Vom Vertrauen unter Christenmenschen

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olds
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Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von olds » Sonntag 25. März 2018, 21:29

Es passieren Dinge, da fragt man sich doch ernsthaft, ob das noch so ganz von dieser Welt ist, was man erlebt.

Ich rutsche so nach und nach in die Rolle des Hauptorganisten in einem anderen Stadtteil. Passt für mich soweit, da deren Messplan zu meinen Verpflichtungen genau entgegensetzt ist.

Jetzt bin ich auch an der Erstkommunion im Dienst und gestern war großer Auflauf. Ich lernte die Gemeindereferentin kennen und wurde von ihr informiert, dass eine Sängerin etwas beitragen möchte und ich begleiten müsse. Die Mutter sei heute in der Messe, dann könnte man sich absprechen.
Beziehungsweise kündigte die Frau an, dass es eine Rundmail aller Beteiligten geben würde, damit wäre dann Kontakt möglich.

Die Mutter stellte sich etwa gleichaltrig heraus (also um die 40) und auf die Frage, wie wir das mit den Proben machen, meinte sie, es sei am einfachsten, wenn ich ihre Tochter - 15 Jahre, mit dem schönen Namen Fee - direkt über WhatsApp kontaktiere. Sie notierte mir deren Mobilfunknummer und meinte nur, dass Fee in den Ferien nichts zu tun hätte, also könne man mit Ruhe das - für den Begleitmusiker doch scheinbar anspruchsvollere Werk - proben.

Zu dem Zeitpunkt haben wir uns zwei Minuten gekannt, jetzt habe ich schon die Nummer der jungen Dame. Also Datenschutz, besonders was Teenager angeht, scheinbar nimmt man das in dieser Familie mal eher locker. Oder sehe ich als der Herr Organist so vertrauenswürdig aus?

Heißt es nicht umsonst immer wieder, dass gerade im Ehrenamt, in Vereinen und eben dann leider auch in der Kirche sich gewisse Vorfälle eher häufen?

Der Lehrer in meiner Hauptorgelgemeinde schüttelte dann heute morgen darüber mehr als den Kopf. Es sei in der Schule ein sehr gewichtiges Thema, Umgang mit persönlichen Daten, wem ich was herausgebe, welche Kontakte ich online annehme und welche nicht. Deshalb gelte sogar innerhalb der Schulband die strikte Abmachung, dass nur Mobilfunknummern und Emailadressen der Eltern in Umlauf geraten.

Bei der Kirche scheint das anders zu sein. Bin da wirklich ein wenig entsetzt.

Ippenstein
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von Ippenstein » Montag 26. März 2018, 06:50

Wenn man in der Kirche nicht erst einmal von einem Urvertrauen ausgehen kann, kann man die Kirche gleich zusperren.
Zudem wird Ihnen ja auch Ihr (guter) Ruf vorausgeeilt sein, weshalb Sie hier Vorschußvertrauen genießen.

kjz1
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von kjz1 » Montag 26. März 2018, 10:39

Offensichtlich hat die Mutter Sie ja als vertrauenswürdig eingeschätzt. Das ist doch ein wohlwollendes Zeichen.

tournemire
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von tournemire » Montag 26. März 2018, 10:48

Zu dem Zeitpunkt haben wir uns zwei Minuten gekannt, jetzt habe ich schon die Nummer der jungen Dame. Also Datenschutz, besonders was Teenager angeht, scheinbar nimmt man das in dieser Familie mal eher locker. Oder sehe ich als der Herr Organist so vertrauenswürdig aus?

Was hat das mit Datenschutz zu tun? Völliger Unsinn... Telefonnummern konnte man schon vor mehr als hundert Jahren in einem Telefonbuch nachschlagen. Also bitte keine Pferde scheu machen, wo gar keine sind :-)

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olds
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von olds » Montag 26. März 2018, 13:50

Es geht nicht um Vertrauen, sondern um Vorbild sein. Vorbild, dass auch ich als engagierte Christ gegenüber jungen Mitchristen leben sollte.

Selbst wenn die Mutter mir damit Vertrauen bezeugt, widerspricht ihr Verhalten dem, was in Schulen den jungen Menschen beigebracht wird auch Eltern vorleben sollten.

Die alte Regel "Nimm von fremden Männern keine Geschenke an! Gehe nicht mit fremden Männern weg!" gilt heute nur noch bedingt und wurde ersetzt durch Verhaltensregeln im Internet. Das zählt heute grob auch unter Datenschutz.

Es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, dass heutzutage viel Missbrauch über soziale Medien eingeleitet wird, beziehungsweise sich dort neue Betätigungsfelder ergeben, Stichwort "Sexting". Man muss sich nunmal nicht mehr physisch eines jungen Mädchens bemächtigen, um sich an ihr zu vergehen....

Voceumana
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von Voceumana » Montag 26. März 2018, 19:21

Krampf,
wenn ich die Nummer meiner Tochter, warum auch immer, herausgebe und diese mir dann einen Sexting-Versuch zeigt, bin ich in 10 Minuten bei der Polizei; egal, ob von einem Kirchenmitarbeiter, einem Lehrer, einem Kumpel.

