€ Honorar für den Pfarrer kosten. Preis natürlich gestaffelt, je nachdem wie engagiert das Brautpaar sich bisher in die Pfarrei eingebracht hat.

Erstkommunion ebenfalls 500€, Taufen 150€

Alternativ könnte man Laien darin ausbilden den Traugottesdienst zu halten. 90% aller meiner Zuhörer die ich bei Hochzeiten bisher bespielte würden das nicht merken.

Ich kenne keinen geerdeten Priester, der bei 80% aller Hochzeiten nicht anfängt laut "Jööööööörrrrrrrrgk" zu rufen.
So´n paar wirklich heftig vom Geist Angehauchte meinen aber noch immer, dass sie da ein heilvolles Werk tun. :evil:

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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von Administrator » Donnerstag 26. Juli 2012, 22:50

Hallo olds,

natürlich nehmen wir das Ernst. Es ist wichtig !!
Ich behaupte mal, dass es nicht überall Show-Events sind, die nur das Bedürfnis nach "cool-Sein" befriedigen. Es gibt viele Paare, denen wirklich noch die Zeremonie und der Segen viel wert sind.
Auch ich spiele gerne Hochzeiten und freue mich auch über das Geld für meine Arbeit. Aber vor allem geht es mir darum, bei Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten, usw. die Leute mit guter Orgelmusik in ihrem Leben zu begleiten und ihnen mit der Musik auch etwas mitzugeben, was länger hält. Wie ein befreundeter Pfarrer mir sagte: "Nicht Unterhaltung, sondern Halt".

Ich habe das dumpfe Gefühl, dass bei Dir das Orgelspiel nur ein reines "Geldverdienen" ist. Aber sollte es nicht noch mehr sein? Ein Dienst an den Menschen und ein Vermitteln, bzw. Verkündigung? Du machst damit doch aus etwas, was heilig sein könnte, etwas sehr Gewöhnliches. Eigentlich schade.
Versuch doch mal, in den Dingen, die in der Kirche passieren, wieder das Heilige zu suchen und/oder ggf. auch darauf hinzuweisen. Die meisten Leute sind schon danach auf der Suche (auch manchmal die Pastoren), aber sie finden es nicht. Kannst Du ihnen da helfen?

olds
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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von olds » Freitag 27. Juli 2012, 00:29

Um das etwas genauer auszuführen. Ich komme vom Land und da kennt nunmal jeder jeden und spätestens vom Küster erfährt man, wie es mit der Einstellung des Paares zu Religion bestellt ist. Da weiß man dann, was man von der Sache zu halten hat. Bei vielen Bekannten konnte ich mir auch abseits der Planungen und der Durchführung der Feier ein Bild machen.
Mit welchen Aussagen man da zu tun hatte, das ist schon zum Speien. Z.b. kenne ich zwei Männer, einer davon ein damals enger Freund, da wurde der Kirchenaustritt extra hinausgezögert, weil sie wussten, dass ihre Braut ausrastet, wenn sie nicht vor´m Altar heiraten kann.

Was Hochzeiten angeht, habe ich bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich jede Illusion verloren. Bei den Ausnahmen bin ich aber auch angemessen erschienen.

Das mit dem Geld war/ ist es tatsächlich. Ich habe sogar mal ein halbes Jahr nur vom Nebenerwerbs-Spiel gelebt. Ging ganz gut, war aber noch im Elternhaus. Ansonsten spiele ich inzwischen mit Andacht und dem nötigen Eifer, keiner Angst!

Holger

Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von Holger » Freitag 27. Juli 2012, 06:31

@Olds->

Endlich einer, der aufrichig und ehrlich ist:
olds hat geschrieben:Das nehmt ihr aber sehr ernst.

Diese Show-Events spiele ich wegen der Kohle. Mir ist ist es ziemlich egal, was die von dem da an der Orgel halten.
:!: Wessen Lied ich spiel, dessen Brot ich will! :!:

Das lob ich mir.

Besonders hier auf dem Lande ist heute die kirchliche Trauung noch sehr wichtig, nicht wegen des Glaubens, nein, doch eher wegen der feierlichen Umrahmung in der Kirche und der schönen Gewänder. Geht auch ohne und ist sogar vor dem Finanzamt gültig!

Ich selbst meide solche Veranstaltungen, und da ich nicht im Gottesdienst Orgel spiele, eben als geladener Gast.

Olds, vielleicht hast Du Dich jetzt geoutet, was mich nicht im geringsten stört, da ich gleicher Meinung wie Du bin.

Und das dürfte wohl nicht "Gebühren-Theorie", sondern eher "Gebühren-Theologie" heißen :wink:

Schönen Gruß aus dem wilden Süd-Westen.

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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von Administrator » Freitag 27. Juli 2012, 09:44

Hallo Holger, hallo olds,

natürlich kann ich verstehen, dass manchmal Frust und Ärger bei z.B. Hochzeiten eher auftauchen. Auch ich erlebe, dass manches zur Show verkommt und es meist egal ist, was der Organist spielt. Aber trotzdem ...
Wenn keiner dagegensteuert und etwas Bewußtsein schafft, wird doch nur noch mehr auf Kirche verzichtet, alles wird weiter zusammengestrichen und diejenigen, denen es wirklich was bedeutet, stehen am Ende vor verschlossener Tür. Und das darf m.E. nicht sein. Also trete ich mich in den Hintern, spiele auch manche frustrierende Hochzeit, suche aber auch das Gespräch und den Dialog. Und das klappt manchmal erstaunlich gut. Wie ich schon schrieb: Den meisten ist kaum bewußt, wie wichtig auch die Zeremonie und der Inhalt sind. Aber wenn man es dann erläutert, tut sich doch was Positives.

