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Domorganist em. Hans Ossing gestorben

Verfasst: Mittwoch 12. März 2014, 21:51
von tournemire
Ihr Lieben,
am Dienstag (11. März) ist Hans Ossing gestorben.
Nachfolgend ein paar Zeilen dazu:

Als Musiker und ebenso als Seelsorger hat er sein Leben lang die Menschen erreicht – mit den Klängen der Orgel wie mit dem gesprochenen Wort. Hans Ossing war Geistlicher und Organist quasi in Personalunion und amtierte von 1974 bis 1997 als Organist am Paulusdom zu Münster, wo er der liturgischen Musik wesentliche Impulse gab. Seine Originalität kam in seinen Kompositionen ebenso zum Ausdruck wie in seinen gottesdienstlichen Improvisationen, die man an ihm besonders schätzte. Im Jahr 1997 legte er das Amt des Domorganisten nieder – Hans Ossing trat in den Ruhestand, was den Orgeldienst anging. Seinen seelsorgerischen Aufgaben jedoch ging er weiter nach. Am vergangenen Dienstag (11. März) ist Dr. Ossing im Alter von 83 Jahren gestorben.

Domorganist zu werden, das war für ihn alles andere als geplant. „Ich bin da eigentlich so hineingeschlittert“, stellte Hans Ossing einmal nüchtern fest. Aus dem Assistenten von Domorganist Heinrich Stockhorst wurde 1974 dessen Nachfolger – und Ossing blieb es für ein knappes Vierteljahrhundert. Eine Zeit, in der die Orgelmusik in Münsters Kathedrale eine Aufbruchstimmung erlebte: Ossing als Anwalt vor allem der zeitgenössischen Musik.
Dieses Interesse trieb den jungen Mann schon viel früher an. Schon als Theologiestudent spielte der 1930 in der westfälischen Domstadt geborene Hans Ossing in den 50-er Jahren Musik von Olivier Messiaen, seine Kommilitonen hörten verwundert zu, während sich der Chef des Priesterseminars die Ohren zuhielt. Den großen Marcel Dupré hat Ossing bei Konzertreisen durch Deutschland begleitet und drang damit noch tiefer hinein in die französische Orgeltradition. Was bis heute kaum ein Mensch weiß: es war Hans Ossing, der entscheidend mit dafür gesorgt hatte, dass der völlig unbekannte Krzysztof Penderecki 1966 seine „Lukaspassion“ zum 700-jährigen Bestehen des Doms zu Münster komponieren und aufführen konnte. Über Nacht wurde der polnische Komponist damit weltberühmt. Mit ihm gemeinsam zog Ossing anschließend als Bildungsreferent durch die Lande und brachte den Menschen Pendereckis Musik nahe. „Immer mit dabei: ein schweres Tonbandgerät“, erinnerte sich Ossing vor einigen Jahren.
Das Leben des jungen Hans Ossing stand früh und lange auf der Kippe. Vier Jahre verbrachte er mit einer schweren Lungenkrankheit in Sanatorien in St. Blasien und in Davos – eine Zeit, in der er immer dann, wenn es eben ging, eifrig studierte. Dann die Zeit an der Uni Freiburg, der Wechsel nach Münster, 1961 die Priesterweihe. Die Musik ließ ihn nie los, in Köln promovierte er bei Karl-Gustav Fellerer im Fach Musikwissenschaft – und wurde zu einem Botschafter in Sachen Theologie und Musik. Ohne jedes Scheuklappendenken, egal ob es um Peter Janssens’ Neues Geistliches Lied ging – oder um fröhliche Schlager über kirchliche Themen, wie sie zur Karnevalszeit jahrelang Tradition im münsterschen Priesterseminar waren.
Hans Ossing war ein durch und durch ernsthafter Musiker, aber einer mit Humor und gewiss auch mit dem Schalk im Nacken. „Ich hatte immer eine gewisse Chuzpe“ – auch bei jener Bischofsweihe mit einem langen Ritus, den Ossing auf der Orgel zu überbrücken hatte - mit dem „Tanz der Fossilien“ aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“. Keine Frage: in Ossings Persönlichkeit steckte durchaus auch eine Prise Anarchismus. Und eine unerschöpfliche Liebe zu den Menschen, nicht nur als Musiker sondern auch als Seelsorger.