Im übrigen, ich bin auch Lehrer, es spricht nichts dagegen, in dieser Situation der Mutter zu sagen: "Ey, ich will nicht die Nummer Ihrer minderjährigen Tochter, sondern die Ihrige." Warum haben Sie das denn nicht gesagt und sie mit Ihren Bedenken konfrontiert und evtl. dahingehend auch sensiblisiert und auch darauf hingewiesen, dass die der Schule erlernte Medienkompetenz nicht am Schultor aufhören darf, sondern für das Leben ist? DAS wäre mal eine pädagogische Nummer gewesen, aber hier im Nachhinein den Moralapostel geben..?
Was soll der Verweis auf Missbrauch im Ehrenamt, in der Kirche etc.? Was hat denn das damit zu tun? Missbrauch gab und gibt es überall, auch in Familien, mittelweile wird häufiger über "gewisse Vorfälle" (was für eine Formulierung :shock: ) gesprochen - gut so!

kernspalter
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von kernspalter » Montag 26. März 2018, 20:01

Ich hoffe mal, "Fee" ist nicht der Klarname, sondern *von der Redaktion geändert...
Mit kernspalterischen Grüßen

Ronald Henrici
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von Ronald Henrici » Montag 26. März 2018, 21:17

Bei Minderjährigen sin immer noch die Eltern die Ansprechpartner, auch wenn diese einfach Daten weiterleiten, und den Empfänger dieser Daten in die Gefahr eines vorgetäuschten Sexismus bringen. Was könnte die entsprechende Tochter doch eventuell anderes tun als im Vorfeld den gutgläubigen Organisten der sexuellen Belästigung zu bezichtigen. Aus dieser "Beklagung" kann der gutgläubige und vertrauensvolle Organist heutzutage schwer wieder herauskommen. Schuld daran wäte in dem konkreten Fall eindeutig die Mutter der Tochter !!
Gruß
Ronald
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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von olds » Dienstag 27. März 2018, 10:12

Klarname ist ein anderer. Die Mutter spricht von der Tochter als "meine Fee".

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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von olds » Dienstag 27. März 2018, 10:21

Ronald Henrici hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 21:17
. Aus dieser "Beklagung" kann der gutgläubige und vertrauensvolle Organist heutzutage schwer wieder herauskommen.
Inzwischen gibt es nicht umsonst die aus Sicht eines verständigen Menschen sehr kurios anmutende Regelungen.

In unserem Bistum benötigen sogar die Sakristane das große Polizeiliche Führungszeugnis, selbst wenn sie mit Jugendarbeit nichts zu tun haben.
Die gemeinsame Anwesenheit mit den Ministranten in der Sakristei genügt.

Von einer Konfirmantenfreizeit wurde mir berichtet, dass die weibliche Begleitperson ausgefallen war und der Pfarrer in der Kürze der Zeit keine Ersatzperson finden konnte.

Da auf entsprechenden Veranstaltungen die Pfarrer nicht mehr die Mädchenzimmer betreten dürfen, das gilt selbst für die Anwesenheit mehrere Mädchen und gegebenenfalls anderer Personen, kann man sich denken, wie die Sache lief. Die Jungs hockten die Nacht bei den Mädels und dem Pfarrer blieb nichts anderes übrig als vor der verschlossenen Tür zu appellieren und dann am Morgen die Freizeit zu beenden.

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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von kernbeißer » Dienstag 27. März 2018, 11:25

Also ganz ehrlich ich seh jetzt hier keinen Zusammenhang mehr mit einem Orgelthema.

hm. irgendwie schweift das nun weit ab, finde ich.

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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von Administrator » Mittwoch 28. März 2018, 16:45

... in "Sonstiges" verschoben ...
Herzliche Grüße

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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von olds » Sonntag 8. April 2018, 07:05

Nachdem ich zufälliger Weise die zuständige Gemeindereferentin getroffen habe, wurde ich gebeten, nichts mehr in der Sache zu unternehmen.

Die Familie sei für ihre chaotische Kommunikation bekannt und meine Aufgabe als Organist, der eigentlich zu einer anderen Pfarre gehört, sei es nicht, einer 15jährigen wegen Noten und Terminen nachzulaufen. Es sei jetzt ja bekannt, dass ich seit guten 10 Tagen auf eine Antwort des Mädchens warte. Sollte bis Anfang der Woche nichts passiert sein, würde sie dann "von Amts wegen" der Sache nachgehen.

Der Mama ihre kleine Fee hat mich dann tatsächlich gestern morgen angerufen, wir haben einen neuen Probetermin vereinbart und sie hat die Noten dann auch brav gewhatsappt.

Übrigens:
In einem Radiobeitrag zur Nutzung von Smartphones habe ich jetzt eine neue Diagnose aufgeschnappt. Eltern siedeln die Kompetenzen ihrer Kinder inzwischen höher an, als sie tatsächlich sind. Gerade was moderne Kommunikation und Selbstorganisation angeht. Zurück bleiben dann oft verstörte und überforderte junge Leute. Mami und Papi sind aber stolz, was ihre Kinder alles können - obwohl sie nichts können, sondern sich mit langfristig für die persönliche Entwicklung untauglichen Mitteln durchs Leben improvisieren.

Anstatt ordentlich gescannte PDFs habe ich jetzt ja auch nur Fotografien per WhatsApp. Das ist eigentlich geschludert, aber Mami und Papi sind halt stolz. Lerneffekt: Fotografieren und Whatsapp, 3 Emojis hinterher reicht, das reicht, wer braucht schon zuverlässige einwandfreie Noten für einen künstlerischen Vortrag......

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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von Administrator » Montag 9. April 2018, 08:21

Zumal das ja eine Art Kopie ist und damit u.U. illegal ...
Herzliche Grüße

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Re: Vom Vertrauen unter Christenmenschen

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 12. April 2018, 22:17

Bleibt nur die Frage offen, ob diese illegale Verfahrensweise von Kindern überhaupt strafrechtlich relevant ist...
Gruß
Ronald
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