Das ist nicht immer leicht zu erreichen, aber ich gehe mit viel mehr Freude und Motivation nach Hause.

olds
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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von olds » Freitag 27. Juli 2012, 22:35

Wenn keiner dagegensteuert und etwas Bewußtsein schafft,
"Wir sehen unsere Zukunft als Dienstleister."

Das hat mir mal unser damaliger Kaplan gesagt. Viele Mitbrüder in seinem Alter und auch unser Pfarrer würden die Zukunft des Priesterberufes als Dienstleistungsgewerbe sehen. Um eine engagierte mehr oder weniger gläubige Kerngemeinde scharrt sich eine gewisse größere Anzahl von Menschen, die im Leben nur zu bestimmten Anlässen die Nähe und Dienste eines Priesters und der Kirche benötigen.

Wenn dem so ist, bleibt mir nur der Protest. Dann brauchen wir das von Dir genannte Gegensteuern und Bewusstsein-Schaffen nicht mehr. Wenn andere Menschen gewisse Geldbeträge für ein frühbuddhistisches Metidations-Seminar nach Tradition der Großmeister aus dem Tal Robbukh, basierend auf linkdrehend geradeaus hüpfendenden Yoghurt-Kulturen, zahlen, dann bleibt mir nur eine Frage: Wieso sind die Christen nicht so ehrlich und sagen "Bitte zahle für Deine 90 Minuten religiöse Erfahrung, woanders kriegste das auch nicht kostenlos"?

Man kann es auch platter ausdrücken. Fahre ich viel Rad, habe aber nie die Sorge und den Aufwand betrieben und nie die wichtigsten kleinen Reparaturen erlernt, zahle ich für jede Dienstleistung im Fahrradgeschäft. Dann stehe ich etwas allein und blöd da.

Und um Dich zu zitieren. Mit Freude und Motivation, das sind die Messen die ich immmer wieder im Kirchenjahr erlebe, wo man merkt, dass alle mit dem gewissen Eifer bei der Sache sind oder wo man irgendwann von jetzt auf gleich merkt: "Heute gibt es was, gib Gas."

Ronald Henrici
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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von Ronald Henrici » Dienstag 24. September 2013, 22:44

In einigen Kirchengemeinden in den Niederlanden habe ich es schon erlebt. Wer in den Gottesdienst gehen will und die Kirche betritt, darf als Eintritt einen Obolus entrichten, einen Mindestbeitrag von 3,00 Euro.
Also man ist schon ganz offiziell dabei, sich die Dienstleistung Gottesdienst und Predigt bezahlen zu lassen. Schließlich entstehen ja auch Kosten für kirchbau, Orgel, etc.
Es gibt seit Jahrzehnten auch in Deutschland schon von Ort zu ort verschiedentlich Gebührenordnungen für Trauerfeiern, Beerdigungen, wobei die Dienstleistungen Pfarrer, Raumnutzung, Orgelnutzung, Organistengebühren etc. feste Bestandteile sind. das fällt nich so auf , weil diese alle in den Rechnungen der Bestattungsunternehmer untergebracht sind und die Angehörigen, die diese Rechnungen bezahlen müssen, aus Pietät dem Toten gegenüber da auch diese Gebühren akzeptieren.
So habe ich es als Organist auf dem Westfriedhof in Köln schon im Jahre 1962 erlebt, daß ich - wenn ich zum Orgelspiel vorgesehen war - vom Honorar eine Orgelbenutzungsgebühr zahlen mußte.
Daß ichdabei n angemessener Kleidung erschienen bin, war doch wohl selbstverständlich... :roll: :shock: :o :lol:
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

Holger

Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von Holger » Mittwoch 25. September 2013, 11:55

Es gibt seit Jahrzehnten auch in Deutschland schon von Ort zu ort verschiedentlich Gebührenordnungen
... und wozu zieht dann der Fiskus in Deutschland vom Kirchenmitglied eigentlich den Mitgliedsbeitrag ein und nennt den dann noch "Steuer", wobei ein Teil dieses Geldes auch wieder für die staatliche Dienstleistung dort hängen bleibt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenste ... utschland)

Ich bin zwar der Auffassung, dass dies nicht mit dem Grundsatz mit der Trennung von Staat und Kirche vereinbar ist, aber ich bin auch kein Verfassungsrechtler. Hier geht z.B. Frankreich einen weit konsequenteren Weg.

Zumindest der Pfarrer ist für Mitglieder ohne weitere Kosten bei den feierlichen Handlungen. Die anderen Gehilfen hierzu wohl nicht.

http://bestatterweblog.de/der-pfarrer-der-kost-nix/

oder vielleicht doch?

Axel
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Re: Angemessen Kleiden

Beitrag von Axel » Freitag 27. September 2013, 08:26

Wenn ich nicht zur Feier eingeladen bin, komme ich in ganz normaler Kleidung. Mich sieht ja es kaum einer auf der Empore. Wenn die Orgel ebenerdig steht, kann man über ein Sakko nachdenken.

Grüße
Axel

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